Ahasverlos

Vielscheckig locken heitre Möglichkeiten.

Ich bin bereit, der Stunde zu entschweben.

Ich brauche nur die Arme auszubreiten,

Um warme Freude an die Brust zu heben.

Die Kammer wächst sich aus zu hellen Weiten,

An die ich mein Erwachen könnte geben.

Doch nüchtern in die Dimension gebannt,

Verzuckt sich meine morgenkühle Hand.

Die Gegenstände werden laut, mit Stößen,

Und sind in Nähe rund und greifbar da.

Mich seiner schönen Lüge zu verflößen,

Bedrängt der Tag, kaum daß sein Strahl geschah.

Und, bald umgarnt von Netzen, nicht zu lösen,

Dem Strauchelnden schon höhnt sein Golgatha.

Doch Schwingen gibt es, silbern, lichtgewogen --

Schon stürzt's orkanisch siebenfarbenem Bogen!

Oh, dürfte ich an diesem Tische weilen,

In Schultern betten nachtumflortes Haupt:

Mit den Verlassenen meine Stätte teilen,

Wenn sich von Mitleid diese Stirn belaubt!

Nie braucht' ich mehr der Stunde zu enteilen --

Von keinem Winde würde ich beraubt!

Doch Blut will nicht mehr in den Venen rasten ..

Ich muß und muß ruhlos durch Wüsten hasten.

Ahasverlos! Find' ich den Bruder wieder,

Der einst mir seinen Jubel hingeweint --?

Aus Wolken breche ich in Schlachten nieder

Und bin dem Geist des Bösen ganz vereint.

Bis mich erweckt ein Duft aus nassem Flieder,

Da groß des guten Gottes Sonne scheint.

Heiß schießt ein Lavastrom durch dunkle Poren;

Ich schrumpfe hin .. Wann werd' ich umgeboren??

Gieß mich, du Wesen ungenannt und fern,

In ein Geschöpf, das dir am Saume wohnet,

Dem, kleinsten Kreis umschreitend, milder Stern

Des Monds den müden Abend süß entlohnet.

(Nichts ahnst du, treues Hündlein deines Herrn,

Der ungeheuern Schmach, die mich entthronet!)

Laß mich, mein Gott, im breiten Strom der Vielen

Mein kleines Tagwerk tun, um _dich zu fühlen_!

Erwachen und Bestimmung: Eine Station: Gedichte · 第 13 / 21 题