Vierundzwanzigste Szene.
(Tempel der Venus.)
An jeder Seite ein Thron, und in der Mitte des Hintergrundes das
Bild der Göttin auf Wolken schwebend, vor diesem Stufen. Dardonius,
Olinar, Astrachan, Abukar, Nimelot, Priesterinnen der Venus mit
goldenen Fackeln. Edle Herren und Frauen von Kallidalos sind im
Tempel versammelt, der König besteigt den Thron.
Kurzer Chor.
Seht, die Göttin ist uns hold,
Lieblich strahlt der Locken Gold,
Und ihr anmutsreicher Blick,
Kündet unserm Lande Glück.
Dardonius. Die Göttin ist uns hold, sie nahm die Opfer gnädig auf.
Nun führt den Helden dieses wicht'gen Tags vor meinen Thron.
Fünfundzwanzigste Szene.
Vorige. Simplizius mit einem goldenen griechischen Panzer
geschmückt und die große Eberhaut umhängend, wird von Edlen
hereingeführt.
Simplizius. Was s' mit mir alles treiben, jetzt nähn s' mich mitten
im Sommer in eine Eberhaut ein, da möcht' einer doch aus der Haut
fahren!
Dardonius. Edle Herren und Frauen von Kallidalos, hier steht der
kühnste Jäger seiner Zeit.
Simplizius. Ich wollt', ich wär's, ich jaget euch alle davon.
Dardonius. Ihm ward das Glück, das Untier zu besiegen, das unser
Land verwüstet hat. Nun könnt ihr kühn den Wald durchstreifen, und
eurer Felder Saaten sind durch ihn gerettet.
Simplizius. Aha, deswegen haben s' mich zum Feldscher g'macht.
Dardonius. Schon ruht auf seiner Stirn das Zeichen höchsten Ruhmes,
und seine Schultern deckt des Tieres rauher Panzer. Nichts gleichet
seinem Mut.
Simplizius (für sich). Mir steigen schon alle Ängsten auf, ich
schwitz' mich noch zu Tod.
Dardonius. Darum ist meines ganzen Volkes Hoffnung nur auf dich
gerichtet.
Simplizius (für sich). Nun, ich gratuliere.
Dardonius. Besteige jenen Thron und künde selbst, wozu ich dich
ernannt.
Simplizius. O verflixt, mir verschlagt's die Red', und ich soll
eine halten. Ah was, ich red' halt einen unzusammenhängenden
Zusammenhang. Volk über alle Völkerschaften, der König hat mich
unters Militär gegeben, und obwohl ich nicht das rechte Maß hab',
so fühle ich mich doch über alle Maßen gerührt und so ergriffen,
daß ich mich auf meinen Thron hier niederlassen muß, um alles zu
verschweigen, was mir meine Bescheidenheit nie zu sagen erlaubt.
(Setzt sich.)
Dardonius. Ich hab' zum Unterfeldherrn ihn ernannt. Du bist ein
größerer Held, als du ein Redner bist. Nun reicht den Fraun das
Myrtendiadem, wie ich es angeordnet habe, und laßt die Mädchen um
den Preis der Schönheit buhlen.
(Schmelzende Tanzmusik. Zwölf Mädchen, so gekleidet wie Aloe nach
ihrer Verwandlung, doch weiße Kleider mit roten Rosen geziert,
beginnen anmutige Gruppierungen vor dem Thron des Königs. Endlich
bildet die Gruppe ein Tableau, das in seiner Mitte einen Raum läßt,
in welchen Aloe tritt, die während den Bewegungen von Ewald mit der
Fackel hereingeführt wurde und die Gruppe schließt. Ein Knabe
bringt den Frauen die Myrtenkrone auf einem Kissen.)
Dardonius (mit Entzücken). Jene ist's, die einer diamantnen Rose
gleich die zarten Perlen überschimmert. (Er steigt vom Thron und
führt Aloe vor.) Ihr Frauen, krönet sie, nur ihr gebührt der Preis.
Simplizius (für sich). Die Alte hat sich ausg'wachsen, jetzt kauft
man s' für eine Junge.
Dardonius. Sagt selbst, welch Land hat solch ein Mädchen
anzuzeigen?
Die Männer. Erstaunen fesselt unsre Sinne.
Simplizius (für sich). Das ist der schönste Betrug, der mir noch
vorkommen ist.
Dardonius. Warum zögert ihr, geehrte Frauen, ist sie nicht eurer
Krone wert? (Pause.) Antwortet doch.