Und da habe ich eben den Mann genannt mit welchem Du so wie ich,

gleich von der ersten Stunde an bekannt seyn würdest wie mit einem

alten Hausfreund, meinen lieben ~Doctor Pruner~. Er ist von

Geburt ein Bayer; hat in München studirt; ist tüchtig als vielseitig

gebildeter Gelehrter, als vorsichtiger, glücklicher Arzt, und als

trefflicher Mensch. Ich glaube nicht daß in Europa jetzt ein Mann

lebt, der mit solcher Sprachkenntniß und so tief in die Literatur der

Arabischen Arzneikunde eingedrungen wäre; in seine Geschicklichkeit

als Arzt, die er hier an Mohamedanern und Christen erwiesen, hätte ich

(wie mir es die eigne Erfahrung einprägte) ein unbedingtes Zutrauen;

an Bescheidenheit, Milde und theilnehmender Herzensgüte gleicht er

Deinem Hausfreunde und Arzte dem guten +Dr.+ Caspari; sein Wesen

erinnert mich an das unsres theuren Julius Werner, unsres nahen Bluts-

und Geistesverwandten. Dieser treue Freund in der Fremde hat mich mit

brüderlicher Liebe hier in Kairo geleitet und belehrt; Lieder und ihm

verdanke ich am meisten die Bekanntschaft mit dem hiesigen Volksleben,

aus welcher die Mittheilungen meiner Briefe an Dich hervorgiengen,

denn so reich mich auch in dieser Hinsicht des Engländer Lane

treffliches, neu erschienenes Werk begabte, wäre mir dieses doch nur,

mehr oder minder ein todter Buchstabe geblieben, wenn mich nicht jene

beiden Freunde mit sich hineingeführt hätten in die eigne, lebendige

Anschauung[52].

Gleich in den ersten Tagen unsers Hierseins machten wir auch noch

eine andre Bekanntschaft, die mir fürs ganze Leben ein Gewinn seyn

und bleiben wird, die der Mrs. ~Holyday~ und ihrer älteren

Verwandtin. Beide wohnten damals mit uns in demselben Hauße und das

Gefühl von Frieden und innrem, heimatlichem Wohlbehagen, das uns hier

so bald anwandelte, war uns, so schien mirs, auch durch die Nähe

jener stillen, innigen Seele mitgetheilt oder vermehrt worden. Diese

geistvolle Engländerin scheint in ungewöhnlichem Maaße mit jenen

Lehrergaben ausgerüstet zu seyn, die sie hier in Kairo zu Nutz und

Dienst des Nächsten anwenden will[53].

Und was könnte ich Dir noch Alles von unserem brüderlich treuen,

liebevollen Hauswirth: von meinem theuren ~Lieder~ erzählen. Er

war uns hier vor allen andren Menschen ein Anhaltspunkt der Liebe,

welche in seinem guten, fruchtbaren Boden so tiefe, feste Wurzel

geschlagen hat, daß sie kein Sturm entwurzeln, keine Dürre entblättern

kann. Er ist ein Gefäß des Segens für viele Bewohner dieser Stadt, wie

ers für uns war.

Auch der edle ~Clot-Bey~, der Begründer so manches großen,

guten Werkes in Aegypten hat sich in meinem Herzen ein Denkmal

unvergänglicher Dankbarkeit begründet.

Außer den eben genannten Freunden lernte ich hier in Kairo noch einige

höchst interessante, auch für die Bewegungen unsrer Zeit höchst

bedeutungsvolle Landsleute kennen, denen ich die zuvorkommende Güte nie

vergessen werde, mit der sie mich behandelten. Aber mein Brief hat sich

schon bis zum andern Tage verzogen; morgen wollen wir schon reisen;

eben erwartet mich +Dr.+ Pruner, der mich noch mit dem Zustand der

hiesigen, sogenannten Apotheken (Droguisten oder Attarsläden) bekannt

machen will, und heute Mittag bin ich zu dem liebenswürdigen und

geistvollen Obersten ~Duhamel~, dem K. Russischen General-Consul

eingeladen, wo ich noch einmal den K. K. Generalconsul ~Laurin~

finden werde, dessen große Güte gegen mich, und vielseitige Kenntnisse

ich Dir schon früher gerühmt habe[54]. -- Du gutes Kairo, wenn schon

der Araber Jeden mit welchem er Brod und Salz aß, als einen Freund

betrachtet, dem Speer und Schwert nicht nur Schonung, sondern Schutz

und Gesellung schuldig sind; wie sollte ich dich ehren und betrachten,

da du mir nicht blos Brod und Salz, sondern von allen Seiten ein

Uebermaß von Liebe und Freundlichkeit gewährtest.

Meine theure Schwester, Du einzige noch lebende Genossin der Treue

unsrer Eltern, die uns beide gemeinsam ernährte und erzog; dein

Hadschi nimmt jetzt Abschied zur Reise in die Wüste. Er hat sich mit

keinem Sterbehemde versehen wie die türkischen Hadschis wenn sie nach

Mekka gehen, sondern mit einem Gewande das heißt Glaube, umgürtet von

freudigem Vertrauen. Sey unbesorgt um mich, ich weiß es gewiß Du wirst

mich noch in diesem Leben, mit Deinen Augen wiedersehen und mit mir Dem

danken der mein Schild und Schirm, wie meines Sehnens Ziel auf meiner

Reise war.

II. Die Reise durch die Wüste.

Reise über Bessatin, Suez und Tor nach dem Sinai.

Schon im Vaterlande, noch vor Antritt der Reise hatten mich

meines Freundes ~Karl von Raumer~ Untersuchungen über den

wahrscheinlichen, in der heiligen Schrift angedeuteten Weg der Heere

Israels durch die Wüste, deren Inhalt mir der Verfasser noch vor dem

Druck seiner Abhandlung[55] mittheilte, zu dem Entschluß geführt,

von Kairo aus nach Suez nicht die gewöhnliche etwas nördlichere

Karawanenstraße einzuschlagen, sondern über Bessatin zu gehen. Ich

wollte gern, so weit dies nur möglich, die Reise von Kairo an mit den

größesten, erhabensten Erinnerungen, welche die Geschichte darbeut,

Hand in Hand machen und überdieß hat auch der Weg, am südlichen Abhange

des Mokkatam hin ein höheres, naturhistorisches Interesse, als der

andre gewöhnlichere.

Der letzte Tag in Kairo war gekommen; meine treuen, jungen

Freunde hatten jene kostbaren Kisten, welche alle Früchte eines

sechswöchentlichen Fleißes, alle unsre in Aegypten gesammelten

Naturalien in sich faßten, zur Absendung nach Europa bereit gemacht;

der gute Doctor Roth war die ganze letzte Nacht thätig gewesen; noch

einmal hatten wir uns am gastfreundlichen Tische des theuren Lieder

geistig wie leiblich erquickt; jetzt um zwei Uhr des Nachmittags

waren auch die Kamele beladen und unser Tagwerk in Kairo geendet.

Freund Lieder und Gobat wollten uns bis Bessatin begleiten; auch ich

und die beiden Reisegefährtinnen hatten es vorgezogen, heute, wo man

es haben konnte, noch auf Eseln zu reiten und erst morgen den hohen,

unbequemen Sitz der Kamelrücken zu besteigen, unsre jungen Freunde

versuchten aber diese »Schiffe der Wüste« schon heute. Mit dankbarer

Rührung nahm ich Abschied von dem Hause in dem es uns so wohl ergangen

war; von unserem Zimmer das nun die theuren, seitdem aus Malta

zurückgekehrten Kruses wieder bewohnen, und begrüßte jedes uns lieb

gewordne Plätzlein mit dem Gruße des Friedens. Wir ritten schweigend,

im Geleite der Freunde noch einmal durch die große Stadt, neben der

Citadelle über den Romele und Ckara Meydanplatz zum Thore des Südens

hinaus. Außerhalb der Stadt führt der Weg an mehreren Grabmählern und

Moscheen der Moslimitischen Heiligen vorüber; zur Linken hat man die

nahe Aussicht nach dem Mokkatam zur Rechten die nach dem Nilthale und

den Pyramiden, gerade vor sich im Süden das majestätische Torrah. In

fast drei Stunden erreichten wir das ärmliche Dörflein Bessatin, über

dessen niedre Lehmhütten ein Palmenwald sich erhebt; zur Lagerstätte

für die bevorstehende Nacht wählten wir einen Platz welcher südwärts,

in einiger Entfernung vom Dorfe bei den Getraidefeldern lag, zwischen

denen reihenweise vereinzelte Dattelpalmen stunden. Nach einiger

Zeit sahe man die Kamele kommen, welche unsre jungen Leute sammt dem

Reisegepäck und dem Zelte trugen. Die Freunde, die uns aus der Stadt

begleitet hatten, verabschiedeten sich jetzt, wir blieben mit unsren

Erinnerungen und Hoffnungen allein. Die Kamele waren nun abgeladen,

unser so wie Herrn v. Krohns Zelt aufgeschlagen, wir nahmen von der

Nachtherberge Besitz.

In unsrer Nähe stunden einige elende, schmutzige Hütten, von leichtem

Zaunwerk umschlossen und von armen Landleuten bewohnt, deren halbnackte

Kinder bald zu unsren Zelten kamen, um sich da einige kleine Gaben

zu erbetteln. Sie erinnerten in ihrem ganzen Aussehen und Benehmen

sehr an die Zigeuner und einige unsrer Reisegefährten, welche schon

länger mit dem hiesigen Volke bekannt waren, sagten uns, daß solche

Kinder eine ganz besondre Anziehungskraft gegen alle, einigermaßen

werthvolle Gegenstände hätten, die nicht niet- und nagelfest sind;

deshalb wurde den Arabischen Knechten gute Aufsicht über die Sachen

empfohlen, zugleich aber ein friedliches Benehmen gegen die menschliche

Nachbarschaft, deren wir nun bei der Reise durch die Wüste oft und

lange entbehren sollten. Einige von uns, die den Anfang der Wüstenreise

kaum erwarten konnten, ergiengen sich noch nach Osten hin auf der öden,

grobsandigen und kiesigen Ebene, auf welcher wir schon einzelne Stücke

versteinerten Holzes aus jenen Ablagerungen der Holzsteine fanden, zu

denen der Weg des morgenden Tages uns führen sollte. Auch nach der

Rückkehr zu den Zelten genossen wir noch lange außen im Freien die

Frische der Luft und den Anblick der vom Monde beleuchteten Wüste,

und vielleicht wären wir gern noch länger geblieben, wenn wir gewußt

hätten, daß uns drinnen im Zelte, auf dem gerade nicht sonderlich

bequemen Lager eine Plage der kleinen, feinen, aber vor Begierde nach

Menschenblut brennenden Aegyptischen Flöhe erwarte, welche in der

Nähe der Hütten des Landvolkes und auf Lagerungsplätzen der Karawanen

im sandigen Boden sich verbergen, und, sobald sie warmblütige Wesen

wittern, zu diesen sich gesellen. Diese Thierlein sind gerade in der

kühleren Jahreszeit, namentlich jetzt im Februar am häufigsten und

zudringlichsten, während sie in den heißen Sommermonaten verschwinden;

uns ließen sie diese ganze Nacht nur wenig schlafen.

Dafür waren wir auch am andern Morgen, Dienstags den 14ten Februar

desto früher wach und zur Weiterreise bereit, nur daß uns dieses

Bereitsein nicht viel half. Wir hatten gehofft daß, da wir gestern erst

des Nachmitttags aus der Stadt fortgekommen und nur etliche Stunden

weit gereist waren, unsre Beduinen Alles so würden in Bereitschaft

gesetzt haben, daß wir heute mit Aufgang der Sonne aufbrechen könnten,

aber wir hatten uns sehr geirrt. Diese guten Leute hatten die Nacht

im Dorfe zugebracht, einige von ihnen sogar noch in der Stadt, nur

Hassan der Scheikh und einer seiner Knechte waren in der Nähe der

Zelte geblieben. Als sich dann endlich einzelne Kamele mit ihren

Führern zeigten, da mußten die Thiere noch einmal an den Nil gebracht

und getränkt, vor allem aber die Schläuche mit Wasser gefüllt werden,

die, wie man uns dies erst heute sagte, gestern noch großenteils leer

geblieben waren; endlich mußte man auch noch den Nachtrab aus der

Stadt: einen alten Araber mit seinem Knechte und zwei sehr abgemagerten

Kamelen erwarten, der zu Hassans Stamm und Freundschaft gehörte. Wir

hatten Zeit genug um noch einmal die nahe Reihe der Pyramiden und die

verschiednen Arten des Getraides und der Hülsenfrüchte zu betrachten,

welche die Landleute um Bessatin anbauen, auch zertrümmerte Gemäuer,

vielleicht von zerstörten Koptischen Kirchlein oder Kapellen in der

Umgegend des Dorfes konnten wir mit Muße beschauen, denn es war neun

Uhr, als man endlich anfieng die Kamele zu beladen und die Sitze auf

ihnen für uns einzurichten. Bequem sind diese Sitze gerade nicht. Denn

wer, wie wir, die Reise so einrichten muß, daß ein und dasselbe Kamel

ihn und wenigstens einen Theil seiner Geräthschaften trägt, der kann

nicht ein Reitkamel oder Dromedar mit bequemen Sattel haben, sondern

nur ein gemeines Lastkamel[56], dessen Fleischhöcker, damit die Last

ihn nicht drücke, von einem Gestell von Längs- und Querhölzern umzäunt

ist, auf welchem es sich schlecht und hart genug sitzen würde, wenn

man nicht etwa einen Theil des Bettgeräthes: die Matratze oder Decke

darüber legte. Und nun mag es einmal einer, der nicht zum Geschlechte

des Ibn Gan des letzten Riesenköniges der Präadamiten gehört, versuchen

seine Füße in reitender Stellung über die künstlich vervielfachte

Fläche eines solchen Kamelrückens auszuspannen und dann fühlen,

wie es einem schon nach einer halben Stunde zu Muthe wird. Damit

man aber dies fühlen könne muß man erst, ohne vor- oder rückwärts

heruntergefallen zu seyn, oben, auf dem stehenden Kamele fest sitzen,

denn dieses langbeinige Thier, auf dessen Rücken man sich nur bequem

erheben kann so lange es liegt, pflegt in so stoßweisen Exaltationen

sich vom Boden zu erheben, daß der Reuter jetzt fast steilrecht nach

hinten, dann, wenn er sich in dieser Stellung festgesetzt hat, eben

so nach vornen geneigt wird. Und nun beginnt, beim harten Auftreten

des guten, lastbaren Thieres, die vor- und hinterwärts schauklende

Bewegung, bei welcher es, so lange man ihrer nicht gewohnt ist, gut

seyn mag, wenn man, so wie wir, mit fast nüchternem, wenig gefüllten

Magen reist. Bei so bewandten Umständen läßt es sich wohl begreifen,

daß der erste Tag einer solchen Wüstenreise nur ein Tag der Einübung

und leiblichen Studien der neuen Reitart seyn kann; mir, der ich auf

einem kräftigen, jungen Kamelhengst den Zug anführte, wurde der Anfang

so schwer, daß ich mehrmalen, so ungern ich auch zur Verzögerung der

Reise Veranlassung gab, absteigen und entweder zu Fuße gehen oder ein

und das andre Mal von dem gütigen Anerbieten des Herrn Baumgärtner, auf

seinem Esel zu reiten, Gebrauch machen mußte. Daher lernte ich bei dem

Auslaufe der ersten Stunden mehr nur die Leiden als die Freuden einer

Wüstenreise kennen, und damit ich gegen die letzteren, welche nach

wenig Tagen das Ueberwiegende wurden, nicht undankbar erscheinen möge,

enthalte ich mich hier noch der Beschreibung jener vorherrschenden

Stimmung in welche mich meine unvergeßliche Wanderung durch die Wüste

fast beständig versetzte.

Bei allen, etwa unterlaufenden Beschwerden, war indeß auch schon

der erste Tag dieser Reise nicht ohne großen Genuß. Der Weg von

Bessatin aus verläßt gleich bei seinem Beginn das bewohnte Land

und ziehet sich in dem weiten Thale, welches zur Linken von dem

Höhenzuge des Mokkatam, zur Rechten von dem des Torrah begrenzt

wird, allmählig bergansteigend, ostwärts hinauf in die Wüste. Nach

etwa drei Viertelstunden, wie ein guter Fußgänger sie zu solchem Wege

brauchen würde, kamen wir an das erste große Lager von verkiesten

Baumstämmen[57] das wie im Bette eines vertrockneten Rinnsales der

Gewässer hingestreckt liegt; zugleich erscheint auch der Boden reich

an dem schönsten Aegytischen Jaspis. Um eilf Uhr trat der Höhenzug

zur Rechten dem Wege ganz nahe; er bestehet aus den Gebilden des

tertiären Kalk- und Sandsteines mit häufigen Lagern von blättrigem und

dickfasrigem Gyps; im Thale lag gemeiner, rother Jaspis und Holzstein

umhergestreut. Um ein Uhr kamen wir in einen ziemlich engen Paß, zu

dessen Bildung der nun auch nahe herangerückte nördliche Bergzug, zu

unsrer Linken, mit dem südlichen sich zusammengesellt. Hier zeigte sich

uns schon, zum ersten Male, die Wüste in jener freundlichen Gestalt,

die ihr die ersten Frühlingsmonate des Jahres verleihen. Denn an den

malerisch schönen Bergwänden und in ihren Schluchten blüheten manche

Arten des stachlichen Tragants (namentlich +Astragalus Sieberi+

und +tumidus+); neben ihnen Gesträuche der gelbblumigen Iberis,

Fagonien[58] und das platt am Boden sich hinbreitende Bilsenkraut der

Aegyptischen Sandfelder (+Hyoscyamus pusillus+ und +aureus+).

Um zwei Uhr hatten wir eine Anhöhe erreicht, von der sich in großer

Deutlichkeit das tief im Westen gelegene Nilthal mit der Reihe der

Pyramiden zeigte. Noch einmal -- wohl zum letzten Male im Leben,

genoß ich des Anblickes dieser hehren Fernaussicht der Zeiten und

des Raumes, bis ein nicht minder bedeutungsvolles Erinnerungszeichen

an Thaten der Natur, welche einst an dieser Stätte geschahen, meine

Aufmerksamkeit an sich zog. Nicht ferne von jenem Höhenpunkte, der

die Aussicht nach dem Nilthale und den Pyramiden darbeut, zeigen sich

nämlich von neuem mächtige Massen von versteinerten Bäumen; unter

ihnen Stämme von acht bis zehn Fuß Länge der einzelnen Trümmerstücke,

großenteils in der Richtung von Nordost gegen Südwest gelagert,

dazwischen die rundlichen Gebilde des Feuersteines und des Aegyptischen

Jaspis. Von da senkt sich der Weg wieder in ein Kesselthal hinab

dessen Sandsteinhöhen von so grotesken, pfeilerartigen Zinnen bekränzt

sind, daß wir aus der Ferne alte Denkmäler und Mauerwerke zu erblicken

glaubten; nur noch auf den Höhen gegen Nord und Nordost erschienen

versteinerte Bäume. Aus diesem Thale steigt der Karawanenweg wieder

bergan und von der Höhe hatten wir noch einmal die Aussicht nach dem

Nilthale, doch waren uns die Pyramiden durch die hinter uns gelegnen

(westlichen) Anhöhen bedeckt und das herrliche Thal schon so in die

Ferne gerückt, daß uns der Strom nur noch wie ein silberner Faden

erschien, der sich durch ein grünes, die Wüste umsäumendes Band

hindurchzieht. Jenseits der Höhe lenkten wir in ein weites wellenförmig

hügliches Thal hinab, in welchem unsre Kameltreiber schon ein Viertel

vor vier Uhr Halt machten, weil da manche Gesträuche und Kräuter der

Wüste den hungernden Kamelen ein Abendfutter darboten. Wir hatten

heute freilich (vorherrschend in der Richtung von West nach Ost) nur

einen Weg von nicht viel mehr als sechs Stunden gemacht und einem der

Reisegefährten, der mit uns nach Suez gieng und an diese Art zu reisen

schon gewohnt war, kam der Tagemarsch gar zu kurz vor; uns Neulingen

aber im Kamelreiten war es ganz recht und angenehm, daß das schwere

Exercitium ein Ende nahm.

* * * * *

Heute, wo das ganze umliegende Land, so weit das Auge reichte uns zum

Schlafkämmerlein angewiesen war, hatten wir auch Gelegenheit unser

Lager recht bequem zu ordnen, wie es von nun an während der ganzen

Wüstenreise dies blieb. Links vom Eingang wurde der Kafaß oder die

Palmenstabkiste mit den Vorräthen hingestellt und daneben schlief unser

Arabischer Knecht; wer unter dem Obdach des Zeltes wohnen wollte,

der ordnete sich da sein Lager; die Meisten aber zogen es vor an der

Außenwand des Zeltes unter dem Obdach des klaren, gestirnten Himmels

zu schlafen; unsre Reisegefährtin hatte sich einen eigenthümlichen

kleinen Anbau an das Zelt erfunden unter welchem sie ruhte. Nicht weit

vom Eingang des Zeltes ward von Steinen oder aufgehäuftem Sande ein

Feuerheerd errichtet, auf welchem unser Knecht, nach seiner großen

Geschicklichkeit das Wasser zum Kochen brachte.

* * * * *

Die kurzen Notizen ins Tagebuch waren niedergeschrieben, die Sonne

stund noch ziemlich hoch am Himmel, man hatte Zeit sich in der

Nachbarschaft der Wüste zu ergehen. Blüheten doch da auch einzelne

Sträucher und Blumen[59], freilich nicht so eng zusammengedrängt

und gesellschaftlich wie in unsern glücklichen Landen, sondern

vereinsamt und öfters weit von einander entfernt, wie die Einsiedler

der Thebaischen Wüste, und wenn auch kein Singvogel in diesem niedern

Gebüsch wohnte, so fand doch die kleinere Welt des Geflügels, Käfer

und Bienenarten da ihre Nahrung und Obdach. Dazu war der Boden hin

und wieder mit jaspisartigem Feuerstein getäfelt und am Abendhimmel

flammte, freilich nur auf wenig Augenblicke, eine Abendröthe auf, so

leicht und zart carminfarbig, wie man sie kaum im wasserreichen Gebiet

der Felder und Wälder erblickt.

* * * * *

Der Mond leuchtete hell; die Kamele kamen von ihrer dürftigen Weide

zurück um das gewohnte Futter der Bohnen und Lupinen, das man ihnen in

einem Sack vor den Mund bindet zu empfangen, und mit gefesseltem Fuße

rings um die beiden Zelte sich zu lagern; unsre Beduinen kochten sich

ihr Linsen- und Waizengrützgericht und bucken sich ihr ungesäuertes

Brod in der Asche, auch wir hatten was wir bedurften und begaben uns

heute, ermüdet von der ungewohnten Uebung der Kräfte, sehr bald zur

Ruhe.

* * * * *

Mittwoch den 15ten Februar waren wir zwar schon mit Tagesanbruch

munter, ehe man aber die Kamele beladen und die Sitze etwas bequemer

eingerichtet hatte als sie dieß gestern gewesen, dauerte es lange;

es war halb acht Uhr geworden, da wir endlich aufsitzen und abreisen

konnten. Indeß durften wir die kleine Verspätung nicht bereuen, sie

machte uns schon heute den freieren Genuß der neuen Eindrücke möglich,

an denen von nun an jeder Tag so reich war.

Reise in das Morgenland in den Jahren 1836 und 1837, Zweiter Band · 第 16 / 42 段