Vorrede

der Hinterbliebenen Streichers zur Ausgabe von 1836.

Der Verfasser des nachstehenden Werkchens, Andreas Streicher, lebt

nicht mehr. Zu den schönsten Erinnerungen seines reich beschäftigten

Lebens gehörten die Tage, die er in Schillers Nähe zugebracht hatte,

dessen Andenken er mit liebender Begeisterung, mit schwärmerischer

Verehrung bewahrte. Er hatte den edlen Dichterjüngling im Unglücke

gesehen, im Kampfe mit feindlichen Verhältnissen, und treu und

aufopfernd an ihm festgehalten. Und gerade jenen Zeitraum, so

wichtig für die Darstellung von Schillers Charakter, als er es für

die Entwicklung desselben und seiner äußern Lage gewesen, fand der

Verfasser in allen Biographien des Verewigten fast nur erwähnt,

nur kurz und unvollständig behandelt. Er wußte, daß wenige der

Überlebenden in dem Falle waren, so richtig und ausführlich darüber

zu berichten als er, und es drängte ihn, die Feder zu ergreifen, um

das Seinige zur Charakteristik des für Deutschland und die Menschheit

denkwürdigen Mannes beizutragen. In weit vorgerückten Jahren begann

er mit der strengsten Wahrhaftigkeit und sorgsamer, gewissenhafter

Liebe die folgenden Mitteilungen auszuarbeiten. Diese Sorgfalt bewog

ihn, immer noch daran zu bessern; diese Liebe machte, daß er zuletzt

auch Materialien über spätere Lebensabschnitte seines Jugendfreundes

sammelte, und über dem Sammeln, Sichten, Ordnen -- ereilte ihn der Tod.

Er hatte sich oft und gern mit Entwürfen in Hinsicht auf die Verwendung

des Ertrages seiner Schrift zu einer passenden Stiftung, einem

Dichterpreis, irgend einem gemeinnützigen Zwecke beschäftigt. Seine

Hinterbliebenen halten es für ihre Pflicht gegen ihn und das Publikum,

die Herausgabe des Werkes zu besorgen, an welcher den Erblasser selbst

ein unerwartetes Ende hinderte. Überzeugt, ganz in seinem Sinne zu

handeln, legen sie das Honorar, welches die Verlagshandlung ihnen dafür

zugesagt, als Beitrag zu dem Denkmale Schillers, auf den Altar des

Vaterlandes nieder.

Sie geben das Werk, wie sie es in Reinschrift in seinem Nachlasse

fanden.

Sie befürchten nicht, daß der Titel »Flucht« auch nur einen leisen

Schatten auf das Andenken oder den Namen Schillers werfen dürfte, da es

allbekannt ist, wie dessen Entfernung von Stuttgart keineswegs Folge

irgend eines Fehltrittes war, sondern ganz gleich der Flucht seines

»Pegasus,« der mit der Kraft der Verzweiflung das Joch bricht, um

ungehemmten Fluges himmelan zu steigen.

Wie an dem Titel, so glauben sie auch an dem Inhalte, ja selbst an dem

Stile nichts willkürlich ändern zu dürfen, um das Eigentümliche nicht

zu verwischen, woran man den Zeitgenossen der frühesten Periode und

den Landsmann unsers gefeierten Dichters erkennen mag. Der Verfasser

war Musiker, nicht Schriftsteller, und was ihm die Feder in die Hand

gegeben, nur seine glühende Verehrung Schillers und der frohe und

gerechte Stolz, ihm einst nahe gestanden zu sein.

Aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, den sie festzuhalten bitten, wird

seine Leistung nachsichtige Beurteiler in den geneigten Lesern finden.

Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim von 1782-1785 · 第 13 / 27 题