II.

»Das Werk erscheint gegen Unterzeichnung, und der reine Ertrag

desselben, wenn er sich auf 20000 Gulden beläuft, soll erstens dazu

verwendet werden, um eine Stiftung zu gründen, damit alle zehn

Jahre die Interessen dieses Kapitals demjenigen (oder dessen Erben)

eingehändigt werden, der während dieser Zeit das beste Schauspiel,

Drama oder Trauerspiel, dessen Inhalt aus der deutschen Geschichte

genommen sein muß, gedichtet hat. Zweitens, da aber die 10000

Gulden Interessen des Kapitals in zehn Jahren wieder 2500 Gulden

abwerfen, so werden diese demjenigen Schriftsteller als Preis

zugeteilt, der in diesem Zeitraume das beste Werk für die Jugend

oder das Volk in dem Sinne geschrieben, wie es Schiller in der

Rezension von Bürgers Gedichten in den Worten: »Welches Unternehmen

usw. bis: würden sie endlich selbst von der Vernunft abfordern,«

angedeutet hat. Diese Preise würden einmal in Stuttgart, als der

Hauptstadt von des Dichters Vaterland, das andere Mal in Weimar,

wo er Unterstützung fand und starb, und das dritte Mal in Wien,

wo seine hohe, gemütvolle Dichtung noch am meisten gewürdigt und

empfunden wird, öffentlich und feierlich erteilt werden. Jeder der

genannten Orte würde drei Schiedsrichter ernennen, welche die des

Preises würdigsten Stücke bezeichnen würden.

Dies ist das Hauptsächlichste von dem, was ich mir hierüber

ausgedacht und auch Herrn Ernst von Schiller mitgeteilt habe.

Dieser aber erwidert mir, daß ich durch Ausführung dieses Vorsatzes

dem Verkaufe der sämtlichen Werke seines Vaters bedeutenden Schaden

zufügen und vielleicht das ganze Unternehmen gefährden würde.

Allein ich habe Freiherrn von Cotta diesen Plan voriges Jahr

mündlich mitgeteilt und weder damals, noch seit jener Zeit irgend

einen Widerstand von ihm erfahren. Auch scheint die abgesonderte

Herausgabe des Briefwechsels von Goethe und Schiller darauf

hinzudeuten, daß vorerst alles bisher noch Unbekannte von Schiller

einzeln herausgegeben und dann erst in späterer Zeit eine ganz

vollständige Ausgabe seiner Werke veranstaltet werden solle.

Da ich nun den Zweck der Herausgabe von Nachrichten über unsern

Dichter genau und wahr angegeben: da alles, was darauf Beziehung

hat, gänzlich von einer Nebenabsicht frei und rein ist, da nichts

anderes dadurch erreicht werden soll, als daß seine schwere

Laufbahn die eines nicht unwürdigen Nachfolgers erleichtern solle;

da es auch nicht gleichgültig ist, das Volk, für das er lebte

und schrieb, nicht nur zu einer dauernden Anerkennung seines

außerordentlichen Geistes aufzufordern, sondern damit auch zugleich

der Dichtkunst einen Rang anzuweisen, den sie schon lange bei

andern Nationen, aber leider bei den hadersüchtigen, nur nach Geld

und Titeln strebenden Deutschen bisher nicht hatte; da eine genaue

Schilderung seines Lebens, seines himmlischen Gemütes, der Tiefe

und Fülle seiner Empfindung nur von denen getreu dargestellt und

erwartet werden kann, die ihn im Glück und Unglück handeln sahen

-- so werden Sie dieses Schreiben sowohl als auch die Fragen mit

Nachsicht aufnehmen und nicht kalt zurückweisen.«

* * * * *

Streicher ist durch Christophine und auch aus seinen anderen Quellen

nicht immer ganz richtig unterrichtet worden; es sind in dem

Originaldruck eine Reihe von Versehen. Diese sind in unserem Neudruck

entweder ohne weiteres korrigiert oder aber durch Fußnoten kenntlich

gemacht worden.

Im übrigen verweisen wir auf Streichers Büchlein selber; es mag durch

sich und für sich sprechen.

Berlin, im Februar 1905.

J. Wychgram.

Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim von 1782-1785 · 第 12 / 27 题