Düngemittel pro Morgen in Neuland und vierzig Tonnen in altes. Dann
verteilte er pro Morgen zwei oder drei Tonnen Knochenmehl zu 12 Pfund
Sterling die Tonne über die hundert Tonnen.
Hundert Tonnen pro Morgen; zu zehn Schilling die Tonne: 74 Pfund
Sterling pro Morgen ausschließlich für Düngung! Kein Wunder, daß die
übrigen Farmer sich über Seabrook und seine Buchgelehrsamkeit lustig
machten.
Dazu kamen noch die Kosten der Berieselung, 60 Pfund Sterling pro
Morgen. Die Kosten des Landerwerbes betrugen nicht weniger als 30 Pfund
Sterling pro Morgen, so daß die Gesamtkosten pro Morgen waren:
Landerwerb 30 Pfd. Sterl.
Berieselung 60 „ „
Düngung 74 „ „
-----------------------------
Summe: 164 Pfd. Sterl.
Die Seabrook-Farm war bis zum nächsten Jahre ein Gegenstand der
Belustigung, bis der Dorfkaufmann die erstaunliche Geschichte erzählte,
daß Charlie Seabrook auf einem einzigen Morgen eine Ernte im Werte von
mehr als 400 Pfund Sterling erzielt hatte. Von da ab hörten die übrigen
Farmer auf, Witze zu machen. Sie verstanden nicht, was geschehen war,
aber sie hätten es gerne verstanden.
Nur um zu zeigen, was Seabrook wirklich tat, führe ich hier eine Seite
aus seinem Farmwirtschaftsbuch an, die erzählt, was auf einem einzelnen
Morgen geschehen ist:
»Spinat, angepflanzt am 25. Februar, Spinat verkauft am 15. April für
30 Pfund Sterling. Kartoffeln, angepflanzt am 10. Mai, verkauft 10.
August für 90 Pfund Sterling. Salat angepflanzt 11. August, untermischt
mit Erdbeeren. Salat verkauft Oktober um 100 Pfund Sterling.
Gesamtverkauf 220 Pfund Sterling.«
»Zweites Jahr: Eine halbe Ernte Erdbeeren verkauft für 120 Pfund
Sterling.«
»Drittes Jahr: Eine volle Erdbeerenernte 260 Pfund Sterling, eine Ernte
Kopfsalat 200 Pfund Sterling, eine Ernte Spinat 30 Pfund Sterling.
Gesamtverkauf 490 Pfund Sterling.«
Das macht im Durchschnitt 277 Pfund Sterling pro Morgen. Der
Bruttonutzen war daher gegen 130 Pfund Sterling pro Morgen.
Seabrook erzielt drei Ernten im Jahr -- manchmal vier.
Zum Beispiel hatte er in einem Jahr auf demselben Land Ernten von
Spinat, Kartoffeln, Kopfsalat und wieder Spinat.
In einer Ernte auf einem Morgen erhielt er 604 Scheffel Kartoffeln. Von
einem einzigen Land erntete er 8500 Liter Erdbeeren.
Seine Spezialität ist Salat, weil er herausgefunden hat, daß er am
einträglichsten ist. In einem Jahr hat er zum Beispiel folgende
Verkäufe erzielt:
Salat 22.410 Pfd. Sterl.
Kohl 7.859 „ „
Radieschen 7.360 „ „
Spinat 6.394 „ „
Zwiebeln 4.954 „ „
Kartoffeln 4.952 „ „
Erdbeeren 3.781 „ „
Gurken 3.509 „ „
Charlie Seabrook besitzt jetzt 1200 Morgen. Aber beinahe sein
ganzer Ertrag kommt von 200 Morgen. Er hat seine Farm zu einer
Aktiengesellschaft organisiert. Er hat ein voll eingezahltes Kapital
von 100000 Pfund Sterling. Und er zahlt 20 Prozent Dividende.
Auf seiner Farm hat er 300 Arbeiter, zur Zeit der Erdbeerernte oft
zweimal so viel.
Seine Arbeiter wohnen in netten Betonhäusern auf der Farm. Sie arbeiten
das ganze Jahr zehn Stunden täglich und werden wöchentlich bezahlt.
Wenn Sie fragen: »Wie aber beschäftigt man sie im Winter?«, so ist die
Antwort: »Auf der Seabrook-Farm gibt es keinen Winter.«
Es sind da sechs enorme Glashäuser im Ausmaß von 60 : 300 Fuß. Jedes
von ihnen hat 200 Pfund Sterling gekostet -- zuerst wurden sie der
»Seabrook-Wahnsinn« genannt.
Diese Glashäuser verlängern für Seabrook das Jahr. Sie schaffen den
Winter ab. Sie ermöglichen es ihm, Gemüse außerhalb der Saison zu
ziehen und zu Höchstpreisen zu verkaufen. Er beabsichtigt, noch mehr
Glashäuser zu bauen.
Außerdem gehen im Winter seine Arbeiter in eine auf der Farm errichtete
Kistenfabrik und machen hunderttausend Kisten -- für den eigenen Bedarf.
Die Farm hat auch einen Kühlspeicher im Ausmaß von 60 : 325 Fuß,
eine Garage für vier Traktoren und acht Lastkraftwagen, einen
Stall für fünfzig Pferde, eine Maschinenwerkstatt für Reparaturen,
ein Eisenbahnstockgeleise und ein großes, modern organisiertes
Bureaugebäude.
»Es ist keine Farm«, sagt Seabrook. »Es ist eine Nahrungsmittelfabrik.«
George F. Johnson.
Ich sollte dieses Kapitel eigentlich mit den Worten: »Es war einmal«
beginnen, aber die Wahrheit ist, daß ich im Begriffe stehe, die
größte und einträglichste Schuhfabrik der Welt zu beschreiben. Es ist
also kein Märchen. Es ist die Geschichte wirksamen Betriebes in der
weitestgehenden Bedeutung.
Etwa hundert Meilen von Neuyork entfernt liegt ein schönes Tal in den
Vereinigten Staaten.
Die Leute, die dort leben, nennen es:
Das Tal des »Fairplay«.
In diesem Tale liegen dicht nebeneinander zwei Städte, die eine heißt
Johnson, die andere Endicott.
Gegen 50000 Einwohner leben in diesem Tale, und 15000 davon arbeiten in
den beiden großen Schuhfabriken, die der Endicott-Johnson-Gesellschaft
gehören.
Sie fabrizieren täglich 81000 Paar Schuhe.
Der Wert dieser Erzeugung übersteigt jährlich 28000000 Pfund Sterling.
Diese erstaunlichen Ziffern lassen Sie erkennen, daß die Leute in
diesem Tal zu arbeiten verstehen. In diesem Tale des »Fairplay« wird
mit der Arbeit nicht gespielt.
Wären Ihnen aber diese Zahlen nicht vor Augen, so könnten Sie glauben,
daß die Leute in diesem Tal nichts anderes als Spaß im Sinn haben.
Es gibt in diesem Tal keine Wohnhöhlen. Es gibt wenige Mietshäuser. Die
meisten Familien besitzen ihr eigenes Haus. Die Häuser sind aus Holz
erbaut und in lebhaften Farben bemalt.
Zwischen den beiden Städten liegt ein weiter Landstrich, der
»Idealpark« genannt ist. In ihm ist eine große Schwimmanstalt, frei
für alle, daneben ein kleines Schwimmbassin für die Kinder. Ebenso ein
Karussell, frei für alle.
Dann gibt es einen Tanzpavillon, der an drei Abenden der Woche geöffnet
ist. Die Tänzer zahlen 25 Cent Eintritt.
Dann gibt es einen Ballspielplatz, groß genug, um zwei Partien
gleichzeitig Platz zu bieten, und da die Fabriken 4 Uhr 30 Minuten
geschlossen werden, gibt es jeden Nachmittag zwei Baseballspiele.
Auch eine Rennbahn ist da -- eine halbe Meile lang, mit Ställen
und Tribünen. Jeden Sonnabend Nachmittag finden Rennen statt, und
zeitweilig ist die Rennbahn von hunderttausend Leuten eingesäumt.
Inmitten einer weiten Rasenfläche steht ein Klubhaus. Der Rasen ist mit
Blumenbeeten wie gespickt. Das Haus ist das Zentrum der Geselligkeit,
wo jeder jeden trifft. Es enthält eine freie Bibliothek, besondere
Zimmer für Pfadfinderjungen, Spielzimmer und Speisesäle. Jeden Abend
findet man sich hier fröhlich zusammen.
Scherz! Geselligkeit! Erziehung! Sport! Musik! Das scheinen die allein
wesentlichen Dinge im Tale von »Fairplay« zu sein und dennoch erzeugen
diese lustigen Schuhmacher täglich 81000 Paar Schuhe.
Ihre tägliche Durchschnittserzeugung ist elf fertige
Schuhe pro Mann.
In diesem Tale glaubt man daran, daß das Spiel der Sonnenschein des
Lebens ist und daß jeder es so sehr braucht wie Nahrung.
Man glaubt dort an Lachen, Liebe und Lebensfreude gerade so sehr wie an
Maschinen, Kohle, Organisation.
Sie werden erraten, daß in diesem Tale ein Mann lebt, der diese Erfolge
begründet hat. Sein Name ist George F. Johnson, aber jedermann nennt
ihn »George F.«.
Er lebt in einem netten Hause in der Nähe des Parks. Er ist immer
sichtbar. Er lebt, bewegt sich und hat sein Dasein inmitten seiner
Leute.
Jeder Arbeiter kann ihn in seinem Bureau sprechen. Ist er nicht in
seinem Bureau, so kann man ihn auf der Rennbahn, im Tanzpavillon oder
bei einem Ballspiel antreffen.
Für gewöhnlich ist er umgeben von einer Schar von Kindern oder von
einer Arbeitermenge. Ununterbrochen fragen die Leute ihn um Rat in
allen erdenklichen Angelegenheiten. »Er ist der Papa unserer Familie,«
sagen sie.
Jedes Kind auf der Straße nennt ihn »George F.«. Denkt daran und
erschauert, ihr steifgeborenen Direktoren mit den versteinerten
Gesichtern! Hier ist ein Mann, der 28000000 Pfund Sterling im Jahr
umsetzt, und der Zeit hat, Drachen steigen zu lassen und Puppen zu
flicken.
Am letzten Maitage hatten die Arbeiter seines Tales eine große Parade
von 20000 Mann, und wer glauben Sie, führte sie? George F. Er ging an
der Spitze seiner Leute, wie jedermann es von ihm erwartete.
»Sie wissen, ich liebe alle diese Leute«, sagte er zu einem Freund, als
sie zusammen auf der Tribüne saßen und auf das nächste Pferderennen
warteten. »Und ich hoffe,« fügte er hinzu, »daß einige von ihnen auch
mich lieben.«
Er ist kein Philantrop, dieser George F., weder ist er ein Genie noch
ein Übermensch. Er ist nichts weiter als
ein großer, einsichtsvoller, gutherziger Mann,
der es liebt, inmitten geschäftiger, frohsinniger Menschen zu leben.
In diesem Tal gibt es keine Verdächtigung und keinen Snobismus. Es
gibt dort kein »Klassenbewußtsein«, weil es keine Klassen gibt. Jeder
Arbeiter hat die Möglichkeit, Teilhaber zu sein, und jeder Kapitalist
arbeitet.
Die sämtlichen 15000 Arbeiter von George F. abwärts bis zu dem
kleinsten Jungen in der Gerberei gehören alle den »E.-J. Workers«, der
dortigen Gewerkschaft an.
Alles geschieht offen. Jedermann kann seine Meinung äußern. Es gibt
keine Maßregelungen. Alle Arbeiter scheinen zu fühlen, daß die ganze
Anlage ihnen gehört.
George F. Johnson ist jetzt über 70 Jahre alt. Er ist der
erfolgreichste unter allen Schuhfabrikanten, aber vor 35 Jahren war
er noch nichts als ein Vorarbeiter in einer kleinen Schuhfabrik,
die zusammengebrochen war. Damals erzielt er weniger als 20 Dollar
wöchentlichen Lohn.
Der Hauptgläubiger dieser kleinen bankrotten Fabrik war ein Finanzmann
namens Endicott, der in Boston lebte. Er kam nachzusehen, was man tun
könne. Er lernte dort F. Johnson kennen, und Johnsons Vernunft und
Ernst machten ihm einen tiefen Eindruck.
»Ich habe kein Geld,« sagte Johnson, »aber ich kann aus dieser Fabrik
einen Erfolg machen. Mir liegt nichts an einem Gehalt, aber wenn Sie
mir den halben Anteil an der Fabrik für 150000 Dollar verkaufen wollen,
will ich Ihnen meinen Wechsel dafür geben.«
Das war ein erstaunlicher Vorschlag. Er war absurd und riskant, aber
Endicott war ein weiser Mann, und er stimmte zu. Er wettete 150000
Dollar auf Johnson.
Die kleine Fabrik machte ihre Fortschritte in Riesensprüngen. Sie
wuchs, bis Johnson sich als Vater einer Familie von 15000 fand.
Die Arbeiter seiner Fabrik leben jetzt in zwei Städten, die gänzlich
ihnen gehören und die sie »Endicott« und »Johnson« genannt haben.
Sie sind nicht Angestellte im gewöhnlichen Sinne.
Sie sind Teilhaber.
Gerade so wie Endicott Johnson zu seinem Teilhaber machte, ohne von
ihm Bezahlung für seine Aktien zu verlangen, so hat Johnson aus seinen
Arbeitern Teilhaber gemacht.
Vier Fünftel von ihnen arbeiten im Akkord und alle nehmen an dem Nutzen
teil, sobald sie ein Jahr lang in der Fabrik tätig gewesen sind.
Alljährlich werden auf die Vorzugsaktien sieben Prozent und auf die
Stammaktien zehn Prozent Dividende gezahlt; der gesamte dann noch
verbleibende Nutzen wird zu gleichen Teilen zwischen den Arbeitern und
den Inhabern der Stammaktien geteilt.
Die Gesellschaft beschließt jedes Jahr, ob der Nutzen in Geld oder in
Stammaktien auszuzahlen ist. Für gewöhnlich beträgt der Nutzanteil der
Arbeiter 50 Prozent ihres gesamten Lohnes.
Der Hauptunterschied zwischen dieser Endicott-Johnson-Gesellschaft
und anderen guten Firmen scheint zu sein, daß die Arbeiter auch
ihrerseits volle Leistung geben. Sie geben ebenso wie sie bekommen.
So hat zum Beispiel vor kurzem George F. Johnson die beiden Städte mit
einem prachtvollen Denkmal beschenkt, das der Bildhauer Moretti zur
Erinnerung an die 1692 Angestellten des Werkes ausgeführt hat, die in
dem großen Kriege gekämpft hatten.
Dann wiederum beschenkten die Arbeiter ihrerseits Johnson mit einem
schönen Marmorportal. Die gesamten Kosten dieses Bauwerkes trugen die
Arbeiter.
Oft hält George F., der Vater dieser beiden Städte, Ansprachen an seine
Leute -- klare, einfache Ansprachen von eindringlicher Wirkung. So
sagte er unter anderem:
»Wenn Sie Besseres leisten, gehört der Nutzen in dieser Gesellschaft
Ihnen. Niemand steht da und wartet darauf, ihn Ihnen wegzunehmen.«
»Jeder von uns auf dieser Welt braucht jemand, der uns veranlaßt, unser
Bestes zu tun.«
»Wir können unsere Erzeugungskosten herabsetzen,
ohne unsere Löhne zu vermindern,
wenn wir alle zusammenwirken wollen, um die Nichtproduzierenden
auszuscheiden, die Bremser und die Schmarotzer.«
»Ich bitte euch nicht, irgend etwas für mich zu tun. Ich bitte euch
nur, euer Bestes für euch zu tun. Und das Beste, das ihr heute tun
könnt, ist noch nicht das Beste, das ihr morgen tun könnt.«
»In diesem demokratischen Geschäft müssen wir uns alle selbst fragen:
Wieviel Arbeiter haben wir angestellt, die wir entbehren könnten? Wie
viele sind nur eine Belastung und eine Ausgabe für uns?«
»Seid keine Bürde! Schafft keine Hindernisse! Faßt euer Ruder und zieht
fest an. Seid der Mühe wert! Tut euer Bestes! Gebt dem alten Geschäft
seine Chancen!«
Thomas A. Edison.
Edison ist jetzt bald 80 Jahre alt. Er wurde in Ohio von
englisch-holländischen Eltern geboren. Sein Vater war ein Landwirt und
Getreidehändler ohne besondere Erfolge.
Mit acht Jahren wurde Edison zur Schule geschickt. Drei Monate später
schickte ihn der Lehrer mit der Bemerkung nach Hause, daß er zu dumm
sei, um unterrichtet zu werden. (Was für ein Narr war dieser Lehrer.)
Edison hatte niemals mehr Schulunterricht. Seine Mutter, eine kluge und
gute Frau, unterrichtete ihn selbst.
Er war immer ein eigentümlicher Junge. Mit sechs Jahren fand man ihn
einmal auf Gänseeiern sitzen, die er auszubrüten versuchte.
Bei einem anderen Anlaß machte er ein großes Experiment in der Scheune
und steckte sie in Brand, wofür er eine gute Tracht Prügel erhielt.
Von Anfang an hatte er eine Neigung für Chemie. In seinem räumlichen
Hause richtete er sich ein Laboratorium mit 200 Flaschen ein. Er versah
jede einzelne davon mit der Aufschrift »Gift«, damit niemand sie
berühren sollte.
Mit 14 Jahren wurde er Zeitungsjunge und verkaufte Magazine und
Zeitungen auf Eisenbahnzügen.
Er hatte auf dem Zuge ein kleines Laboratorium. Schließlich steckte
er damit den Zug in Brand, und der Schaffner warf ihn hinaus und
ließ seine Flaschen folgen. Auch gab er dem Jungen eine so mächtige
Ohrfeige, daß er seit damals taub wurde.
Mit 16 Jahren wurde er in Kanada Telegraphenbote. Er verlor aber seine
Anstellung, weil er eine arbeitsparende Erfindung machte -- sein
Vorgesetzter sagte, er wäre faul. Aus ähnlichen Gründen verlor er
später noch drei weitere Anstellungen.
Mit 23 Jahren wanderte er nach Neuyork. Dort kam er ohne einen Heller
an. Er erhielt eine Stellung in dem Bureau einer Börsentelegraphenfirma
mit 300 Dollar monatlich. Das war seine erste Chance. Er erhielt dieses
hohe Gehalt, weil er es zustandegebracht hatte, eine wertvolle Maschine
zu reparieren, die in Unordnung geraten war.
Im nächsten Jahre erfand er einen Telegraphenapparat, den er der
Western Union Telegraphen-Gesellschaft für 40000 Dollar verkaufte. Er
hätte auch ganz gerne 400000 Dollar dafür genommen, da er von dem Wert
seiner Erfindung zu jener Zeit keine Ahnung hatte.
Er benutzte diese 40000 Dollar, um eine Maschinenwerkstatt zu eröffnen.
Im Jahre 1873 kam er das erstemal nach England und verkaufte einige
seiner Erfindungen.
Eine englische Firma machte ihm ein Angebot von »dreißigtausend« für
eines seiner Patente. Edison dachte, es bedeutete 30000 Dollar -- er
sagte: »Ja.« Zu seiner Überraschung erhielt er 30000 Pfund -- fünfmal
so viel. Seit jener Zeit hat Edison ein warmes Gefühl für England.
Edison ist der fruchtbarste Erfinder der Welt. Er hat über 1000 Patente
erworben. 45 Jahre lang ist er ein berufsmäßiger Erfinder. Er ist der
ausdauerndste aller Experimentierer. Er arbeitete schwerer und schläft
weniger als irgendein anderer Mensch. Es liegt ihm nichts am Geld. Er
raucht und kaut Tabak.
Er haßt neue Kleider. Seit 30 Jahren ist ihm nicht für einen neuen
Anzug Maß genommen worden. Vor 30 Jahren hat ihm irgendein gewisser
Schneider Maß genommen und seither geht er immer wieder zu diesem und
sagt: »Ich möchte einen anderen Anzug von dem gleichen Stoff.«
Er hat viele Mißerfolge und einige wunderbare Erfolge aufzuweisen.
Einmal wendete er zwei Jahre und 2000000 Dollar an eine Erfindung, die
sich als ziemlich wertlos herausstellte.
Er macht sich nichts aus Ehren. Eine englische Universität bot ihm ein
Ehrendoktorat -- er hat sich niemals die Mühe genommen, hinzukommen,
um es in Empfang zu nehmen. Vor einiger Zeit wurde ihm in Neuyork eine
Goldene Medaille verliehen. Er verlor sie unterwegs auf dem Fährboot.
»Was liegt daran«, sagte er zu seiner Frau. »Ich habe mindestens zwei
Liter solcher Medaillen in meinem Zimmer.«
Als er das letztemal in Frankreich war, erhielt er das Kreuz der
Ehrenlegion. Er nahm das Kreuz an, aber als man ihm auch die Schärpe
anlegen wollte, zog er sich zurück und ließ es nicht zu. Nach seiner
Denkungsart ist eine Schärpe an einem Mann ungefähr so töricht wie ein
Band an einem Frosch.
Seine Erfindungen haben viel zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit
der Welt beigetragen. Tatsächlich war sein ganzes Leben sozialer
Dienstleistung gewidmet.
Sein intimster Freund ist vielleicht Henry Ford -- ein anderer Erfinder
von gleichem Typus. Diese beiden Männer gehen gemeinsam mit John
Burroughs, dem führenden Naturforscher Amerikas, jeden Winter auf eine
Pflanzung nach Florida.
Edison hat niemals einen unbeschäftigten Augenblick. Selbst wenn er
spielt, erfindet er. Ich habe ihn bei verschiedenen Gelegenheiten in
seinem langen schmalen Laboratorium in Neujersey beobachtet, wie er
grübelte und grübelte und grübelte, immer in irgendein schweres Problem
vertieft.
Edison glaubt selten etwas, bevor er den Beweis dafür hat. Er hat eine
Fülle von Zweifeln in Bezug auf die Meinungen und die Praktiken der
Menschen auf Lager.
In seiner Bibliothek hat er mehr als zehntausend Bücher, meist
wissenschaftliche Gegenstände. Aber Edison glaubt selten irgendeine
Feststellung in irgendeinem dieser Bücher, bevor er sie selbst
ausprobiert und bewiesen hat.
Bei seiner Arbeit nimmt er ein Buch lediglich als Ausgangspunkt, um
anzufangen. Es bedeutet keineswegs einen Abschluß.
Sein ganzes Leben hat er damit zugebracht, jenes Niemands-Land zu
erforschen, das außerhalb der Bücher besteht.
Edison ist zuerst und vor allem ein harter Arbeiter. Er verabscheut
Faulheit als die schlimmste von allen Krankheiten. Er wird unter
Umständen einen dummen Menschen beschäftigen, aber niemals einen faulen.
Edison nimmt nichts als vorausgesetzt an. Er hat eine Abneigung gegen
Menschen, die sprunghaft und oberflächlich sind. In jeder Sache gräbt
er bis an die Wurzeln. Er hat sein ganzes Leben damit zugebracht, das
Warum herauszufinden.
Lord Rhondda.
Dies ist die Geschichte des Mannes, der, ohne ein Redner zu sein, sein
Leben lang der »ungekrönte König von Wales« war -- D. A. Thomas, der in
den letzten beiden Jahren seines Lebens als Lord Rhondda bekannt war.
»D. A.«, wie seine Freunde ihn nannten, war der größte
Geschäftsschöpfer, den Wales jemals hervorgebracht hat.
Er war der Schöpfer der »Cambrian Coal Combine« -- einer Gartenstadt
von 12000 gutbezahlten Bergleuten. Er gründete mehr als 30
Gesellschaften, und was immer er anfaßte, wurde ein Erfolg.
Als er im Jahre 1918 starb, betrug sein Vermögen gegen 685000 Pfund --
aber er hätte leicht doppelt so viel haben können. Er war immer mehr
darauf bedacht, ein Geschäft aufzubauen, als seinen Anteil an dessen
Nutzen hereinzubekommen.
D. A. Thomas war ein kaufmännischer Abenteurer von der Art, die das
britische Weltreich aufgebaut hat. Er war mehr als das -- er war ein
unabhängiger Denker.
Er war so unabhängig, daß er noch nicht seinem vollen Werte nach
gewürdigt worden ist, wie Sie beim Lesen der folgenden kurzen Skizze
seiner Laufbahn sehen werden.
Er wurde vor 70 Jahren in einem kleinen Dorfe in Wales, dessen Namen
ich nicht buchstabieren kann, geboren. Sein Vater war ein Krämer, der
ein Kohlengeschäft angefangen hatte und dies sehr bedauerte.
Man erzählt, daß sein Vater vor seinem Kohlenlager stand und sich
von seinen Verlusten sehr bedrückt fühlte, als ein Nachbar mit der
Nachricht zu ihm kam: »Es ist ein Junge.«
»Gut«, sagte der Vater. »Ich weiß zwar nicht, was aus ihm werden soll.
Für uns gibt es nur noch das Armenhaus.«
Der junge D. A. war anfangs ein zarter Knabe, aber er trainierte
sich zu einem Athleten. Er wurde ein guter Geher, Schwimmer und
Radfahrer. Er war auch ein geschickter Boxer, und ungeachtet seiner
Kurzsichtigkeit wurde er Mittelgewichts-Champion von Cambridge.
Er war immer mutig. Als junger Bursche gewann er die Medaille der
»Royal Humane Society« für eine Lebensrettung. Er sprang in einen
eisigen See und zog einen Mann aus dem Wasser.
Als er 21 Jahre alt war, starb sein Vater, und er begann ein
selbständiges Geschäft. Mit 26 Jahren heiratete er Sybill Haig, die
Tochter eines Kohlenbergwerksbesitzers. Sie hatten ein Kind, die
gegenwärtige Viscountesse Rhondda, die jetzt die weitausgedehnten
Interessen ihres Vaters verwaltet.
D. A. beschäftigte sich mit Politik nicht weniger als mit dem Geschäft.
Aber als Politiker hatte er keinen Erfolg, oder besser gesagt, er war
nicht der Mann, sich in den schlüpfrigen Winkelzügen des Parlaments
zurecht zu finden.
Er war ein Liberaler, aber er ließ sich durch keine Führung
beeinflussen. Er war kein angestelltes Parlamentsmitglied mit dem Namen
seines Meisters auf seinem Halsband.
Er war unabhängig. Das ist das Wort, das in diesen Tagen der
Maschinenmenschen besonders betont werden muß.
Die kunstreichen Ränkemacher der Politik fürchteten und haßten ihn. Er
war zu tüchtig -- zu ehrenhaft -- zu furchtlos, um ein Mitglied der
Mitglieder zu werden.
Wie Leverhulme wurde er von den Kabinettsmachern vollkommen
vernachlässigt. Es ist eine auffallende Tatsache, daß D. A. Thomas 25
Jahre lang dem Parlament angehört hat und niemals ein wichtiges Amt
bekleidet hat.
Im Jahre 1910 gab er die Politik auf. Es wurde ihm klar, daß er
vollständig ungeeignet war, das Spiel der Politik mitzumachen. Er war
kein guter Redner. Seine Stimme war schwach, und er hatte nie daran
gedacht, sie auszubilden. Er hatte eher eine Verachtung für fließendes
Reden: in einem Lande, das stets von redegewandten Leuten regiert
worden war, entschieden ein Fehler!
Stets zog er das Geschäft der Politik vor. Das Geschäft war sein Leben.
Er liebte seine Aufregungen und seine Nützlichkeit. Immerwährend las er
Bücher über Geschäft.
Er war kein Zuschauer. Er war voll Energie -- durchaus Tatmensch.
Er liebte seinen großen Schreibtisch in seinem großen Bureau in dem
Cambrian-Gebäude in Cardiff.
Er hatte einen stahlharten Willen, aber er war weder grob noch laut.
Er war ein ruhiger, zäher, schlauer Mann, der alles vorauszusehen
schien.
Er hatte auch Streiks, natürlich. Niemand kann die Bergleute von
Süd-Wales beschäftigen, ohne Streiks zu haben. Aber selbst die
Streikleiter achteten D. A. und sympathisierten mit ihm, wenn die
Schlacht einmal vorüber war.
Sein ganzes Leben lang war er ein Gegner der Staatskontrolle.
Sein einziger Fehler in dieser Hinsicht war sein Vorschlag, ein
Gesundheitsamt zu errichten. Er widersprach der Staatsidee amtlich
fixierter Löhne, ohne Rücksicht auf seine persönlichen Vor- oder
Nachteile.
Er hatte eine Menge Feinde -- Leute, die versucht hatten, ihn zu
narren, ihn zu betrügen oder ihn zu bedrohen. »Kein Mann ist sein Salz
wert,« sagte er, »der keine Feinde hat.«
Er verachtete langsame, verschlagene und unverläßliche Leute. Er war
kein Idealist. Er wußte, was Menschennatur ist. Aber er war durchaus
für ein faires Spiel und Festhalten an seinen Regeln.
Als er reich wurde, verdarb ihn sein Geld nicht. Er wurde niemals ein
Nabob. Er war immer gesellig. Er liebte die Arbeiter und zog jederzeit
ein Kohlenbergwerk dem Hause der Lords vor.
Er liebte die Landwirtschaft, aber er konnte sie nie einträglich
gestalten. Wer kann es? Er hatte eine große Herde von Hereford-Schafen
und einen großen Landsitz in Monmouthshire.