Gillette und sein dummes Rasiermesser wurden neun Jahre lang ausgelacht

-- an diesen Punkt muß man sich erinnern. Jeder Kapitalist, den

Gillette im Verlaufe dieser neun Jahre kennenlernte, hätte für einen

Pappenstiel einige dieser Gillette-Aktien bekommen können.

Im Jahre 1901 fand Gillette einen Meistermechaniker -- W. E. Nickerson

--, einen Mann von ungewöhnlicher Geschicklichkeit. Er vervollkommnete

das Rasiermesser, und eine Gesellschaft wurde gebildet.

Aber bis zum Jahre 1902 konnte kein einziger Rasierapparat verkauft

werden. Niemand wollte ihn haben. In Verzweiflung begann Gillette die

Rasierapparate zu verschenken.

Einen davon gab er einem Geschäftsmann namens John Joyce. Joyce

rasierte sich damit. Er gefiel ihm. Er kaufte für 12000 Pfund Aktien.

Die kleine Rasierapparate-Gesellschaft begann dann zwar einige

Rasiermesser zu verkaufen, aber Gillette mußte sich und seine Familie

durch den Verkauf von Stahlkorken in England und den Staaten erhalten.

Im Jahre 1904 betrat der richtige Reklamemann die Bühne. Ich weiß

nicht, wie er hieß, aber er war das letzte Glied in der Kette des

Erfolges.

Der Rasierapparat begann zu gehen.

Geld in Fülle ergoß sich über Gillette.

Sein langjähriger Chef im Stahlkorkengeschäft kaufte für 8000 Pfund

Aktien und ist heute mächtig froh, daß er es getan hat.

Gillette war klug genug, eine große Anzahl Aktien für sich selbst zu

behalten. So war sein Traum mit 49 Jahren Wahrheit geworden.

Heute ist sein Bild in jedem Ort der Welt zu sehen, ja fast in jeder

Straße, da es auf der Verpackung einer jeden Rasierklinge angebracht

ist.

In den letzten 17 Jahren hat er eine Gesellschaft mit einem Vermögen

von 6000000 Pfund aufgebaut, deren Reingewinn 1500000 Pfund jährlich

beträgt.

Er hat drei Fabriken -- in England, Kanada und den Vereinigten Staaten.

Er hat einen vollständig neuen Typus des Rasiermessers geschaffen und

hat ihn zu gutem Preise an Millionen Männer verkauft.

Er ist noch am Leben und voll neuer Ideen.

Seine letzte Vorliebe ist der Nera-Car -- eine neue Art Motorrad.

Er ist nahezu 70 Jahre alt und ein Weltbürger. Er hat in London, Paris,

Florida und Neuyork gelebt. Zur Zeit lebt er in Kalifornien.

Er hat eine vergängliche Notwendigkeit erfunden. Er hat etwas erfunden,

was die Käufer zwang, seine dauernden Kunden zu werden.

King C. Gillette stellte stets neue Ideen voran, und er hatte

immer großzügige Ideen. Er schuf eine neue Idee. Er formte diese

Idee zu einer Tatsache und dann verkaufte er diese Tatsache an die

glattrasierten Männer der zivilisierten Welt.

Das ist der Grund, warum ich ihn den größten Verkäufer nennen kann, dem

ich jemals begegnet bin.

Joseph Fels.

Joseph Fels war der kleinste Mann, den ich jemals gekannt habe. Er war

nicht größer als ein zwölfjähriger Junge. Aber in Verstand und Herz war

er einer der größten und edelsten Menschen seiner Generation.

Er war so liebenswürdig, daß es schwer ist, über ihn zu schreiben,

ohne sich fortreißen zu lassen und zuviel zu sagen. Er war ein

Freundschaftsmensch, er erwarb Freunde leicht und behielt sie.

Durch Joseph Fels habe ich erfahren, wie verwerflich es war, daß man

tausend Leuten gestattete, den größten Teil des englischen Grund

und Bodens zu monopolisieren. Joseph Fels war ein Anhänger des

Einheitssteuersystems.

Seine Überzeugung war, daß man das brachliegende Land und nicht das

tätige Kapital besteuern müsse. Er war der tätigste und weitblickendste

Landreformator, den England gehabt hat. Er war der Schöpfer des

»Verteilungssystems«.

Wenn jemals ein Mensch bis in sein tiefstes Inneres durch menschliches

Elend erschüttert worden ist, so war es Joseph Fels. Er war mehr wie

eine Mutter als wie ein Mann:

ein Millionär -- und trotzdem marschierte er mit den

Arbeitslosen im Jahre 1905 nach dem Hyde-Park.

Er war der Freund sozialistischer Führer und des Kronprinzen von

Schweden. Er saß in Oxford und in den Gewerkschaftshallen. Er war ein

ernster, wohlerfahrener Mann, ohne Prahlerei, Doppelzüngigkeit oder

angemaßte Würde. Er verdient ein Denkmal im Hyde-Park. Eines Tages

wird er es haben -- er sowohl wie Henry George und Alfred Russel

Wallace, die Führer der Landreform.

Joseph Fels war in einem kleinen Landhaus in Virginia zur Welt

gekommen. Sein Vater arbeitete emsig, aber nicht sehr erfolgreich. Er

machte Toilettenseife.

Joseph war ein schlechter Schüler, wie die besten Jungen es gewöhnlich

sind. Er liebte das tägliche Einerlei und das Auswendiglernen nicht.

Mit 15 Jahren lehnte er sich auf und verweigerte es, länger in die

Schule zu gehen.

Er wurde Reisender in Seife. Er sparte sein Geld und mit 22 Jahren

kaufte er eine kleine Seifensiederei um 800 Dollar und wurde Fabrikant.

Fünfzehn Jahre lang widmete er seine volle Energie seinem Geschäft. Er

nahm seine Brüder als Teilhaber hinein.

Da die Konkurrenz im Seifengeschäft sehr lebhaft war, erkannte er die

Notwendigkeit einer Spezialität. Er fand sie -- eine Naphtaseife, mit

der man Flecken aus Kleidern entfernen konnte. Er kaufte das Rezept

zur Erzeugung dieser Seife und begründete so sein Vermögen. Sie ist

jetzt über die ganze Welt verbreitet.

Mit 20 Jahren verliebte er sich in ein Mädchen von großem Reiz und

großer Tüchtigkeit. Auch sie war sehr klein. Sie paßten ausgezeichnet

zueinander und waren in ihrem Familienleben sehr glücklich. Soviel

ich weiß, war das einzige Leid, das jemals ihr Heim befiel, der Tod

ihres Kindes. Fels hatte eine Leidenschaft für Kinder und erholte sich

niemals vollständig von diesem Verlust.

Als er reich geworden war, widmete er den größten Teil seiner Zeit

sozialen Problemen.

Er hörte auf, für sich selbst zu arbeiten und arbeitete

für andere.

Es gab zwei Dinge, die Joseph Fels haßte, soweit seine Natur ihm

überhaupt zu hassen gestattete, und diese beiden Dinge waren

Verschwendung und Ungerechtigkeit. Wie Sie sehen, war er halb ein

Geschäftsmann und halb ein Apostel. Er glaubte gleichmäßig an Erfolg

und an Güte.

Er war nicht der Meinung, daß Geld irgend etwas Gutes bewirken könne,

und ebensowenig glaubte er daran, daß man den Himmel auf Erden Leuten

predigen sollte, die ungerecht behandelt wurden.

Er behauptete, daß die größte Verschwendung in England das

brachliegende Land sei. Da liegt es, dreißigtausend Morgen groß,

während fünfzigtausend Arbeitslose auf dem Trafalgar-Square nach Brot

rufen!

Brachliegendes Land und brachliegende Menschen: Warum werden im

Namen der Menschlichkeit und der Vernunft diese beiden nicht

zusammengebracht, um so die Fruchtlosigkeit beider abzuschaffen? Das

war die Frage, die Joseph Fels den Staatsmännern Englands vorlegte, und

keiner von ihnen hat sie bis jetzt beantwortet.

Noch immer gibt es brachliegendes Land, und noch immer gibt es

arbeitslose Männer -- frühere Soldaten und Seeleute --, Zehntausende

davon.

Als das größte aller Verbrechen erschien Fels, für einen Mann einen

Palast inmitten zehntausend Morgen brachliegenden Landes zu errichten,

während zweihundert Familien in schmutzigen Hütten zusammengepfercht

sind, ohne einen Fuß Landes ihr Eigen nennen zu können.

Fels mochte weder Armut noch Luxus leiden. Er betrachtete beides als

dem Volke nachteilig. Niemand sollte ganz ohne Besitz sein, dachte er,

und niemand sollte zuviel davon haben.

Er betrachtete die Menschen als wichtiger denn alles übrige, als

Finanz und Geschäft, als Erblichkeit und Aristokratie, ja selbst als

Regierung: er war wirklich ein eigenartiger Millionär.

In einer Ansprache an eine Handelskammer sagte er einmal: »Ich besitze

in einer gewissen Stadt 11½ Morgen Land, für die ich vor einigen Jahren

6500 Pfund Sterling gezahlt habe. Durch das Anwachsen der Bevölkerung

dieser Stadt ist mein Grundbesitz jetzt auf 25000 Pfund Sterling

gestiegen.

Ich habe nichts dazu getan, diese Wertsteigerung zu bewirken. Meine

Mitbürger haben sie geschaffen, und ich glaube, daß sie ihnen und

nicht mir zugute kommen soll. Ich glaube daran, daß wir diese

Gemeinschaftswerte für unsere gemeinsamen Zwecke in Anspruch nehmen

sollten, anstatt Unternehmungen und Industrien zu besteuern.«

Fels gab Tausende aus, um seine Idee

»Das Land dem Volk«

zu verbreiten. Er sandte jedem Wähler in Großbritannien ein Paket

Flugblätter, Jahr für Jahr nahm er an jedem Gewerkschaftskongreß teil.

Einmal hatte er versprochen, einem fünfjährigen kleinen Mädchen einen

Esel zu kaufen. Kurz darauf kam er auch an, einen Esel am Halfter,

dem jedoch noch ein kleiner neugeborener Esel folgte. Man fragte ihn:

»Warum haben Sie zwei gekauft?« »Sie sehen,« antwortete er, »ich konnte

doch Mutter und Kind nicht trennen, und so habe ich beide gekauft.«

Bei einer Tischgesellschaft saß er neben einer Dame, die versuchte, ihm

ihre überlegene Bedeutung einzuprägen. Sie beschrieb einen gewissen

Mann und sagte: »Natürlich ist er nicht unseresgleichen.« Fels

antwortete ruhig: »Ist nicht jedermann unseresgleichen?«

Er baute sich ein Haus in Bickley in Kent und ließ folgende Inschrift

über seinem Tor anbringen:

Was ich ausgegeben habe, das hatte ich.

Was ich gespart habe, habe ich verloren.

Was ich gegeben habe, das habe ich.

Als er einmal im Balliol-Kolleg in Oxford sprach, begann er seine

Vorlesung mit den Worten: »Ich will zu Ihnen über das Land sprechen,

über diese Erde, auf der Sie leben. Wer schuf sie? Wem gehört sie? Wer

hat ein Recht auf sie?

Und wie kann Gelehrsamkeit in einem Volke blühen, das Ungerechtigkeit

gestattet?«

Bei einer anderen Gelegenheit überraschte er sein Londoner Auditorium

in der Gildenhalle, indem er sagte: »Nicht weiter als eine Omnibusfahrt

vor der Bank von England liegen 10000 Morgen Land in London brach. Wäre

dieses Land ordnungsgemäß bebaut, so könnte es 8000 Familien erhalten.«

Joseph Fels war ein Mensch gewordenes Weberschiffchen. Er wob alle Art

Leute zusammen. Reichtum und Ehren, mit denen er überschüttet wurde,

konnten ihn nicht verderben.

Er war ein Landbesitzer, und doch verlangte er, daß sein Land schwerer

besteuert werden sollte. Er war ein Kapitalist, und doch unterstützte

er die Kandidaten der Arbeiterpartei.

Er war

ein Mann der Wahrheit.

Sein ganzes Leben lang focht er gegen Dummheit und Grausamkeit. Er

machte die Welt edler und intelligenter. Er starb 1914, unmittelbar

bevor der große Krieg begann.

Einer seiner nächsten Freunde in England war George Lansbury, der

Herausgeber des »Daily Herald«, ein Führer der Arbeiterpartei. Lansbury

schrieb einmal über Fels:

»Ich lernte Joseph Fels im Sommer 1903 kennen. Er kam in mein Haus wie

ein frischer Luftzug. Die offenbare Ehrenhaftigkeit seiner Ziele und

seine Menschenliebe überzeugten uns sofort.

Ich hatte sehr wenig von ihm gehört, und ich bekenne, daß ich

einigermaßen gegen ihn voreingenommen war, weil er ein reicher

Amerikaner war. Aber nachdem ich fünf Minuten mit ihm gesprochen

hatte, waren meine Zweifel und Befürchtungen zerstreut und dann begann

zwischen uns eine enge und intime Freundschaft, die niemals enden kann.

Er ließ mich mehr als je zuvor einsehen, daß es der Mühe wert ist, für

eine große Sache zu ringen und zu kämpfen, und er erfüllte mich mit dem

Glauben an meine Mitmenschen.«

So spricht ein Arbeiterführer von einem Kapitalisten. Zeigt das nicht,

daß alle Unterschiede der Klasse und des Vermögens ernstlich betrachtet

sehr unwesentliche Dinge sind, und daß alle Menschen, die das Herz auf

dem rechten Fleck haben, Mitarbeiter und Freunde werden können?

George Westinghouse.

Ich lade Sie ein, fünf Minuten darauf zu verwenden, aus folgenden drei

Gründen die Geschichte des George Westinghouse zu lesen:

1. Er war ein Erfinder, der eine Gesellschaft mit zwölf Millionen Pfund

Aktien aufbaute.

2. Er war ein Arbeitgeber von fünfzigtausend Arbeitern, die niemals

streikten.

3. Er war ein Mann, der reich und berühmt wurde, dabei aber bis zum

letzten Tag seines Lebens einfach, freundlich und nützlich blieb.

Westinghouse wurde natürlich, wie die meisten großen Männer, arm

geboren. Sein Vater war ein Farmer, der gleichzeitig eine Tischlerei in

einem kleinen Dorfe in den Vereinigten Staaten betrieb.

Er wurde 1846 geboren, und es ist erwähnenswert, daß ein Jahr vor

seiner Geburt sein Vater sich mit der Erfindung einer Dreschmaschine

befaßte. So mag es einen vorgeburtlichen Einfluß gegeben haben, der den

Kleinen dazu bestimmte, ein großer Erfinder zu werden.

Als Schüler war der junge George Westinghouse hoffnungslos --

wenigstens sagte der Lehrer so. Er war ein großer plumper Junge, stets

bereit zu raufen, und mit einem Willen und einem Temperament, die ihn

unkontrollierbar machten.

Immer war er der Letzte in seiner Klasse, und Eltern und Lehrer waren

begierig, was jemals aus ihm werden würde. Wie Darwin, Edison, Clive

und viele andere war er ein »häßliches Entlein«, das aufwuchs, um ein

Schwan zu werden.

So oft er konnte, lief er von der Schule fort und schnitzte mit seinem

Taschenmesser Maschinen aus Holz. Meist erwischte ihn sein Vater und

zerbrach die Maschinen. Väter sind gewöhnlich so.

Schließlich hatte einer der Arbeiter seines Vaters Mitleid mit dem

Jungen und richtete ihm auf einem Heuboden eine kleine Werkstatt ein,

fern von den väterlichen Eingriffen.

Mit 14 Jahren verließ er die Schule und wurde für zwei Schilling pro

Tag Arbeiter bei seinem Vater. Aber auch dieser Betrag war nach Ansicht

von Westinghouse Senior noch zu viel, weil der Junge seine Zeit damit

zubrachte, eine Maschine zu erfinden, welche die Arbeit an seiner Statt

verrichten sollte.

»Sein einziger Wunsch ist, die Arbeit zu vermeiden«,

sagte der Vater, der ihn nicht verstehen konnte.

Mit siebzehn Jahren wurde er Soldat im amerikanischen Bürgerkrieg. Er

trat bei der Kavallerie ein, weil er dachte, daß Reiten leichter wäre

als zu Fuß zu gehen; und er war sehr enttäuscht, als er merkte, daß er

für sein eigenes Pferd zu sorgen habe.

Mit 19 Jahren bezog er die Universität, aber er fühlte sich dort

so wenig am Platz wie ein Fisch in einem Sack Federn. »Es war zum

Verzweifeln mit ihm«, sagte einer der Professoren. »Sein Gehirn sehnte

sich nach schöpferischem Tun, nicht nach dem Auswendig lernen von toten

Sprachen und Ideen.«

So ging der junge Westinghouse auf den Rat des Universitätspräsidenten

wieder nach Hause und wurde Mechaniker. Er arbeitete für seinen Vater

für acht Schilling den Tag.

Mit 20 Jahren hatte er das Glück, einen Eisenbahnunfall zu erleben.

Zwei Waggons entgleisten und die Linie war zwei Stunden lang gesperrt.

Sofort dachte er an eine Erfindung, um die Wagen in einer halben Stunde

wieder in das Geleise zu bringen. Er erhielt ein Patent und fand

tatsächlich zwei Leute, die um je tausend Pfund Anteile an dem Patent

erwarben.

Das war der Anfang seiner wirklichen Karriere. Von diesem Augenblick an

wendete er sein ganzes Leben an die Erfindung von Verbesserungen für

Eisenbahnen.

Um diese Zeit verliebte er sich auch. Er lernte ein schönes Mädchen

namens Marguerite Walker in einem Eisenbahnwaggon kennen -- all sein

Glück kam immer von Eisenbahnen. Er heiratete sie, und sie wurde seine

unzertrennliche Genossin in allen seinen Erfolgen und Mißerfolgen.

In ihrer Art war sie gerade so klug und originell wie er.

Sie war ihm immer mehr als die ganze Welt.

Wie sie ihm im Leben folgte, folgte sie ihm auch rasch im Tode.

Bald nach seiner Heirat sah Westinghouse einen zweiten Eisenbahnunfall.

Zwei Züge waren zusammengestoßen. Die Strecke war eben und gerade. Er

fragte, warum der Zusammenstoß erfolgt sei.

»Die beiden Lokomotivführer sahen einander, aber sie konnten nicht

anhalten,« sagte der Bahnhofsvorsteher. »Sie hatten zu wenig Zeit. Man

kann einen Zug nicht in einem Augenblick bremsen!«

Westinghouse hörte nicht auf, zu fragen: Warum? Er studierte das

altmodische Handbremssystem und fand, daß es unzulänglich sei.

Monatelang studierte er das System. Er versuchte es mit einer langen

Kette, die der Führer anziehen sollte. Aber das war zu schwerfällig. Er

versuchte Dampf, aber der wurde von Hitze und Kälte beeinflußt.

Dann kam ein glücklicher Zufall. Eines Morgens kam eine junge Dame in

sein Bureau und versuchte, ihn als Abonnenten auf eine Monatsschrift,

genannt »The Living Age« (Das lebende Zeitalter), zu gewinnen.

Westinghouse lehnte ziemlich kurz angebunden ab, und traurig wendete

sie sich weg. Da bemerkte er, daß sie sanft und schüchtern war, und

bedauerte seine Grobheit. Er rief sie zurück und gab ihr acht Schilling.

»Sie können mir Ihre Monatsschrift einige Monate lang schicken,« sagte

er.

Bald kam die erste Nummer, und Westinghouse, der niemals viel gelesen

hatte, war erstaunt, einen Artikel zu finden, der ihm das Problem der

Bremse löste.

Der Artikel hieß »Im Mont Cenis Tunnel«. Er stammte von einem

englischen Ingenieur und erzählte, wie der Tunnel durch die Anwendung

von Preßluft gegraben worden war.

Der englische Ingenieur (ich wollte, ich wüßte seinen Namen) erzählte,

wie die Preßluft dreitausend Fuß weit durch eine Röhre herangebracht

und dazu verwendet wurde, um einen Bohrer durch das Felsgestein des

Mont Cenis zu treiben.

Westinghouse schrie auf vor Freude! Hier war der Wink, den er gebraucht

hatte. Wenn Preßluft verwendet werden konnte, um einen Bohrer zu

treiben, warum konnte sie nicht verwendet werden, um die Bremsen eines

Zuges anzuziehen?

Er legte alles andere beiseite und stürzte sich in die Aufgabe, die

erste Luftbremse zu konstruieren. In wenigen Wochen hatte er eine

hergestellt. Sie funktionierte. Im Nu war er einer der größten Erfinder

der Welt geworden.

Natürlich begegnete er den üblichen Schwierigkeiten, denen sich

jeder Pionier gegenüber sieht. Die Eisenbahnleute hielten ihn für

einen Narren. Sein eigener Vater lehnte es ab, ihm für solch ein

»Kinderspielzeug« wie eine Luftbremse Geld zu leihen.

Westinghouse wanderte von einem Eisenbahnbureau zum andern und wurde

von den meisten Eisenbahndirektoren wie ein harmloser Irrer behandelt.

»Einen Zug durch Wind aufzuhalten! Was denn

sonst?«

Schließlich fand er einen Fachmann, der Mut und Vernunft hatte -- Mr.

W. W. Card von der Panhandle-Eisenbahn.

Mr. Card war bereit, Westinghouse einen Versuch zu gestatten, aber nur

unter der Bedingung, daß dieser die Ausgaben selbst trage.

Zu dieser Zeit hatte Westinghouse überhaupt keine Geldmittel -- aber

er stimmte zu. Dann lief er zu allen seinen Freunden und borgte jeden

Heller, den er bekommen konnte. Es war ein junger Mann namens Ralph

Baggaly, der ihn besonders unterstützte.

Eine Versuchsfahrt wurde unternommen. Der Lokomotivführer war ein

eifriger junger Mann namens Daniel Tate. Unmittelbar vor der Abfahrt

gab ihm Westinghouse eine Zehnpfundnote als Trinkgeld: »Gib der Bremse

eine gute Chance, Dan!« sagte er. Es war alles Geld, was Westinghouse

hatte, und auch dieses war geliehen.

Dann ereignete sich ein glücklicher Zufall. Der Versuchszug lief

dreißig Meilen die Stunde, als ein Fuhrwerk das Geleise kurz vor ihm

zu kreuzen versuchte. Der Kutscher hieb auf die Pferde ein, aber diese

scheuten rückwärts und schleuderten ihn zwischen die Schienen.

Tate zog die Luftbremse an. Der Zug blieb stehen -- vier Fuß vor dem

am Boden liegenden Kutscher. Das war das sensationelle Debut der

Luftbremse. Danach regnete es viele Aufträge und viele Zehnpfundnoten.

Drei Jahre später kam Westinghouse nach England und schlug seine zweite

Schlacht mit den Eisenbahndirektoren. Sein bester Freund war die

Zeitung »Engineering«, die von Anfang an seine Sache verfocht. Und sein

erster Auftrag kam von der Metropolitan District Railway in London.

Im Jahre 1881 war die Luftbremse bereits in allgemeiner Verwendung.

Westinghouse hatte eine große Fabrik in Pittsburg. Mit 35 Jahren war er

reich und berühmt geworden.

Er lebte dann noch 33 Jahre, und jedes davon war von neuen Ideen und

Erfindungen erfüllt. Er stürzte sich auf Elektrizitätswerke und

Gasmaschinen. Er ließ neue Fabriken aufsprießen wie ein Farmer den

Weizen.

»Niemand kann erraten, wo der Alte das nächste Mal ausbrechen wird«,

pflegten seine Leute zu sagen.

Das Beste aber war, daß sein Erfolg ihn nicht verdarb.

Er hatte einen starken Willen und war beherrschend, wie es jeder Führer

sein muß. Aber er verlor niemals die Fühlung mit seinen Leuten.

Seine Arbeiter standen stets loyal zu ihm. Wenn seine Bankiers nur

halb so loyal zu ihm gestanden wären, hätte er niemals die finanzielle

Kontrolle über sein Geschäft verloren.

Einmal boten ihm seine Arbeiter an, gegen halben Lohn

zu arbeiten, weil sie wußten, daß er Geld brauchte.

Ein andermal brachten seine Leute 120000 Pfund auf, um ihm

durchzuhelfen zu einer Zeit, in der ihn die Banken hart bedrängten.

Ernst, zäh, ehrenhaft, anständig, angriffslustig, optimistisch,

energisch, mutig -- so war George Westinghouse. Er war stolz auf seine

Arbeiter. Er erzog sie und arbeitete an ihrer Seite. Er liebte sein

Werk und seine Werkleute. Und als er im Jahre 1914 starb, trugen die

Bahre acht alte Mechaniker, die mehr als vierzig Jahre lang seine

Mitarbeiter gewesen waren.

Charles Seabrook.

Charlie Seabrook: Nein, Sie haben nie von ihm gehört. Er ist noch nicht

berühmt. Er hat gerade angefangen.

Er ist erst 43 Jahre alt, aber er ist der leistungsfähigste Farmer der

Welt.

In einem Jahre hat er auf einer Farm von 1200 Morgen um eine Million

Pfund Gemüse gezogen.

Er betreibt seine Farm wie eine Fabrik. Er ist kein Farmer im

gewöhnlichen Sinne. Er begnügt sich nicht damit, Samen in den Boden zu

streuen und dann die Natur und die Vögel das weitere tun zu lassen.

Er ist ein Gemüsefabrikant. Und er erzielt ein größeres Erträgnis per

acres als jemals jemand vor ihm erzielt hat.

Die Geschichte von Charlie Seabrook beginnt mit seiner Geburt auf einer

kleinen Farm in Bridgetown, New-Jersey, U. S. A., im Jahre 1883.

Sein Vater war ein Anglo-Amerikaner, der als Farmer nicht besonders

erfolgreich war.

Mit fünf Jahren begann Charlie zu arbeiten. Mit 14

Jahren verrichtete er die Arbeit eines erwachsenen

Mannes.

Seine Arbeit war Schwerarbeit, aber Schweiß, Schmutz und Plackerei

waren ihm zuwider. Er arbeitete mit den Händen, weil es notwendig

schien -- doch während er arbeitete, überlegte er: Gibt es keine

bessere, schnellere und leichtere Art, eine Farm zu betreiben?

So lernte er Bücher und Zeitschriften schätzen. Er kaufte jedes gute

Buch über landwirtschaftlichen Betrieb, das er sich leisten konnte.

Er war ein Leser und Denker. Das war der Anfang seines Erfolges.

Mit 25 Jahren hatte er drei bestimmte Ideen:

1. Die Farm braucht mehr Regen.

2. Die Farm braucht mehr Düngemittel.

3. Eine Ernte im Jahre ist nicht genug.

Zunächst richtete er ein oberirdisches Berieselungssystem ein. Er

führte eine 1¼zöllige eiserne Röhre über sechs Fuß hohe Pfosten. Die

Röhre war durchlocht, um einen feinen Sprühregen zu ermöglichen. Die

Röhren wurden 50 Fuß voneinander aufgestellt. Er erprobte dieses System

auf einer Fläche von drei Morgen und die Ergebnisse waren vorzüglich.

So verbesserte er die Natur. Er schuf künstlichen Regen. Wo früher nur

ein Stengel wuchs, ließ er nun deren zehn wachsen.

Bis zu seinem 25. Jahre arbeitete Charlie Seabrook für seinen Vater.

Von da an arbeitete der Vater für Charlie -- er war einer der klügsten

Väter, von denen ich je gehört habe.

Im Jahre 1911 verdienten die beiden Seabrooks 5000 Pfund Sterling.

»Jetzt wollen wir das auf die Bank legen«, sagte der Vater.

»Nein,« sagte Charlie, »wir wollen es wieder in den Boden stecken. Der

Boden ist die beste Bank.«

Sie steckten es in den Boden. Sie verschwendeten es gleichsam an den

Boden. Die Nachbarfarmer hielten sie für verrückt.

»Bringt dir dein Geschäft einen Schilling -- tue ihn

wieder in das Geschäft, um mehr zu verdienen!«

Das ist einer der Grundsätze, den Charlie Seabrook aus seinen Büchern

gelernt hatte.

Wie wenige Farmer erkannte er den Wert des Kunstdüngers. Er fand, daß

der Boden erst geschaffen werden müsse, daß ihn die Natur erst zur

Hälfte geschaffen hat.

Gewöhnlicher Boden ist ebensowenig Boden wie vier Räder und ein Zahnrad

ein Motorwagen sind. Er ist nur ein Anfang -- ein Ort, auf dem die

Ernten stehen sollen.

Die Erfolgreichen · 第 5 / 7 段