6. Der Zollkrieg und die ersten Zollvereine.

a) _Die Stuttgarter Zollkonferenzen._

Als die Darmstädter Konferenzen im Sterben lagen, gaben die kleinen

thüringischen Staaten die Erklärung ab: wenn man in Darmstadt sich nicht

vereinige, so sähen sie sich genötigt, einen bereits verabredeten

bedingten Vertrag auszuführen und »einen in sich geschlossenen

Handelsstaat« zu bilden — »eine Selbsthilfe, welche das Bild der

Zwietracht, das Deutschlands Staaten darstellen, zur höchsten Vollendung

zu bringen gemacht wäre.« Und wahrlich, der Süden bot einen jammervollen

Anblick nach dem Abbruch der Darmstädter Verhandlungen. Jedes Kabinett

ging trotzig und verstimmt seines eigenen Weges. Die darmstädtische

Regierung versuchte noch einmal (Februar 1824), die oberrheinischen Höfe

zur Annahme gleichförmiger Zollgesetze zu bewegen; da dies mißlang, gab

sie ihrem Lande eine selbständige Zollordnung, welche, dem Volke verhaßt,

kaum 80000 Gulden jährlich einbrachte. Der kluge du Thil hatte diesen

armseligen Ertrag vorhergesehen, er wollte sich aber für künftige

Zollverträge ein Unterhandlungsmittel sichern. Auch Württemberg führte im

selben Jahre ein neues Zollgesetz ein, das dem bayrischen nahe stand. Das

Schmuggelgeschäft in Frankfurt und in Baden blühte wie nie zuvor. Törichte

Retorsionen belästigten den Verkehr. Als Württemberg mit der Schweiz über

einen Handelsvertrag verhandelte, sendete Baden sofort einen

Bevollmächtigten nach Zürich, um den Fortgang des Geschäftes argwöhnisch

zu beobachten. In der Schweiz herrschte dasselbe Elend germanischer

Zersplitterung; konkordierende und nicht konkordierende Kantone fanden des

Haders kein Ende, die Verhandlungen rückten kaum von der Stelle.

Nur der Stuttgarter Hof gab in diesem Zeitraum allgemeiner Zerfahrenheit

die Triasträume und Zollvereinspläne nicht auf. Der württembergische

Gesandte in München, Freiherr von Schmitz-Grollenburg, ein rühriger

Liberaler, gleich seinem Gönner Wangenheim begeistert für den Bund der

Mindermächtigen, ließ nicht ab, das bayrische Kabinett um Wiederaufnahme

der Verhandlungen zu bitten. Eine geraume Zeit hindurch fand er keinen

Anklang; sein Freund Lerchenfeld konnte nicht aufkommen gegen Rechberg,

der rundweg aussprach, eine gemeinschaftliche Zollgrenze sei entwürdigend

für die rückwärtsliegenden Staaten. Auch bestand im altbayrischen Volke

wenig Neigung mehr für die Zollvereinspläne; die öffentliche Meinung

verlor das Vertrauen zu den immerdar vergeblichen Unterhandlungen.

Immerhin hatten die Darmstädter Beratungen die Lage etwas geklärt.

Süddeutschland zerfiel in zwei Gruppen. Die beiden Königreiche auf der

einen, die Rheinuferstaaten auf der anderen Seite, waren sich der

Gemeinschaft ihrer Interessen bewußt geworden. Eben diese Sonderung zweier

Gruppen führte dann zu neuen Einigungsversuchen. Baden schloß mit

Darmstadt (10. September 1824) einen Vertrag, der den eigenen Produkten

der beiden Staaten einige Erleichterung gewährte, und sendete sodann

seinen Nebenius zu gleichem Zwecke nach Württemberg. Der badische

Bevollmächtigte ward in Stuttgart sehr unfreundlich aufgenommen und

wochenlang hingehalten, da der württembergische Unterhändler stets zur

unpassenden Stunde unwohl wurde. Gekränkt und verstimmt dachte er schon

heimzureisen; da erfuhr er endlich, daß Württemberg inzwischen schon eine

neue geheime Verhandlung mit Bayern begonnen habe. Die Nachricht von dem

badisch-hessischen Vertrage hatte den Münchener Hof mit schwerer Sorge

erfüllt. Man fürchtete die Führerschaft im Süden zu verlieren und geriet

in Unruhe wegen der Rheinpfalz; diese unzufriedene Provinz forderte

dringend, fast drohend eine Verständigung mit den Rheinuferstaaten, die

für ihr Handelsinteresse weit wichtiger seien als die altbayrischen Lande.

Überdies hatte Blittersdorff den unsterblichen Artikel 19 und die

Handelssache soeben am Bundestage wieder zur Sprache gebracht; und obwohl

dies nur ein Zeichen der Ratlosigkeit war, so wollte doch Bayern jede

Einmischung des Bundes abschneiden. So geschah es, daß

Schmitz-Grollenburgs Anträge jetzt in München einer günstigeren Stimmung

begegneten. König Max Joseph(65) gestattete, daß der württembergische

Geheimrat Herzog nach München kam. Während man Nebenius in Stuttgart mit

leeren Ausflüchten vertröstete, ward an der Isar über einen süddeutschen

Zollverein verhandelt.

Schon am 4. Oktober 1824 kam dort ein vorläufiger Vertrag zustande; im

folgenden Monat traten die Bevollmächtigten der beiden Königreiche in

Stuttgart zusammen, um die Vereinbarung endgültig festzustellen. Gewitzigt

durch den ziellosen Meinungswirrwar der Darmstädter Konferenzen, zogen

Bayern und Württemberg diesmal vor, zunächst unter sich ins reine zu

kommen, dann erst die kleinen Nachbarn zum Beitritt aufzufordern. Ein

richtiger Gedanke, sicherlich, doch die Heimlichkeit des Verfahrens

verletzte die oberrheinischen Höfe. In Karlsruhe wie in Darmstadt prahlte

man gern: wir können Bayerns entbehren, Bayern nicht unser, da wir seine

Verbindung mit der Rheinpfalz beherrschen. Um so bitterer empfand man das

rasche Vorgehen des Münchener Hofes. Um »den Prätensionen der königlichen

Höfe« entgegenzutreten, eilte Berstett nach Frankfurt, besprach sich dort

mit Marschall. Gleich darauf (19. November 1824) hielten Berstett,

Nebenius, du Thil und Hoffmann in Heidelberg eine geheime Zusammenkunft,

welche der badische Minister selber in einem vertrauten Briefe »ein

Gegengift« gegen die bayrisch-württembergischen Umtriebe nannte.

Das hier vereinbarte Protokoll, dem nachher auch Marschall beitrat, wurde

bedeutungsvoll für die Geschichte der deutschen Handelspolitik; denn hier

spielte der Partikularismus seinen höchsten Trumpf aus, er stellte seine

letzte und schwerste Bedingung auf. Die verbündeten Staaten verpflichteten

sich, in fester Gemeinschaft vorzugehen und vornehmlich bei dem Verlangen

zu beharren, daß jeder Staat seine Zollverwaltung selbständig führe; nur

unter dieser Bedingung sei ein Zollverein möglich. Baden, das doch in Wien

und in Darmstadt selber eine Zentralverwaltung vorgeschlagen hatte, hielt

jetzt die entgegengesetzte Forderung am hartnäckigsten fest. Die beiden

Königreiche hatten ihr Mißtrauen gegen die allzu nachsichtige badische

Zollverwaltung oft und in verletzender Form ausgesprochen. Der Karlsruher

Hof fühlte sich dadurch tief gekränkt und — er fürchtete die Anwesenheit

bayrischer Zollbeamten in seinem bedrohten pfälzischen Gebiete. Wir

wollen, schrieb Berstett an du Thil, schlechterdings keinen *status in

statu*(66), kein Funktionieren fremder Beamten in unserem Gebiete; und

jener antwortete: auch keine Verpflichtung der Zollbehörden für die

Gemeinschaft, denn sonst könnte der Großherzogliche Zolldirektor dem

Minister sich widersetzen! Ebenso nachdrücklich erklärte Nebenius: »Die

Frage ist ganz einfach diese, ob die Untertanen der einzelnen Staaten in

einem unmittelbaren Verhältnis zu der Gemeinschaft stehen sollen«; hege

man kein Vertrauen zu der redlichen Verwaltung der Bundesgenossen, dann

sei ein Zollverein überhaupt undenkbar. Es war einfach die Gesinnung des

eifersüchtigen Partikularismus, die hier nackt heraustrat. Aber dieser

Partikularismus blieb die Lebensluft des deutschen Bundesrechts. Der

badisch-darmstädtische Vorschlag ergab sich folgerecht aus dem Wesen eines

Staatenbundes. Eine Zentralverwaltung für das Zollwesen ließ sich nur

denken auf dem Boden eines Bundesstaates, eines Reiches.

Indessen hatten die beiden Königreiche ihren Entwurf festgestellt und die

oberrheinischen Kabinette zu Verhandlungen über das Beschlossene

eingeladen. Im Februar 1825 begannen die Stuttgarter Konferenzen — eine

kläglichere Wiederholung der Darmstädter Verhandlungen, von Haus aus

verdorben durch Groll und Mißtrauen. Daß Nassau keinen redlichen Willen

mitbrachte, errieten die preußischen Diplomaten sofort; was ließ sich auch

von diesem Bevollmächtigten, dem hartköpfigen Partikularisten Röntgen(67)

erwarten? Die Darmstädtische Regierung begann schon seit langem zu

bezweifeln, ob ein süddeutscher Verein ihrem Staate nützlich sei. Wein und

Getreide, für jetzt fast die einzigen wichtigen Ausfuhrartikel des

Ländchens, fanden ihren Absatz im Norden; und auch wenn der Verein

zustande kam, blieb Darmstadt nach wie vor ein Grenzland, überall von

Mauten umstellt. Kurhessen hielt sich den Konferenzen fern. Auch der

badische Bevollmächtigte Nebenius kam aus unlustig hoffnungsloser Stimmung

nicht heraus, und erschwerte die Verhandlungen durch seine Reizbarkeit.

Der bayrisch-württembergische Entwurf nahm das bayrische Zollgesetz zur

Grundlage, gewährte den beiden Königreichen eine überwiegende Stimmenzahl

und verteilte die Einnahmen nach der Kopfzahl der Bevölkerung. Hier erhob

sich ein Streit, der wieder ein scharfes Licht warf auf die Gesinnung der

kleinen Höfe. Sollte die Bevölkerung berechnet werden nach einer neuen

Zählung oder auf Grund der provisorischen Bundesmatrikel? Die Matrikel

diente zum Maßstab für die militärischen Leistungen der Bundesstaaten; als

man sie zusammen stellte, ergab sich in vielen Kleinstaaten eine

betrübende Entvölkerung, eine überraschend niedrige Kopfzahl. Jetzt, da

die Zolleinnahmen nach der Stärke der Bevölkerung verteilt werden sollte,

beteuerten die kleinen Gesandten wie aus einem Munde: die Matrikel genüge

längst nicht mehr, die Zahl der Einwohner sei inzwischen zur Freude aller

Wohlmeinenden wunderbar schnell gewachsen!

Den wichtigsten Streitpunkt bildete doch die Frage nach den Formen der

Verwaltung. Die königlichen Höfe verlangten durchaus eine

gemeinschaftliche Zentralverwaltung; sie trauten den Beamten der kleineren

Staaten nicht. Dem württembergischen Finanzminister schien die getrennte

Verwaltung schon darum unzulässig, weil dann nur sehr geringe

Zolleinnahmen unmittelbar in seine Kassen fließen würden; wer bürgte

dafür, daß die Bundesgenossen ihre Überschüsse pünktlich herauszahlten?

Gereizt durch solches Mißtrauen, hielten die Minister der Rheinuferstaaten

abermals eine Zusammenkunft in Mainz (Ende März 1825) und beschlossen,

fest auf dem Heidelberger Protokoll zu bestehen. Triumphierend erzählte

Marschall an Berstett, wie überlegen sein Herzog(68) den Kronprinzen von

Bayern(69) bei einem Besuche in Bieberich abgefertigt habe. »Niemals,

hatte der stolze Nassauer in heiligem Zorne gerufen, niemals werde ich mir

von Euch in meinem Lande Gesetze vorschreiben lassen. Meine

300000 Untertanen sind mir gerade so lieb, wie Euch Eure drei Millionen.

Ich brauche Euch nicht!« — worauf der Bayer den Austausch

freundnachbarlicher Gefühle abschloß mit der Beteuerung: »Wir brauchen

Euch auch nicht!« Zugleich setzte der Karlsruher Hof seinen ergebenen

Landtag in Bewegung; der geistreiche allezeit partikularistische

Staatsrechtslehrer Karl Salomon Zachariä(70) kämpfte auf der Rednerbühne

wider die Anmaßung der königlichen Höfe: »wer ist wohl Herr in seinem

Hause, wenn er die Herrschaft mit anderen teilt?« Da gaben Bayern und

Württemberg endlich nach.

Doch alsbald erhob sich ein neuer Zwist: um den Tarif — ein Streit, der

bei dem grundtiefen Gegensatz der Meinungen zum Bruche führen mußte. Baden

gab als höchsten Zoll für Kolonialwaren 1½ Gulden zu und hielt dies für

ein großes Zugeständnis, während Bayern für Kaffee 15 Gulden forderte;

Wollenwaren dachte Bayern mit 60 Gulden zu belasten, Baden bewilligte nur

8 Gulden als höchsten Satz für Fabrikate. Vergeblich beschwor Miller von

Immenstadt den Karlsruher Hof um Nachgiebigkeit; das Prohibitivsystem

herrsche in der weiten Welt, auch Huskisson könne mit seinen

freihändlerischen Träumen nicht durchdringen. Berstett blieb fest:

»Bayern, schrieb er an Marschall, verlangt, daß wir ohne Ersatz alle

Vorteile unserer geographischen Lage mit ihm teilen. Der König von

Württemberg stimmt den bayrischen Ansprüchen zu, um sich die Gewogenheit

einer gewissen Partei zu erhalten«. Im August 1825 erklärte Baden seinen

Austritt und verkündigte zugleich ein neues Zollgesetz, dessen niedrige

Sätze allgemeine Freude im Lande erregten. Nassau trat ebenfalls zurück.

Auch diesmal spielten politische Bedenken mit; eine Reise des Königs von

Württemberg nach Paris erweckte die Besorgnis, ob der Bund der

Mindermächtigen vielleicht mit französischer Hilfe ins Leben treten solle.

Nebenius versicherte späterhin, ihm habe in Stuttgart immer der Gedanke an

Deutschlands künftige Handelseinheit vorgeschwebt; hohe Schutzzölle im

Süden hätten die spätere Vereinigung mit dem Norden erschweren müssen. Und

sicherlich, wenn unter dem Schutze der bayrischen Zölle eine jugendliche

Industrie in Oberdeutschland emporwuchs, so blieb dem früher entwickelten

preußischen Gewerbefleiß wenig Hoffnung, den süddeutschen Markt für sich

zu erobern; der preußische Staat verlor mithin den einzigen Vorteil, den

ihm ein allgemeiner Zollverein, zur Entschädigung für schwere finanzielle

Opfer, versprach. Gleichwohl ist unverkennbar, daß auch der geistreiche

badische Staatswirt sich nicht frei hielt von jener allgemeinen

schwarzsichtigen Verstimmung, welche die trübseligen Stuttgarter

Konferenzen beherrschte. Von hohen Schutzzöllen war ja gar nicht die Rede.

Die von Bayern vorgeschlagenen Zölle für Fabrikate standen erheblich unter

den Sätzen des preußischen Tarifs; die Gefahr, welche Nebenius fürchtete,

lag zum mindesten noch in der Ferne. Im nächsten Winter hat Bayern noch

einmal versucht, den Verein ohne Baden und Nassau in Gang zu bringen.

Freiherr v. Zu Rhein verhandelte in Stuttgart und Darmstadt. Aber die

Darmstädter Regierung erwiderte, sie könne ohne Kurhessen nicht beitreten.

Da der Kasseler Hof sich weigerte, so war auch dieser letzte Versuch

gescheitert.

So hoffnungslos war die Lage, als König Ludwig den Thron bestieg. Groll

und Erbitterung überall. Selbst der bescheidene Handelsvertrag zwischen

Baden und Darmstadt war schon nach Jahresfrist wieder erloschen, weil die

Behörden mit den Ursprungszeugnissen freundnachbarlichen Mißbrauch

trieben. Nach dem bayrischen Thronwechsel schöpfte König Wilhelm von

Württemberg wieder frischen Mut. Er richtete im Dezember 1826 einen Brief

an seinen erlauchten Nachbarn, schlug ihm vor, die abgebrochenen

Verhandlungen wieder aufzunehmen und zunächst einen

bayrisch-württembergischen Verein zu stiften. König Ludwig ging darauf

ein. Da die beiden Staaten schon in Darmstadt und Stuttgart

zusammengehalten hatten und ihre Zollgesetze nur geringe Unterschiede

aufwiesen, so nahmen die im folgenden Monat zu München begonnenen

Verhandlungen günstigen, wenngleich sehr langsamen Fortgang. Am 12. April

1827 wurde ein Präliminarvertrag unterzeichnet. Man beschloß, »die

angrenzenden Staaten« zum Beitritt aufzufordern und ihnen zugleich die

politische Bedeutung dieses rein deutschen Bundes ans Herz zu legen. Der

werdende Verein war nicht geradezu gegen Preußen gerichtet; er wurde in

Berlin mit gelassener Ruhe angesehen. Freilich ging aus dem Wortlaut jener

Verabredung wie aus dem ganzen Verhalten der Bundesgenossen unzweifelhaft

hervor, daß an Preußens Beitritt nicht entfernt gedacht wurde. Man hoffte

Macht gegen Macht mit Preußen über Handelserleichterung zu verhandeln und

wollte im Notfall selbst Retorsionen gegen die preußischen Zölle anwenden.

Der Verein sollte den Kern des »reinen Deutschlands« bilden, »ein immer

engeres gegenseitiges Anschließen in allen politischen Beziehungen zur

unmittelbaren heilsamen Folge haben«, wie das bayrische Kabinett nach

Stuttgart schrieb.

Indes die angrenzenden Staaten hatten längst verlernt, auf einen

süddeutschen Verein zu hoffen, und sie fürchteten Bayerns Führung. Am

15. Mai 1827 besprachen sich Berstett und du Thil nochmals in Heidelberg;

gleich darauf sendeten die drei oberrheinischen Höfe ablehnende Antworten

nach München. Berstett erwiderte schroff, Baden wolle nicht eine

künstliche Industrie durch Schutzzölle großziehen. Der Nassauer Hof ließ

in Stuttgart seine Verwunderung aussprechen, wie nur Württemberg ein

solches »Merkantilsystem« annehmen und einem größeren Hofe sich

unterwerfen könne. Hessen-Darmstadt aber, außerstande, sein drückendes und

doch unergiebiges Mautwesen länger zu halten, verfeindet mit Kurhessen,

voll Mißtrauens gegen die süddeutschen Nachbarn, richtete endlich

bestimmte Anträge nach Berlin. Dergestalt haben jene Münchener

Verhandlungen die entscheidende Wendung in der Geschichte deutscher

Handelspolitik herbeigeführt — einen heilsamen Umschwung, den weder König

Ludwig noch König Wilhelm beabsichtigte.

b) _Der preußisch-hessische und der bayrisch-württembergische Zollverein._

Minister du Thil, der jetzt die Finanzen und die auswärtigen

Angelegenheiten seines Großherzogtums zugleich leitete, befand sich, wie

er selbst erzählt, in verzweifelter Stimmung. Die Finanznot stieg, das

Volk murrte. Die armen Leineweber auf dem Vogelsberge bei Alsfeld hatten

durch die spanische Revolution ihren Markt verloren, das Hinterland um

Biedenkopf fand, eingepreßt zwischen preußische Gebiete, keinen Absatz

mehr für seine Teppiche und Wollwaren, der Mainzer Handelsstand konnte die

Last der nahen preußischen Zollstellen kaum mehr ertragen. Im Landtage

verlangten einzelne Stimmen, wie schon vor Jahren der Abgeordnete Perrot,

eine Verständigung mit Preußen, andere befürworteten den süddeutschen

Verein. Nur darin war man einig, daß der Staat in seiner vereinsamten

Stellung nicht bleiben könne; die Kammer sprach die Erwartung aus, daß

irgendein Zollverein zustande komme, und gab der Regierung freie Hand.

Großen Eindruck machte auf den Minister eine von dem Fabrikanten Bayer im

Vogelsberge eingereichte, vom Pfarrer Frank verfaßte gründliche

Denkschrift, die überzeugend nachwies, daß der Warenzug des Landes

überwiegend durch Preußen gehe. Darum lehnte du Thil die bayrische

Einladung ab, obgleich Lerchenfeld zweimal von Frankfurt herüberkam und

König Ludwig persönlich im Bade Brückenau den hessischen Staatsrat Hofmann

zu überreden suchte. Immer klarer ward ihm die Erkenntnis, daß nur der

Beitritt zum preußischen Zollsystem noch retten könne. Es war ein kühner

Entschluß für den Minister eines Mittelstaates; denn im Grunde waren doch

alle bisherigen süddeutschen Zollverhandlungen zur Abwehr gegen das

preußische Zollwesen unternommen worden, und seit dem Köthener Streite

stand an sämtlichen Höfen die Meinung fest, daß durch eine Verständigung

mit Preußen die souveräne Würde schimpflich preisgegeben werde. Indes der

mutige Minister war gewöhnt, die Stimmungen des Tages gering zu schätzen,

er pflegte in den Landtagsverhandlungen seine selbständige Gesinnung oft

sehr scharf und nicht ohne verletzende Ironie auszusprechen.

Aber würde Preußen auf den unerwarteten Antrag eingehen? Schon im Sommer

1825 hatte der Darmstädter Hof einmal in Berlin angefragt, ob Preußen

geneigt sei, einen Zollverein mit beiden Hessen abzuschließen, und sofort

eine zustimmende Antwort erhalten. Nachher war Preußen aber wieder

zurückgetreten, weil Kurhessen sich dem Plane versagte, und damals in

Berlin noch die Meinung herrschte, die Erweiterung des Zollsystems dürfe

nur »von Grenze zu Grenze«, von dem näheren Nachbarn zu dem entfernteren

vorschreiten. Aus dieser Meinung erklärte es sich auch, daß ein halbes

Jahr darauf eine zweite, sehr unbestimmt gehaltene Anfrage aus Darmstadt

dahin beantwortet wurde: Verhandlungen mit Darmstadt allein versprächen

keinen Erfolg, weil das Großherzogtum nicht an Preußen angrenze.

Von den freieren und kühneren Ansichten, welche Motz sich inzwischen

gebildet hatte, ahnte du Thil nichts. Er fühlte sich des Erfolges so wenig

sicher, daß er nicht einmal seinen greisen Großherzog(71) zu unterrichten

wagte, sondern zunächst bei Bernstorff, mit dem er von den Wiener

Konferenzen her befreundet war, vertraulich anfragte. Bernstorff aber

kannte die Pläne des Finanzministers ebensowenig wie der Hesse, da er seit

Jahren die Handelssachen an Eichhorn zu überlassen pflegte, und gab eine

zaghafte Antwort: finanziellen Gewinn verspreche der Vertrag für Preußen

nicht, und auf eine unbedingte Unterwerfung des Großherzogtums werde König

Friedrich Wilhelm selbst nicht eingehen wollen. Erst als du Thil

erwiderte, an eine Mediatisierung seines Großherzogs denke er auch

keineswegs, sendete Bernstorff einen zweiten, ermutigenden Brief.

Nunmehr weihte der hessische Minister seinen Großherzog in das Geheimnis

ein und stellte bei dem preußischen Gesandten v. Maltzan, der trotz

wiederholter Andeutungen nicht aus seiner Zurückhaltung herausgegangen

war, am 10. August 1827 die förmliche Anfrage, ob man in Berlin geneigt

sei, einen geheimen Bevollmächtigten seines Hofes zu empfangen. Die Frage

lautete noch immer unbestimmt genug, du Thil sprach nur von gegenseitigen

Handelserleichterungen. Und selbst wenn der bedrängte Darmstädter Hof, wie

zu erwarten stand, weiter ging und zu einem wirklichen Zollverein die Hand

bot, welchen Vorteil gewährte ein solcher Bund den Finanzen und der

Volkswirtschaft Preußens? Der kleine Staat besaß kein zusammenhängendes

Gebiet, grenzte nur auf drei Stellen, auf wenige Meilen, an preußisches

Land. Eben jetzt hoffte man in Berlin, die Verträge mit den Enklaven

endlich zum Abschluß zu bringen; gelang dies, so war ein klarer Gewinn

erreicht, die Länge der Zollgrenzen verminderte sich von 1073 auf

992 Meilen. Trat Darmstadt hinzu, so waren wieder 1108 Grenzmeilen zu

bewachen, während das freie Marktgebiet sich nur um 152 Geviertmeilen

vergrößerte. Eine sehr beträchtliche Vermehrung des Absatzes preußischer

Fabrikware stand nicht in Aussicht, da Darmstadt nicht zu den stark

konsumierenden Ländern zählte. Nur die bergisch-märkische Industrie durfte

auf Erweiterung ihres Verkehrs rechnen. Im Mosellande dagegen fürchtete

man die Konkurrenz der rheinhessischen Weine. Den Staatskassen drohte

geradezu Verlust, wenn die Zolleinkünfte nach der Kopfzahl verteilt

wurden. Das kleine Nachbarland verzehrte weit weniger Kolonialwaren, hatte

bisher eine zehnmal niedrigere Zolleinnahme bezogen als Preußen: Darmstadt

kaum 2½ Sgr., Preußen 24 Sgr. auf den Kopf der Bevölkerung.

Motz war gerade auf einer Dienstreise abwesend, als die Nachrichten aus

Hessen einliefen. Maaßen aber, der ihn vertrat, durfte als schlichter

Amtsverweser nur wiederholen, was schon zweimal vom Finanzministerium

erklärt worden war: er wies die Verhandlungen über Handelserleichterungen

nicht ab, hielt jedoch einen Zollverein für unmöglich, da Hessen allzu

sehr zerstückelt sei und ein so weit abweichendes Steuersystem besitze. Im

Auswärtigen Amte dachte man mutiger. Eichhorn fand es hochbedenklich,

einen deutschen Bundesgenossen zurückzuweisen, der in ernster Verlegenheit

sich an Preußen wende; er riet aus politischen Gründen dringend, auf du

Thils Wünsche einzugehen; nur solle nicht bloß ein Handelsvertrag, sondern

eine dauernde Verbindung geschlossen werden. Zugleich schrieb

Otterstedt(72) aus Karlsruhe: daß König Ludwig bei seinem Zollverein

politische Nebenpläne verfolge, sei offenkundig; jetzt gelte es, Preußens

Ansehen zu wahren. Er verbürgte sich für du Thils Ehrlichkeit, mahnte

aber, das strengste Geheimnis bei den Verhandlungen zu bewahren, damit

nicht Österreich und Bayern vereint in Darmstadt entgegenarbeiteten.

Unterdessen war Motz heimgekehrt, und sofort trat er mit den Plänen

heraus, die ihm während der letzten Jahre aufgestiegen waren. Der kühne

Mann erklärte sich bereit, jetzt den unvorteilhaften Vertrag mit Darmstadt

zu schließen, weil er hoffte, daß dies Beispiel die mitteldeutschen

Nachbarn nachziehen werde; auf die niederdeutschen Staaten war ja doch

nicht zu rechnen. Es ist sehr wichtig, schrieb er dem Minister des

Auswärtigen, beide Hessen und alle sächsischen Regierungen, auch das

Königreich, in unser Steuersystem aufzunehmen. »Ich bin auch nicht

besorgt, daß diese einen anderen Steuerverband wählen werden, weil ihr

Finanzinteresse nur in einer Verbindung mit uns bedeutend gewinnen und sie

drückender Finanzsorgen entheben wird. Ich hoffe und wünsche, daß

Hessen-Darmstadt, dessen Finanzverlegenheit bekannt ist und welches hier

die richtige Medizin findet, damit den Anfang machen, und die anderen

genannten Regierungen dann bald nachfolgen werden.«

Während also die Berliner Behörden unter sich berieten, setzten Bayern und

Württemberg alle Hebel ein, um den Kurfürsten von Hessen für ihren

werdenden Verein zu gewinnen. Drangen sie durch, so schien die Verbindung

Darmstadts mit Preußen kaum rätlich. Daher sendete du Thil den Prinzen

August Wittgenstein nach Kassel, angeblich, wie er Maltzan sagte, um den

Kurfürsten zu warnen vielleicht auch, um für alle Fälle gedeckt zu

bleiben. Am Kasseler Hofe überwog der Widerwille gegen den

konstitutionellen Süden und die Furcht vor jeder Schmälerung der

Souveränität; Bayerns Bemühungen scheiterten.

Nun erst war das Feld frei. Der König erlaubte den Beginn der

Verhandlungen und am 6. Januar 1828 erschien Staatsrat Hofmann in Berlin,

derselbe, der einst bei der Begründung der hessischen Verfassung so

wirksam mitgeholfen hatte, ein sachkundiger Geschäftsmann, von starkem

Ehrgeiz, keineswegs unempfindlich für die Vorteile, welche beim Abschluß

wichtiger Verträge dem Unterhändler zuzufallen pflegen. Der gewandte Mann

hatte verstanden, zugleich mit den Liberalen ein gutes Einvernehmen zu

unterhalten und sich im Vertrauen seines Fürsten zu behaupten; mit

Wangenheim in Freundschaft zu leben, ohne den Großmächten verdächtig zu

werden. Die handelspolitische Verständigung mit Preußen war ihm seit

Jahren ein geläufiger Gedanke. In der diplomatischen Welt stritt man sich,

ob Hofmann in Privatangelegenheiten eines hessischen Prinzen reise, oder

den Verkauf der Kreuznacher Saline in Berlin vermitteln solle. So durch

die Hintertür, wie der Dieb in der Nacht, ist diese folgenreiche

Entscheidung in unsere Geschichte eingetreten. Das Geheimnis war nur zu

nötig. In Darmstadt wünschten zwar Minister Grolman(73) und Prinz Emil

aufrichtig die Verständigung mit Preußen; doch die österreichische Partei

arbeitete in der Stille, ein voreiliges Wort konnte alles verderben.

Der hessische Bevollmächtigte beantragte nur die gegenseitige Herabsetzung

einer langen Reihe von Zöllen auf ein Zehntel der bisherigen Sätze; als

unerläßliche Bedingung stellte er den Kernsatz jenes Heidelberger

Protokolls auf: selbständige Zollverwaltung für Darmstadt. Alsbald trat

ihm Motz entgegen mit dem Bedenken: Zollerleichterungen seien unfruchtbar,

weitläufig, gefährlich; Preußen müsse die vollständige Annahme seines

Zollgesetzes verlangen. Unter solchen Umständen mußten die Verhandlungen

entweder scheitern oder zu einem Kompromisse führen: zur Bildung eines

Zollvereins auf Grund des preußischen Zollgesetzes, aber mit selbständiger

Zollverwaltung für beide Teile. Überraschend schnell, in wenigen Tagen

wurde die Lösung gefunden, wonach die süddeutschen Kabinette in

jahrelangen Verhandlungen getrachtet hatten. Am 11. Januar 1828 fand die

erste förmliche Konferenz im Finanzministerium statt, und hier wurde

bereits von allen Seiten anerkannt, daß nur eine vollständige Vereinigung

möglich sei: Darmstadt trat in das preußische Zollsystem ein; Preußen,

längst bereit »über Formalitäten leicht hinwegzugehen«, gewährte dem

Verbündeten gleiches Stimmrecht bei Abänderungen der Zollgesetze und eine

selbständige Zollverwaltung, die aber streng nach preußischem Muster

eingerichtet werden sollte. Mit diesem Entschlusse war alles Wesentliche

entschieden. Die nächste Konferenz vom 17. Januar behandelte nur noch

Detailfragen. Am 24. Januar berichtete Eichhorn dem Könige: der Vertrag

verspreche allein für Hessen finanzielle und volkswirtschaftliche

Vorteile, für Preußen dagegen einen großen politischen Gewinn, da die

kleinen Staaten auf diesem Wege dauernd an uns gefesselt werden. Am

3. Februar genehmigte der König den Abschluß der Verhandlungen; in seiner

streng rechtlichen Gesinnung fügte er ausdrücklich die Bedingung hinzu:

»die deutschen Nachbarstaaten, besonders Baden, dürfen dadurch nicht in

ihrem Interesse getränkt werden.«

So kam denn am 14. Februar 1828 jener denkwürdige Vertrag zustande, der in

Wahrheit die Verfassung des deutschen Zollvereins feststellte. Er verhält

sich zu den späteren Zollvereinsverträgen genau so, wie die Verfassung des

Norddeutschen Bundes zu der heutigen Reichsverfassung sich verhält. Durch

den Zutritt anderer, größerer Mittelstaaten haben sich späterhin die

zentrifugalen Kräfte des Zollvereins erheblich verstärkt; einzelne

Bestimmungen des Vertrags wurden im föderalistischen Sinne abgeschwächt;

doch die Fundamente des preußisch-hessischen Vertrags blieben

unerschüttert. Darmstadt nahm die preußischen Zölle an und gab überdies

die vertrauliche Zusage, daß auch die wichtigsten preußischen

Konsumtionssteuern eingeführt werden sollten. Der Kreis Wetzlar tritt

unter die darmstädtischen, das hessische Hinterland unter die

westfälischen Zollbehörden. Preußen ernennt einen Rat bei der

Zolldirektion in Darmstadt, Hessen desgleichen bei der Steuerdirektion zu

Köln. Beide Staaten beaufsichtigen wechselseitig ihre Hauptzollämter durch

Kontrolleure; eine Konferenz von Bevollmächtigten verteilt alljährlich die

gemeinschaftlichen Einnahmen nach Verhältnis der Kopfzahl. Dergestalt war

die Rechtsgleichheit der Verbündeten, die souveräne Würde des

darmstädtischen Reiches, mit peinlicher Sorgfalt gewahrt. Die milde

Kontrolle änderte wenig an der Selbständigkeit der hessischen

Zollverwaltung; der Verein beruhte im Grunde nur auf gegenseitigem

Vertrauen. Nach den bisherigen Leistungen kleinstaatlicher Zollverwaltung

konnten die preußischen Geschäftsmänner einen solchen Vertrag nicht ohne

ernste Bedenken unterschreiben. Die hessische Regierung aber hat das gute

Zutrauen gerechtfertigt, sie ließ das neue Zollwesen unter der

einsichtigen Leitung des Finanzrats Biersack fest und redlich durchführen.

Diese deutsche Treue, diese ehrenhafte Erfüllung der eingegangenen

Verbindlichkeiten bildet überhaupt das beste Verdienst, das die

Mittelstaaten um den Zollverein sich erworben haben; der Abschluß der

Verträge selbst war nicht eine freie patriotische Tat der kleinen Höfe,

sondern ein Ergebnis der bitteren Not.

Ebenso streng wurde die Gleichberechtigung der Verbündeten in Sachen der

Zollgesetzgebung aufrecht erhalten. Der Artikel 4 lautete ursprünglich:

Abänderungen der Zollgesetze sollen nur in »gegenseitigem Einvernehmen«

erfolgen, »und es sollen alle diese Veränderungen im Großherzogtum Hessen

im Namen S. K. H. des Großherzogs verkündigt werden.« Diese Fassung

erregte in Darmstadt schmerzliches Aufsehen. Prinz Emil selbst eilte zu

Maltzan, stellte ihm vor: »der Großherzog weiß, daß man in Berlin selbst

nicht wünscht, daß die großherzogliche Regierung in den Augen des übrigen

Deutschlands erniedrigt werde.« Eichhorn, der längst verlernt hatte, sich

über die Weltanschauung deutscher Kleinfürsten zu verwundern, ging auf die

Bitte ein; er strich jene erniedrigenden Worte, ersetzte sie nachträglich

durch die Wendung: »und sollen von jeder der beiden Regierungen ihrerseits

verkündigt werden«. Damit war das europäische Gleichgewicht zwischen

Preußen und Darmstadt wieder hergestellt.

So bereitwillig die preußischen Staatsmänner in diesen lächerlichen

Formfragen nachgaben, ebenso schwer fiel ihnen der Entschluß, den Inhalt

des Artikels 4 selbst anzunehmen. Wann hatte denn jemals eine Großmacht

ihre Zollgesetzgebung dem guten Willen eines Staates vom dritten Range

unterworfen? Es war vorauszusehen, daß dieser darmstädtische Vertrag allen

späteren Zollvereinsverträgen ebenso zum Vorbilde dienen würde, wie der

Sondershausener Vertrag das Muster gewesen war für alle nachfolgenden

Enklavenverträge. In jenem Augenblick freilich standen die kleinen

Kabinette den Ideen des Freihandels sogar noch näher als Preußen. Doch

konnte dem Scharfblick Motzs und Maaßens nicht entgehen, daß diese

Parteistellung in einer nahen Zukunft sich gänzlich verschieben würde,

sobald in Oberdeutschland eine junge Großindustrie entstand. Der

preußischen Zollgesetzgebung drohte vielleicht Stillstand und

Verkümmerung, wenn die Mittelstaaten ein Veto erhielten.

Alle diese staatswirtschaftlichen Bedenken mußten verstummen vor den

glänzenden Aussichten, welche sich der nationalen Politik Preußens

eröffneten. Darmstadt — so berichtete Eichhorn dem Könige — empfängt durch

den Vertrag erst die Möglichkeit eines haltbaren Zollsystems. Preußen

gewinnt die wichtige Position in Mainz, verhindert den süddeutschen

Sonderbund, in den Norden hinein vorzudringen, und darf mit Sicherheit

darauf rechnen, daß Hessens Beispiel Nachfolge finden, eine große

handelspolitische Vereinigung entstehen wird. Nochmals wird sodann dem

König versichert, daß jede Feindseligkeit gegen deutsche Staaten vermieden

werden solle. »Die Vereinigung ist von Ew. Maj. Behörden weder gesucht,

noch weniger durch verführerische Lockungen veranlaßt worden; man hat nur

Anträge und Vorschläge, welche von der großherzoglichen Regierung

ausgingen, entgegengenommen.«

Der neue Zollverein sollte bis zum 31. Dezember 1834 dauern und dann,

sofern keine Kündigung erfolge, auf weitere sechs Jahre verlängert werden.

Das Recht der Kündigung blieb … die einzige Waffe, um Preußen

sicherzustellen gegen den Mißbrauch des gleichen Stimmrechts.

Handelsverträge schloß Preußen allein — denn der Zusatz »unter Mitwirkung

und Zustimmung Darmstadts« war praktisch wertlos. In allem übrigen bestand

vollständige Gleichheit der Rechte.

Auch um diesen Vertrag hat sich ein zielloser Prioritätsstreit erhoben.

Der partikularistische Neid will die Tatsache nicht zugeben, daß die

Verfassung des Zollvereins in Berlin ersonnen wurde. Man behauptet, der

preußisch-hessische Verein sei lediglich dem bayrisch-württembergischen

Verein nachgebildet worden, welcher einige Wochen vorher, am 18. Januar

1828, zustande kam und ebenfalls das gleiche Stimmrecht, die selbständige

Zollverwaltung der Bundesgenossen anerkannte. Ein Blick auf die Tages- und

Jahreszahlen genügt, um dies Märchen zu widerlegen. Der Fundamentalsatz

der Zollvereinsverfassung, die Parität und Unabhängigkeit der

Bundesgenossen, wurde in der Konferenz vom 11. Januar zwischen Preußen und

Darmstadt vereinbart, acht Tage bevor der bayrisch-württembergische

Vertrag abgeschlossen wurde — in einem Augenblick, da man zu Berlin den

Gang der Münchener Verhandlungen noch nicht näher kannte. Die neueste aus

München eingelaufene Nachricht sagte nur: noch bleibe zweifelhaft, ob der

süddeutsche Verein gemeinsame oder getrennte Zollverwaltung haben solle,

das letztere sei allerdings wahrscheinlicher. Der Gedanke lag eben in der

Luft, er ergab sich mit Notwendigkeit aus den fruchtlosen

Zollverhandlungen der jüngsten Jahre, er wurde von den norddeutschen und

von den süddeutschen Zollverbündeten gleichzeitig angenommen, ohne daß sie

voneinander wußten. Im Grunde ist der ganze Streit müßig. Der Entschluß,

von dem die Zukunft deutscher Handelspolitik abhing, konnte nur in Berlin

gefaßt werden. Ob Bayern und Württemberg einander die Parität zugestanden,

war gleichgültig. Doch ob die norddeutsche Großmacht die unerhörte

Selbstverleugnung finden würde, mit einem Staate dritten Ranges sich

bescheiden auf eine Linie zu stellen — an dieser Frage hing alles. Sobald

Preußen diesen Entschluß faßte, war dem Souveränitätsdünkel der kleinen

Höfe der letzte Vorwand genommen und die Bahn gebrochen für Deutschlands

Handelseinheit. Dem gewissenhaften Notizensammler soll unvergessen

bleiben, daß Bayern und Württemberg den »ersten« Zollverein in Deutschland

gründeten, ihre Verhandlungen etwas früher beendigten als Preußen und

Darmstadt. Für den Historiker hat die Tatsache geringen Wert. Denn der

süddeutsche Verein erwies sich als ein verfehlter Versuch und ging bald

zugrunde; der preußisch-hessische Verein bewährte sich und wuchs. Aus

diesem, nicht aus jenem, ist der große deutsche Zollverein hervorgegangen.

Eichhorn fühlte, daß die Dinge endlich in Fluß kamen. Voll froher

Zuversicht richtete er im März an die Gesandtschaften in Deutschland eine

eingehende Instruktion. Er schildert darin den Gang der preußischen

Handelspolitik, das System des bewußten, berechneten Abwartens, das so

gute Früchte getragen habe. Er zeigte sodann, wie mit dem Darmstädter

Vertrage die entscheidende Wendung eingetreten sei: diese Verhandlungen

waren besonders darum nützlich, weil sie »die Möglichkeit eines

gemeinschaftlichen Zollsystems für Staaten, die geographisch unabhängig

sind, erwiesen. An die Stelle eines dunklen Gefühls, welches früherhin

eine Vereinigung in einer unbestimmten Richtung suchte, ist eine klare

Erkenntnis getreten.« Man sieht heute in der Aufnahme der

staatswirtschaftlichen Grundsätze eines anderen Staates nicht mehr eine

Verleugnung der Souveranität. Nichtsdestoweniger soll die Diplomatie nach

wie vor eine ruhig zuwartende Haltung behaupten. Ebenso zuversichtlich

schrieb Eichhorn an Motz: Unsere Handelspolitik hat sich bewährt und wird

noch größere Erfolge erringen, wenn wir die Anfragen anderer Staaten

geduldig abwarten. Der bayrisch-württembergische Verein ist lose und wird

noch lockerer werden, wenn er wider Erwarten neue Bundesgenossen finden

sollte.

In der Tat erwies sich in Hessen wie einst in den Enklaven sehr rasch der

Segen der preußischen Gesetze. Im ersten Augenblick war die Stimmung im

Lande noch geteilt. Das Starkenburger Land sah den gewohnten kleinen

Verkehr mit dem Frankfurter Markte mannigfach belästigt, und in der Kammer

klagten nach deutschem Brauche einzelne Patrioten beweglich über den

»Löwenvertrag«, welchen Preußens Schlauheit der hessischen Unschuld

auferlegte. Der Handelsstand in Mainz und Offenbach dagegen sprach der

Regierung seinen Dank aus, und bald regte sich überall im Lande ein neues

Leben. Vor kurzem noch hatte man in Berlin geplant, eine Messe in Köln zu

errichten, die dem Mainzer und Frankfurter Verkehr das Gegengewicht halten

sollte: jetzt entstand in Offenbach ein schwunghafter Meßverkehr, der

namentlich im Ledergeschäfte das reiche Frankfurt zu überflügeln begann.

Die beiden Verbündeten bauten eine große Straße von Paderborn über

Biedenkopf nach Gießen und weiter südwärts, so daß ein fast zollfreier

Straßenzug den Neckar mit der Ostsee verband. Nach zwei Jahren war die

handelspolitische Opposition in den Kammern fast völlig verstummt. Graf

Lehrbach, der den Minister wegen Landesverrats verklagen wollte, stand

vereinsamt; der Abgeordnete Schenk aber dankte der Regierung und schloß

gemütlich: Das einzige Mittel gegen den Wunsch nach politischer Einheit

ist die Zolleinigung! Mit Selbstgefühl verwies Hofmann auf die günstigen

Rechnungsabschlüsse und sagte »mit voller Zuversicht dieser auf

gegenseitige Vorteile gegründeten Verbündung Bestand und Dauer voraus: so

werden Sie hoffentlich bald dasjenige verwirklicht sehen, was noch vor

wenigen Jahren zwar Gegenstand Ihrer angelegentlichsten Wünsche war, aber

nach so vielen vergeblichen Verhandlungen kaum in dem Reiche der

Möglichkeit zu liegen schien.« Auch in Preußen hielten die Klagen der

Geschäftswelt, die sich anfangs laut genug erhoben, nicht lange vor.

Unterdessen hatte der König sein gesamtes thüringisches Gebiet in die

Zollinie aufgenommen; die Lage der ernestinischen Fürstentümer ward fast

unerträglich. Es schien undenkbar, daß Kurhessen und Thüringen, also von

allen Seiten umklammert, ihren törichten Widerstand fortsetzen sollten.

Und doch sollte das Undenkbare geschehen. Auf das erste Gerücht hin

versuchten allerdings einige Kleinstaaten, sich den Verbündeten zu nähern

— lediglich in der Absicht, den Inhalt des Vertrages, der noch streng

geheim gehalten wurde, zu erfahren. Präsident Krafft in Meiningen schrieb

an Hofmann, bat um Aufklärung, deutete gewichtig an, daß Meiningen

vielleicht dem hessischen Beispiel folgen werde, wenn man nur die

Machtstellung dieses Reiches nach Gebühr würdige: »Die Lage des Landes

Meiningen läßt seinen Wert den geographischen Umfang desselben

überschreiten, indem mehrere der frequentesten Landstraßen die

Handelsplätze an den Küsten der Nordsee mit einem bedeutenden Teile des

südlichen Deutschlands, der Schweiz und Italiens verbinden, und Preußen,

Bayern und Kurhessen zu seinen wichtigeren Grenznachbarn gehören.« Die

Meininger Welthandelsstraßen boten unleugbar auf der Landkarte einen sehr

stattlichen Anblick; gebaut waren sie freilich noch nicht, auch besaß das

Ländchen durchaus nicht die Mittel, sie jemals zu bauen. Motz, dem die

Naturgeschichte des deutschen Kleinstaats einen unerschöpflichen Quell der

Ergötzung bot, sendete das Meininger Schreiben an Hofmann zurück und

versicherte, die geographische Bedeutung des Herzogtums sei ihm ganz neu;

dann schloß er wehmütig: »es ist betrübt, wenn solche überspannte Diener

dazu beitragen, daß dem Souveränitätsdünkel ihrer Fürsten auch noch ein

Straßendünkel hinzugefügt wird.« Der Vorfall blieb dem klugen Manne

unvergessen; der Meininger Straßendünkel sollte zur rechten Stunde noch

eine Rolle spielen in der deutschen Geschichte. Noch durchsichtiger war

ein diplomatisches Kunststück der freien Stadt Frankfurt. Der alte

Rothschild erschien bei Otterstedt, um verbindlich anzufragen, ob nicht

auch Frankfurt mit Preußen einen ähnlichen Vertrag schließen könne. Nun

wußte alle Welt, daß die Handelspolitik dieser Republik lediglich in einer

systematischen Pflege des Schmuggels bestand. Der Fühler hatte also nur

den Zweck, den Senat über die Bedingungen des preußisch-hessischen

Vertrages zu unterrichten, damit die Frankfurter Schmuggler sich darauf

einrichten konnten. Selbstverständlich wurde der diplomatische Börsenfürst

mit einigen allgemeinen Redensarten heimgeschickt.

Unter den deutschen Höfen war nur einer, der den preußisch-hessischen

Verein mit Freude begrüßte: der badische Hof. Allein durch Preußens

Beistand konnte Großherzog Ludwig hoffen, seine Pfalz gegen Bayern zu

behaupten; daher schrieb er an Blittersdorff: »ich freue mich, einen

Einfluß vermehrt zu sehen, dem ich, besonders im gegenwärtigen Augenblick,

soviel verdanke«. Zugleich hoffte man in Karlsruhe die Absichten der

badischen Handelspolitik nunmehr in Süddeutschland durchzusetzen, denn

seit Darmstadt zu Preußen übergetreten, bildete Baden allein die für

Bayern unentbehrliche Verbindung zwischen Franken und der Pfalz.

Alle anderen Höfe vernahmen die erste unsichere Kunde aus Berlin mit

unbeschreiblichem Schrecken; die Nachricht fiel wie eine Bombe in die

diplomatische Welt. Selbst Blittersdorff, der doch die entgegengesetzten

Ansichten seines Souveräns kannte, enthielt sich nicht zu jammern über

»dies Unglück, diesen neuen Beweis preußischer Selbstsucht«: es sei ja

klar, Preußen wolle nur den hessischen Markt für seine Fabrikate

ausbeuten, und glaube selber nicht an die Dauer der Verbindung. Was der

Heißsporn also herauspolterte, war nur der Widerhall der erregten Reden

der österreichischen Partei am Bundestage. Münch(74) und Langenau(75)

versicherten entrüstet: jetzt endlich sei Preußens maßlose Herrschsucht

entlarvt. Vor kurzem noch hatten sie auf den preußischen Hochmut

gescholten, der jede Verständigung mit den Nachbarn abweise. Am lautesten

lärmte Marschall über diesen »Unterwerfungsvertrag«, den er ebensowenig

gelesen hatte wie die anderen aus der österreichischen Sippe. Er traf

sogleich Anstalten zur Begünstigung des Schmuggels in Bieberich und den

anderen Rheinhäfen. Der Gedanke, daß Nassau jetzt wie Anhalt zur

preußischen Enklave werden solle, war seinem Nationalstolze schrecklich.

Dann ließ er durch die getreue Oberpostamtszeitung die Lüge verbreiten,

Preußen habe auch Nassau zum Beitritt eingeladen, sei aber stolz

zurückgewiesen worden. Der untertänige Landtag stimmte der Ansicht des

Ministers zu, als dieser erklärte: eine Erhöhung der Staatseinnahmen sei

überflüssig; für Nassaus europäische Politik wie für seine Volkswirtschaft

könne der Anschluß an Preußen nur gefährlich werden.

Daß Münch und Langenau nicht ohne geheime Weisungen handelten, ließ sich

leicht erraten. Zum Überfluß sprach Fürst Metternich selbst seine

Bestürzung in sauersüßen Worten aus. Der preußische Gesandte teilte dem

österreichischen Staatskanzler eine Denkschrift mit, die sich ausführlich

über Preußens bisherige Handelspolitik verbreitete. Darauf erwiderte der

Fürst: »Der Darmstädter Vertrag hat großes Aufsehen erregt, wie ja alles

in Deutschland mißdeutet wird. Doch ist uns lieb, daß Preußen sich so

offen ausspricht; mit der Denkschrift bin ich im wesentlichen

einverstanden. Bayern hat uns kürzlich aufgefordert, den

preußisch-hessischen Vertrag zu hintertreiben. Wir lehnten ab, da solche

Verträge eine Konsequenz der Souveränität sind. Ich kann aber nicht

verhehlen, daß, sobald dergleichen Verbindungen aufhören, bloß aus dem

administrativen Gesichtspunkt betrachtet zu werden und ihnen eine

politische Tendenz zugrunde gelegt wird, die Grundgesetze des Bundes ihnen

entgegenstehen.« Darauf empfahl er dem preußischen Hofe abermals, wie

einst auf dem Aachener Kongreß, die Vorzüge der k. k. Provinzialmauten:

wenn man in Preußen Provinzialzölle einführte, so würde man der lästigen

Zollverträge nicht bedürfen! Mit Entzücken vernahm Motz diese

Orakelsprüche und schrieb an Eichhorn: »Von den Finanzansichten des

Fürsten v. Metternich werden wir wohl keinen Gebrauch machen können.

Dagegen wollen wir nicht bestreiten, daß es in vieler Beziehung für uns

ohne Nachteil sein wird, wenn er für Österreich bei seinen erleuchteten

Ansichten beharrt.« Zudem wußte Eichhorn, wie eifrig der k. k. Gesandte in

Darmstadt der Ratifikation des Vertrages entgegengewirkt hatte; noch im

Februar war Otterstedt von Karlsruhe hinübergeeilt, um dem

österreichischen Einfluß die Wage zu halten.

Auch jenes deutsche Kabinett, das damals dem Berliner Hofe am nächsten

stand, auch Hannover, überraschte durch auffällige Ungezogenheit. Der

König wollte nicht, daß das befreundete Nachbarland aus dem neuen Verein

Besorgnis schöpfe. Er befahl daher eine Ausnahme zu machen von der Regel,

wonach Preußen sich aller handelspolitischen Anerbietungen enthalten

sollte, und ließ in Hannover einige neue Straßenzüge und bedeutende

Zollerleichterungen vorschlagen, da nach den Grundsätzen der hannoverschen

Politik ein wirklicher Zollverein doch nicht zu erwarten stand. Aber diese

Eröffnungen blieben unerwidert. Das war mehr als Verstimmung; das deutete

auf feindselige Pläne, die im Dunkeln sich vorbereiteten.

Die öffentliche Meinung zeigte sich, wie immer in der Geschichte des

Zollvereins, noch verblendeter als die Kabinette, und die Hofburg

verstand, trotz ihres Hasses gegen den Liberalismus, den liberalen

Unverstand vortrefflich auszubeuten. In Frankfurt arbeitete unter Münchs

Augen eine k. k. Korrespondenzenfabrik: mit merkwürdiger Übereinstimmung

erzählten der Nürnbergische Korrespondent, die Elberfelder Zeitung, das

Frankfurter Journal von unseligen Darmstädter Industriellen, die Haus und

Hof verließen, um den preußischen Zöllen zu entgehen. Die Augsburger

Allgemeine Zeitung ließ sich aus Darmstadt schreiben: man muß heute

einundzwanzigmal preußisch reden, ehe man einmal hessisch reden darf; das

unglückliche Land trägt zweifache Lasten, die neuen Mauten und die alten,

da ja für Wein und Tabak Ausgleichungsabgaben erhoben werden. Auch

unabhängige Blätter, wie der Altonaer Merkur und die Neue Mainzer Zeitung,

erzählten die Fabel vom Fuchs, der im Stalle zum Pferde sagte: tritt mich

nicht, ich will dich auch nicht treten!

Die preußische Regierung konnte sich in den Künsten des literarischen

Minenkriegs niemals mit Österreich messen; sie begnügte sich, den

österreichischen Tendenzlügen lehrhafte Berichtigungen in der

Staatszeitung entgegenzustellen; das unglückliche Blatt krankte aber an

der Erbsünde aller offiziösen Blätter, der Trockenheit. Auf allgemeine

Zustimmung konnte in diesem Lande der Kritik kein Schritt der Regierung

rechnen. Nicht bloß unter den Industriellen zitterten viele vor der

drohenden Vermehrung der Konkurrenz. Auch eine Schule innerhalb des

Beamtentums, Schön mit seinen ostpreußischen Freunden, schalt auf diese

Bummler in Berlin, die daheim nicht Ruhe fänden und auswärts unnütze

Händel anzettelten.

Am gefährlichsten unter allen Kräften des Widerstandes erschien vorderhand

die feindselige Haltung des Münchener Hofes. Im Oktober 1827 waren in

München die Verhandlungen zwischen den beiden süddeutschen Königskronen

wieder aufgenommen worden. Schmitz-Grollenburg(76) und Armansperg(77)

betrieben beide das Geschäft mit feurigem Eifer. So kam am 18. Januar 1828

jener erste deutsche Zollverein zustande. Es erfüllte sich, was in Berlin

so oft vorausgesagt worden: Tarif und Verwaltungsordnung des neuen Vereins

kamen den Grundsätzen der preußischen Zollgesetzgebung sehr nahe, weil

sich den süddeutschen Kronen dieselben Fragen aufdrängten, welche Preußen

schon durch das Gesetz von 1818 gelöst hatte. Die Zölle auf Fabrikwaren

standen niedriger als in Preußen, die auf Kolonialwaren etwas höher: vom

Kaffee erhob Preußen 6 Tlr. 20 Sgr. für den Zentner, Bayern-Württemberg

15 Gulden für den um etwa 9 Prozent schwereren bayrischen Zentner. Im

übrigen fast dieselben Regeln wie im preußisch-hessischen Verein:

getrennte Zollverwaltung unter gegenseitiger Kontrolle, Verteilung der

Einkünfte nach der Kopfzahl, Grenzzölle und Packhöfe.

Indes die verständige Verfassung konnte den Grundschaden dieses Bundes

nicht heilen: er war zu klein und darum, wie Eichhorn voraussagte, nicht

lebensfähig. Wohl stiegen die Zolleinnahmen Württembergs im ersten Jahre

um 220000 Gulden; der kleinere Bundesgenosse zog selbstverständlich den

größeren Vorteil aus der Erweiterung des Marktgebiets. Doch betrugen die

Zolleinnahmen nur 9½ Sgr. auf den Kopf der Bevölkerung, während Preußen

das Zweiundeinhalbfache, 24 Sgr., einnahm. Die Kosten der Zollverwaltung

verschlangen mindestens 44 Prozent der Einkünfte; in Bayern war der

Rohertrag für das Rechnungsjahr 1828–1829: 2,842 Millionen Gulden, der

Reinertrag nur 1,582 Millionen Gulden. Die geringen Zölle genügten nicht,

die heimische Industrie wirksam zu schützen, und doch blieb jede Erhöhung

unmöglich, wenn nicht der gesamte Reingewinn den Staatskassen verloren

gehen sollte. Am kläglichsten befand sich die bayrische Pfalz. Die

entlegene Provinz sollte vor der Hand außerhalb der Mautlinien bleiben und

ihre eigenen Erzeugnisse zollfrei in das Vereinsland einführen, was denn

sofort französische, badische, rheinpreußische, hessische Fabrikanten zu

großartigem Schmuggel veranlaßte. Gewichtige Stimmen in der Pfalz

forderten laut den Anschluß an Preußen; einer der ersten Industriellen der

Provinz, Geh Rat. Camuzzi, schrieb in diesem Sinne an die Allgemeine

Zeitung, ward aber von der Firma Cotta abgewiesen.

König Ludwig wollte die Gebrechen des Vereins lange nicht bemerken. Wie

war er stolz auf seiner Hände Werk, den ersten deutschen Zollverein; wie

schwelgte er in erhabenen Träumen von historischer Unsterblichkeit. Er

wollte fortleben im Munde später Geschlechter als der Vollender der *fossa

Carolina*, jenes Kanales zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer, den

Karl der Große ersonnen, doch nicht ausgeführt hatte, und beschäftigte

sich auch mit großen Eisenbahnplänen, seit Franz Baader(78) im

Nymphenburger Park einen Dampfwagen fahren ließ. »Jetzt sind die

Zollsysteme der beiden Großmächte nicht mehr furchtbar« — hieß es bei

Hofe. Schon war ein Unterhändler nach Zürich gesendet, um die Schweiz zum

Eintritt in den süddeutschen Verein oder doch zu einem Handelsvertrage zu

bewegen. Niemals hatte Bayerns Gestirn glänzender geleuchtet als im Januar

1828; niemals zuvor hatte der König eine so stolze Sprache gegen den

Bundestag geführt. »Die antisozialen, antiföderalistischen Tendenzen der

bayrischen Politik« traten, wie Blittersdorff klagte, dem

Präsidialgesandten schroff entgegen. Sofort nach der Unterzeichnung des

süddeutschen Zollvertrages ging Freiherr v. Zu Rhein nach Darmstadt, um

das Großherzogtum zum Beitritt einzuladen und ihm die Parität, welche ihm

die beiden Königreiche bisher verweigert hatten, bedingungslos

zuzugestehen. War Hessen gewonnen, so mußte das widerhaarige Baden auf

Gnade oder Ungnade sich ergeben.

Mitten in diese holden Träume fiel niederschmetternd die Kunde von dem

preußisch-hessischen Vertrag. Durch diesen Verein, das sprang in die

Augen, verlor der süddeutsche Verein sofort Sinn und Bedeutung. König

Ludwig sah seine teuersten Hoffnungen zerstört, blieb mehrere Wochen

hindurch völlig fassungslos. »Nunmehr hab’ ich alle Schritte getan, um

meine armen Untertanen zu retten!« sagte er verzweifelnd zu

Schmitz-Grollenburg. In groben Schimpfworten entlud sich sein Groll; er

schalt laut auf den Verräter Hofmann, erzählte an offener Tafel, Preußen

habe den Prinzen Emil von Hessen mit 400000 Gulden bestochen. In seinem

Zorne vergaß er auch wieder seinen »teutschen« Stolz. Solange diese

kleinen Höfe noch europäische Politik treiben durften, waren auch

patriotische Fürsten nicht vor argen Verirrungen sicher. Wie Ludwig einst

als Kronprinz, trotz seines Abscheus gegen Napoleon, mehrmals untertänige

Briefe an den Schöpfer der bayrischen Königskrone gerichtet und sogar die

Hoffnung ausgesprochen hatte, sein Sohn Max werde dereinst dem König von

Rom(79) seine Anhänglichkeit widmen, so hatte er neuerdings um Sponheims

willen die Hilfe Rußlands angerufen und wendete sich jetzt wieder an das

gehaßte Frankreich. Den Winter über hatte der Herzog von Dalberg(80) in

München sein Wesen getrieben; nun fanden seine Einflüsterungen Gehör.

König Ludwig warnte den französischen Hof vor dem Ehrgeiz Preußens, das

bereits in Süddeutschland sich festzusetzen suche. Im selben Sinne

bearbeitete Lerchenfeld zu Frankfurt den alten Reinhard(81). Alsbald

befahl Minister La Ferronays dem Geschäftsträger in München rührige

Wachsamkeit gegen die von Preußen her drohende Gefahr; er stellte zugleich

einige Handelserleichterungen in Aussicht zugunsten der *troisième

Allemagne*.(82)

Da König Ludwig schon nach wenigen Monaten von seinen leidenschaftlichen

Verirrungen zurückkam, so wurden diese häßlichen Zettelungen mit dem

Auslande nachher ganz in Abrede gestellt. Der Hergang ist gleichwohl

verbürgt durch die übereinstimmenden Zeugnisse von Freund und Feind. Nicht

allein der preußische Gesandte Küster berichtete darüber ausführlich

seinem Hofe; der badische Gesandte Fahnenberg meldete ganz dasselbe nach

Karlsruhe. Der österreichische Gesandte Graf Spiegel warf dem bayrischen

Minister des Auswärtigen die Anklage ins Gesicht, daß er Frankreich in die

deutsche Handelspolitik hineinzuziehen suche. Über Lerchenfelds Verhalten

berichtete Blittersdorff, der ja selber sehr geneigt war, jedes Mittel zu

gebrauchen zur Vernichtung des preußisch-hessischen Vereins. Die

Schwenkung der bayrischen Politik nach Frankreich hinüber war bald eine

der gesamten diplomatischen Welt bekannte Tatsache.

König Ludwig überließ sich eine Zeitlang blindlings dem stürmischen

Unwillen der verletzten Eitelkeit. Sein Kabinettsrat Grandauer übte

schlechten Einfluß; auch Freiherr v. d. Tann träumte bayrische

Großmachtsträume. Nur der alte welterfahrene Minister Zentner sah die

Dinge ruhiger an. Selbst König Wilhelm von Württemberg blieb nüchtern und

gleichmütig. Sein Geschäftsverstand war doch stärker als sein Groll gegen

Preußen; auch mochten ihm die bitteren Erfahrungen der Tage von Verona

noch unvergessen sein. In einem Gespräche mit du Thil verbarg er zwar

seine Enttäuschung nicht, gestand aber zu: »früher oder später werden wir

noch gezwungen sein, Euerem Beispiele zu folgen«. Im selben Sinne erklärte

sein Minister Beroldingen dem preußischen Gesandten, »daß Württemberg in

die deutsch-patriotischen Gesinnungen der preußischen Regierung niemals

auch nur den geringsten Zweifel gesetzt hat und die bestehenden besonderen

Vereine zugleich als Mittel betrachtet, zu dereinstiger Erreichung des

gemeinschaftlichen Zweckes in einer allgemeinen Ausdehnung den Weg zu

bahnen.«

Wie der preußische Staat alles, was er für die Macht und Einheit unseres

Vaterlandes tat, erkämpfen mußte gegen den Widerstand des Auslandes, so

ward auch der preußisch-hessische Bund sofort von den Ränken der fremden

Mächte umsponnen. Im Verein mit Frankreich versuchte Holland Unfrieden zu

säen zwischen Süd und Nord. Der Minister Verstolck van Soelen machte den

württembergischen Geschäftsträger aufmerksam auf die Gefahren, welche der

deutschen Handelsfreiheit und der Unabhängigkeit der Kleinstaaten drohten.

Der Württemberger, ein verständiger Mann, der seinem preußischen Kollegen,

dem Grafen Truchseß-Waldburg, alles mitteilte, antwortete treffend: die

Zölle der fremden Mächte, und nicht zuletzt Hollands, zwingen uns

Deutsche, uns zu einigen und neue Handelswege zu suchen — worauf Verstolck

heilig versicherte: die Herabsetzung der niederländischen Zölle stehe nahe

bevor; für jetzt aber dürfe man nur an den Widerstand gegen den

gemeinsamen Feind, gegen Preußen denken. Eichhorn, der die holländischen

Kaufherren aus den endlosen Rheinschiffahrtsverhandlungen genugsam kannte,

schrieb an den Rand der Depesche: Die Niederlande verfolgen gar keinen

positiven Zweck, sie wollen nur die weitere Einigung Deutschlands in

Zollsachen verhindern. In der Tat lud der niederländische Geschäftsträger

Mollerus den Münchener Hof ein, für den süddeutschen Verein einen

Handelsvertrag mit Holland abzuschließen, und beteuerte zugleich die gute

Absicht seines Hofes, sich mit den oberländischen Staaten über Preußen

hinweg wegen der Rheinzölle zu verständigen. Bestimmte, greifbare

Vorschläge übergab er nicht; die Absicht war lediglich, Bayern und

Württemberg von Preußen fernzuhalten. Auch England bezeigte seine

Unzufriedenheit. Der Präsident des Handelsamts, Charles Grant, beschwerte

sich bei dem preußischen Gesandten Bülow heftig über die hohen Zölle des

preußisch-hessischen Vereins und erhielt die kühle Antwort: der Verein

habe an den preußischen Zöllen gar nichts geändert; doch wisse jedermann,

daß Preußen freieren handelspolitischen Grundsätzen huldige als England.

Mit diesen Ränken des Auslandes, die bald einen sehr bedrohlichen

Charakter annahmen, verkettete sich der unselige Sponheimer Handel. König

Ludwig war, da er sich allerdings auf Österreichs unerfüllte

Versprechungen berufen konnte, von seinem Rechte auf den Heimfall der

Pfalz tief überzeugt und fühlte sich schwer beleidigt, als Preußen seinen

Ansprüchen entgegentrat. Der preußische Gesandte merkte dem König bald an,

daß er etwas auf dem Herzen habe. Da trafen sich die beiden eines Tages

auf der Straße. Der König trat auf den Diplomaten zu, ging eine Strecke

Weges mit ihm und schüttete seinen Zorn aus: »Ich kann nicht genug sagen,

wie tief es mich geschmerzt, daß gerade Preußen in der badischen Sache

sich voran und mir gegenübergestellt hat. Anders kann ich das Memoire

nicht bezeichnen, womit Preußen, ohne mich zu hören, die Initiative gegen

mich bei den übrigen Höfen ergriffen hat. Bernstorff denkt immer noch an

das alte Bayern; es ist aber heute ein neues Bayern, ein neuer König.

Preußen hat nie einen größeren Enthusiasten gehabt als mich. Um so mehr

hat mich’s gekränkt, daß man sich aus meiner Freundschaft gar nichts

macht. Will man mich denn nur zum Gegner haben?« Der König ereiferte sich,

erhob die Stimme, die Vorübergehenden blieben stehen und horchten auf. Der

Gesandte konnte sich dem schwerhörigen Fürsten nicht verständlich machen,

geriet in peinliche Verlegenheit, gab seinem Hofe den Rat, man möge den

Erzürnten beschwichtigen. Augenblicklich ließ sich wenig tun, da König

Friedrich Wilhelm das gute Recht Badens schlechterdings nicht preisgeben

wollte. Für die Zukunft war noch nichts verloren. Der heißblütige

Wittelsbacher blieb auch als Gegner offen und ehrlich; sobald sein Zorn

verrauchte, konnte man vielleicht wieder anknüpfen, da ihm Deutschlands

Handelseinheit wirklich am Herzen lag. Vorderhand freilich wirkte der

Münchener Hof dem preußisch-hessischen Verein offen entgegen; er

versuchte, durch unentgeltlichen Vorspann und ähnliche kleine Mittel den

Verkehr von Gießen und Vilbel auf die Linie Hersfeld-Fulda

hinüberzulocken, verlangte von dem Hause Thurn und Taxis, daß die

Frankfurt-Aschaffenburger Post über Hanau, nicht mehr durch das

darmstädtische Gebiet geführt werde usw.

Der entscheidende Kampf entspann sich am Kasseler Hofe; noch einmal wurde

die kurhessische Handelspolitik verhängnisvoll für das ganze Deutschland.

Der Großherzog von Hessen hatte die Berliner Verhandlungen nur gutgeheißen

in der bestimmten Erwartung, daß der Kasseler Vetter seinem Beispiel

folgen würde. Deshalb blieb der preußisch-hessische Vertrag bis zum Mai

geheim; denn niemals hätte der Stolz des Kasseler Despoten sich

entschlossen, einem bereits veröffentlichen Vertrage nachträglich

beizutreten und also vor der Welt zuzugestehen, daß das minder mächtige

Darmstadt ihm vorangegangen sei. Hofmann ging noch im Februar, auf der

Rückreise von Berlin, nach Kassel und meinte die Lage ziemlich günstig zu

finden. Freiherr v. Meysenbug und andere hohe Beamte, mit denen er

vertraulich sprach, gaben ihm bereitwillig zu, daß Kurhessen nach

Darmstadts Beitritt nicht mehr zögern dürfe: nur der Anschluß an Preußen

könne die zerrüttete Volkswirtschaft retten. Gleichwohl war Hofmann im

Irrtum; schon nach 24 Stunden mußte er unverrichteter Sache abziehen. »An

diesem Hofe, schrieb du Thil, sind rationelle Berechnungen nicht

statthaft.« Hinter und über den Beamten trieb die Reichenbach [Die

Geliebte des Kurfürsten.] ihr Wesen, die noch immer auf eine

österreichische Fürstenkrone hoffte.

Auf solchem Boden war den armseligen Künsten der kleinen Höfe die Stätte

bereitet. Ein Heerlager von amtlichen und geheimen Unterhändlern strömte

im Frühjahr 1828 zu Kassel zusammen, um den Kurfürsten von Preußen

fernzuhalten. Aus Bayern erschienen die Geheimen Räte Oberkamp und

Siebein, der erstere wohlgeschult in dem Ränkespiel der Eschenheimer

Gasse; auch seinen Freund v. d. Tann schickte König Ludwig hinüber. Für

Württemberg arbeitete der alte Agitator Miller von Immenstadt, jetzt

württembergischer Steuerrat. Aus Sachsen kam Freiherr v. Lützerode, aus

Hannover Kammerrat Lüder, auch Koburg und Meiningen sendeten Unterhändler.

Dann erschien »zum allgemeinen Schrecken« Präsident v. Porbeck aus

Arnsberg, um dem Berliner Kabinett über das verworrene Treiben zu

berichten. Die Darmstädter Regierung erneuerte im März ihren Versuch und

sendete den Prinzen Wittgenstein, um dem Kurfürsten mitzuteilen: Preußen

habe eingewilligt, daß der Zutritt Kurhessens zu dem Vertrage vorbehalten

bleibe und Darmstadt den Antrag stelle; der Großherzog erlaube sich daher

anzufragen, ob der Kurfürst die Absendung eines Bevollmächtigten

genehmige. Am 12. März sprach der Kurfürst dem Prinzen seinen

verbindlichen Dank aus. Doch schon nach drei Tagen schlug der Wind um. Sei

es, daß Wittgenstein allzu zuversichtlich aufgetreten war, sei es, daß

Oberkamp und die Reichenbach dem Kurfürsten die Schmach einer Unterwerfung

unter Preußens Befehle geschildert hatten — genug, am 15. März ließ der

Finanzminister Schminke ein Schreiben an du Thil abgehen, in jener Tonart,

die nur in Kassel oder Köthen möglich war: »S. K. Hoheit können nicht ohne

große Empfindlichkeit wahrnehmen, daß in einem Allerhöchstdemselben und

Allerhöchstdero Kurstaate durchaus fremden Vertrage von seiten des

großherzoglichen Hofes Stipulationen in Beziehung auf das Kurfürstentum

eingegangen sind und eine Initiative ergriffen worden ist, welche das

Kurhaus in Ansehung des großherzoglichen Hauses sich nicht einmal

gestattet hat. Allerhöchstdieselben sind nicht davon überzeugt, daß es dem

Interesse des Kurstaats entsprechend sei, einer solchen Übereinkunft das

bisherige System aufzuopfern.« Die gröbsten Wendungen hatte der Kurfürst

eigenhändig in das Schreiben hineingebracht. Bei einer neuen Audienz

donnerte er Wittgenstein an: »Ich bin Chef des hessischen Hauses;

Anmaßungen, wie der Großherzog sie sich erlaubt hat, werde ich nicht

dulden; ich kann die Bitte des Großherzogs nicht gewähren.« Auch

Wittgensteins Sendung war gescheitert.

Eichhorn ahnte, daß die süddeutschen Kronen die Hände im Spiele gehabt,

empfahl dem Bundestagsgesandten Nagler und allen Gesandten im Oberlande

scharfe Aufmerksamkeit auf die Handelspolitik der kleinen Höfe. Zwei

Tendenzen, schrieb er, wirken uns in Kassel entgegen. Der

bayrisch-württembergische Verein sucht Kurhessen für sich zu gewinnen; er

krankt an verkehrten politischen Nebengedanken und ruht auf dem falschen

Grundsatze, daß die Binnenstaaten von den Küstenländern sich unabhängig

machen sollen; »mit jeder Ausdehnung verliert das System selbst an innerem

Halt und Zusammenhang«. Gefährlicher scheint der von einigen thüringischen

Staaten gehegte Plan, unter Kurhessens Führung einen

hessisch-thüringischen Zollverein zu bilden, der nach Belieben mit Preußen

oder mit dem Süden verhandeln könnte — eine Träumerei, »so einladend für

den Stolz des Kurfürsten, daß er kaum widerstehen wird.«

Nach Wittgensteins Abreise meinten die bayrisch-württembergischen

Unterhändler ihr Spiel gewonnen. Bayern versprach dem Kurfürsten, seine

bisherigen Zolleinnahmen zu verbürgen, wenn er dem süddeutschen Verein

beitrete. Der Kurfürst, als ein geriebener Handelsmann, holte sofort eine

alte Schuldforderung an das fürstliche Haus Oettingen hervor, welche einst

Napoleon für Bayern eingezogen hatte; auch diese Sache zu bereinigen war

Bayern erbötig. Schon bereiste Oberkamp mit einem kurhessischen

Finanzbeamten die bayrischen Grenzen, um diesem die Einrichtung der Mauten

zu zeigen. Da griff eine gewandtere Hand ein und betrog die süddeutschen

Höfe um den Sieg.

Daß Österreich die Erweiterung des preußisch-hessischen Vereins ungern

sah, war allbekannt. Wenn der österreichische Geschäftsträger in Kassel

dem Prinzen Wittgenstein zuvorkommend seine Instruktionen zeigte und dort

zu lesen stand, er solle seinen preußischen Kollegen überall getreulich

unterstützen, so wußte man in Berlin längst, was von solchen k. k.

Scherzen zu halten sei. Aber auch der Zollverein der konstitutionellen

Südstaaten erschien zu Wien hoch gefährlich. Sobald das diplomatische

Getriebe in Kassel begann, wurde Freiherr v. Hruby, einer der eifrigsten

und gefährlichsten Feinde Preußens, so recht ein Vertreter des alten

ferdinandeischen Hochmuts, von Karlsruhe abberufen, in Hannover und Kassel

als Gesandter beglaubigt. Ihm gelang es, den Kurfürsten zu überzeugen, daß

auch der Anschluß an Bayern die kurhessische Nationalehre gefährde; »die

bayrischen Mautritter«, wie der Kurfürst höhnte, empfingen im Mai

abschlägige Antwort. Und bald erfüllte sich, was ein feiner Kenner der

hessischen Dinge dem preußischen Gesandten Hänlein vorausgesagt hatte:

»Kurhessen wird seine ergiebigen Transitzölle zu behalten suchen und am

liebsten gar nichts an dem Bestehenden ändern. Nur wenn keine

Verständigung mit der Kurfürstin zustande kommt, wird unser Staat, welcher

bekanntlich nur aus einer Person besteht, sich aus Ärger vielleicht auf

die Seite der Gegner Preußens schlagen.«

Dahin war es wirklich gekommen, daß die Zukunft der deutschen

Handelspolitik zunächst von dem ehelichen Frieden des kurhessischen Hauses

abhing. Um den Kurfürsten mit seiner Gemahlin zu versöhnen und dann den

besänftigten Despoten für den Zollverein zu gewinnen, sendete König

Friedrich Wilhelm den General Natzmer(83) nach Kassel. Motz gab dem

Unterhändler eine Weisung mit, deren friderizianischer Ton von der matten

Diplomatensprache jener Zeit gar seltsam abstach. Es war, als hätte der

tapfere Hesse schon das Jahr 1866 vorausgesehen. Er bemerkt zunächst, die

Verbindung mit Preußen liege im eigenen Interesse Kurhessens; mit 600000

Köpfen könne man kein eigenes Zollsystem bilden. Der Anschluß an den

finanziell unfruchtbaren bayrisch-württembergischen Verein sei für Hessen

unnatürlich. Dagegen bringt der Anschluß an Preußen: eine bedeutende

Einnahme von 20–24 Sgr. auf den Kopf; sodann einen großen Markt von

13 Millionen Einwohnern — denn nicht Verbote, sondern die Freiheit eines

großen inneren Marktes fördern die Industrie, wie Preußens Beispiel zeigt

— endlich den Besitz der großen Handelsstraßen. Schließt Kurhessen sich

nicht an, so muß Preußen eine Straße durch Hannover suchen und den Bremer

Verkehr nach Süddeutschland von Minden aus zum Rhein leiten. Manche Höfe,

und namentlich Minister Marschall in Wiesbaden, behaupten zwar, ein

Zollverein sei eine Verletzung der Souveränität. Aber der Großherzog von

Hessen ist souverän geblieben, der Vertrag gewährt beiden Teilen gleiche

Rechte. »In die neueren Ideen von Souveränität ist überhaupt viel

Schwindel gekommen. Ich frage besonders: ist Kurhessen souveräner in einem

auf gleiche Souveränität basierten Vertrage mit seinem mächtigsten

unmittelbaren Nachbarn, oder ist es souveräner ohne solche Verbindung, in

einer unfreundlichen Stellung diesem mächtigsten unmittelbaren Nachbarn

gegenüber? Es gibt Verhältnisse, mögen sie auch noch in der Zukunft

liegen, in welchem Preußen ein feindlich gesinnter Nachbar nützlicher sein

kann als ein durch feste Verträge verbundener.« Die furchtbare Offenheit

dieser Sprache war nicht geeignet, den Kurfürsten zu gewinnen. Natzmer

wurde mit ungeschliffener Grobheit heimgeschickt, und auch Leopold Kühne,

der zur Unterstützung des Generals nach Kassel und nebenbei nach

Braunschweig ging, richtete an beiden Orten nichts aus. In solcher Laune,

tobend gegen seine Gemahlin wie gegen alles, was den preußischen Namen

trug, war der hessische Despot bereit, den Weisungen Österreichs

blindlings zu folgen.

Die Hofburg wollte nicht bloß die Erweiterung des preußischen Zollsystems

verhindern, sie dachte, das System selber zu zerstören, den mühsam

errungenen ersten Anfang deutscher Handelseinheit zu vernichten; und

gerade bei den norddeutschen Höfen, welche durch alle ihre natürlichen

Interessen auf Preußen angewiesen waren, fand diese Absicht Anklang. Der

dynastische Haß des sächsischen Hofes, der Welfenstolz Hannovers, der

Grimm des Kurfürsten gegen seinen königlichen Schwager, die Großmannssucht

des Nassauer Herzogs, die gedankenlose Ängstlichkeit der kleinsten Höfe —

alle niederträchtigen und alle schwächlichen Elemente des norddeutschen

Kleinfürstentums vereinigten sich in tiefster Stille zum Kampfe gegen

Preußen. Gestützt auf Österreich, begünstigt durch den Handelsneid

Englands, Frankreichs und Hollands, kam der Mitteldeutsche Handelsverein

zustande — eine der bösartigsten und unnatürlichsten Verschwörungen gegen

das Vaterland — gleich dem Rheinbunde ein Zeugnis, wessen das deutsche

Kleinfürstentum fähig war.

c) _Der Mitteldeutsche Handelsverein._

Nirgends erweckte der preußisch-hessische Vertrag schwerere Besorgnisse

als am Dresdner Hofe. Wie hatte man sich dort so behaglich eingelebt in

den alten Privilegienwust, wie war es so süß, am Bundestage über die

deutsche Handelseinheit und die Bundeszölle salbungsvoll zu reden — in der

frohen Erwartung, daß gar nichts zustande komme, daß man jedes ernsten

Entschlusses, jeder heilsamen Reform allezeit überhoben bleibe! Jetzt

erstanden plötzlich dicht an Sachsens Grenzen zwei Zollverbände. Wie nun,

wenn die augenblickliche Verstimmung des Königs von Bayern verflog, wenn

die beiden Vereine, die in ihren handelspolitischen Grundsätzen einander

so nahe standen, sich zu einem verschmolzen: wenn sie auch Thüringen

gewannen, und also dem Leipziger Handel der Weg zur See ringsum durch

Zollstellen versperrt wurde? Lauter und lauter erklangen die Klagen der

Fabrikanten des Erzgebirges; zweimal im Jahre 1828 liefen Petitionen ein,

die den König beschworen: der Anschluß an Preußen, oder auch an den

süddeutschen Verein, irgendein Entschluß, der aus der vereinsamten

Stellung hinausführe, sei unvermeidlich. Der Minister Graf Einsiedel(84),

der als Eisenwerksbesitzer der Großindustrie näher stand, begann irre zu

werden an dem alten System. Einer der tüchtigsten jüngeren Beamten,

Wietersheim(85), schilderte in einer beredten Denkschrift den Notstand der

Industrie, die Unterlassungssünden der Regierung. König Anton aber hielt,

wie sein Minister Manteuffel(86), einen Handelsbund mit Preußen für

unmöglich. Eben in jenen Jahren stand ein alter Lieblingsgedanke der

albertinischen Politik in voller Blüte. Vor kurzem erst, nach dem

Aussterben des Hauses Gotha, hatte der König von Sachsen den

Schiedsrichter und väterlichen Vermittler gespielt zwischen den

ernestinischen Vettern. Man hoffte in Dresden, eine dauernde Hegemonie

über die thüringischen Lande zu erlangen. Um so schmerzlicher empfand man

die Gefahr, daß Thüringen dem preußischen oder dem süddeutschen Verein

sich anschließen könnte.

Aus solchen Berechnungen entsprang der Plan, einen Gegenzollverein zu

bilden, der, ohne selbst ein positives handelspolitisches Ziel zu

verfolgen, nur als ein Keil zwischen die beiden Zollvereine hineindringen,

ihre Verbindung hindern sollte. Es galt, die ersten Anfänge der

Handelseinheit zu zerstören, den schmachvollen Zustand deutscher

Zerrissenheit zu verewigen. Die Träger dieser Politik waren zwei Gebrüder

Carlowitz, aus einem der ehrenwertesten Häuser des obersächsischen Adels.

Der Ältere(87), königlich sächsischer Minister, war bis zum vorigen Jahre

noch Bundestagsgesandter gewesen und stand in der Eschenheimer Gasse in

lebhaftem Andenken als ein wohlmeinender Geschäftsmann der alten Schule,

ein pedantischer Vertreter der bekannten kursächsischen Formelseligkeit.

Der Jüngere(88), jetzt Minister in Gotha, persönlich ebenfalls sehr

achtungswert, hatte alle die unausrottbaren Vorurteile des kursächsischen

Adels mit aus der Heimat hinübergenommen. Vergeblich stellten ihm

gothaische Beamte vor, ihr Ländchen sei auf Preußen angewiesen; der

verständige Kammerrat Braun rief ihm zu: »Sie handeln als königlich

sächsischer, nicht als herzoglich sächsischer Staatsmann.« Er blieb dabei,

»ein neutraler Verein« sei notwendig, »eine achtunggebietende Masse

zwischen den beiden Zollvereinen stark genug, um beiden Bedingungen zu

diktieren«. Der Herzog von Gotha ward für die Pläne seines sächsischen

Ratgebers leicht gewonnen. Er stand mit dem Berliner Hofe auf schlechtem

Fuße, weil er sein entlegenes Saarland Lichtenberg gegen ein Stück des

preußischen Thüringens auszutauschen wünschte und König Friedrich Wilhelm

diese Zumutung noch immer beharrlich abwies. In ihren Mitteln war die

Koburgische Handelspolitik wenig wählerisch. Aller drei Wochen ging von

Koburg eine Sendung neu geprägter unterwertiger Münzen nach Lichtenberg;

von dort überfluteten die unter dünner Silberhülle rötlich schimmernden

Koburger Sechser das benachbarte süddeutsche Guldenland, und diese

gewerbsmäßige Falschmünzerei währte jahrelang fort trotz den Beschwerden

der Nachbarn. Auch am Weimarischen Hofe herrschte augenblicklich eine

gegen Preußen leidenschaftlich eingenommene Partei, an ihrer Spitze der

gescheite Minister Schweitzer(89).

So wurde denn ein hochgefährliches Unternehmen gegen Deutschlands

Handelseinheit in aller Stille eingefädelt, harmlos, gemütlich wie eine

Carlowitzsche Familienangelegenheit. In den letzten Tagen des März 1828

trafen sich der Herzog von Gotha, die beiden Carlowitze und Schweitzer auf

dem Carlowitzschen Familiengute Oberschöna — sie alle noch ohne eine klare

Vorstellung von den schweren Folgen ihres Beginnens. Wir Deutschen sind

Gott sei Dank durch unabweisbare Interessen, durch alle Lebensgewohnheiten

aufeinander angewiesen; jeder Versuch offener Feindseligkeit von Deutschen

gegen Deutsche erscheint als eine Sünde wider die Natur und bietet darum

neben der Entrüstung auch der Lachlust ein breites Ziel. In denselben

Tagen, da in Oberschöna der Zollkrieg gegen Preußen beschlossen wurde,

verhandelte in Berlin der Weimarische Bevollmächtigte Thon wegen

freundnachbarlicher Aufhebung der Geleitsgelder. Mochte man den

preußischen Staat bis in der Hölle tiefste Gründe verwünschen, entbehren

konnte man ihn nicht. Die in Oberschöna abgeschlossene Punktation besagte:

Es soll ein Handelsverein geschlossen werden zwischen Sachsen, Kurhessen

und Thüringen. Die Teilnehmer »werden sich bemühen, den Beitritt der

übrigen zwischen der preußischen und bayrischen Zollinie gelegenen Lande

zu erlangen.« Sie verpflichten sich, »einseitig keinem auswärtigen

Zollsystem beizutreten, noch, ohne Zustimmung des Vereins, mit einem

Staate, in welchem ein solches System besteht, einen Handels- oder

Zollvertrag zu schließen.« Sie wollen ihre gegenseitigen Untertanen auf

gleichem Fuß behandeln und (Artikel 7) die Transitabgaben im Verkehr

zwischen den Vereinsstaaten nicht über das Maß der sächsischen

Transitzölle erhöhen. Sechs Monate nach der Konstituierung des Vereins

soll über gemeinsame Handelsverträge und Retorsionen beraten werden.

Es war ein *pactum de paciscendo*, ein Vertrag ohne positiven Inhalt, eine

Verpflichtung, vorläufig nichts zu tun, den bestehenden Zustand nur nach

gemeinsamer Abrede zu verändern. Von einer Zollgemeinschaft zwischen den

Vereinsstaaten, von irgendwelchen ernsten Reformen war gar nicht die Rede.

Gleichwohl konnte der »neutrale« Verein dem preußischen Zollsystem

verderblich werden; er suchte der Handelspolitik Preußens ihre schärfste

Angriffswaffe, die Durchfuhrzölle, aus der Hand zu winden. Wenn es gelang,

alle zwischen den preußischen Provinzen eingeklammerten Länder,

insbesondere die Küstenstaaten, für den Verein zu gewinnen, so nahm die

gesamte Einfuhr von der See nach dem innern Deutschland ihren Weg durch

die Vereinslande, da die sächsischen Transitzölle weit niedriger standen

als die preußischen. Schritt man darauf zu den verabredeten »Retorsionen«,

wurde die Durchfuhr von Bayern nach Preußen und von einer preußischen

Provinz zur anderen mit hohen Zöllen belastet, dann war Preußen einer

reichen Einnahmequelle und seines wirksamsten Unterhandlungsmittels

zugleich beraubt; nicht bloß die Erweiterung des preußischen Zollsystems

wurde verhindert, der Bestand des Systems selber ward in Frage gestellt.

Unter der Maske der Neutralität beschloß man den Zollkrieg. Um nur Preußen

zu schädigen, verpflichtete sich die sächsische Regierung, ihre eigenen

Fabriken in wehrlosem Zustande zu lassen, die Industrie des Erzgebirges

der englischen Konkurrenz völlig preiszugeben. Wahrhaftig, nicht

patriotische Gesinnung war es, was die kleinen Staaten unseres Nordens

endlich in den preußisch- deutschen Zollverein führte; kein Mittel, auch

das verwerflichste nicht, blieb unversucht, das preußische Zollsystem zu

sprengen; erst nachdem alle Angriffe gescheitert waren, unterwarf man sich

notgedrungen der deutschen Handelseinheit.

Die Oberschönaer Punktation wurde dem sächsischen Bundestagsgesandten

Bernhard von Lindenau(90) zugesendet; dort in der Eschenheimer Gasse

sollten dem »sächsischen Antizollverein«, wie man in Berlin sagte, neue

Anhänger geworben werden. Eine edle, hochsinnige Gelehrtennatur, ehrlich

liberal und begeistert für Deutschlands Größe, hatte Lindenau bis vor

kurzem im gothaischen Ministerium mit Einsicht gewirkt. Er wünschte

aufrichtig die deutsche Handelseinheit und gestand seinem Darmstädter

Amtsgenossen in Frankfurt: wäre Kurhessen dem preußischen Verein

beigetreten, so hätte ich auch für den Beitritt Sachsens und Thüringens

gestimmt. Nun Kurhessen sich weigerte, hoffte er sein Ziel auf anderem

Wege zu erreichen: durch einen Bund der norddeutschen Lande, welcher den

preußischen Staat zur Milderung seines Zollsystems zwingen sollte. Auch er

krankte an dem Erbfehler der kleinen Diplomatie, er überschätzte die Macht

seines Staates und sah nicht, daß die preußische Regierung den Versuch,

ihr Gesetze vorzuschreiben, als offene Feindseligkeit betrachten und sich

zur Wehre setzen mußte. Also hat der treffliche Mann seinen lauteren

Idealismus, seine lebhafte ruhelose Tätigkeit eingesetzt für Pläne, die

der dynastischen Scheelsucht entsprangen, und zwei Jahre lang an einem

Verein gearbeitet, welchen Stein verächtlich als einen Afterbund

verdammte. Selbst die Sippschaft höchst unzweideutiger politischer

Charaktere, welche sich sofort des Oberschönaer Planes bemächtigte,

öffnete dem sächsischen Staatsmanne nicht die Augen. Münch und Langenau,

Marschall und Rothschild, alle Stützen der österreichischen Partei warben

für den Handelsverein. Mehrmals in der Woche kam der Herzog von Nassau zu

Langenau hinüber, um neue Bundesgenossen zu gewinnen.

Die Gründung des Deutschen Zollvereins · 第 22 / 34 题