Die zweite in dem Trio der Geschlechtskrankheiten ist

~der weiche Schanker~ (_Ulcus molle_).

Er ist ein meist an der Eichel oder der Vorhaut des Geschlechtsgliedes

durch Ansteckung beim Geschlechtsverkehr entstehendes Geschwür, das ein

bis fünf Tage nach der Ansteckung sich mit Jucken und Brennen bildet und

meist eine durch Unreinlichkeit oder sonstwie verletzte, eingerissene

Stelle der Schleimhaut zur Voraussetzung hat. Bei Sauberkeit und

unverletzter Schleimhaut findet das Schankergift keinen Eingang.

An der entzündlich geröteten Ansteckungsstelle bildet sich ein Bläschen,

das nach seinem Zerfall einen Eiter absondert und einen wulstigen aber

weichen, ein wenig ausgezackten Rand bildet. (Das syphilitische

Erstgeschwür hat harte Ränder; daher »harter Schanker« genannt.)

Sehr häufig schwellen die Drüsen in der Schenkelbeuge, die sogenannten

Leistendrüsen, an (Bubonen), ja, es kann zu Vereiterungen derselben und

zum Durchbruch des Eiters nach außen kommen.

Ist auch der weiche Schanker nicht von so ernstem und gefährlichem

Charakter wie der harte, so darf er doch nicht leichtsinnig aufgefaßt

werden, weil einerseits üble und häßliche Folgeerscheinungen auftreten

können, wie namentlich der phagedänische (d. i. der weiterfressende,

gewebszerstörende) Schanker, und andrerseits alle venerischen

Krankheiten so merkwürdig vielgestaltig auftreten, daß selbst der

erfahrene Arzt nicht sicher vor Täuschungen bleibt.

Konstitution und zweckmäßiges Verhalten entscheiden darüber, ob der

weiche Schanker harmlos bleibt und schnell ausheilt, oder ob er der

Ausheilung hartnäckigen Widerstand entgegensetzt.

Jugend, Liebe und Leben Körperliche, seelische und sittliche Forderungen der Gegenwart · 第 5 / 6 题