zurückzuführende Schwimmblase stets einen zu ihrer Füllung dienenden
Luftgang, der z. B. den Ganoidfischen auch im Alter verbleibt, während
er bei der Mehrzahl der erwachsenen Fische verschwunden ist. Das Organ
dient einmal dazu, das spezifische Gewicht des Fisches durch Ausdehnung
oder Zusammenziehung zu regeln und ihm damit ein leichtes Auf- oder
Niedersteigen zu ermöglichen. Diese Zusammenziehungen geschehen in der
Hauptsache passiv durch den Wasserdruck und nur zum geringen Teile aktiv
durch die ziemlich schwach entwickelte Blasenmuskulatur, die mehr zur
Verlegung des Schwerpunktes dient und besonders bei plötzlichem
Höhenwechsel in Tätigkeit tritt. Die endgültige und für längere Zeit
wirksame Einstellung der Schwimmblase auf ein bestimmtes Höhenniveau
aber erfolgt unter Ersparung von Muskelkraft lediglich durch Abscheidung
von Sauerstoff in ihren leeren Raum oder durch das Einsaugen von solchem
aus ihm. Schon Moreau hat 1876 erkannt, daß das die Schwimmblase
füllende Gas in der Hauptsache reiner Sauerstoff ist, aber erst 1903 hat
uns Jäger-Gießen darüber aufgeklärt, wo und wie dessen Abscheidung
geschieht. Er entdeckte an der unteren Wand der Schwimmblase eine sehr
verschieden starke (bei Süßwasserfischen nur 2-4, bei Seewasserfischen
20 und mehr Schichten) Anhäufung eigentümlicher Drüsenzellen, die durch
eine vergiftende Tätigkeit die roten Blutkörperchen vernichten, wodurch
der Sauerstoff frei wird, sich verdichtet und in das Innere der
Schwimmblase strömt. Er nannte dieses Organ den »roten Körper«. Will der
Fisch sich in einem höheren Niveau aufhalten, so muß das Gegenteil
geschehen, der Sauerstoff muß wieder aus der Blase entweichen können.
Diese Zurückleitung des Sauerstoffes in das Blut besorgt das im oberen
Teile der Schwimmblase gelegene, durch Muskelwirkung zu öffnende oder zu
schließende »Oval«, das auffallenderweise allen denjenigen Fischen
fehlt, die einen Luftgang besitzen. Eingeleitet werden alle diese
Vorgänge durch Nervenreizungen, und Thilo hat nachgewiesen, daß ein
Druck auf die Schwimmblase Hebel in Bewegung setzt, die auf eine Platte
im Rückenmark wirken, so daß Druckschwankungen den Fischen unmittelbar
zum Bewußtsein gelangen. Man könnte also die Schwimmblase fast auch als
ein Sinnesorgan ansehen, und jedenfalls erspart sie dem Fische sehr viel
Muskelarbeit. -- Obwohl die Fische bei ihrem ständigen Aufenthalt in
einem flüssigen Medium ein wirkliches _Durstgefühl_ kaum kennen werden,
verschlucken sie doch schon rein zufällig eine Menge Wasser, und es ist
auch kaum anzunehmen, daß dieses für den Aufbau ihres Körpers entbehrt
werden könnte. Wenigstens haben Versuche mit gefärbtem Wasser, die die
biologische Anstalt in Friedrichshafen anstellte, unzweifelhaft ergeben,
daß die Fische Wasser auch in den Magen aufnehmen. Dadurch erklärt es
sich auch, daß man bisweilen sogar betrunkene Fische findet, die die
tollsten Kapriolen vollführen, nämlich da, wo Hefenfabriken den als
Nebenprodukt bei der Hefenfabrikation gewonnenen Spiritus der
Steuerersparnis halber einfach ins Wasser laufen lassen. Dann gibt es
billige Hefe, aber dafür betrunkene Fische.
[Illustration: Gründling (_Góbio góbio_). (Nach einer Aufnahme von
Oberlehrer W. Koehler.)]
Ein großer Teil unserer heimischen Fische gehört zur Verwandtschaft des
Karpfens. Da ist zunächst die kleinköpfige und dünnlippige, selten mehr
als 3/4 _kg_ schwer werdende _Karausche_ (_Carássius carássius_), die
oft von Aquarienfreunden, die schon Hunderte wertvoller Exoten gezüchtet
haben, mit dem Karpfen verwechselt wird, obschon bei aller Ähnlichkeit
des Körperbaus ein einziger Blick auf den kleinen Mund genügt zur
sofortigen Unterscheidung, indem der Karpfen stets Barteln besitzt, die
Karausche aber niemals. Sie vermischt sich auch fruchtbar mit dem
Karpfen und wird deshalb in Zuchtteichen nicht gern gesehen, da sie mit
ihrem minderwertigen, grätigen Fleisch die ganze Nachzucht zu verderben
vermag. Auch im schmutzigsten und modrigsten Wasser hält dieser zähe und
anspruchslose Fisch aus, denn überall findet er seine unreinliche
Nahrung. Die ältesten Tierzüchter der Welt, Chinesen und Japaner, haben
aus der Karausche schon vor uralten Zeiten einen farbenschönen
Sportfisch herangezüchtet, der fast eine ähnliche Rolle spielt, wie der
allverbreitete Kanarienvogel, und der als _Goldfisch_ einen einzig
dastehenden Siegeszug auch durch ganz Europa angetreten hat. Mancherlei
absonderliche Spielarten, wie Teleskopfische und Schleierschwänze, sind
dann weiter aus ihm hervorgegangen. Was den Goldfisch dem Laien so sehr
empfiehlt, ist außer seiner bestechenden Farbenschönheit namentlich
seine geradezu rührende Anspruchslosigkeit, die auch die ärgste
Vernachlässigung und die naturwidrigste Behandlung geduldig hinnimmt,
aber der echte Tierfreund wird an diesem Kunstprodukt doch nur wenig
Gefallen finden; dazu ist der Goldfisch zu langweilig und zu
stumpfsinnig. Ein ganz ausgesprochener Bodenfisch, der sich bei Gefahr
geradezu in den Schlamm einzuwühlen pflegt und dadurch vielen
Nachstellungen entgeht, ist die grünliche _Schleie_ (_Tínca tínca_).
Ihre unglaubliche Genügsamkeit und sehr geringes Sauerstoffbedürfnis
ermöglichen ihr das Dasein selbst in den verjauchtesten Tümpeln. Ihr
fettes und zartes Fleisch gereicht der vornehmsten Tafel zur Zierde,
wenn man nur die Vorsicht übte, den Fisch vor dem Schlachten einige
Wochen in fließendem Wasser zu halten, damit er den ihm meist
anhaftenden Modergeschmack verlieren konnte. Um die Teichwirtschaft
macht sich der träge Fisch durch fleißiges Vertilgen der schädlichen
Fischegel verdient, wenn er auch andrerseits als Wettbewerber um die
Nahrung der wertvolleren Karpfen von den Fischzüchtern nur widerwillig
in den Teichen geduldet wird. Auch von dieser Form ist eine prachtvolle
Spielart als Goldschleie bekannt. Interessanter als diese langweiligen
Gesellen ist der kleinere, gestreckter gebaute und mit zwei Bartfäden
versehene _Gründling_ oder Greßling (_Góbio góbio_). Dieser sehr
gesellige Fisch, dem man eine besondere Vorliebe für das Aas nachsagt,
bevorzugt klares, fließendes Wasser mit sandigem oder kiesigem
Untergrunde, findet sich aber auch an anderen Örtlichkeiten, selbst in
unterirdischen Gewässern, so in der berühmten Adelsberger Grotte. Die
bläulichen Eier werden im Kiesgeröll ganz seichter Bäche abgesetzt,
worauf dann die Greßlinge wieder in ihre tieferen Wohngewässer
zurückkehren. Beim Ablaichen reibt das vom Männchen an eine
entsprechende Stelle getriebene Weibchen seine Bauchfläche am Kiese,
wobei der Kopf und der ganze Rücken für 1/2-3/4 Minuten aus dem Wasser
hervorsehen. Die Jungen schlüpfen bei genügender Wärme schon nach drei
Tagen aus und hängen dann noch mehrere Tage wie kleine graue Kommas an
Steinen und Pflanzen umher, ehe sie die ersten unbeholfenen
Schwimmversuche beginnen. Auch im Aquarium, für das sich dieser
bescheidene Fisch überhaupt gut eignet, ist er schon gezüchtet worden,
und soll dabei, wie ein russischer Beobachter mitteilt, sich zum Laichen
eine besondere Grube hergerichtet haben. Trotz seiner geringen Größe
findet der Gründling auch für die Küche gern Verwendung, da sein zartes
Fleisch von hervorragendem Wohlgeschmack ist. Im Donaugebiet wird unsere
Art durch den _Steingreßling_ (_Góbio uranóscopus_) mit spitzerem Kopfe
und längeren Bartfäden vertreten. Beide Fische, die gewöhnlich am Boden
auf Beute lauern, bewegen sich zwar ruckweise, aber nicht mit
übermäßiger Schnelligkeit fort. Da ist die niedliche und anmutige, stets
zum Jagen und Spielen aufgelegte _Elritze_ (_Phoxínus laévis_) ein weit
flinker Ding. Sie ist äußerst beweglich, namentlich sehr springfähig,
aber dabei im Freien schüchtern und schreckhaft. Wenn sich im Sommer das
Wasser zu sehr erwärmt, wandern die Elritzen oft in dichtgedrängten
Scharen in die kühleren Gebirgswässer aus und überspringen dabei
Hindernisse, die in gar keinem Verhältnis zu ihrer winzigen Körpergröße
stehen. Bei solchen Gelegenheiten werden viele von ihnen gefangen und
mariniert als »Pfrillen« oder »Rümpchen« trotz ihres etwas bitterlichen
Geschmacks in manchen Gegenden sehr gern gegessen. Leider müssen bei
dieser Fangart auch zahlreiche Junge der wertvollsten Speisefische mit
dran glauben und sich als Rümpchen verzehren lassen. Der rundliche,
unverhältnismäßig großköpfige _Döbel_ (_Leucíscus céphalus_), mit dem
breiten Maule und dem blaßrot schimmernden Bauch hält sich in seiner
Jugend massenhaft in kleinen kiesigen Bächen auf, während er im Alter
mehr in die Flüsse und Seen der Ebene hinabzieht. Er ist pfeilschnell
und räuberischer veranlagt als andere Karpfenfische. Selbst Mäusen soll
er nachstellen und deshalb in manchen Gegenden geradezu »Mäusefresser«
genannt werden. Bei solch reichlicher Kost erreicht er denn auch ein
Gewicht von 4 _kg_ und darüber. Diesen Angaben stehen nun freilich die
Magenuntersuchungen Sustas schnurstracks gegenüber, der den Döbel für
einen echten und sich hauptsächlich an grobes Gras haltenden
Grünweidefisch erklärt. Dieser Widerspruch erscheint noch völlig
ungeklärt, denn es ist doch kaum denkbar, daß ein und dieselbe Art
vielleicht an verschiedenen Örtlichkeiten so grundverschiedene
Ernährungsweisen zeigen könnte. Eher möchte ich glauben, daß die
betreffenden Fische von diesem oder jenem Forscher falsch bestimmt
wurden. Auffallend ist die Vorliebe des Döbels für Stromschnellen,
Mühlwehre, Brückenpfeiler und ähnliche Örtlichkeiten. Seiner vielen
Gräten wegen ist er höchstens als Backfisch und auch dies nur in ganz
frischem Zustande zu verwerten. Angler versichern, daß der Döbel auch an
Beeren und süße Früchte geht, und im Aquarium sah man jüngere Exemplare
sowohl animalische wie vegetabilische Kost zu sich nehmen. Die Angler
haben von jeher eine gewisse Vorliebe für diesen jetzt sichtlich
seltener werdenden Fisch gehabt, weil er auf alles anbeißt, so daß die
Köderwahl geradezu zur Qual werden kann, und weil sich mit seiner
stattlichen Größe prahlen läßt. Die süd- und ostdeutschen Angler
bezeichnen den ziemlich proletenhaft anmutenden Fisch als Räuber, und
die Rhein- und Elbefischer erklären ihn für den friedfertigsten Gesellen
der Welt. Das Wahrscheinlichste ist wohl, daß Genosse Dickkopf
Allesfresser geworden ist und seine Speisekarte um eine Reihe von
Gerichten bereichert hat, die er früher nicht kannte und verschmähte.
Ein unzweifelhafter Grünweidefisch ist dagegen der durch die kleine und
schief aufwärts gerichtete Mundöffnung gekennzeichnete _Aland_
(_Leucíscus ídus_), auch Silberorfe genannt. Eine besonders schöne Abart
wird als _Goldorfe_ gern in warmen Teichen gezogen, und sie eignet sich
als Zierfisch namentlich auch insofern gut, als sie sich beim Schwimmen
beständig an der Oberfläche hält und so ihre Schönheit auch zur Geltung
zu bringen weiß. Die wilde Stammform beansprucht reines, kaltes, tiefes,
und schnellfließendes Wasser, ist auch selbst ein recht flinker
Schwimmer. Der etwas dickköpfig aussehende Fisch, der bis 3 _kg_ schwer
wird, hat ein zwar grätiges, aber doch recht wohlschmeckendes, rötlich
aussehendes Fleisch, und wird deshalb gern geangelt. Unter dem
Sammelnamen »Weißfisch« faßt der Naturfreund eine Anzahl
karpfenähnlicher Fische zusammen, deren Jugendformen oft selbst der
Fachmann nur schwer auseinanderhalten kann, und deren erwachsene Stücke
wenigstens der Laie sehr häufig verwechselt. Es sind die Proleten
unserer Fischwelt, die nach Handwerksburschenmanier in zahlreichen
Trupps alle Wasserstraßen bevölkern. Hierher gehören z. B. zwei durch
hübsch rote Flossenfarbe ausgezeichnete Fische, die _Plötze_
(_Leucíscus rútilus_) und das _Rotauge_. Will man sie mit voller
Sicherheit bestimmen, so muß man schon zu den ein untrügliches
Unterscheidungsmerkmal abgebenden Schlundzähnen seine Zuflucht nehmen,
die bei der Plötze in einfacher Reihe stehen, links 6 oder 5, rechts
stets 5, während sie beim Rotauge in zwei Reihen zu 3 und 5 angeordnet
sind. Die Plötze ist wohl der gemeinste deutsche Fisch und wird deshalb
auch vielfach gefangen, obwohl ihr stark mit Gräten durchsetztes Fleisch
eigentlich nicht viel wert ist. Immerhin gibt sie frisch noch einen
leidlichen Backfisch ab. Während sie bei uns kaum schwerer als 1-1/2
_kg_ wird, werden im Kaspischen Meere noch heute bisweilen wahre
Riesenplötzen gefangen. Beide Arten sind lebhafte und scheue, aber nicht
eben sonderlich kluge Grünweidefische und laichen unter vielem
Geplätscher gesellig, nachdem sie in dichtgedrängten Scharen hierzu
geeignete Plätze aufgesucht haben. Beim _Rotauge_ (_Leucíscus
erythrophthálmus_), auch Rotfeder genannt, fällt außer dem roten Auge
namentlich die ungewöhnlich harte und scharfe Beschuppung der
Bauchgegend auf. Der stark messingglänzende Fisch, der seine beiden
deutschen Namen vollauf rechtfertigt, ist eigentlich eine recht schöne
Erscheinung und verdiente es, daß ihm die Aquarianer größere Beachtung
als bisher zuwenden würden. Zwischen beiden Arten kommen auch Mischlinge
vor, wie ja überhaupt bei dem geselligen Laichgeschäft der Karpfenfische
oft genug ein zwar unbeabsichtigtes, aber fruchtbares Durcheinander
entsteht, das der systematischen Forschung schon manche Schwierigkeiten
in den Weg gestellt hat. Für die Küche taugt das Rotauge noch weniger
als sein Vetter, und man verwertet sie deshalb am besten als
Schweinefutter. Wichtiger für den menschlichen Haushalt ist der
hochgebaute _Blei_ oder Brassen (_Abramis bráma_), da er ein Gewicht bis
zu 6 _kg_ erreicht und sein Fleisch zwar auch ziemlich grätig, aber doch
recht wohlschmeckend ist. Zur Laichzeit, bei der es sehr lebhaft zugeht,
die großen Fische oft weit aus dem Wasser herausspringen und sich auch
durch Beobachtung in unmittelbarer Nähe nicht stören lassen, nimmt der
Blei eine fast hochgelbe Farbe an, und die Männchen sehen infolge des
starken Hautausschlages wie zerkratzt und blutig zerschunden aus. Der
stattliche Fisch mit dem schiefgestellten Mund bewohnt größere Ströme
und tiefere Seen mit lehmigem Grund, den er beim geselligen Grasen oft
derart aufwühlt, daß er weithin das Wasser trübt. Bei dieser
schweineartigen Tätigkeit kommt ihm seine rüsselförmig ausgebildete
Schnauze sehr zustatten. Die _Blikke_ oder der Güster (_Blícca björkna_)
hat einen ähnlich hochrückigen Leibesbau wie die Abramisarten, und ein
solcher darf in gewissem Sinne auch als eine Schutzmaßregel gelten, da
die Raubfische sich nur ungern an so unbequem zu verschluckende Beute
machen. Der Name dieses Fisches dürfte mit »blinken« zusammenhängen,
ebenso wie »Pleinzen«[2] mit »blinzeln«. Die höchstens 1 _kg_ schwer
werdende Blikke ist einer unserer gemeinsten Fische und bevorzugt
langsam fließendes Wasser mit sandigem Untergrund. Sonst scheu und
vorsichtig, gibt sie sich doch dem Laichgeschäft im Spätfrühling mit so
rückhaltloser Inbrunst hin, daß man sie dabei geradezu mit Händen
greifen kann. Auch sie ist ein ausgesprochener Friedfisch, aber dabei so
gefräßig, daß sie sich leicht angeln läßt, was allerdings ihres
schlechten und grätenreichen Fleisches halber kaum der Mühe verlohnt.
Als ein halber Raubfisch muß dagegen der schon durch sein großes Maul
gekennzeichnete _Rapfen_ (_Aspius áspius_) bezeichnet werden. Den
kleinen Weißfischen stellt er mit solcher Gier nach, daß er dabei
öfters versehentlich auf den Strand schießt und dann elend umkommen muß.
In stillen Nächten betreibt er seine Jagden mit weithin vernehmbarem
Geräusch, indem sowohl Verfolgte wie Verfolger dabei öfters hoch aus dem
Wasser herausspringen. Trotzdem verrät der Rapfen immer eine gewisse
Ungeschicklichkeit in der Ausübung seines räuberischen Handwerks und
stößt viel öfters fehl als die echten Raubfische. Er ist ein
Oberflächenfisch und bewohnt am liebsten langsam fließendes, aber reines
Wasser. Da er 6 _kg_ schwer wird, könnte er für die Küche eine Rolle
spielen, wenn sein an sich fettes und wohlschmeckendes Fleisch nicht so
grätig wäre und beim Kochen nicht so leicht zerfiele. Wenn auch das
Fleisch des niedlichen _Uckelei_ (_Albúrnus albúrnus_) ganz ähnliche
Eigenschaften aufweist und dieses glitzernde Fischchen schon wegen
seiner geringen Größe (es wird nur 15-20 _cm_ lang) noch weniger für die
Küche in Betracht kommen kann, so beschäftigt es doch in anderer
Beziehung eine ganze Industrie und wird deshalb in gewissen Gegenden
Norddeutschlands, so namentlich am Frischen Haff, während der
Wintermonate in großen Zugnetzen massenhaft gefangen. Aus seinen stark
silberglänzenden, gegen jede unsanfte Berührung sehr empfindlichen
Schuppen, gewinnt man nämlich die sogenannte Perlenessenz (_Essence de
l'Orient_, deren Zusammensetzung und Herkunft früher ängstlich geheim
gehalten wurde und die von einem französischen Rosenkranzfabrikanten
entdeckt worden sein soll) zur Herstellung künstlicher Perlen. Die
gefangenen und ans Land gebrachten Fische werden sofort geschuppt, und
die gereinigten Schuppen in Kisten nach Paris oder Wien, neuerdings aber
auch vielfach nach Thüringen verschickt. In der Fabrik werden die
Schuppen zunächst 24 Stunden lang in Salzwasser gewässert, mit leinenen
Lappen abgerieben, schwach gepreßt, für ein Stündchen in Alkohol gebadet
und wieder getrocknet. Hierauf kommen sie in Ammoniak, in dem sich die
anderen Bestandteile leicht lösen, während die den herrlichen
Silberschimmer bedingenden Plättchen als kleine Kristalle sich am Boden
niederschlagen. Nach einigen Stunden kann die wässerige Lösung behutsam
abgegossen werden, und es bleibt nur ein silberiges, dickes Öl übrig
-- die Perlenessenz. Sie wird in hohle und dann mit Wachs zu
verschließende Glasperlen gefüllt, die dadurch einen prachtvollen,
matten Perlenglanz erhalten. Die besten Sorten dieser künstlichen Perlen
sind den echten derart ähnlich, daß nur eine genaue Prüfung durch einen
Sachverständigen die Imitation nachzuweisen vermag. Übermäßig billig
sind sie freilich auch nicht gerade, was erklärlich wird, wenn wir uns
vergegenwärtigen, daß etwa 20000 Fischlein nötig sind, um nur 1/2 _kg_
Perlenessenz anzufertigen. Man gewinnt aus den Uckeleischuppen wie aus
denen verwandter Arten weiter auch noch die in der Malerei eine große
Rolle spielende und ebenfalls teuer bezahlte Silbertinktur. Aber auch im
Leben ist der sich hauptsächlich von Insekten und deren Larven
ernährende Uckelei ein höchst anziehender und unterhaltender Fisch, der
sich dem am Flußufer lustwandelnden Spaziergänger mehr bemerkbar macht,
als irgendein anderer, da er häufig seinen silberglitzernden Leib aus
dem Wasser herausschnellt, um eine über diesem tanzende Mücke oder
Eintagsfliege zu erhaschen, und da er sich überhaupt gewöhnlich
scharenweise dicht unter der Oberfläche herumtreibt und hier seine
lustigen Spiele vollführt, überhaupt viel Frohsinn und Lebenslust
bekundet, obgleich gerade er nicht nur den Raubfischen, sondern auch den
Wasservögeln besonders häufig zur Beute fällt. Ängstliche Schüchternheit
einerseits und eine unbezähmbare Neugier andrerseits sind seine
hervorstechendsten Charaktereigenschaften. Gleich dem Uckelei gehören
zur Gruppe der durch das schief nach oben gerichtete Maul
ausgezeichneten _Lauben_ noch die bei uns auf die klaren und tiefen
Gebirgsseen Oberbayerns beschränkte _Mairenke_ (_Albúrnus ménto_) und
die fließendes Wasser bevorzugende _Alandblecke_ (_Albúrnus
bipunctátus_). Letztere heißt im Volksmunde gewöhnlich »Schneider«, da
ein zu beiden Seiten der Seitenlinie verlaufender Streifen schwarzer
Pigmentpunkte wie eine Naht aussieht. Im Aquarium gemachten
Beobachtungen zufolge soll sie eine Art Brutpflege ausüben, indem eines
der Elterntiere den Laich bis kurz vor dem Ausschlüpfen bewacht und
verteidigt und durch beständiges Flossenfächeln mit frischem,
sauerstoffreichem Wasser umspült. An der sonderbar knorpeligen Schnauze,
dem überragenden Oberkiefer und den harten, schneidenden Lippen ist die
höchstens 1/2 _m_ lang werdende _Nase_ (_Chondóstroma násus_) sofort von
anderen Süßwasserfischen zu unterscheiden. Auch biologisch hat sie
mancherlei Eigentümlichkeiten aufzuweisen. Ihre scharfen Kiefernränder
dienen dazu, den Algenüberzug von Steinen und dergleichen abzuweiden.
Charakteristisch für sie ist, daß sie sich im seichten Wasser gern um
sich selbst wälzt, so daß für Augenblicke die lichte Unterseite zum
Vorschein kommt. Zur Laichzeit gewinnt ihr dunkler Rücken ein streifiges
Ansehen, und an den Mundwinkeln zeigt sich ein lebhaftes Orangerot.
[2] Es ist dies der _Zobel_ (_Abramis sáha_) des Donaugebiets.