Es dürfte angezeigt sein, im Anschluß an die Betrachtung der Seitenlinie

gleich auch noch den sonstigen Sinnesfähigkeiten der Fische einige Worte

zu widmen. Über Geschmacks- und _Geruchssinn_ war man insofern lange im

Unklaren, als man beide nicht recht auseinanderzuhalten vermochte. Lange

Zeit hat man fast allgemein geglaubt, daß die Fische überhaupt nicht zu

wittern vermögen, sondern daß bei ihnen der Geruch durch den stark

entwickelten Geschmack ersetzt werde, obschon das Witterungsvermögen

nicht von vornherein ausgeschlossen schien, da ja Gase bekanntlich auch

im Wasser löslich sind und die meisten Fische paarige Nasenlöcher haben

(nur das tiefstehende Lanzettfischchen und die Rundmäuler haben ein

einziges Nasenloch), die mit einer strahlenförmig gefalteten und durch

besondere Nerven mit dem Gehirn verbundenen Schleimhaut ausgekleidet

sind. Bei den Haien und Rochen liegen diese Geruchsorgane

merkwürdigerweise auf der Unterseite des Kopfes. Zur vorderen Öffnung

strömt das Wasser herein, zur hinteren heraus, nachdem es mit den in der

Schleimhaut enthaltenen Sinneszellen in Berührung gekommen ist, und es

liegt auf der Hand, daß diese Strömung beim schwimmenden Fisch ungleich

lebhafter sein muß, als beim ruhenden, daß demgemäß jener auch weit

besser wittert, falls er dazu überhaupt imstande ist. Und dies ist nach

den Untersuchungen des amerikanischen Zoologen Parker am Katzenwels wohl

unzweifelhaft der Fall. Hängte der Genannte undurchsichtige

Leinwandbeutel ins Aquarium, die teils leer, teils mit zerschnittenen

Regenwürmern gefüllt waren, so kamen die Fische schon aus ziemlicher

Entfernung auf letztere zugeschwommen, während erstere völlig unbeachtet

blieben. Wurde dann auf experimentellem Wege das Geruchsorgan

ausgeschaltet, so fanden auch die gefüllten Beutelchen keine Beachtung

mehr. Der Einwand, daß dieses Geruchsvermögen vielleicht nur auf den

Katzenwels oder auf die ja überhaupt manche Besonderheiten aufweisende

Gruppe der Welse beschränkt sei, ist auch schon zum Teil hinfällig

geworden, indem man bei Zahnkarpfen und anderen Fischen ganz dieselben

Versuche mit dem gleichen Erfolge wiederholt hat. Im Einklange damit

stehen ja auch die praktischen Erfahrungen der Seeleute, die

übereinstimmend versichern, daß Haie ins Wasser geworfene Fleischbrocken

auf große Entfernung hin zu wittern vermögen. Natürlich wird der

Geruchssinn bei den einzelnen Fischgruppen in sehr verschieden hohem

Maße entwickelt sein, worüber nähere Untersuchungen noch ausstehen, und

das gleiche gilt auch von dem _Geschmackssinn_. Raubfische, die ihre

Beute unzerkleinert verschlingen, werden einen weit geringeren

Geschmackssinn haben als pflanzenfressende Fische, die ihre Nahrung

ordentlich kauen. Wir können ja an jedem fressenden Karpfen sehen, wie

er ihm nicht Zusagendes sofort wieder ausspuckt. Bei diesen Fischen ist

der Geschmack anscheinend in einem am Gaumen sitzenden Paket von

Sinneszellen konzentriert, während die harte und gewöhnlich mit Zähnen

besetzte Zunge sich nur wenig zum Träger von Geschmacksempfindungen

eignet. Wohl aber finden wir recht empfindliche Geschmackszellen an den

wulstigen Lippen, an den Barteln und sonstigen Anhängseln, ja an

Flossenstrahlen und überhaupt am ganzen Körper, namentlich auch an

dessen Seiten. So erklärt es sich auch, daß ein Fisch begierig auch dann

nach dem Köder schnappt, wenn dieser nicht seinen Mund, sondern nur

seine seitliche Körperfläche berührt. Interessant ist es ferner, daß

Maulbrüter, denen ihr Pfleger einmal einen ihnen unbekannten Wurm

verfüttern wollte, zunächst freßlustig darauf zuschwammen, aber in 2

_cm_ Entfernung blitzschnell umdrehten und dem Bissen mit allen Zeichen

des Abscheus den Rücken kehrten, ohne daß genau festgestellt werden

konnte, ob hier der Geruch- oder der Geschmacksinn der maßgebende Faktor

war. Andere Versuche haben gezeigt, daß Fische gegen salzige, süße oder

saure Flüssigkeiten sehr deutlich mit der gesamten Körperfläche

reagierten.

Das mehr ellipsoid wie kugelig gestaltete _Fischauge_ ist in hohem Grade

kurzsichtig und etwa auf eine Entfernung von nur 1 _m_ eingestellt.

Durch die Akkommodation vermittels »Sichelfortsatz« und »Glöckchen« kann

aber die Linse derart verschoben werden, daß der Fisch noch auf

Entfernungen von 10-12 _m_ einigermaßen deutlich zu sehen vermag. Eine

noch weitergehende Fernsichtigkeit aber hätte für ihn keinen Zweck, da

ja auch das klarste und reinste Wasser durch treibende Organismen und

Stoffe immer derart getrübt ist, daß ein Sehen über 15 _m_ hinaus

überhaupt kaum möglich ist. Alles über einen solchen Umkreis

Hinausreichende wird also dem Fisch wie in tiefe Dunkelheit gehüllt

erscheinen. Dagegen ist nicht einzusehen, warum es dem nahe der

Oberfläche schwimmenden Fisch nicht möglich sein sollte, auch einen

Blick in die Welt jenseits der Wasserfläche zu werfen, obschon diese

Möglichkeit von guten Fischkennern oft bestritten worden ist. Freilich

wird diese Welt sich im Fischauge in einer uns recht ungewohnt und

seltsam anmutenden Weise widerspiegeln. Sehr hinderlich beim Sehen vom

Wasser in die Luft ist nämlich der Umstand, daß jeder Lichtstrahl, der

den Wasserspiegel in einem Winkel von mehr als etwa 48-1/2° trifft,

nicht in die Luft übergehen kann, sondern ins Wasser zurückgeworfen,

also »total reflektiert« wird. Infolgedessen wird der Fisch immer nur

einen beschränkten, kreisförmigen Ausschnitt aus der Luftwelt

überblicken können, dessen Grundfläche der eines Kegels von zweimal 48°

entspricht und an Größe zu-, aber an Deutlichkeit abnimmt mit der Tiefe,

in der sich das Fischauge befindet. Wood hat in sehr sinnreicher Weise

auf photographischem Wege zu zeigen versucht, wie sich so wohl die Welt

in einem Fischauge gestalten mag, wobei natürlich immer eine ruhige und

spiegelglatte Wasserfläche vorausgesetzt wird, da schon eine geringe

Wellenkräuselung die entstandenen Bilder bis zur Unkenntlichkeit zu

verzerren vermag. So erhielt Wood mit seiner »Wasserkamera« an der

Kreuzung von 3 Straßen, die sich in rechtem Winkel trafen, eine Ansicht

längs jeder der drei Straßen, und gleichzeitig hatten sich der Boden und

der Himmel vom Horizont bis zum Zenith abgebildet. In einem Zimmer wurde

ein Bild gewonnen, auf dem drei Wände, die ganze Decke und der Fußboden

sichtbar waren. Eine gerade Reihe von neun Männern auf einem geraden

Gartenweg erschien im Halbkreis gebogen. Solche wunderbare Bilder von

der Außenwelt muß also in ruhigem und klarem Wasser auch das Fischauge

auf seiner Netzhaut empfangen. Im allgemeinen dürfen wir wohl annehmen,

daß der Fisch von der Oberwelt den Eindruck hat, als ob die ganze

Wasserfläche oben mit einem undurchsichtigen Dach verdeckt wäre, in das

ein rundes Fenster eingeschnitten ist. Auch werden ihm die einzelnen

Gegenstände stets etwas höher erscheinen, ein auf dem Erdboden gehender

Mensch also etwa so, als ob er in der Luft schwebte. Es gibt sogar eine

Zahnkarpfenart (_Anableps tetrophthálmus_), die es zu richtigen

Doppelaugen gebracht hat, indem Hornhaut und Sehlöcher durch Zweiteilung

je ein Luft- und ein Wasserauge entwickelten. Der Fisch schwimmt

unmittelbar an der Oberfläche so, daß die Luftaugen aus dem Wasser

heraussehen und ihrer Aufgabe ebensogut gerecht werden können, wie die

tiefer liegenden Wasseraugen im feuchten Elemente selbst.

[Illustration: Bitterling mit Malermuschel. (Nach einer Zeichnung

von R. Oeffinger.)]

Besonders gut entwickelte Augen gehen in der Regel parallel mit wenig

entwickelten Tastorganen oder Seitenlinien, so daß wir bei den Fischen

ähnlich unterscheiden können wie bei den Säugern, wo wir mit einer

gewissen Berechtigung von Augen- und Nasentieren sprechen. Solche

Fische, die in größeren Tiefen leben, in denen nur mattes

Dämmerungslicht herrscht, haben oft ganz riesenhaft entwickelte Augen,

um die wenigen sich nach dort verirrenden Lichtstrahlen sicher auffangen

zu können. Dies ist auch die Region, in der man Fische mit Teleskop-

oder beweglichen Stielaugen antrifft, und überhaupt hat gerade hier die

Natur ihre ganze Erfindungsgabe und Schöpferkraft aufgeboten, um auch

unter den ungünstigsten Bedingungen noch ein gewisses Sehen zu

verschaffen, scheinbar Unmögliches möglich zu machen. So haben gewisse

Teleskopfische in dem über den Kopf hervorragenden Abschnitt der

Augenröhre ein Fenster in der Farbstoffschicht, das die Rolle eines

»Spion«-Spiegels spielt und das Gesichtsfeld des Tieres nicht

unwesentlich erweitert. Noch raffinierter ist die Art und Weise, wie bei

manchen Tiefseefischen Leuchtorgane und Augen zusammenwirken. So wirft

bei der Gattung _Argyropélecus_ ein neben dem Teleskopauge sitzendes

Leuchtorgan sein Licht unmittelbar ins Auge hinein, während es nach

außen durch eine Farbstoffschicht abgeblendet ist. In noch größerer

Tiefe, wo ewige Dunkelheit herrscht, werden die Augen schließlich

überflüssig und verkümmern deshalb mehr und mehr. Ähnliche Verhältnisse

treffen wir bei den Höhlenfischen an, und wir können sie in geringerem

Maße auch künstlich erzielen, wenn wir Fische jahrelang im Dunkeln

halten. Ebenso haben Fischlarven oft nur rudimentäre Augen. Viel

umstritten worden ist auch die Frage, ob die Fische farbenempfindlich

sind oder nicht. Heß ist bei seinen Untersuchungen mit dem Spektrum zu

der Überzeugung gelangt, daß die Fische vollständig _farbenblind_ sind,

daß sie also nicht verschiedene Farben, sondern lediglich verschiedene

Helligkeitsgrade ein und derselben grauen Grundfarbe zu unterscheiden

vermögen. Wenn sich das bewahrheiten würde, wäre es auch für die

Fischerei von der größten Bedeutung. Aber wie so oft, steht auch hier

wieder einmal die praktische Erfahrung den Ergebnissen des

Laboratoriumsversuches schnurstracks entgegen. Obwohl die Versuche des

berühmten Würzburger Ophtalmologen selbstverständlich in einer

Fehlerquellen nach menschlichem Ermessen ausschließenden Weise

ausgeführt sind, vermag ich mich mit dem Ergebnis doch nicht zu

befreunden, da es feststeht, daß beim Angeln mit der künstlichen Fliege

deren Färbung eine recht wesentliche Rolle spielt, und da sonst auch

das prächtig schimmernde Hochzeitskleid so vieler Fischarten, das doch

ersichtlich einen erregenden Reiz auf die Weibchen ausübt, gar keinen

Sinn und Zweck hätte. Und die Geschichte der Zoologie hat ja schon recht

häufig gezeigt, daß solche praktische Erfahrungen sich als zuverlässiger

erwiesen haben als das gekünstelte Experiment und früher oder später

auch in einer wissenschaftlich einwandfreien Weise begründet werden

konnten. Jedenfalls möchte ich keinem Sportangler raten, nun auf Grund

der Heßschen Untersuchungen etwa sein Petriheil lediglich mit hell- oder

dunkelgrauen Kunstfliegen versuchen zu wollen, obschon solche Fangarten

wissenschaftlich recht interessant wären. Auch ist der Heßschen

Hypothese gegenüber zu bedenken, daß ja dann die so überraschenden und

zahlreichen Fälle von Farbanpassung bei den Fischen jeder Erklärung

entbehren würden, und daß bei anderen Versuchen z. B. Raubfische sehr

wohl zu unterscheiden verstanden, wenn man ihre Beutetiere in

verschiedener Weise färbte. Mir scheint aus den Spektrumsversuchen

lediglich hervorzugehen, daß die verwendeten Fische sich am liebsten in

den am besten belichteten Wasserschichten aufhalten, nicht aber, daß sie

gänzlich farbenblind sind.

[Illustration: Der Stichling und sein Nest. (Nach der Natur

gezeichnet von R. Oeffinger.)]

Daß, wie eben erwähnt wurde, manche Fische zur Laichzeit ein

farbenschimmerndes _Hochzeitskleid_ anlegen, wird uns nicht weiter in

Erstaunen setzen, nachdem wir bereits am Rohrbarsch gesehen haben, wie

stark seelische Erregung die Färbung der Fische zu beeinflussen vermag,

und nachdem wir wissen, daß die Allgewalt der Liebe auch bei den

kaltblütigen Fischen nichts von ihrer Macht eingebüßt hat, sie vielmehr

zu gewissen Zeiten mit einer so rückhaltlosen Leidenschaft beherrscht,

daß ihr gegenüber selbst die Forderungen des ewig heißhungrigen Magens

wochenlang völlig in den Hintergrund treten. Es ist nicht poetische

Übertreibung, sondern es ist nackte Wahrheit, wenn man sagt: die Fische

erglühen während der Fortpflanzungsperiode unter dem heißen Hauch der

Liebe. Ein prächtiges Beispiel dafür bietet unser kleinster

Karpfenfisch, der nur 6-7 _cm_ (in der Nahe fand Geysenheimer eine

Riesenform von 10 _cm_ Länge) lang werdende, flinke und anmutige, ewig

spiel- und necklustige _Bitterling_ (_Rhodéus amárus_) oder

Schneiderkarpfen, der den Namen nach seinem bitteren und ungenießbaren

Fleische hat. Außerhalb der Laichzeit weicht das zierliche Fischlein,

das sich am liebsten scharenweise in toten, üppig bewachsenen Flußarmen

aufhält und hier schlecht und recht von Gewürm und Pflanzenkost allerlei

Art ernährt, nicht sonderlich von der üblichen Färbung anderer

Kleinfische ab: blaugrün auf dem Rücken, silberglänzend an den Seiten,

ein tiefgrüner Streif von der Körpermitte bis zur Schwanzwurzel. Aber

mit Beginn der Laichzeit erstrahlt das sich dann sehr aufgeregt

geberdende Männchen, das dann auch einen eigenartigen kreideweißen

Warzenwulst an der Oberlippe bekommt, in herrlich schimmernden

Regenbogenfarben. Prachtvoll smaragdgrün schillert dann der Streifen,

glühend orangerot die Bauchseite, wunderbar stahlblau und violett der

Rücken, während schwarze Säume das prächtige Rot der After- und

Rückenflosse noch schärfer hervorheben, so daß das Tierchen in seiner

feurigen Farbenglut der schönsten Goldfische und der buntesten Exoten

spotten kann. Namentlich in Augenblicken geschlechtlicher Erregung

scheint es förmlich aufzuleuchten, während unmittelbar nach der

Milchabgabe die schönen Farben wieder für einige Zeit verblassen. Das

Weibchen behält zwar seine schlichte Färbung bei, entwickelt aber dafür

am After eine mehrere Zentimeter lange Legeröhre von rotgelber Färbung,

die trotz ihrer Auffälligkeit erst 1857 durch Krauß beschrieben wurde,

während ihre Bedeutung und Funktion erst 1869 durch Noll richtig erkannt

wurde. Der Bitterling lebt nämlich in einer hochinteressanten

Symbiose[1] mit der Malermuschel und benötigt die Legeröhre dazu, seine

gelblichen Eierchen durch deren Ausfuhröffnung in das Innere der Muschel

einzuführen, worauf dann das vor Erregung zitternd im Wasser stehende

Männchen seine Milch über dem Atemschlitz der Muschel ergießt. Da die

Samenfäden eine starke Eigenbewegung besitzen, werden sie nicht wie

Nahrungspartikelchen zum Munde der Muschel fortgestrudelt, sondern

bohren sich zwischen ihren Flimmerhärchen hindurch, bis sie in den

inneren Kiemenfächern mit den inzwischen gleichfalls dorthin gelangten

Eiern zusammentreffen, um sie hier zu befruchten. Hat ein

Bitterlingspärchen erst einmal eine geeignete Muschel ausfindig gemacht,

so sucht es sie wiederholt heim, um ihr seine Liebesbürde anzuvertrauen,

da das Weibchen jedesmal nur 1-2 Eier austreten läßt, wobei sich die

Legeröhre gewaltig steift, um gleich danach wieder zusammenzufallen und

am Schluß der Laichperiode gänzlich einzuschrumpfen. Die Fischchen sind

in ihrem Fortpflanzungsgeschäft gänzlich auf die Muschel angewiesen,

denn die Jungen entschlüpfen den Eiern in einem so unreifen Zustande,

daß sie außerhalb der schützenden und stets einen frischen Wasserstrom

unterhaltenden Kiemen gar nicht zu leben vermöchten. Sie nähren sich

aber nicht etwa von den Körpersäften ihres Wirtstieres, sondern sind

vielmehr lediglich Raumparasiten, die der Muschel weiter keinen Schaden

zufügen. Trotzdem mögen die ungebetenen Gäste dieser unbequem genug

sein, und sie versucht auch, sich ihrer durch krampfhafte Bewegungen zu

entledigen, was aber in der Regel nur großen und alten Muscheln gelingt.

Erschwert wird das noch dadurch, daß sich bei den Jungfischen hinter dem

Kopfe ein Querwulst mit zwei kegelförmigen Fortsätzen entwickelt, der es

ihnen erlaubt, sich in der Kiemenkammer sehr solid zu verankern.

Übrigens sind die Fischchen schon nach 14 Tagen so weit, durch den

Kloakensipho ihrer Stiefmutter in ihr eigentliches Element auswandern zu

können. Und die Muschel vergilt später Gleiches mit Gleichem. Die von

ihr ausgestoßenen Larven sinken nämlich zu Boden, lassen aber ihren

langen klebrigen Byssusfaden nach oben spielen, bis sich Gelegenheit

bietet, ihn einem vorüberschwimmenden Fisch anzuheften (und das ist

meist wieder ein Bitterling), worauf die Jungmuschel ihre mit Haken

versehene Schale in die Haut des Fisches einschlägt. Dies gibt zu einer

starken Wucherung Veranlassung, innerhalb derer die Muschellarve

gemächlich und sicher 2-10 Wochen lang von den Säften des Fisches lebt,

um erst als ausgebildete, wenn auch kaum größer gewordene Muschel die

gastliche Stätte zu verlassen. Wahrlich, eine der wechselvollsten und

anziehendsten Symbiosen, die die einheimische Natur uns zu bieten vermag

und deren Beobachtung im Aquarium viel Freude bereitet.

[1] So nennt man das engere »Zusammenleben« von Lebewesen

verschiedener Art, die einander wechselseitig nützen.

Einheimische Fische; Die Süßwasserfische unsrer Heimat · 第 3 / 10 段