Johann Feichtl, Hüter und Schäfer der Gemeinde Kraglfing, wäre einmal
fast „Hüter der staatlichen Gesetze“ gewesen und hätte um ein Haar über
seine Brotgeber und Herren zu Gericht sitzen müssen. Das ist aber so
gekommen: An einem abgeschafften Feiertag trank sich der Feichtl den
landesüblichen Rausch an. Und weil das bei ihm leider eine Seltenheit
sein mußte, und außerdem, weil sein Kolleg von Huglfing mit dabei
war, nützte er die Gelegenheit aus und sang mit erhobener Stimme alle
Lieder, welche ihm seit seiner Kindheit erinnerlich waren.
Allein hiebei begnügte er sich nicht, wie der Stationskommandant
in seinem Berichte schrieb, sondern er schlug auch mit einem
Halbliterglase den Takt auf dem Tische und verursachte, daß die
Kleidung des Gemeindebevollmächtigten Rupfenberger mit Bier bespritzt
wurde.
Der Huglfinger Schäfer hingegen steckte Mittel- und Zeigefinger einer
jeden Hand in den hiezu geöffneten Mund und ließ schrille Pfiffe
ertönen, welche weniger wegen ihrer Beschaffenheit, als wegen ihres
Urhebers von den anwesenden Gästen sehr mißliebig bemerkt wurden.
Das Fest endete für die beiden mit einem Mißklange.
Der Gastwirt nahm Partei für die Besitzenden und entfernte die Sänger,
nicht ohne, wie der Herr Stationskommandant ebenfalls meldete, nicht
ohne daß es zu einem erheblichen Widerstande seitens der Rubrikaten
geführt hätte.
Als Feichtl sich auf den notgedrungenen Heimweg machte und mit seinen
Kollegen ernste Gespräche sozialpolitischen Inhaltes austauschte,
da wußte er nicht, daß sein Gehaben Vergeltung erheischte. Er
blieb sich noch zwei weitere Tage hierüber im unklaren, bis der
Herr Gendarmeriestationskommandant von Zeidlfing ihm einen Besuch
abstattete und sich angelegentlich nach Ort und Datum seiner Geburt,
sowie nach dem Namen der verehrten Eltern erkundigte.
Nunmehr erfuhr Feichtl mit Erstaunen, daß er an dem bewußten Feiertage
das Gesetz beleidigt hatte.
Nicht lange darauf erhielt er ein Schreiben, in welchem ihm diese
befremdende Tatsache urkundlich bestätigt wurde.
Feichtl las dieses Schriftstück des öfteren durch, dann schüttelte er
bedenklich den Kopf.
Zunächst schien es ihm sonderbar, daß ein so großmächtiger Herr, wie
Gnaden der Landrichter, sich eine solche Müh geben und drei Seiten voll
schreiben mochte wegen dem Pfifferling.
Sodann sah er mit Betrübnis, daß seine Schulbildung ihn nicht
befähigte, die Darstellung eines Ereignisses zu verstehen, welches er
miterlebt, ja sogar verursacht hatte.
Aber es half ihm alles nichts; so oft er auch die Sätze wiederholte,
sie blieben ihm so unklar, als wären sie lateinisch gewesen.
In seiner Not wollte er sich eben an den Schullehrer wenden, als sein
Kollege Vitalis Glas von Huglfing ihn aufsuchte.
Nach kurzer Begrüßung holte Vitalis aus seiner Tasche ein fettiges
Exemplar des „Amperboten“ hervor, entfaltete es und brachte einen
beschriebenen Bogen Papier zum Vorschein.
„Da schau her, Feichtl,“ sagte er, „da hab i a Leset’s kriagt.“
„I woaß scho,“ sagte der Feichtl.
„Ja, wia ko’st denn Du dös wissen?“
„Weil i aa r oas hab, und weil da Postbot g’sagt hat, für di hätt er aa
a kloans Präsent.“
„So? Du, Feichtl, vastehst des Du?“
„I nöt,“ sagte Feichtl, „vielleicht bring ma’s mitanand außa. Paß auf,
i les Dir des meinige für.“
Und dann buchstabierte er: „In Erwägung, daß Johann Feichtl und
Genosse...“
„Bei mir hoaßt’s Glas und Genosse.“
„Aha! da is allaweil der ander der „Genosse“. Sei no staad, jetzt
geht’s weiter: ... hinreichend vadächtig erscheinen... Host as g’hört,
Glas?“
„Jawohl hab i’s g’hört. Dös hamm uns dö G’schwollköpf vom Ausschuß
eibrockt. Mir erscheinen verdächtig!“
„Moanst net, daß dös a Beleidigung is? Nacha klag’n m’as aa.“
„Dös werd kam geh’, Glas, weil’s der Amtsrichter selber g’schrieben
hat.“...
„Moanst? Nacha tua weiter!“
„... am 27. September l. J.... l. J., dös kenn i net... in der
Gastwirtschaft des Hohenreiner in Kraglfing ungebührlicherweise
ruhestörenden Lärm erregt und die anwesenden Gäste belästigt zu haben..
Sie’gst, Glas, mir hamm die Herrn Bauern belästigt.“
„Ja, weil dene ihre Ohrwaschel was eigen’s san. Woaßt, am Sunntag hamm
da Hofbauer und sei Nazi so plärrt, daß s’ Viech im Stall rebellisch
wor’n is. Des hat koan was scheniert. Wia da Bürgermoasta vom Schandarm
g’fragt wor’n is, ob dös G’schroa wen g’ärgert hat, sagt er: Ah, wia
werd denn dös oan ärgern, dös is g’rad lustig g’wen.“
„Ja, no,“ sagt der Feichtl, „jetzt is scho, wias is. Paß auf, da
kimmt’s no dicker... in der ferneren Erwägung, daß Feichtl und Genosse
sich trotz der Aufforderung des Wirtes nicht aus der Wirtschaft
entfernten, daß diese Tathandlungen...“
„Wia hoaßt dös?“
„Tat...handlungen...“
„So? Tua weiter!“
„... je eine Uebertretung des groben Unfuges in sachlichem
Zu--sammenflusse mit einem Vergehen des Hausfriedensbruches bilden...“
„Ah, ah,“ sagte Glas, „jetzt hör’ aber auf, ich kenn mi nimmer aus...“
„Gel’, Schlaucherl,“ meint der Feichtl, „des hätt’st net denkt, daß ma
mit die vier Finger im Maul an solchen Haufa Verbrecha begeh’ kuntt? Da
schaugst? Hätt’st da’s herauslassen! Was brauchst denn Du pfeifa?“
„Was brauchst denn Du nacha singa? Moanst, des hat vielleicht schöner
to? Aba dös siech ich, verspielt san mir zwoa alleweil. Wann i nur
wüßt, was i toa soll?“
„Des is des leichtest,“ sagt der Feichtl, „in d’Vahandlung geh tean ma,
g’straft wern tean ma, ei’g’sperrt wern tean ma.“
„So siecht’s eam scho aus,“ brummt Vitalis Glas, „wegen dena
G’schwollköpf, wegen dena Großkopfeten. Am Deanstag is d’Vahandlung?“
„Ja, um neuni. Ich geh über Huglfing, da wart’st beim Unterwirt auf mi.
Pfüat di daweil!“
Der Dienstag kam.
In der beträchtlichen Menge von Landbewohnern, welche sich vor dem
Gerichtsgebäude versammelt hatte, befanden sich auch unsere zwei
Schäfer. Sie standen ziemlich weit vorne und waren in eifrigem
Gespräche begriffen.
„I hab mir an Pack Nudeln mitg’numma,“ sagt Feichtl. „Wann d’ Hofbäurin
’s Zählen o’fangt, wern’s ihr weniga fürkemma.“
„Hast d’as draht?“ fragt Glas.
„Freili! Woaßt, i laß mi glei ei’sperrn. Mit’n Appellirn gib i mi net
lang ab, da werd’s g’rad mehra. De Nudln iß i nacha in der Fronvest.“
„Herrschaft Seiten! Wenn i nur aa dro denkt hätt! Beim Roglbauern
hamm’s gestern bacha, des waar grad recht g’wen. Woaßt, dö
Schundnickeln ziag’n uns ja do an Lohn ab für de Zeit, wo ma
eing’sperrt san.“
„Des is g’wiß. Du, da schau hin, da is ja der Rupfenberger. Der
macht an Zeugen gegen uns. Aber selber is er aa klagt, weil er an
Scheiblhuber beleidigt hat. Der werd sie wieda g’scheidt macha.“
So ging draußen das Gespräch fort. Im Gerichtssaal war es noch leer,
weil die Türen gesperrt blieben bis zum Beginn der Sitzung. Der
Gerichtsvorstand war der Ansicht, daß die Atmosphäre im Saale nicht
gewänne durch die Anwesenheit von einigen Dutzend mit Lederhosen
bekleideten Zuhörern, und hatte deshalb dem Gerichtsdiener gemessenen
Auftrag erteilt, die Pforten niemals früher zu öffnen.
Der Befehl war ein Labsal für den Gerichtsdiener Schneckel. Er bot
ihm erwünschte Gelegenheit, seiner Herzensneigung nachzugehen und den
„Geselchten“ oder „Engländern“, wie er die Bebauer unseres heimatlichen
Bodens benamste, mit Liebenswürdigkeiten aufzuwarten.
Schneckel war noch ein Prachtexemplar der leider aussterbenden Rasse,
einer der letzten jenes Geschlechtes von Gerichtsdienern, die ehemals
durch den „Haselnussenen“ Schrecken um sich verbreiteten und auch
späterhin, nach Abschaffung dieses heilsamen Institutes, durch eine
ungeheuerliche Grobheit den Respekt wacherhielten. Er war Soldat
gewesen, hatte sogar einen Feldzug mitgemacht und den Bronzeller
Schimmel erschießen helfen. Später in der langen Friedenzeit hatte
er dann in einer kleinen Garnison Gelegenheit gefunden, sich jene
Umgangsformen anzueignen, die ihm in seinem nunmehrigen Posten so
trefflich zustatten kamen. --
Die Bauern kannten und ehrten ihn; wenn er mit seiner tiefen, durch
häufiges Schnupfen undeutlich gewordenen Stimme dazwischen fuhr, gab
es keinen, der sich auflehnte oder gegen einen ehrenden Beinamen
Beschwerde erhob. Sie wußten alle, daß Schneckel aus dem Vollen
schöpfte und daß es ihm ein leichtes war, jeden Widerspruch durch
seinen unglaublichen Reichtum an Schlagwörtern unmöglich zu machen.
Diese Nachgiebigkeit rührte aber unsern Schneckel durchaus nicht. Er
geriet beim Anblick einer Lederhose oder eines seidenen Kopftüchels
stets in gereizte Stimmung und gab ihr Luft, wo er konnte.
Darum bereitete es ihm ein grimmiges Vergnügen, wenn an den
Sitzungstagen die Kanadier zuerst die Saaltüre öffnen wollten, dann,
wenn sie nicht aufging, das Schloß probierten, anklopften, wieder das
Schloß probierten, um endlich kopfschüttelnd weiter zu gehen. Oder
wenn ein ungestümer Sohn des Landes mit Kopf und Knien zugleich an
die Tür anrannte, weil sie wider Erwarten geschlossen war. Dann fand
Schneckel Anlaß zu bitterem Hohne:
„Oeha! Muh! Is der Stall zu? Renn ma fei an Türstock net um! Mit dem
Kopf! Braucht’s Fräulein a Kanapee zum Warten?“ usw.
Auch an dem bewußten Dienstag gab sich Gelegenheit zu verschiedenen
Redewendungen, bis der Herr Oberamtsrichter Schneckel rufen ließ und in
sehr übler Laune fragte:
„Was is denn das heut mit den Schöffen? Jetzt is es schon neun Uhr und
noch ist keiner da. Wahrscheinlich stehen’s draußen bei den andern rum.
Schließen’s die Saaltür auf und lassen’s die Schöffen mit den anderen
gleich eintreten. Die Schöffen rufen’s mir aber gleich vor; net, daß
ich auf die Herren warten muß. Ueberhaupt, Schneckel, wenn Sie auch
zu was gut wären, dann könnten’s Ihnen die Namen von den Schöffen
aufschreiben und jedesmal Umfrag halten, ob sie da sind. Für heut is
das schon zu spät. Die Sitzung muß angehen. Also etwas rasch, wenn ich
bitten darf...“
Als Schneckel abtrat, spie er Gift und Galle. Das ging ihm gerade noch
ab! Er, der alte gediente Soldat und Beamte, mußte sich Vorwürfe machen
lassen, weil so ein paar... so ein paar bocklederne Hinterwäldler zu
faul waren, um sich beim Oberamtsrichter anzumelden. Himmel--stern
Laudon! Fuchsteufelswild rasselte er mit seinen Schlüsseln durch den
Gang und sperrte die Saaltüre auf. Dann schrie er in den Menschenhaufen
hinein: „So, d’ Sitzung is oganga. Z’erscht sollen amal d’ Schöffa
reikemma. Moant’s vielleicht, mir warten no lang auf de Hammeln?“
Feichtl stieß den Vitalis Glas an und sagte: „Hast g’hört, mir kemma
z’erscht dro. Geh zua!“
Und sie schoben sich langsam an der Spitze des nachdrängenden Haufens
in den Saal. Am Eingang empfing sie noch einmal Schneckel: „Seid’s
+Oes+ d’ Schöffa?“
„Ja,“ sagte Feichtl.
„Nachher nur a bißl g’schwinder! Oes geht’s ja daher, als wenn S’ Kraut
treten tat’s. Der Herr Oberamtsrichta wart schon seit a g’schlag’ne
Viertelstund auf Enk...“
„Auf ins?“ fragte Feichtl.
„Natürli! Eigens auf Enk.“
„Dös werd guat wern,“ wisperte Glas seinem Kollegen zu.
„Also g’schwind nauf!“ kommandierte Schneckel wieder.
„Wo nauf?“ fragte Glas.
„Da nauf! Auf de zwoa Sessel da nauf! Für Enk hätt ma wahrscheinli
Ofenbänk reistellen sollen!“ knurrte Schneckel.
Kopfschüttelnd und bedenklich stiegen die Zwei auf die Tribüne und
setzten sich auf die Stühle hinter dem Gerichtstische. Da saßen sie
nun und schauten verwundert in die Zuschauermenge hinab, die ebenso
verblüfft hinaufschaute.
Der Rupfenberger besonders, der in der vordersten Reihe stand, riß
Mund und Augen so weit auf, daß Schneckel sich eben teilnehmend an
ihn wenden wollte, als der Herr Vorsitzende, der Amtsanwalt und der
Gerichtsschreiber eintraten und ihn so am Fragen verhinderten.
Der Vorsitzende wandte sich kurz an unsere zwei Freunde und fragte:
„Sie sind heute zum ersten Male da?“
„Ja,“ sagte Feichtl, „dös hoaßt na! Oamal bin i wegen
Körperverletzung...“
„Ach was! Körperverletzung? Ob Sie schon einmal Schöffe waren?“
„G’wiß net!“ sagte Feichtl.
Und Glas schüttelte nur den Kopf und sah mit seinen wasserblauen Augen
darein, als wenn er aus den Wolken gefallen wäre.
„Dann muß ich Sie vereidigen,“ fuhr der Herr Oberamtsrichter rasch
fort, „erheben Sie sich von Ihren Sitzen.“
Die Vereidigung erfolgte, und wenn auch Feichtl den Drang verspürte,
den Vorsitzenden zu unterbrechen, so kam er doch nicht dazu, weil es zu
schnell ging, und weil er überhaupt nicht mehr aus noch ein wußte.
Die zwei Hüter setzten sich auf Geheiß wieder und warteten in Gottes
Namen ab, was noch geschehen werde.
„Wir nehmen als erste Sache die Anklage gegen die zwei Schäfer wegen
groben Unfugs und anderem,“ erklärte jetzt der Vorsitzende. „Schneckel,
rufen Sie die Angeklagten und die Zeugen vor.“
„De zwoa Schäfa vortreten!“ kommandierte Schneckel.
Im Zuschauerraum machte sich eine starke Bewegung bemerklich, aber
niemand trat vor oder meldete sich.
„Das ist doch stark,“ rief der Vorsitzende, „um Viertel über neun Uhr
sind die Angeklagten noch nicht da. Wahrscheinlich saufen die Kerls in
den Wirtshäusern herum.“
Er wollte noch weiter reden, als ihn der Gerichtsschreiber aufmerksam
machte, daß hinter ihm die beiden Schöffen sich erhoben und ihm
offenbar etwas zu sagen hätten.
„Was wollen Sie denn?“ herrschte der Vorsitzende die zwei an, „wissen
Sie etwas von den Angeklagten?“
„Erlaubens, verzeihens, Herr Ambsrichta, der Angeklagte war i,“
stotterte Feichtl.
„Was? Wie heißen Sie denn?“
„Johann Feichtl, Schäfer von Kraglfing..“
„Jaa! Was..? Und wer sind denn Sie?“
„I war der Glas...“
„Da hört sich doch alles auf! Wie können Sie sich unterfangen, unter
falschem Vorgeben hier als Schöffen aufzutreten...“
„.. Erlaubens, Herr Ambsrichta, mir hamm ja net reden derfa. Der Herr
Gerichtsdeana hat g’sagt, de Schäfa soll’n z’erscht reikemma, und wia
ma hering’wen san, hat er nimma auslassen, bis ma uns da rauf g’setzt
hamm...“
Die Heiterkeit, welche sich inzwischen aller Anwesenden mit Ausnahme
Schneckels und unserer Freunde bemächtigt hatte, steckte nun auch den
Herrn Vorsitzenden an, so daß er Mühe hatte, nicht zu lachen.
Er ließ die zwei Angeklagten rasch von ihrem erhöhten Platze abtreten
und erfuhr nun von den zwei wirklichen Schöffen, die sich inzwischen
meldeten, daß sie sich auch nicht ausgekannt hätten, weil Schneckel die
zwei Schäfer gleich mitgenommen und auf die Plätze hinaufbefohlen hätte.
„Natürlich!“ sagte jetzt der Vorsitzende. „Mein lieber Schneckel, ich
habe Ihnen schon oft gesagt, daß Sie nicht so viel Schmalzler schnupfen
sollen. Ihre Aussprache ist auch so noch miserabel genug. Außerdem
sollten Sie die Leute nicht so anschreien. Dann wäre Ihnen diese
einfältige Verwechslung nicht passiert.“
In Schneckels Seele ging ein schmerzlicher Kampf vor; der langgewöhnte
Respekt vor den Vorgesetzten rang mit der Furcht, für immer die
Autorität bei den „Erzengeln“ zu verlieren, wenn er jetzt schwieg. Er
wußte, daß die Zuhörerschar mit innigem Vergnügen die Standrede des
Vorsitzenden vernahm, und daß heute noch in allen Wirtshäusern des
Bezirks dieses Ereignis besprochen wurde.
Aber er schwieg doch und tröstete sich mit dem Gedanken, daß er den
„Geselchten“ schon wieder die nötige Ehrfurcht einblasen werde, falls
sich einer von den Himmelherrgott... vergessen würde; das wollte er
schon fertig bringen, er, der alte Feldwebel vom 12. Regiment. --
Zudem, die Uebeltäter, die Hauptspitzbuben, welche ihm die Suppe
eingebrockt hatten, sollten ja vielleicht auf einige Tage in seine
väterliche Obhut kommen, da wollte er ihnen schon die Ohrwaschel
aufknöpfen, daß sie ihn trotz des Schmalzlerschnupfens verstehen
sollten.
Aber der Himmel meinte es besser mit Feichtl und Genossen. Jeder
erhielt nur einen Tag Haft, und der Herr Oberamtsrichter sagte, er
würde sich verwenden, daß sie den Tag erst im Winter abzusitzen
brauchten. Derweil war zu hoffen, daß die Wut Schneckels sich legte.
Als Feichtl und Glas das Amtsgericht verließen, sagte der letztere:
„Du, Feichtl, schö war’s do g’wen, wann der Herr Amtsrichter z’erscht
an Rupfenberger dro g’numma hätt. Den hätt’ i schö einitaucht, den
Großkopfeten.“
[Illustration]
[Illustration: Der Bader]