Da winkt der Wirt. „Halt, Loibl, was gibt’s da? G’rafft werd nix.“

Der Loibl und sein Nachbar, der Reischelbauer, liegen sich aber schon

in den Haaren, und jeder zieht aus Leibeskräften den Gegner bei der

Stirnlocke hin und her „Ausanand sog i! Schorschl, tua’s aussi.“

In einem Augenblick liegt der Loibl unter dem Tisch, und der Reischl

wird aus dem Garten hinausgekugelt wie ein Bierbanzen.

Aber schon spektakelt es wieder ein paar Schritt weiter daneben.

„Du Haderlump, Du stehltst Dei Sach, und i muaß ma’s vodean! Du begehst

ja Dei’s Nächsten Guat!“

„Sag’s no’ mal,“ schreit der andere. Diesmal macht die Kellnerin

Frieden; sie haut mit dem Abwischhadern in den Tisch hinein, daß jeder

von den zwei Streithanseln einen spanischen Nebel in das Gesicht

bekommt, und nimmt ihnen resolut das Bier weg. Die Nachbarn legen sich

dazwischen, und so gelingt es nochmal die Ruhe herzustellen. Auf das

offene Pulverfaß ist Wasser geschüttet. Der Wirt traut dem Landfrieden

nicht mehr und geht an den Tisch, wo die Vorstandschaft und das Komitee

sitzt. „Hofbauer,“ sagt er, „ös müßt’s was toa, sunst hab i in oaner

halben Stund koan ganzen Stuhl mehr. Am Tanzboden hab i scho fünf

rausschmeißen lassen, und herunt fangen’s aa schon o. Schau no hi, do

stengan scho enkere Burschen bei der Haustür beinand. Dös bedeut nix

Guats.“

„Halt!“ sagt der Bader, „dös wern ma glei hamm, dös mach i; i halt a

Red...“

„Dös gibt’s net,“ fallt seine Frau ein, „Du haltst gar nix als wia Dei

Maul. Moanst, i mag nomal so dasteh’ wia heint vormittag?...“

„Eine solchene Sprach verbitt i mir, was fallt denn Dir ei? Vorstand

bin i, und Punktum!“

„Oho!“

„Frau Lippel, lassen’s eahm sei Red halt’n,“ interveniert der Hofbauer,

„vielleicht gibt’s a Gaudi, dös war dös beste Mittel.“

Die Gattin läßt sich endlich herbei, und ein paar Minuten später steht

der Herr Lippel in seiner ganzen Größe auf dem Stuhl und wartet darauf,

daß sich der Lärm legt.

Nach vielen Bemühungen gelingt es den Musikern und den

Komiteemitgliedern, die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Redner zu

lenken.

„Meine Herren,“ beginnt dieser, „Hochansehnliche Föstversammlung! Indem

ich umherblücke und indem ich den heintigen Tag anschaue, kommt es

mir traurig vor, daß ein solchenes Fest aufhören muß. Aber alles hat

ein End, und dieses muß ich jetzt bereiten. Aber bevor wir allmählich

auseinandergehen, schauen wir noch einmal zurück auf die Freiden, die

wo wir gehabt haben. Und wir fragen uns zuerst, warum wir ein solches

Fest und eine solchene Freid gehabt haben. Nur deswegen, weil wir uns

alle lieb haben, weil Friede und Eintracht unter uns wohnen....“

Die letzten Worte verklingen in einem gräulichen Lärm, der sich vom

Tanzboden her erhebt. Fensterscheiben klirren, die Mädel stoßen

gellende Schreie aus, und über die Stiege herunter poltert und

rumpelt unter wütenden Rufen ein dichtgedrängter Haufen. Kaum sind

die vordersten im Garten angelangt, ertönt schon das verhängnisvolle

Patschen und Klatschen, das jeder Eingeborene kennt. Vergeblich

stürzt sich der Wirt mit seiner Hilfsschar unter sie; der Haufen wird

immer größer, der Knäuel immer dichter. Der uralte Haß zwischen den

Huglfingern und den Kraglfingern ist zum Ausbruch gekommen, und die

Zeidelfinger benützten die günstige Gelegenheit, um an den Ansiedlern

von Lackelhofen ihre Wut auszulassen. Und so auch die andern. Im Nu ist

der Garten in einen Kampfplatz verwandelt. Durch Pfeifen und Zurufen

finden sich die Dorfschaften zusammen, und nun beginnt eine homerische

Schlacht.

Wütendes Schnaufen, Stampfen, Schreien; Tischfüße knaxen, Köpfe

krachen, da und dort fliegen klirrend die Scherben von Krügen und

Tellern. Im dichtesten Haufen ficht die streitbare Jugend, weiter

abseits steht das ehrwürdige, aber doch kampfbegierige Alter und

entsendet mit sicherer Hand die Wurfgeschosse. Der Hofbauern Nazi hat

seine Aufgabe erkannt; er ergreift die Fahne mit der Linken und stürzt

sich in das Gewühl; seine ledernen Handschuhe erweisen sich ebenso

tauglich zur Parade wie zum Hieb. Das flatternde Panier weist den

Kraglfingern den Weg zur Ehre, und so wogt der Kampf hin und wider.

Allmählich jedoch ermatten die Kräfte; immer mehr Kämpfer verlassen

das Blachfeld, um an den Brunnen und in den Teichen des Dorfes die

brennenden Wunden auszuwaschen. Jetzt gelingt es dem Wirt und der

Gendarmerie, durchzudringen und die Völker zu trennen. Aber wie sieht

der Festplatz in der Abenddämmerung aus!

Kein Tisch steht mehr auf seinen Füßen, kein Stuhl kann sich mehr

gerade halten; Fetzen von Kleidungsstücken liegen auf dem Boden neben

Hüten und ehemaligen Halstüchern; in den Bierlachen liegen die Scherben

der Maßkrüge, und da, wo der Kampf am heftigsten war, wo der Kies

am stärksten aufgewühlt ist, liegt der zerbrochene Schaft und die

zerstückelte Fahne des Rauchklubs Kraglfing.

[Illustration]

[Illustration: Die Richter]

Krawall: Lustige Geschichten · 第 32 / 52 题