FÜNFZEHNTES KAPITEL.

Die nervöse Verdauungsschwäche zeigte sich von neuem. Das neue Mittel

brachte eine solche Reizung in seinem Magen hervor, dass der Herzog so

schnell wie möglich mit seinem Gebrauch aufhören musste.

Die Krankheit nahm ihren gewöhnlichen Verlauf; unbekannte Erscheinungen

begleiteten sie. Nach den Alpdrücken, den Geruchseinbildungen,

Gesichtsstörungen, dem harten, hartnäckigen Husten, dem Klopfen der

Pulsadern und des Herzens, dem kalten Schweiss traten Täuschungen des

Gehörs ein, Verschlimmerungen, die sich nur in der letzten Periode des

Übels zu zeigen pflegen.

Von einem hitzigen Fieber verzehrt, hörte der Herzog plötzlich ein

Wasserrauschen, das Summen von Bienenschwärmen; dann verschmolzen diese

Geräusche zu einem einzigen zusammen, das dem Schnarren einer Drehbank

ähnelte. Dieses Schnarren wurde nach und nach schwächer und löste sich

in hellen Glockenklängen auf.

Bald fühlte er sein fieberndes Hirn wie emporgetragen in musikalischen

Wellen, eingehüllt in den mystischen Taumel seiner Kindheit.

Die bei den Jesuiten erlernten Gesänge fielen ihm wieder ein, durch sie

wieder das Pensionat und die Kapelle, in dem sie erklangen.

Bei den Patern wurden die religiösen Feierlichkeiten mit grosser Pracht

ausgeführt; ein vortrefflicher Organist und ein ausgezeichneter

Chorknabengesang machten diese religiösen Übungen zu einem

künstlerischen Genuss, der dem Kultus zu gute kam.

Der Organist war in die alten Meister verliebt und bei hohen Festtagen

spielte er Messen von Palestrina und Orlando Lasso, Psalmen von

Marcello, Oratorien von Händel, Motetten von Sebastian Bach und trug

gerne des Paters Lambilottes weiche und leichte Kompositionen vor, wie

auch die »Laudi spirituali« des sechzehnten Jahrhunderts, deren

priesterliche Weihe den jungen Herzog oft entzückt hatte.

Besonders aber empfand er eine unbeschreibliche Wonne beim Hören des

einstimmigen Kirchengesangs, den der Organist beibehalten hatte.

Die jetzt für veraltet und altertümelnd geltende Liturgie war das Wort

und der Geist der antiken Kirche, die Seele des Mittelalters; es war das

ewig gesungene Gebet, nach den Begeisterungen der Seele harmonisiert,

eine beständige Hymne, die seit Jahrhunderten zu dem Allerhöchsten

hinaufgesandt wurde.

Diese traditionelle Melodie war die einzige, die sich mit ihrem

mächtigen Gleichklang, ihren feierlich massiven Harmonieen den

Quadersteinen der alten Basiliken anpasste und die römischen Gewölbe

ausfüllte.

Wie oft war der Herzog nicht ergriffen und niedergedrückt gewesen von

dem unwiderstehlichen Hauch, als der »Christus factus est« des

gregorianischen Gesanges zu dem Kirchenschiff emporstieg, dessen Pfeiler

unter den schwebenden Wolken des Weihrauchkessels zu zittern schienen;

oder wenn die einförmige Melodie des »De profundis« klagend ertönte,

traurig wie ein Schluchzen, durchdringend wie der verzweifelte Ruf der

Menschheit, die ihr sterbliches Schicksal beweint, die rührende

Barmherzigkeit ihres Erlösers anfleht!

Im Vergleich zu diesem prachtvollen Gesang, den kein Einzelner, sondern

der Genius der Kirche geschaffen, unpersönlich, namenlos wie die Orgel

selbst, deren Erfinder unbekannt ist, schien ihm jede religiöse Musik

profan.

Dagegen war in allen den Werken Jomellis und Porporas, Carissimis und

Durantes, in den bewundernswürdigsten geistigen Schöpfungen von Händel

und Bach keine Verzichtleistung auf einen öffentlichen Erfolg, keine

Aufopferung einer Kunstwirkung, keine Entsagung des menschlichen Stolzes

zu finden.

Höchstens in der imposanten Hochamtsmusik von Lesueur bestätigte sich

der religiöse Stil ernst und streng und näherte sich der erhabenen

Majestät des alten Chorals.

Übrigens waren die Ideen des Herzogs in absolutem Widerspruch mit den

Theorieen, die er in Bezug auf alle andern Künste bekannte. Was die

religiöse Musik anbelangte, so billigte er eigentlich nur die

klösterliche Musik des Mittelalters, diese abgezehrte Musik, die

instinktmässig auf die Nerven wirkt. Dann gestand er auch selbst zu,

dass er unfähig war, die Schliche zu verstehen, die die Meister der

Gegenwart in der katholischen Kunst eingeführt hatten; auch hatte er die

Musik nicht mit derselben Leidenschaft studiert, mit der er sich zur

Malerei und zu den litterarischen Wissenschaften hingezogen fühlte.

Er spielte wie der erste beste Klavier, war nach längerem Studium

imstande, eine Partitur zu entziffern, aber er verstand nichts von der

Harmonie und der nötigen Technik, um wirklich eine Feinheit zu schätzen

und mit Sachverständnis zu geniessen.

Mit der profanen Orchestermusik konnte er sich nicht befreunden, weil

man sie nicht bei sich allein hören kann, wie man ein Buch zu lesen

pflegt. Um sie zu geniessen, hätte er sich unter dieses immer gleiche

Publikum mischen müssen, das die Theater füllt und den Winter-Cirkus

belagert, wo man in einer Waschhausatmosphäre einen Menschen bewundert,

welcher in der Luft herumfuchtelt und aus Wagner herausgerissene

Episoden zur ungeheuren Freude eines unwissenden Haufens grausam zu Tode

hetzt.

Er hatte nicht den Mut gehabt, sich in dieses Volksbad zu tauchen, um

Berlioz zu hören, von dem ihn indessen einige Bruchstücke durch ihre

leidenschaftliche Begeisterung und ihr schwungvolles Feuer gefangen

genommen hatten; und er sah auch ein, dass keine Scene, ja selbst nicht

mal ein Satz einer Oper des wunderbaren Wagner aus ihrem Gefüge

ungestraft losgelöst werden durfte.

Und deshalb war der Herzog auch der Meinung, dass von diesem Haufen von

Musikfreunden, die des Sonntags ausser sich gerieten, kaum zwanzig die

Partitur kannten, die man verhunzte.

Die bekanntere, leichtere Musik und die unabhängigen Stücke der alten

Opern fesselten ihn sehr wenig; die leichten Piècen von Auber und

Boïeldieu, Adam und Flotow und die Banalitäten eines Ambroise Thomas und

Bazin widerten ihn in gleichem Masse an, wie die veralteten Zierereien

und die pöbelhaften Reize der Italiener.

Er hatte sich deshalb von der Musik fern zu halten entschlossen und seit

den Jahren dieser seiner Enthaltung erinnerte er sich nur gewisser

Kammermusik-Soiréen, in denen er Beethoven und besonders Schumann und

Schubert gehört hatte, die seine Nerven derart zermürbt hatten wie die

innigsten und qualvollsten Dichtungen Edgar Poës.

Gewisse Partieen für Violoncello von Schumann hatten ihn ganz atemlos

gelassen; es waren besonders die Lieder von Schubert, die ihn vor

Entzücken ausser sich gebracht hatten.

Diese Musik drang in sein tiefstes Inneres und machte sein Herz erbeben

wie von vergessenen Leiden alter Melancholie; und er fühlte sich ganz

betäubt, plötzlich so viel wirres Elend und unbestimmten Schmerz zu

empfinden.

Diese Musik der Verzweiflung, die aus dem Tiefsten des Seins aufschrie,

entsetzte und entzückte ihn zugleich. Niemals hatte er »des Mädchens

Klage« hören können, ohne dass ihm nicht nervöse Thränen in die Augen

stiegen, denn es war in diesem Klagelied mehr als Betrübnis, etwas

Entrissenes, das ihm das Herz zerwühlte, wie das Sterben eines Lieben in

einer düsteren, öden Landschaft.

Und immer wieder, wenn ihm diese entzückend traurigen Klagen über die

Lippen kamen, riefen sie in ihm diese einsame Landschaft wach, in der

geräuschlos in der Ferne vom Leben abgehetzte Menschen in der Dämmerung

verschwanden. Er fühlte sich dann in dieser trostlosen Natur so allein,

durch Herzeleid und Widerwillen verbittert, von einer namenlosen

Melancholie erdrückt, von einer tödlichen Herzensangst erfasst, deren

geheimnisvolle Macht jeden Trost, jedes Mitleid, jede Ruhe ausschloss.

Gleich einem Totengeläute verfolgte ihn dieser verzweiflungsvolle

Gesang, jetzt, wo er durch Fieber vernichtet darniederlag, von toller

Angst erregt, die zu beschwichtigen ihm um so weniger gelang, als er

deren Ursache nicht erkannte.

Er überliess sich schliesslich dem Spiel der Wellen. Des Kampfes müde,

liess er sich von dem Strom der Angst hin und her werfen, der sich in

klagenden Tönen durch seinen schmerzenden Kopf und stechende Schläfe

ergoss.

Eines Morgens hörte aber dieses Singen und Klingen auf; der Herzog war

wieder seiner mächtig und ersuchte den Diener, ihm einen Spiegel zu

bringen. Vor Entsetzen glitt ihm dieser fast aus der Hand; er erkannte

sich kaum wieder.

Sein Gesicht hatte eine Erdfarbe angenommen, die Lippen waren

aufgedunsen und trocken, die Zunge welk, die Haut runzelig. Sein Haar

und Bart, seit seiner Krankheit nicht geschnitten, erhöhten noch das

Entsetzliche seines eingefallenen Gesichtes mit den hohlen,

verschwommenen Augen, die im Fieberglanz in seinem borstigen Schädel

brannten.

Mehr als seine Schwäche, als seine Erbrechungen, die jeden Versuch von

Nahrung zurückwiesen, mehr als dieser Marasmus, in dem er steckte,

erschreckte ihn diese Veränderung seines Äussern.

Er glaubte sich verloren; doch trotz der Ermattung, die ihn

niederdrückte, richtete ihn die Energie eines gehetzten Menschen

plötzlich auf und gab ihm die Kraft, einen Brief an seinen Arzt in Paris

zu schreiben und seinem Diener zu befehlen, denselben auf der Stelle

aufzusuchen und ihn um jeden Preis sofort herzuschaffen.

Sein vollständiges Sichgehenlassen ging in plötzliche Hoffnung über;

denn dieser Arzt war ein berühmter Spezialist, ein Doktor, bekannt durch

seine Kuren nervöser Krankheiten.

»Er hat sicher schon eigensinnigere und gefährlichere Fälle als den

meinen behandelt,« sagte sich der Herzog; »er wird mich zweifellos in

einigen Tagen wieder auf die Beine bringen.«

Dann aber folgte diesem Vertrauen eine vollständige Hoffnungslosigkeit.

»So gelehrt, so geschickt sie auch sein mögen, von Nervenleiden

verstehen die Ärzte nichts, ja sie kennen nicht einmal ihren Ursprung.

Wie alle anderen wird auch dieser mir das ewige Zinkoxyd, Chinarinde,

Bromkali und Baldrian verschreiben.«

»Aber wer weiss,« fuhr er dann fort, sich an eine letzte Hoffnung

klammernd, »wenn mir diese Mittel bis jetzt nicht geholfen haben, so

kommt es vielleicht daher, dass ich sie nicht in richtiger Dosis

gebraucht habe.«

Trotz alledem aber gab ihm die Erwartung einer möglichen Linderung schon

neuen Lebensmut.

Dann befiel ihn die neue Befürchtung, ob sich der Arzt in Paris befände

und sich hierher bemühen würde. Und wieder überwältigte ihn die Furcht,

dass der Diener ihn nicht antreffen könnte.

Er fühlte aufs neue seine Kräfte schwinden, er ging von einer Sekunde

zur andern von tollster Hoffnung zur wahnsinnigsten Angst über,

übertrieb die Aussichten plötzlicher Heilung, wie die Befürchtungen

einer nahen Gefahr. So verflossen die Stunden und der Augenblick kam, wo

es zu Ende war mit seiner Kraft, wo er an dem Kommen des Arztes

verzweifelte und sich wütend sagte, dass er sicherlich gerettet würde,

wenn ihm rechtzeitig beigestanden worden wäre. Dann wieder verflog sein

Zorn gegen den Diener und den Arzt, die er beschuldigte, ihn sterben zu

lassen, und schliesslich raste er gegen sich selbst und warf sich vor,

so lange gewartet zu haben, um Hilfe zu holen, und bildete sich ein,

dass er jetzt geheilt sein würde, wenn er nur einen Tag früher kräftige

Arzeneien und vernünftige Pflege gehabt hätte.

Nach und nach besänftigte sich dieser Wechsel von Beunruhigungen und

neuen Hoffnungen, die sich in seinem leeren Hirn jagten. Diese

Widersprüche rieben ihn vollends auf. Er verfiel in einen Schlaf der

Ermattung, den unzusammenhängende Träume durchzogen, in eine Art von

Ohnmacht, die von bewusstlosem Erwachen unterbrochen wurde. Er hatte den

Begriff seiner Wünsche und Befürchtungen derart verloren, dass er ganz

apathisch war und kein Erstaunen und keine Freude empfand, als der Arzt

plötzlich ins Zimmer trat.

Der Diener hatte ihn jedenfalls von der Lebensweise des Herzogs

unterrichtet und auch von den verschiedenen Symptomen, die er selbst

beobachtet hatte seit dem Tage, als er seinen Herrn nahe dem Fenster,

von der Heftigkeit der Parfüms ohnmächtig, aufgehoben hatte; denn der

Arzt stellte nur wenige Fragen an den Kranken, dessen Verhältnisse er

übrigens seit Jahren kannte. Er untersuchte ihn, klopfte und horchte an

ihm herum und prüfte aufmerksam den Urin, in welchem ihm gewisse weisse

Streifen eine der ausgesprochensten Ursachen des Nervenleidens

offenbarten.

Er schrieb ein Rezept, und ohne noch etwas hinzuzufügen, ging er fort,

seine baldige Rückkehr zusagend.

Dieser Besuch tröstete den Herzog, den jedoch das Schweigen sehr

befremdete, und er beschwor seinen Diener, ihm nicht länger die Wahrheit

vorzuenthalten. Dieser bestätigte ihm, dass der Arzt keinerlei

Beunruhigung an den Tag gelegt hätte, und so misstrauisch auch Herzog

Jean war, er fand kein Anzeichen, welches eine Lüge auf dem ruhigen

Gesicht des alten Mannes verriet.

Bald heiterten sich seine Gedanken auf; überdies waren seine Leiden

verstummt und zu der Schwäche, die er in allen Gliedern verspürte,

gesellte sich eine gewisse Sanftheit, eine gewisse Wohligkeit, leise und

unbestimmt. Und endlich war er ganz zufrieden, nicht mit Arzeneien und

Flaschen überbürdet zu sein. Ein schwaches Lächeln glitt um seine

blassen Lippen, als der Diener ein mit Pepton gemischtes Klystier

brachte und ihm bedeutete, dass er dasselbe dreimal in vierundzwanzig

Stunden wiederholen müsse.

Es müsste köstlich sein, dachte er, wenn man bei voller Gesundheit

dieses einfache Mittel fortsetzen könnte! Welch eine Ersparnis an Zeit,

welch eine radikale Erlösung der Abneigung, welche das Fleisch den

Leuten ohne Appetit einflösst! Welch endgültige Befreiung des

Überdrusses, der immer aus der notgedrungen beschränkten Wahl der

Speisen sich ergiebt! Welch energische Verwahrung gegen die gemeine

Sünde der Gefrässigkeit!

Einige Tage darauf brachte der Diener ein Klystier, dessen Farbe und

Geruch anders war als das von Pepton.

»Aber das ist ja nicht dasselbe!« rief der Herzog aus, der sehr

aufgeregt war über die in das Instrument gegossene Flüssigkeit.

Er verlangte wie in einem Restaurant die Karte, und das Rezept des

Arztes entfaltend las er:

Leberthran 20 Gramm

Kraftbouillon 200 Gramm

Burgunderwein 200 Gramm

Eigelb 1 Gramm.

Aber er brauchte bald nicht mehr über die nährenden Flüssigkeiten

nachzudenken, denn es gelang dem Arzt, nach und nach die Erbrechungen zu

bezwingen und ihm auf gewöhnlichem Wege einen süsslichen Punsch mit

Fleischpulver gemischt beizubringen, dessen unbestimmtes Aroma von Kakao

seinem Mund zusagte.

Wochen vergingen, und sein Magen entschloss sich endlich wieder zu

arbeiten; zu gewissen Zeiten kam die Übelkeit noch wieder, die indessen

durch das Ingwerbier und durch eine Arzenei von der Riviera

eingeschränkt wurde.

Schliesslich kräftigten sich auch nach und nach die Organe wieder, und

mit Hilfe der Pepsine konnte er wirkliches Fleisch verdauen. Die Kräfte

nahmen zu, und bald konnte der Herzog schon in seinem Zimmer aufrecht

stehen und versuchen zu gehen, sich auf einen Stock stützend und an den

Ecken der Möbel festhaltend. Anstatt sich dieses Erfolges zu freuen,

vergass er seine vergangenen Leiden, wurde gereizt über die Länge der

Rekonvalescenz und warf dem Arzt vor, dass er seine Genesung

hinauszögere.

Endlich war er so weit wieder hergestellt, dass er während ganzer

Nachmittage aufbleiben konnte und ohne Hilfe in seinem Zimmer

umherzugehen vermochte.

Jetzt ärgerte ihn sein Arbeitszimmer; Fehler, an die er sich durch die

Länge der Zeit gewöhnt hatte, fielen ihm in die Augen, als er nach

langer Zwischenzeit wieder dorthin kam.

Die Farben, die gewählt waren, um bei Licht gesehen zu werden,

erschienen ihm bei Tageslicht unharmonisch. Er dachte daran, sie zu

ändern und stellte stundenlang künstliche Farbenharmonieen zusammen.

Es ist kein Zweifel, ich bin auf dem Wege der Besserung, dachte er, die

Rückkehr zu seinen früheren Beschäftigungen und alten Liebhabereien

wahrnehmend.

Eines Morgens, während er seine orange-gelben und blauen Wände

betrachtete und dabei von den idealen Wandbekleidungen träumte, die aus

griechischen Kirchenstolas, russischen Messgewändern in Goldstoff,

Chormänteln aus Brokat, mit slavonischen Buchstaben gemustert, aus

Edelsteinen des Ural und aus Reihen Perlen gebildet waren, trat der Arzt

ins Zimmer, und die Blicke seines Kranken beobachtend, erkundigte er

sich nach seinem Befinden.

Der Herzog teilte ihm seine unausführbaren Wünsche mit und fing an, neue

Farbenmischungen vor ihm zu entwickeln, von Paarungen und Auflösungen

der Nüancen zu sprechen, als ihm der Arzt einen energischen Dämpfer

aufsetzte und ihm in einer keinen Widerspruch duldenden Weise erklärte,

dass er jedenfalls nicht in dieser Wohnung seine Pläne zur Ausführung

bringen werde.

Und ohne ihm die Zeit zu einer Entgegnung zu lassen, setzte er ihm

auseinander, dass er zuerst zum wichtigsten geschritten sei, indem er

die Verdauungsfunktionen wieder hergestellt habe, und dass er jetzt das

Nervenleiden selbst in Behandlung nehmen müsse, das keineswegs geheilt

sei und Jahre der Schonung und Pflege erfordere.

Er fügte hinzu, dass, bevor er irgend ein Mittel versuchen oder eine

Kaltwasserkur anfangen könne, was ausserdem in Fontenay unmöglich sei,

er diese Zurückgezogenheit aufgeben, nach Paris zurückkehren, in das

allgemeine Leben wieder eintreten und endlich versuchen müsse, sich wie

jeder andere Mensch zu zerstreuen.

»Aber die Vergnügungen der Anderen zerstreuen mich nicht!« rief der

Herzog empört aus.

Ohne sich in Diskussion einzulassen, versicherte der Arzt einfach, dass

die gänzliche Lebensveränderung in seinen Augen eine Lebensfrage wäre.

»Das heisst also der Tod oder die Galeerenstrafe!« rief der Herzog

erbittert aus.

Der Arzt, von allen Vorurteilen eines Weltmannes durchdrungen, lächelte

und schritt ohne zu antworten der Thür zu.

Gegen den Strich · 第 17 / 19 题