Der Koch auf dieser Expedition war Bates – Herr Thomas Bates,
wie er sich selbst auf dem Postamt zu nennen pflegte, wohin er
regelmäßig ging, um nach Briefen und Geldsendungen zu fragen, die
niemals eintrafen. Tom Truthahnspur nannten ihn die Hirten nach
seinem Brandzeichen, das, wie er sagte, in Denver eingetragen war und
seinen Erzählungen nach von ungezähltem Herdenvieh auf den Weiden des
unbekannten Nordens getragen wurde.
Als Bates zur Teilnahme an der Verfolgung des berühmten Mustangs
aufgefordert wurde, hatte er spöttische Bemerkungen fallen lassen über
Pferde, die nicht mehr wert wären, als zwölf Dollars das Dutzend,
und hatte es vorgezogen, für einen geringen Lohn mitzugehen. Jedoch
keiner, der den Paßgänger einmal in seinem stolzen Trab bewundern
durfte, konnte den Gedanken an dieses edle Tier wieder loswerden. Auch
Truthahnspur erfuhr es an sich selbst, und so hatte auch er nur noch
den einen Wunsch, den Mustang zu besitzen. Wie dies auszuführen sei,
war ihm nicht ganz klar, bis eines Tages ein befreundeter Hirte, namens
Smith, allgemein bekannt als Hufeisen-Billy, zum Besuche auf der Farm
erschien. Während das ausgezeichnete frische Fleisch, Brot und ein
recht erbärmlicher Kaffee vertilgt wurden, bemerkte der vom Hufeisen,
mit beiden Backen kauend:
[Illustration]
»Ich sah den Paßgänger heute morgen, nahe genug, um einen Zopf in
seinen Schweif zu flechten.«
»Was? und du hast nicht geschossen?«
»Nein, aber ich war nahe daran.«
»Daß du mir keine Dummheiten machst,« rief ein Hirte vom anderen Ende
des Tisches dazwischen, »ich wette, daß, ehe der Mond wechselt, dieser
Teufelshengst mein Brandzeichen tragen wird.«
[Illustration]
»Dann mußt du dich dazu halten,« meinte ein anderer, »oder du findest
einen Triangel auf seinem Bug, wenn du ihn wiedersiehst.«
»Wo hast du ihn getroffen?«
»Die Sache war so: ich ritt über die Ebene an der Antilopenquelle und
sah in einiger Entfernung einen Klumpen auf dem trockenen Schlamm
liegen. Ich wußte, daß ich ihn nie vorher bemerkt hatte, ritt näher
und entdeckte, daß es ein Pferd war, das flach ausgestreckt dalag. Der
Wind war gegen mich, ich ritt dicht heran und sah, daß es der Paßgänger
war, tot wie ein Stück Holz. Jedoch er schien unverletzt und nicht
geschwollen, und ich wußte nicht recht, was ich denken sollte, bis
ich sah, wie er mit dem Ohr eine Fliege wegjagte. Da wußte ich, daß
er schlief. Ich nahm meinen Lasso, wickelte ihn auf, sah aber, daß er
alt und stellenweise ziemlich abgerieben war, und mein Sattel hatte
nur einen Gurt. So sagte ich zu mir selbst: ›Sei vernünftig, Billy, du
zerreißt nur deinen Sattelgurt, stürzest und brichst das Genick.‹ Da
gab ich denn dem Sattelhorn einen tüchtigen Schlag, und ich wünschte,
ihr hättet den Mustang sehen können. Sechs Fuß hoch sprang er in die
Luft und schnaufte wie eine Lokomotive. Die Augen traten ihm heraus,
wie der Blitz sauste er davon in der Richtung nach Kalifornien, und
wenn er die Gangart, mit der er losging, beibehalten hat, so muß er in
dieser Stunde bereits am Ziele sein – aber ich wette was darum, nicht
eine Sekunde fiel er aus seinem Paßgang.«
Diese Geschichte wurde nicht ganz so fließend erzählt, wie sie hier
wiedergegeben ist. Sie wurde vielmehr unterbrochen durch Zwischenrufe
und durch unausgesetztes Kauen und Schlucken, denn Billy war ein
gesunder junger Mann ohne jede Schüchternheit.
Jedermann schenkte der Erzählung Glauben, denn Billy war als
glaubwürdig bekannt. – Von allen, die dabei saßen, redete Truthahnspur
am wenigsten, aber er dachte vermutlich am meisten, denn es war ihm ein
neuer Gedanke gekommen.
[Illustration]
Während er nach dem Essen gemächlich seine Pfeife rauchte, arbeitete er
den Plan aus und kam zu der Einsicht, daß er ihn nicht allein ausführen
könnte. Er nahm Hufeisen-Billy beiseite, und der Erfolg der Unterredung
war, daß Billy bei dem erneuten Versuch, den Paßgänger zu fangen, sich
mit betätigen und von den fünftausend Dollars, die jetzt als Preis
ausgesetzt waren, seinen Anteil erhalten sollte.
Die Antilopenquelle war immer noch die Tränke des Paßgängers. Das
Wasser stand niedrig und ließ einen breiten Gürtel von schwarzem,
trockenem Schlamm zwischen der Weide und der Quelle. An zwei Stellen
war der Gürtel unterbrochen von einer leicht erkennbaren Fährte, die
die Tiere auf dem Wege zur Tränke getreten hatten.
Wilde Pferde pflegen für gewöhnlich immer den gleichen Pfad zur Quelle
einzuhalten, und auf dem am meisten benutzten begannen die beiden
Männer mit Hacke und Schaufel eine lange und tiefe Grube zu graben.
Zwei Tage nahm diese harte Arbeit in Anspruch, und nachdem sie
vollendet war, bedeckten die beiden die Grube sorgfältig mit Stangen,
Zweigen und Erde und versteckten sich in einiger Entfernung.
Ungefähr um Mittag kam der Paßgänger, wie immer allein, seit man seine
Herde gefangen hatte. Der Pfad auf der entgegengesetzten Seite des
Schlammgürtels war wenig benutzt, und Tom hatte einige frische Zweige
darüber geworfen, um sicher zu gehen, daß der Hengst von der anderen
Seite kommen sollte.
Doch der Engel, der über den freien Wald- und Feldbewohnern wacht und
sie vor Unheil warnt, schläft nicht.
Der Paßgänger kam den Pfad auf der entgegengesetzten Seite entlang
getrottet; die verdächtig aussehenden Zweige hielten ihn nicht zurück,
arglos lief er zum Wasser hinunter und trank. Es gab nur noch einen
Ausweg, um ein vollkommenes Mißlingen des Anschlags zu verhindern. Als
der Mustang seinen Kopf zum zweiten kräftigen Zug, den Pferde stets zu
nehmen pflegen, niederbeugte, verließen Bates und Smith ihre Löcher,
liefen schnell hinüber, und als er sein stolzes Haupt erhob, schickte
Smith einen Revolverschuß in den Erdboden hinter ihm.
Davon trabte der Hengst, im berühmten Paßgang, gerade auf die Falle
los. Noch eine Sekunde und er war gefangen. Schon war er auf dem Pfade,
und schon glaubten seine Verfolger, daß sie ihn sicher hätten. Aber
der Engel des wilden Geschöpfes schlief nicht; er warnte ihn noch zur
rechten Zeit, und mit einem mächtigen Satz sprang der Hengst über die
fünfzehn Fuß lange Falle und verschwand im Süden, um auf keinem der
alten Pfade die Antilopenquelle je wieder zu besuchen.