III.

[Illustration]

Als der Schnee endlich kam, spät im Dezember, zahlten die

Monsaldale-Bauern wie zuvor ihren nächtlichen Tribut an den gierigen

Fuchs. Die Witwe Gelt verlor ihren einzigen Besitz, eine Herde von

zwanzig Schafen, und am nächsten Tage beim Morgengrauen zogen die

männlichen Bewohner des Dorfes aus, auf die Suche nach dem Wüterich.

Die Gewehre offen zur Schau tragend, folgten sie den verräterischen

Spuren im Schnee, den Spuren eines außergewöhnlich großen Fuchses,

zweifellos die des mörderischen Gesellen. Eine Zeitlang war die

Spur leicht zu erkennen, bis sie im Flusse verschwand und die

angeborene Schlauheit des Fuchses bewies. Das Tier war in der Richtung

stromabwärts auf das Wasser zugelaufen und dann in den seichten Fluß

hineingesprungen. Doch auf der andern Seite führte keine Spur heraus,

und nach langem Suchen fanden die Bauern endlich eine Viertelmeile

stromaufwärts die Stelle, wo er das Wasser verlassen hatte. Dann

führte die Fährte nach einem hohen Steinwall, von dem der Sturm den

Schnee heruntergefegt hatte und wo folglich keine Spuren zu erkennen

waren. Die beharrlichen Jäger ließen sich nicht irreleiten, aber als

die Spuren den weichen Schnee zwischen der Mauer und der Fahrstraße

gekreuzt hatten, war die Meinung geteilt; einige behaupteten, der Fuchs

sei nach links, andere wieder, er sei nach rechts gelaufen. Doch Jo,

der Führer, entschied die Streitfrage, und nach langem, erfolglosem

Suchen fanden sie schließlich die gleiche Spur, die von der Straße in

einen Schafstall hineinführte. Ohne den Bewohnern ein Leid zuzufügen,

hatte der Fuchs das Gehöft wieder verlassen, war genau in die

Fußtapfen eines Bauern hineingetreten und geradeswegs auf Dorleys Farm

zugetrottet.

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Wegen des Schneefalls hatte Dorley die Herde an jenem Tage nicht

hinausgetrieben, und Wully lag unbeschäftigt in der Sonne. Als die

Jäger sich dem Hause näherten, knurrte er wütend und lief um die

Ecke herum nach dem Schafstall. Jo Greatorex kreuzte den Hof, warf

einen Blick auf Wullys Spur im frischen Schnee und rief, auf den sich

entfernenden Schäferhund zeigend:

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»Jungens, den Fuchs haben wir nicht, aber dort läuft der Schafmörder.«

Einige stimmten Jo bei, andere äußerten Zweifel und meinten, man solle

zurückgehen und die Fährte von neuem verfolgen. Im selben Augenblick

trat Dorley aus dem Hause.

»Tom,« sagte Jo, »dein Köter hat vergangene Nacht der Witwe Gelt Schafe

gemordet, und ich glaube kaum, daß dies sein erster Mord war.«

»Was?« sagte Tom, »bist du verrückt? Ich habe niemals einen besseren

Hund gehabt – er geht für die Schafe durchs Feuer.«

»Ja, ja,« meinte Jo, »das hat er letzte Nacht gründlich bewiesen.«

Die Bauern erzählten ihm ausführlich von ihrer Suche am Morgen, doch

alles war vergeblich, Tom schwur, daß das ganze eine eifersüchtige

Verschwörung sei, ihn seines treuen Hundes zu berauben.

»Wully schläft jede Nacht in der Küche und kommt nicht heraus, bis er

die Herde auf die Weide treibt. Es ist alles Unsinn. Das ganze Jahr

hindurch ist er bei den Schafen, und nicht einen Huf habe ich verloren.«

Tom ereiferte sich über diese ungeheuerliche Verschwörung gegen Wullys

Ruf und Leben. Jo und seine Anhänger wurden schließlich aufgeregt, und

es war ein Glück, daß Hulda aus dem Hause trat und sie beruhigte.

»Vater,« sagte sie, als man ihr alles erzählt hatte, »ich will

heute nacht in der Küche schlafen. Wenn Wully den Versuch macht,

davonzuschleichen, werde ich es bemerken, und wenn er ruhig bei mir

bleibt und dennoch Schafe gemordet werden, so haben wir den Beweis von

Wullys Unschuld.«

Hulda streckte sich am Abend auf einer Bank in der Küche aus, und Wully

schlief wie gewöhnlich unter dem Tisch. Einige Stunden verrannen, und

der Hund wurde unruhig, er wälzte sich auf seinem Lager, stand auf,

streckte sich, beobachtete Hulda und legte sich wieder nieder. Ungefähr

um zwei Uhr schien er einem innern Drängen nicht mehr widerstehen

zu können. Er erhob sich leise, schaute nach dem niedrigen Fenster

und dann auf das scheinbar schlafende Mädchen. Hulda lag still und

atmete ruhig, wie im Schlafe. Wully kam langsam näher und schnaufte

ihr direkt ins Gesicht, doch sie rührte sich nicht. Er leckte ihr

vorsichtig die Wange und beobachtete dann, seine spitzen Ohren aufrecht

und seinen Kopf zur Seite geneigt, ihr unbewegliches Antlitz, aber

sie schien ruhig zu schlafen. Da lief der Hund nach dem Fenster,

sprang geräuschlos auf den Tisch, schob seine Nase unter den Rahmen

und hob das Fenster so hoch, daß er durch die Öffnung hinauskriechen

konnte. Darauf ließ er es leise über seinen Rücken und Schwanz

herniedergleiten, und seine Gewandtheit dabei verriet eine lange Übung.

Dann verschwand er in der Dunkelheit.

Hulda hatte den ganzen Vorgang mit Erstaunen beobachtet, und nachdem

sie eine Zeitlang gewartet hatte, um sicher zu sein, daß der Hund nicht

mehr in der Nähe wäre, erhob sie sich in der Absicht, ihren Vater zu

rufen. Jedoch nach einigem Überlegen beschloß sie weiteres abzuwarten.

Sie warf Holz aufs Feuer und legte sich wieder nieder. Über eine

Stunde lag sie ganz munter, dem Ticken der alten Wanduhr lauschend und

beim geringsten Geräusch zusammenfahrend. Was mochte der Hund jetzt

anstellen? Hatte er wirklich der Witwe Schafe gemordet? Die Erinnerung

an seine aufopfernde Anhänglichkeit an ihre eigene Herde ließ es ihr

unglaublich erscheinen.

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Eine zweite Stunde ticktackte langsam vorüber. Da vernahm Hulda

plötzlich ein leises Geräusch am Fenster, und ihr Herz klopfte in

gespannter Erwartung. Das Fenster öffnete sich, und Wully sprang in die

Küche zurück.

Beim flackernden Lichte konnte Hulda einen fremdartigen, wilden Glanz

in seinen Augen erkennen, und seine schneeweiße Brust war mit frischem

Blut besudelt. Der Hund hörte auf zu schnaufen und beobachtete das

Mädchen. Dann, als er sah, daß sie sich nicht regte, legte er sich

nieder, leckte seine Pfoten und seine Brust und knurrte einigemal

leise, wie in der Erinnerung an ein jüngst vergangenes Abenteuer.

Hulda hatte genug gesehen, da war kein Zweifel mehr, Jo hatte recht,

und der gefürchtete Fuchs von Monsaldale lag vor ihr. Sie erhob sich,

sah Wully in die Augen und rief: »Wully! Wully! So ist’s doch wahr? Du

entsetzlicher Wüterich!«

Ihre Stimme zitterte durch den stillen Raum, und Wully erstarrte,

wie vom Blitz getroffen. Er warf einen verzweifelten Blick auf das

geschlossene Fenster, seine Augen glitzerten, und seine Mähne sträubte

sich, aber er kauerte sich unter dem festen Blick Huldas zusammen und

kroch auf dem Boden auf sie zu, als ob er um Gnade betteln wollte.

Langsam kam er näher und näher, wie um ihre Füße zu lecken. Als er aber

dicht vor ihr war, sprang er mit der Wut eines Tigers, aber ohne einen

Laut von sich zu geben, nach ihrem Halse.

Der Angriff kam dem Mädchen unerwartet, aber noch zur rechten Zeit hob

sie ihren Arm empor, und Wullys lange, weiße Zähne bohrten sich in ihr

Fleisch und knirschten auf den Knochen.

»Hilfe! Hilfe! Vater! Vater!« schrie sie.

Wully war eine leichte Last, und für einen Augenblick schleuderte sie

ihn weg, aber seine Absicht war nicht mißzuverstehen. Der Kampf hatte

begonnen, es galt sein Leben oder das ihre.

»Vater! Vater!« gellte es durch die Stille der Nacht, als die gelbe

Furie, in der Absicht, Hulda zu morden, die Hände, die sie so oft

gefüttert, zerbiß und zerfleischte.

Vergeblich suchte das Mädchen den Hund von sich abzuwehren, und eben

wollte er sie am Hals packen, als Dorley noch im rechten Augenblick

herbeigeeilt kam.

Gerade auf ihn los, lautlos wie zuvor, sprang Wully und biß und

zerfleischte ihn, bis ein tödlicher Schlag mit der Axt ihn kampfunfähig

machte. Ein zweiter Hieb schleuderte ihn mit zerschmettertem Schädel

vor den Herd, wo er so lange geehrt und geachtet mit Dorley gehaust

hatte – und Wully, der kluge, tapfere, treue und – verräterische

Wully tat einen tiefen Atemzug, streckte sich und lag still für immer.

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Der Paßgänger.

Bingo und andere Tiergeschichten · 第 68 / 96 题