II.

Monsaldale ist eines der bekanntesten Täler in Derbyshire. Es hat nur

ein einziges, aber um so berühmteres Wirtshaus, und der Besitzer,

Jo Greatorex, ist ein schlauer und handfester Yorkshireman. Die

Natur hatte ihn zum Krieger bestimmt, aber die Umstände machten ihn

zum Gastwirt, und seine Neigung zur – doch das sollten wir lieber

verschweigen – Wilddieberei war in dieser Gegend an der Tagesordnung.

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Wullys neue Heimat lag auf dem Hochland, östlich von dem Tal, und über

Jos Wirtshaus. Dorley besaß ein kleines Bauerngut und in den Triften

auch eine große Herde Schafe. Diese hütete Wully mit seinem angeborenen

Scharfsinn, bewachte sie, während sie weideten, und brachte sie am

Abend in den Stall. Er war für einen Hund zurückhaltend und argwöhnisch

und leicht geneigt, Fremden die Zähne zu zeigen, aber er war so

aufmerksam beim Bewachen seiner Herde, daß Dorley in diesem Jahr nicht

ein einziges Schaf verlor, obwohl die Nachbarn Geiern und Füchsen den

gewöhnlichen Tribut zahlen mußten.

[Illustration]

Die Täler dort sind eine ungeeignete Gegend für Fuchsjagden; die

zerklüfteten Züge, die hohen Steinwälle und Anhöhen sind zu zahlreich,

der Schlupfwinkel zwischen den Felsen sind zu viele, und es war zu

verwundern, daß die Füchse in Monsaldale nicht überhand nahmen. Man

hatte wenig Grund gehabt, über sie zu klagen, bis sich im Jahre 1881

ein schlauer, alter Fuchs, wie eine Maus in einem fetten Käse, in

dem reichen Kirchspiel niederließ und aller Nachstellungen von edlen

Jagdrüden und gemeinen Dorfkötern spottete.

Verschiedene Male wurde er mit Hund und Pferd verfolgt, und immer

verschwand er im Teufelsloch, einer Höhle von unerforschter

Ausdehnung – dort war er sicher. Die Landbevölkerung fing an,

etwas mehr als Zufall in der Tatsache zu suchen, daß er stets ins

Teufelsloch entwischte, und als einer von den Hunden, der diesen

Teufelsfuchs beinahe erwischte, bald darauf verrückt wurde, stand die

Teufelsabstammung besagten Fuchses außer Zweifel.

Er setzte seine Räuberlaufbahn fort, bis er schließlich aus Vergnügen

am Blutvergießen zu morden begann. Digby verlor zehn Lämmer in einer

Nacht, Caroll sieben in der nächsten; später wurde der Ententeich des

Pfarrhofes vollkommen verwüstet, und es verging kaum ein Tag, an dem

nicht irgend jemand einen Mord von Geflügel, Lämmern oder Schafen und

schließlich selbst von Kälbern zu berichten hatte.

All dieses blutgierige Verwüsten wurde diesem einen Fuchs aus

dem Teufelsloch zugeschrieben. Es war nur bekannt, daß es ein

außerordentlich großer Fuchs sein müsse; wenigstens einer, der eine

breite Spur hinterließ; doch niemand, selbst kein Jäger, hatte ihn je

in der Nähe gesehen. Auch hatte man bemerkt, daß Donner und Doria, die

besten Hunde der Meute, sich geweigert hatten, auf der Hetze seiner

Spur zu folgen.

[Illustration]

Die Bauern von Monsaldale beschlossen, sich beim ersten Schnee

unter Jos Leitung zu versammeln und die ganze Gegend abzuklopfen,

um auf irgendeine erlaubte oder unerlaubte Art das »unschuldige«

Füchslein loszuwerden. Aber der Schnee kam vorläufig nicht, und der

rothaarige Ehrenmann lebte ungekränkt weiter. Niemals kam er zwei

aufeinanderfolgende Nächte nach dem gleichen Bauernhof, niemals fraß

er, wo er gemordet hatte, und niemals hinterließ er eine Spur, die den

Weg, den er genommen, verraten hätte.

Ein einzigesmal lief er mir in den Weg. Ich ging spät in der Nacht

den Pfad von Bakewell nach Monsaldale entlang, während eines heftigen

Sturmes, und als ich um die Ecke eines Schafstalls bog, fuhr plötzlich

ein heller Blitzstrahl hernieder. Bei seinem Lichte erblickte ich ein

Bild, das mich zurückschrecken ließ. Neben dem Wege saß in geringer

Entfernung ein riesiges Tier, das mich mit glühenden Augen anstarrte

und sich bezeichnend die Schnauze leckte. Dies war alles, was ich sah,

und ich würde es wohl vergessen oder für einen Irrtum gehalten haben,

hätte man nicht am nächsten Morgen in jenem Stalle die Leichen von

dreiundzwanzig Schafen gefunden.

[Illustration]

Nur eine Herde ließ der Mörder in Frieden, das war die Dorleys,

und es schien dies um so wunderbarer, als Dorley doch mitten in

der gefährdeten Gegend und nur eine Meile vom Teufelsloch entfernt

lebte. Der treue Hund bewies seine Überlegenheit über alle Köter der

Nachbarschaft; Abend für Abend brachte er seine Herde heim, und niemals

fehlte auch nur einer seiner Schützlinge. Der wilde Fuchs mochte

um Dorleys Hof herumstreifen, aber Wully, der schlaue, tapfere und

aufgeweckte Wully, war ein unüberwindlicher Gegner für ihn und rettete

nicht nur seines Meisters Herde, sondern entwischte auch stets selbst

mit heiler Haut. Jedermann bezeugte eine wahrhafte Hochachtung für ihn,

und er wäre gewiß ein Liebling aller gewesen, wenn seine Laune sich

nicht von Tag zu Tag verschlechtert hätte. Dorley und dessen älteste

Tochter Hulda, ein aufgewecktes, hübsches, junges Mädchen, schien Wully

gern zu haben; die übrigen Glieder der Familie waren ihm gleichgültig,

aber er duldete sie; den Rest der Welt, Menschen und Hunde, schien er

zu hassen.

So mürrisch und bösartig Wully sich auch der Welt gegenüber benahm, er

zeigte sich stets gut geartet gegen Dorleys Schafe. Viele wunderbare

Geschichten über ihn waren im Umlauf; manch armes Lamm, das ins

Wasser oder in eine Kluft gefallen war, würde elendiglich ohne Wullys

rechtzeitige, tatkräftige Hilfe umgekommen sein. Sein kühnes Auge

entdeckte jeden Adler, der über dem Moor seine Kreise zog, und Wullys

tollkühne Tapferkeit trieb ihn auf Nimmerwiedersehen davon.

Bingo und andere Tiergeschichten · 第 67 / 96 题