Es ist wunderbar, wie Mensch und Hund zusammenhalten und wie sie sich
in Not und Gefahr nie verlassen. Butler erzählte von einem alten
Indianerstamm im fernen Norden, der sich in blutiger Familienfehde
aufrieb, und zwar einzig und allein um eines treuen Hundes willen, der
einem Krieger des Stammes gehörte und von einem Nachbarn getötet wurde.
Ja selbst unter uns hört man oft genug von Gerichtsverhandlungen,
ernsten Streitigkeiten und Fehden, die alle von dem alten Satze
ausgingen: »Sei meines Hundes Freund, und du bist auch der meine!«
Einer unserer Nachbarn besaß eine kostbare Rüde, die er für die beste
und wertvollste auf der Welt hielt. Der Mann war mein Freund, und
folglich war ich auch seinem Hunde zugetan. Als daher eines Tages der
arme Tan furchtbar verstümmelt heimgekrochen kam, vor der Tür liegen
blieb und verendete, schwor ich im Verein mit seinem Herrn furchtbare
Rache, und ließ nichts unversucht, den Mörder zu entdecken.
Ich setzte Belohnungen aus und suchte eifrig nach Beweismaterial zur
Überführung des Verbrechers. Schließlich kam es zutage, daß wohl drei
Männer, die südlich von uns wohnten, bei dieser blutigen Affäre ihre
Hand im Spiel gehabt haben mußten. Die Beweise häuften sich, und
beinahe waren wir so weit, die Angelegenheit der Gerechtigkeit zu
übergeben, die das Urteil über die Mörder des armen Tan sprechen sollte.
Da ereignete sich etwas, was meine Ansicht sofort änderte und mich
glauben machte, daß die Verstümmelung des alten Köters doch kein so
unentschuldbares Verbrechen gewesen sei; jedoch mußte ich mir diese
Sinnesänderung ziemlich gewaltsam aufdrängen.
Gordon Wrights Farm lag südlich von der unseren, und als ich jene eines
Tages besuchte, nahm mich Gordon jun., der wußte, daß ich Tans Mörder
nachspürte, beiseite und wisperte, sich ängstlich dabei umsehend:
»Bingo war der Mörder.«
Von diesem Augenblicke an ließ ich die Angelegenheit fallen, und
ich bekenne, daß ich mit dem gleichen Eifer nun die Nachforschungen
irrezuleiten suchte, mit dem ich vorher zur Aufdeckung des Verbrechens
angestachelt hatte.
Schon lange vor dieser Begebenheit hatte ich Bingo weggeschenkt; aber
noch fühlte ich mich im Herzen als sein Besitzer, und diese unlösliche
Kameradschaft zwischen Bingo und mir sollte sich bald bei einer anderen
Gelegenheit überraschend beweisen.
Gordon und Oliver waren nahe Nachbarn und gute Freunde. Sie hatten
zusammen einen Kontrakt übernommen, Holz zu schlagen, und arbeiteten
einträchtig miteinander bis spät in den Winter. Da verendete Olivers
alte Mähre, und um noch möglichst viel Nutzen aus diesem Verlust
herauszuschlagen, schleifte er den Kadaver hinaus in die Prärie und
streute vergiftete Köder für die Wölfe daneben aus. Der arme Bingo! Er
konnte von seinen wölfischen Gewohnheiten nicht lassen, obwohl sie ihn
schon oft ins Unglück gestürzt hatten.
Er war ein großer Freund von Pferdefleisch, wie alle Angehörigen dieser
wilden Rasse, und noch in der gleichen Nacht stattete er dem Kadaver
in Begleitung von Wrights Hund Curley einen Besuch ab. Es schien, als
ob Bingo in der Hauptsache nur die Wölfe ferngehalten und Curley sich
vollgefressen hätte. An den Spuren im Schnee konnte man die ganze
Geschichte des Festmahles ablesen, von der Störung, als das Gift zu
wirken begann, und von dem rasenden Laufe Curleys heimwärts, der, von
wütenden Schmerzen gepeinigt, zu Gordons Füßen in Krämpfe verfiel und
dann vollkommen gelähmt verendete.
»Sei meines Hundes Freund, und du bist auch der meine!« Keinerlei
Aufklärungen und Entschuldigungen wurden angenommen. Es war nutzlos, zu
behaupten, die ganze Sache sei zufällig; die langvergessene Feindschaft
zwischen Bingo und Oliver warf ein starkes Licht auf die Begebenheit.
Der Holzkontrakt wurde gebrochen, alle freundschaftlichen Verbindungen
gelöst, und noch bis heute besteht die bittere Feindschaft, die durch
Curleys Todesschrei ins Leben gerufen wurde.
Es währte Monate, bis Bingo sich vom Genuß des Giftes erholte, und
wir glaubten sicher, daß er niemals wieder der starke, lustige Bingo
von früher werden würde. Doch als der Frühling kam, fing sein Zustand
an, sich merklich zu bessern, und als das Gras wuchs, war er wieder
bei vollster Gesundheit und Kraft, der Stolz seiner Freunde und der
Quälgeist der Nachbarn.