V.

Im Herbst des Jahres 1884 verließen wir die De-Winton-Farm, und Bingo

war genötigt, sein altes Quartier mit einem neuen, dem Stall unseres

Nachbars Gordon Wright, zu vertauschen.

Seit den ersten Tagen seiner Jugend hatte er sich geweigert, ein Haus

zu betreten, ausgenommen während eines Gewitters. Vor Donner und

Feuerwaffen hatte er eine tiefeingewurzelte Angst, und die Furcht vor

dem Grollen der Elemente hatte zweifellos ihren Ursprung in einem

unangenehmen Abenteuer mit einem Gewehr. Sein Nachtlager war, selbst

während des kältesten Wetters, außerhalb des Stalles. So konnte er sich

seiner nächtlichen Freiheit ungehindert erfreuen und sie nach Kräften

ausnutzen. Bingos mitternächtliche Wanderungen dehnten sich meilenweit

über die Ebene aus. Dafür hatten wir genügende Beweise. Einige Farmer

aus weitentfernten Gegenden ließen Gordon sagen, daß sie von ihren

Gewehren Gebrauch machen würden, wenn er seinen Hund des Nachts nicht

zu Hause hielte, und Bingos Furcht vor Feuerwaffen bewies, daß dies

keine leeren Drohungen waren. Ein Mann, der weit, weit entfernt in der

Nähe von Petrel lebte, erzählte, er habe an einem Winterabend einen

großen schwarzen Wolf gesehen, der einem Präriewolf den Garaus machte.

Später aber änderte er seine Ansicht und meinte, es müsse Wrights Hund

gewesen sein.

So oft der Körper eines erfrorenen Rindes oder eines Pferdes

sich irgendwo fand, war Bingo auf geheimnisvolle Weise sofort

benachrichtigt, begab sich stehenden Fußes nach der Stelle und stillte,

die Präriewölfe hinwegtreibend, seinen Hunger bis zum Platzen.

Zuweilen war der Grund zu seinen nächtlichen Wanderungen auch die Liebe

zu irgendeines Nachbars Hündin, und es war nicht zu befürchten, daß

Bingos Geschlecht je aussterben würde. Einer behauptete sogar, er habe

eine Wölfin mit drei Jungen gesehen, die der Mutter zwar ähnelten,

jedoch größer und schwarz waren und um das Maul einen weißen Ring

trugen.

Ob das wahr ist oder nicht, weiß ich nicht; ich erinnere mich, daß

wir spät im März mit Bingo, der hinter uns hertrottete, im Schlitten

über Land fuhren und aus einer Höhle einen Präriewolf aufstöberten.

Er sauste davon, und Bingo in voller Karriere hinterdrein, aber der

Wolf schien sich nicht besonders anzustrengen, um zu entfliehen. Nach

einigen Sekunden hatte der Hund ihn eingeholt und, so sonderbar es

auch klingen mag, es entspann sich kein hitziger Kampf, keine blutige

Balgerei!

Bingo lief liebenswürdig neben dem Wolf her und leckte ihm die Nase.

Wir waren sehr erstaunt und hetzten Bingo gegen den Graurock auf, aber

unser Schreien und Rufen hatte nur zur Folge, daß der Wolf davonrannte

und der Hund hinterher, bis er ihn wieder überholt hatte. Seine

Liebenswürdigkeit war zu auffällig, und es begann in meinem Kopfe zu

dämmern: das war eine Wölfin, und Bingo wollte ihr kein Leid tun. Wir

riefen unsern ungeratenen Hund und fuhren heim.

Nach diesem Tag wurden wir wochenlang durch die Räubereien einer Wölfin

belästigt, die unsere Hühner mordete, Stücke Fleisch aus dem Hause

stahl und verschiedene Male die Kinder in Schrecken setzte, indem sie

frech zum Fenster hereinschaute, wenn die Männer fort waren.

Schließlich wurde die Wölfin erschossen, und Bingos bittere Feindschaft

gegen Oliver, der den glücklichen Schuß getan, bewies seine Zuneigung

zu der Dahingeschiedenen zur Genüge.

Bingo und andere Tiergeschichten · 第 33 / 96 题