Bingo besaß, wie ich schon sagte, eine sehr starke Anhänglichkeit an
unsere Pferde. Am Tage trottete er neben ihnen her, und des Nachts
schlief er vor der Stalltür. Wo das Gespann hinging, dahin ging auch
Bingo, und durch nichts war er von ihm fernzuhalten. Aus diesem Grunde
erscheint die folgende Begebenheit höchst rätselhaft.
Ich war gewiß nicht abergläubisch und hatte niemals an Vorzeichen
geglaubt, doch machte eines Tages ein eigenartiger Zwischenfall, bei
dem Bingo die Hauptrolle spielte, auf mich einen tiefen Eindruck.
Wir zwei, d. h. mein Bruder und ich, lebten zu jener Zeit auf der
De-Winton-Ansiedelung. Eines Morgens fuhr mein Bruder hinaus nach dem
Boggybache, um eine Fuhre Heu einzuholen, und da es hin und zurück eine
gute Tagereise war, brach er schon beim Morgengrauen auf. Da geschah
das Sonderbare: Bingo war zum erstenmal in seinem Leben nicht zu
bewegen, dem Wagen zu folgen. Mein Bruder rief ihn wiederholt, aber er
hielt sich in sicherer Entfernung und weigerte sich, ängstlich nach den
Pferden hinüberschielend, zu folgen. Dann plötzlich hob er seine Nase
in die Luft und begann ein langes, melancholisches Geheul. Er verfolgte
den Wagen mit den Augen, bis er außer Sicht war, lief auch noch ein
Stückchen hinaus, aber nur um immer und immer wieder sein jammervolles
Geheul zu erheben. Den ganzen Tag hielt er sich nahe dem Stalle, zum
erstenmal freiwillig getrennt von den Pferden, und heulte mit kurzen
Pausen einen wahren Totengesang. Ich war ganz allein, und des Hundes
sonderbares Gebaren flößte mir eine schreckliche Vorahnung von nahendem
Unglück ein, die schwerer und schwerer auf mir lastete, je weiter der
Tag vorrückte.
[Illustration]
Ungefähr um sechs Uhr wurde mir Bingos anhaltendes Geheul unerträglich,
so daß ich wütend das nächste beste nach ihm warf und ihn hinwegjagte.
Aber die furchtbarsten Vorahnungen konnte ich nicht loswerden. Warum
hatte ich auch meinen Bruder allein ziehen lassen? Würde ich ihn je
lebend wiedersehen? Nach dem Benehmen des Hundes zu urteilen, mußte
etwas Entsetzliches passiert sein.
Die Stunde der Rückkehr nahte heran, und da erschien Fred mit seiner
Fuhre. Vom lähmenden Banne erlöst, machte ich mir mit den Pferden zu
schaffen und fragte ganz nebenbei: »Ist alles in Ordnung?«
»Gewiß,« war die lakonische Antwort.
Wer kann nun noch an Vorbedeutungen glauben?
Viel später erzählte ich einem in geheimer Wissenschaft Erfahrenen die
ganze Geschichte; er machte ein ernstes Gesicht und fragte: »Bingo
hielt sich in Not und Gefahr immer zu dir?«
»Jawohl.«
»Dann lächle nicht. Denn du warst in Gefahr an jenem Tage; der Hund
blieb und rettete dein Leben, obwohl wir nicht wissen konnten, von
welcher Gefahr.«