III.

Bingo besaß, wie ich schon sagte, eine sehr starke Anhänglichkeit an

unsere Pferde. Am Tage trottete er neben ihnen her, und des Nachts

schlief er vor der Stalltür. Wo das Gespann hinging, dahin ging auch

Bingo, und durch nichts war er von ihm fernzuhalten. Aus diesem Grunde

erscheint die folgende Begebenheit höchst rätselhaft.

Ich war gewiß nicht abergläubisch und hatte niemals an Vorzeichen

geglaubt, doch machte eines Tages ein eigenartiger Zwischenfall, bei

dem Bingo die Hauptrolle spielte, auf mich einen tiefen Eindruck.

Wir zwei, d. h. mein Bruder und ich, lebten zu jener Zeit auf der

De-Winton-Ansiedelung. Eines Morgens fuhr mein Bruder hinaus nach dem

Boggybache, um eine Fuhre Heu einzuholen, und da es hin und zurück eine

gute Tagereise war, brach er schon beim Morgengrauen auf. Da geschah

das Sonderbare: Bingo war zum erstenmal in seinem Leben nicht zu

bewegen, dem Wagen zu folgen. Mein Bruder rief ihn wiederholt, aber er

hielt sich in sicherer Entfernung und weigerte sich, ängstlich nach den

Pferden hinüberschielend, zu folgen. Dann plötzlich hob er seine Nase

in die Luft und begann ein langes, melancholisches Geheul. Er verfolgte

den Wagen mit den Augen, bis er außer Sicht war, lief auch noch ein

Stückchen hinaus, aber nur um immer und immer wieder sein jammervolles

Geheul zu erheben. Den ganzen Tag hielt er sich nahe dem Stalle, zum

erstenmal freiwillig getrennt von den Pferden, und heulte mit kurzen

Pausen einen wahren Totengesang. Ich war ganz allein, und des Hundes

sonderbares Gebaren flößte mir eine schreckliche Vorahnung von nahendem

Unglück ein, die schwerer und schwerer auf mir lastete, je weiter der

Tag vorrückte.

[Illustration]

Ungefähr um sechs Uhr wurde mir Bingos anhaltendes Geheul unerträglich,

so daß ich wütend das nächste beste nach ihm warf und ihn hinwegjagte.

Aber die furchtbarsten Vorahnungen konnte ich nicht loswerden. Warum

hatte ich auch meinen Bruder allein ziehen lassen? Würde ich ihn je

lebend wiedersehen? Nach dem Benehmen des Hundes zu urteilen, mußte

etwas Entsetzliches passiert sein.

Die Stunde der Rückkehr nahte heran, und da erschien Fred mit seiner

Fuhre. Vom lähmenden Banne erlöst, machte ich mir mit den Pferden zu

schaffen und fragte ganz nebenbei: »Ist alles in Ordnung?«

»Gewiß,« war die lakonische Antwort.

Wer kann nun noch an Vorbedeutungen glauben?

Viel später erzählte ich einem in geheimer Wissenschaft Erfahrenen die

ganze Geschichte; er machte ein ernstes Gesicht und fragte: »Bingo

hielt sich in Not und Gefahr immer zu dir?«

»Jawohl.«

»Dann lächle nicht. Denn du warst in Gefahr an jenem Tage; der Hund

blieb und rettete dein Leben, obwohl wir nicht wissen konnten, von

welcher Gefahr.«

Bingo und andere Tiergeschichten · 第 31 / 96 题