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Den Rest des Winters verbrachte Bingo in unserem Schuppen. Er lebte
hier wie ein spieliger, fetter, wohlmeinender, aber stets verkannter
junger Hund, der sich gewöhnlich überfrißt, dabei aber von Tag zu Tag
größer und schwerer wird. Neugierig war er über alle Maßen, und selbst
eine höchst traurige Erfahrung vermochte es nicht, ihn zu überzeugen,
daß man die Nase nicht in eine Rattenfalle hineinstecken dürfe. Seine
Versuche, mit der Katze freundschaftlich anzubändeln, wurden von dieser
vollkommen mißverstanden und hatten nach einigen Scharmützeln zwar
einen Waffenstillstand zur Folge, der aber gar oft schnell gebrochen
wurde. Nach einigen Monaten zeigte Bingo, der schon früh seinen
Kopf für sich hatte, Neigung, im Pferdestall zu übernachten und mied
schließlich die Scheune ganz und gar.
[Illustration: Frank entzieht sich des wütenden Wolfes Ansprung]
Als das Frühjahr kam, befaßte ich mich ernstlich mit seiner Erziehung,
und nach mancher traurigen Erfahrung meiner- und seinerseits brachte
ich ihn so weit, daß er auf mein Geheiß auf die Suche nach unserer
alten gelben Kuh ging, die frei, auf einer uneingezäunten Wiese weidete.
Nachdem er dieses Geschäft einmal verstand, konnte man ihm mit nichts
eine größere Freude bereiten, als mit dem Befehl, hinauszulaufen und
die Kuh heranzutreiben, dann sauste er davon, bellte vor Vergnügen und
machte hohe Sprünge, um die weite Fläche auf der Suche nach seinem
Opfer besser übersehen zu können. Kurz darauf kehrte er dann zurück,
jagte die Kuh in tollem Galopp vor sich her, und gab ihr keine Ruhe,
bis sie pustend und völlig außer Atem in den äußersten Winkel ihres
Stalles getrieben war.
Etwas weniger Eifer von seiten Bingos würde gewiß befriedigender
gewesen sein, aber wir ließen ihn gewähren, bis die Sache anfing, ihm
zu viel Spaß zu machen und er die alte Kuh nach Hause brachte, ohne daß
es ihm geheißen war. Schließlich geschah es nicht nur ein- oder zweimal
des Tages, sondern wenigstens ein dutzendmal, daß dieser übereifrige
Kuhhirt davonlief und auf seine eigene Verantwortung hin das arme
Geschöpf heimjagte.
Zum Schluß artete Bingos Liebhaberei derartig aus, daß er, wenn er
sich nach etwas Körperbewegung sehnte oder einige Minuten Zeit finden
konnte, oder auch nur zufällig daran dachte, in vollster Karriere über
die Wiesen davonraste und wenige Minuten später zurückkehrte, dabei die
unglückliche gelbe Kuh im Kavalleriegalopp vor sich herjagend.
Zuerst maßen wir dieser Liebhaberei Bingos keinerlei Bedeutung bei, da
sie die Kuh hinderte, sich zu weit von der Ansiedelung zu entfernen,
aber bald kam es so, daß sie nicht mehr genügend fressen konnte; sie
wurde mager und elend und gab von Tag zu Tag weniger Milch. Sogar
auf ihr Gemüt schien die Hetze verderblichen Einfluß zu haben; denn
fortwährend beobachtete sie nervös und argwöhnisch den gehaßten Hund,
und am Morgen hielt sie sich ängstlich in der Nähe des Stalles, als ob
sie nicht wagte, sich davon zu machen und damit sofort das Opfer einer
hitzigen Jagd zu werden.
Das ging nun doch zu weit! Alle Versuche, Bingos Eifer zu mäßigen,
waren umsonst, und da nichts half, wurde er gezwungen, dieses Spiel
ganz aufzugeben. Auch dann noch fuhr er fort, sein Interesse an der
Kuh zu bezeigen, indem er stets vor der Stalltür lag, wenn sie gemelkt
wurde, obschon er nicht mehr wagte, sie heimzubringen.
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Der Sommer kam und brachte eine furchtbare Plage mit sich – die
Moskitos. Doch beinahe noch unerträglicher als die Quälgeister waren
die fortwährenden Pendelbewegungen des Kuhschwanzes beim Melken.
Mein Bruder Fred, der das Melken zu besorgen pflegte, war ebenso
unduldsam als erfinderisch und hatte eine höchst originelle und
einfache Idee, die Kuh am Peitschen mit dem Schwanze zu hindern. Er
befestigte einfach am Ende einen Ziegelstein und begann befriedigt und
mit erlöstem Behagen seine Arbeit, während wir anderen der Sache mit
zweifelhaften Blicken zusahen.
Plötzlich ertönte aus einer Wolke von Moskitos heraus ein dumpfer
Schlag und ein Ausbruch wenig salonfähiger, aber höchst angebrachter
Kraftausdrücke. Die Kuh fuhr ruhig fort, wiederzukäuen, bis Fred wieder
auf den Beinen war und sie wütend mit dem Melkschemel angriff. Es ist
gewiß schon schlimm genug, von einer dummen Kuh mit einem Ziegelstein
eine Kopfnuß zu bekommen, aber die schadenfrohe Freude und das
Gelächter der Zuschauer machte es einfach unerträglich.
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Als Bingo den Aufruhr im Stall vernahm und natürlich glaubte, daß man
seiner dabei benötigte, kam er hereingesaust und griff die Kuh von
der anderen Seite an. Nachdem zum Schluß alles wieder in Ordnung und
jedermann beruhigt war, war die Milch verschüttet, der Eimer und der
Schemel zerbrochen und der Hund und die Kuh jämmerlich geprügelt.
Dem armen Bingo war die ganze Sache vollständig unklar. Schon lange
hatte er die Kuh verachtet, aber jetzt beschloß er im höchsten
Unwillen, auch die Stalltür zu meiden, und hielt sich von diesem Tag an
ausschließlich zu den Pferden und deren Behausung.
Die Kühe auf unserer Farm gehörten mir, und die Pferde waren meines
Bruders Eigentum. Als nun Bingo seine Zuneigung und seinen Wohnsitz vom
Kuh- nach dem Pferdestall verlegte, schien er auch mich aufzugeben, und
mit unserer alten Kameradschaft hatte es ein Ende. Aber im Falle der
Not hielt er doch stets zu mir und ich zu ihm, und wir beide fühlten,
daß eine einmal gefaßte und tief gewurzelte Zuneigung zwischen Mensch
und Hund lebenslänglich ist.
Nur einmal noch war Bingo als Kuhhirt tätig, im Herbste des gleichen
Jahres auf dem Jahrmarkt von Carberry. Unter den Zugnummern befand
sich außer einer Viehschau auch die lockende Aussicht auf eine
hohe Ehrenauszeichnung und einen Barpreis von zwei Dollars für den
bestgezogenen Collie.
Durch einen falschen Freund überredet, ließ ich Bingo mit auf die Liste
setzen, und früh am festgesetzten Tage wurde die Kuh auf eine Wiese
außerhalb des Dorfes getrieben. Als der Zeitpunkt kam, an dem Bingo
seine Künste zeigen sollte, wurde ihm die in der Ferne friedlich
weidende Kuh gezeigt und ihm der Befehl erteilt, sie zu bringen,
natürlich in der Meinung, daß er sie nach dem Stande der Preisrichter
treiben sollte.
Aber die beiden Tiere wußten es besser, und nicht umsonst hatten sie
den ganzen Sommer über geprobt. Als die Kuh Bingo in Karriere auf sich
zukommen sah, wußte sie, daß ihre einzige Rettung war, sofort in den
Stall zu gelangen, und der Hund war ebenso überzeugt, daß seine einzige
Aufgabe darin bestände, ihr Tempo in dieser Richtung möglichst zu
beschleunigen. So rasten sie über die Prärie wie der Wolf hinter dem
Reh, und entschwanden in der Richtung nach der zwei Meilen entfernten
Farm unseren Blicken.
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Es war das letztemal, daß Preisgericht und Richter jemals Hund und
Kuh zu sehen bekamen, und der Preis wurde gerechtermaßen der einzigen
anderen Anmeldung zugesprochen.