1. Die germanischen Völker im ersten christlichen Jahrtausend.

§. 75.

Der Kulturzustand im Herzen des ehemaligen römischen Weltreiches am

Schlusse des ersten christlichen Jahrtausends liess das Versinken der

Menschheit in gänzliche Barbarei befürchten. Die Uebersättigung an

Bildungsformen, der Widerspruch zwischen der alten überlieferten Kultur

und der neuen Weltanschauung, die noch geringe Kraft des Ausdruckes

der letzteren, verbunden mit den äusseren Stürmen der Zeit, Alles trug

dazu bei, das Alte zu zerstören, ohne etwas Neues zu schaffen. Sollte

die künstlerische Bildung wieder Raum gewinnen, so konnte dies nur auf

einem neuen Schauplatze durch frische Träger geschehen. Diese Rolle

übernahmen die germanischen Völker. Aber auch in der Kunstgeschichte

des Nordens muss die Antike als Ausgangspunkt genommen werden, nicht

so, als ob sie das dauernde Gesetz und die unabänderliche Regel für

die germanische Kunst abgegeben hätte, wohl aber als Schule für

die heimischen Kunstkräfte, als die Grundlage, auf welcher weiter

gebaut wird. Vor der römischen Herrschaft in Gallien und am Rheine

gab es keine entwicklungsfähige Kunst. Was sich von gallischen und

germanischen Alterthümern vorfindet, reicht an den absoluten Anfang

der Kunst (Hünengräber u. s. w.), leitet aber keineswegs die Kunst

des Mittelalters ein. Höchstens kann man in den Zickzacklinien,

Sternfiguren, in den phantastischen Thiergestalten, wie Drachen und

Schlangen, welche die Thongefässe in germanischen und keltischen

Gräbern und sonstiges Geräthe bedecken, die Motive der späteren

mittelalterlichen Ornamentik, und in architektonischen Zierathen

der folgenden Periode Nachahmungen des keltischen Flechtwerkes

erkennen. Die Formen der römischen Kunst im Norden sind von der in

Rom und Italien betriebenen nur in so weit verschieden, als eben

hauptstädtische und Provinzialbildung von einander abweichen, also nur

dem Grade nach, nicht im Wesen. Vieles, wie z.B. die Bronzestatuetten,

wurde überdies nach den gallischen Provinzen eingeführt, die auch in

ihren Vorstellungen anders gefärbten Thonbilder und Steinskulpturen

dagegen wurden an Ort und Stelle gefertigt, und zeigen daher auch

grössere Barbarismen (Matronensteine). Als Zeugnisse antiker

Kunstthätigkeit auf nordischem Boden sind nebst den Resten einer in

Mainz gefundenen Bronzethüre (jetzt in Wiesbaden) und zahlreichen

Elfenbeintafeln (z.B. die Aachener Kanzelreliefs, irrthümlich im

christlichen Sinne ausgelegt) die Mosaikboden bemerkenswerth, welche

unter den Trümmern römisch-gallischer Villen gefunden worden, wie zu

Köln, Fliessem und Nennig (50' lang, 30' breit) bei %Trier%.[53] In

dieser Hauptstadt der _germania prima_ concentrirt sich, was wir von

monumentalen römischen Werken besitzen. Das constantinische Zeitalter

kannte in der gegen jetzt doppelt so grossen Stadt Tempel, Bäder,

Paläste, Kurien, Amphitheater, Basiliken, Kapitol und Forum. Die

Tempel sind zwar verschwunden, vom Forum sind nur geringe Spuren unter

dem neuen Pflaster vorhanden, doch von den Thermen, vom Amphitheater

und von der Basilika noch ansehnliche Ruinen erhalten. Auf eine

Thermenanlage wird der im Südostwinkel der Stadt gelegene Trümmerbau

(_porta alba_) mit Recht zurückgeführt. Die einschiffige Basilika,

ein gewaltiger Ziegelbau von mehr als 200' Länge mit einem erhöhten,

durch einen 60' weiten Schwibbogen gesonderten Tribunale, ist trotz

mannigfacher Entstellungen noch in ihrer ursprünglichen Anlage zu

erkennen. Daran reiht sich das 70' hohe Grabdenkmal der Sekundiner

zu %Igel%, alle Flächen mit Bildwerk bedeckt, welches theils in

genrehaften, theils in mythologischen Scenen die verschiedenen Kreise

menschlicher Thätigkeit schildert.

Als das Christenthum in den nordischen Landschaften heimisch wurde,

machte es den gleichen Entwicklungsgang, wie im engeren römischen

Gebiete durch. Auch hier begann die christliche Kunst mit schüchternen

symbolischen Zeichen: dem Oelbaume, Fischen, Tauben, dem aufblühenden

und absterbenden Baume; auch hier dient der Weihspruch: _quiescat

in pace_ mit der genauen Angabe des Alters des Verstorbenen und des

Namens des Denkmalspenders (_titulum posuit_) den Sarkophagen statt des

künstlerischen Schmuckes, und mischen sich bei dem einzigen bis jetzt

bekannten skulptirten Sarkophage (zu Trier) antike Typen (Genien) mit

christlichen Vorstellungen. Dass noch während der römischen Herrschaft

zum Kirchenbaue geschritten wurde, unterliegt keinem Zweifel; doch hat

sich von altchristlichen Denkmälern nur der Dom zu Trier erhalten.

Wenn man von den späteren Anbauten im Westen und Osten absieht, so

bildete der Trierer Dom ursprünglich im Grundriss ein Quadrat; vier

Granitsäulen, durch Halbkreisbogen verbunden, trugen die Decke, die

Wände waren mit Marmortafeln belegt und mit Mosaik geziert. Von einem

anderen Helenabaue, dem Gereonsdome zu Köln, hat man zwar neuerlich

in das spätere Werk verbaute Mauerreste entdeckt, welche nach ihrer

Technik, dem Lagerungswechsel von Ziegeln und Hausteinen zu schliessen,

in das vorige Jahrtausend fallen, ohne dass über die nähere Zeit ihrer

Entstehung entschieden werden kann. Von zahlreichen Bauten in Gallien

aus dem fünften Jahrhundert berichtet _Gregor_ von Tours, von der K.

zu Tours und Clermont gibt er sogar eine ausführlichere Beschreibung;

kein vorhandenes Denkmal kann aber zur Unterstützung seiner Aussagen

angeführt werden. Die folgenden Jahrhunderte der fränkischen Herrschaft

fördern wenig die kunstgeschichtliche Erkenntniss. Wir besitzen

aus dieser Periode keine datirten Werke, und müssen uns bezüglich

der Errichtung der einzelnen Werke auf das nicht selten täuschende

Stylgefühl verlassen. An die Spitze der merovingischen Bauten wird

neuerdings, und mit grosser Wahrscheinlichkeit, die _porta nigra_ zu

Trier gestellt. Dass der den Zweck des Thores mit dem einer Veste

vereinigende Bau im Allgemeinen eine antike Anordnung befolgt, hindert

nicht, ihn wegen der barbarischen Gesimsprofile und Säulenglieder

in das 6. Jahrhundert zu setzen, da die altfränkische Kunst den

Fusstapfen der Römer folgte. Auch der Clarenthurm in Köln, durch den

Wechsel von Back- und Haustein musivisch ausgelegt, hat eher auf

einen merovingischen als römischen Ursprung Anspruch. Daran reihen

sich mehrere kleinere Bauten in Frankreich: die Taufkapelle S. Jean in

%Poitiers%, in den Verhältnissen missgestaltet, die Säulen wechselnd

mit Bogen und Giebeln bedeckt, aber in den Gesimsprofilen, den Säulen-

und Pilasterkapitälen sichtlich römische Muster nachbildend, die kleine

benachbarte K. zu %Savenières%, wo der Farben- und Schichtenwechsel

(schräge Steinschichten [_opus spicatum_] folgen horizontalen) die

Profile ersetzen muss; mehrere Reste in der Provence (Aix, Riez,

Vaison) und einzelne zu Genf aufgefundene Trümmer der ältesten

Kirchenanlagen.

Die Originalität, welche der merovingischen Periode mangelt, glaubte

man in der lombardischen Kunst des 7. und 8. Jahrhunderts zu finden.

Der Erfolg war nicht glücklicher. Nichts berechtigt, eine selbständige

altlongobardische Kunst anzunehmen, weder die uns erhaltenen

schriftlichen Nachrichten, noch die wenigen sicher gestellten

altlongobardischen Bauten: S. Frediano und S. Michele in Lucca. Auch

die neuerdings aufgestellte Hypothese über die frühe Entwicklung des

Gewölbebaues bei den Longobarden (S. Evasio in Casal-Monferrato,

Baptisterium zu Asti) ist, obgleich viel wahrscheinlicher, noch

keineswegs gegen alle Anfechtungen sicher gestellt.

Das Zeitalter _Karl_ des Grossen versuchte die Wiedergeburt der Künste

durch den Rückgang auf römische Formen, welche, wie das römische

Imperium überhaupt, keineswegs als etwas Fremdes betrachtet wurden.

Deutlicher würde man dieses Streben verfolgen können, hätten sich

zahlreichere Reste von karolingischen Bauwerken erhalten. Es waren

aber vom Aachener Palaste schon im 12. Jahrhundert nur geringe

Substruktionen übrig, so dass wir bloss über das Allgemeine der Anlage

urtheilen können. Als Resultat ergibt sich die Nachbildung theils

des ravennatischen Palastes _Theodorichs_, theils der byzantinischen

Paläste. Auch vom Palaste zu Ingelheim haben sich nur die Trümmer

des Festsaales erhalten. Er hatte die Gestalt einer dreischiffigen

Säulenbasilika, die Apsis war ungewölbt, die Profile spät römisch, der

Thürbogen durch Farbenwechsel belebt.

Als das wichtigste Werk _Karl_ des Grossen bleibt demnach das %Aachener

Münster%, die kaiserliche Hofkapelle, der Maria geweiht und von

796-804 gebaut, übrig. Seine besondere Bestimmung erklärt die von den

gewöhnlichen Cultuskirchen abweichende Form, welche man gewöhnlich,

aber mit Unrecht, aus der strengen Nachahmung der Vitalekirche

zu Ravenna entstanden denkt. Der achtseitige Mittelraum (80' im

Durchmesser) wird von einem sechzehnseitigen Umgange umschlossen, an

dessen Westseite der Glockenthurm, von zwei runden Treppenthürmen

flankirt, vortritt. Ueber dem Umgang erhebt sich eine Galerie,

in hohen, durch eine doppelte Säulenstellung ausgefüllten Bogen

gegen den Mittelraum geöffnet, und von einem halben Tonnengewölbe

bedeckt, welches gleich den starken Pilastern an der Aussenseite

zur Unterstützung der Kuppel bestimmt ist. Die Tragsteine, die

Pfeilergesimse, die Pilasterkapitäle sind nach der antiken Tradition

gearbeitet (die Säulen wurden bekanntlich aus Italien geholt),

dagegen offenbart die Construction ein selbständiges Streben. Ein Bau

von so grossem Ruhme und auffälliger Gestalt konnte unmöglich ohne

Nachbilder bleiben, obgleich er auf die allgemeine Kunstentwicklung

in den fränkischen Ländern keinen Einfluss übte. In der That sehen

wir in den folgenden Jahrhunderten die Johanneskirche zu Lüttich

(im vorigen Jahrhundert erneuert), die K. zu Ottmarsheim im Elsass

(11. Jahrhundert), die Kapelle zu Nymwegen, die alte Münsterkirche

zu %Essen% (nur drei Seiten im Westchore erhalten), nach dem Muster

der Aachener Kirche errichtet, und einzelne Motive (die doppelte

Säulenstellung) in der K. Maria auf dem Kapitol zu Köln (hinter der

Orgelbühne) angewendet.

Einen weiteren Beweis von der Lebendigkeit der antiken Tradition im

karolingischen Zeitalter liefert die in der Form eines Sarkophages im

9. Jahrhundert errichtete Begräbnisskapelle _Ludwig_ des Deutschen

zu %Lorsch% bei Worms. Vier korinthische Säulen tragen den polychrom

(_eccl. varia_) dekorirten Oberbau, der durch ionische Pilaster mit

aufgesetzten geraden Giebeln gegliedert und einem antik profilirten

Kranzgesimse gekrönt ist.

[Illustration: Fig. 66. Grundriss des Klosters S. Gallen.]

Von einem anderen karolingischen Bauwerke, der Klosteranlage von

%S. Gallen% (9. Jahrhundert), bewahren wir zwar keinen Baurest;

ein mehr als hinreichender Ersatz wird aber durch den erhaltenen

Originalplan geboten, welcher wahrscheinlich am fränkischen Hofe

verfertigt, als das Musterbild eines frühmittelalterlichen Klosters

gelten kann und unstreitig das wichtigste baugeschichtliche Dokument,

welches wir besitzen, bildet (Fig. 66). Die Kirche (_A_), wie so

viele frühmittelalterliche Kirchen, besonders der Rheinlande, mit

einem Doppelchore (_a_, _a_), welche Einrichtung irrthümlich aus dem

Wechselgesang der Mönche erklärt wird, versehen, hat eine Krypta

(_b_) und vor dem erhöhten Altarraume (_c_) den Sängerchor mit zwei

Ambonen (_analogia_). Die Apsiden sind von halbkreisförmigen Vorhöfen

(_paradisus_) (_e_) umgeben. Südlich von der Kirche stehen die inneren

Klosterbauten, die eigentliche Clausur, und zwar zunächst der Kirche

der Kreuzgang (_B_), links von demselben die Wärmstube (_f_) und die

Schlafkammern (_dormitorium_), rechts der Keller (_g_), an der Südseite

der Speisesaal (_h_) mit den Kleiderkammern darüber, mit der Küche

(_i_) und der Brennerei in Verbindung gesetzt. Den Südflügel (_C_)

nehmen die Wirthschaftsgebäude ein: _k_ der Geflügelhof; _l_ die

Scheune; _m_ die Werkstätten der Klosterhandwerker; _n_ die Mühle;

_o_ der Dreschboden; _p_ die Stallungen, welche sich am Westflügel

fortsetzen. Die Nordseite (_D_), der Clausur entgegengesetzt,

beherbergt die Abtei (_r_) mit eigener Küche, Keller und Bad (_s_), und

die Schule (_t_) und die Gastwohnung (_u_). An der Ostseite (_E_) steht

das Krankenhaus (_v_) mit der Krankenkirche (_w_) deren andere Hälfte

(_w'_) zu den gottesdienstlichen Uebungen der Novizen dient, die den

anstossenden Bau (_x_) bewohnen. Den übrigen Raum nimmt der Baumgarten

(_y_) und der Gemüsegarten (_z_) mit der Gärtnerwohnung ein.[54]

§. 76.

Die Geschichte der altfränkischen Bildnerei und Malerei unterliegt dem

gleichen Entwicklungsgesetze wie jene der Baukunst. Auch hier wird

an den spätrömischen Styl angeknüpft, von welchem im 4. Jahrhundert

die gallischen Kirchen Proben aufwiesen (Arvern, Tours, Chalons

u. a.). Neben der musivischen Kunst (S. Germain des-prés, S. Denys,

S. Geneviève zu Paris) wurde auch die Wandmalerei geübt, in den

Motiven jedenfalls eine grössere Freiheit entfaltet, als bei den

Byzantinern gestattet war (nacktes Christusbild am Kreuze v. J. 600

in Narbonne), wenn auch die Formen schwerlich über eine barbarische

Nachahmung antiker Typen sich erhoben. Denkmäler aus der merovingischen

Periode, welche auf unsere Tage gelangten, sind äusserst sparsam gesäet

(Reliquar des hl. _Willibrord_ zu Emmerich), kaum grösser die Zahl

der erhaltenen karolingischen Bildwerke. Der musivische Schmuck, in

welchem die Aachener Münsterkirche prangte, ist verschwunden, ebenso

wie die Wandgemälde im Aachener Palaste und dem Ingelheimer Festsaale

(Paralleldarstellungen aus der alten und christlichen Geschichte)

und die Wandbilder zahlreicher französischer und deutscher Kirchen

aus dem 10. Jahrhunderte. Noch bestehen aber die Erzgitter am oberen

Umgange des Münsters, der Adler als Pultträger (römisch?) u. s. w.

Weitere Quellen zur Erkenntniss des karolingischen Styles sind die

Diptychen und Bücherdeckel: das Diptychon des kunstgewandten _Tuotilo_

aus S. Gallen in Elfenbein geschnitzt (9. Jahrhundert), die in Gold

getriebenen Deckel des _Codex aureus_ in München v. J. 870 u. s. w.,

ein Diptychon zu Tongern, ein anderes in Metz von _Adalbero_

gefertigt, die Elfenbeindeckel zum Gebetbuche _Karls_ des Kahlen in

Paris, alle ungleich besser, als gleichzeitige italienische Arbeiten.

Auch das Elfenbeinhorn mit Jagdscenen in der Berliner Kunstkammer, das

Kreuz _Lothars_ in Aachen, ein Reliquar in Sitten sind gute Muster

der karolingischen Kunstweise. Die Hauptquelle bleiben aber die

Miniaturbilder in Handschriften.

Wir unterscheiden mehrere scharf getrennte Schulen, zunächst

eine irisch-angelsächsische, deren Hauptwerke theils in England,

theils in S. Gallen vorhanden sind. Ihre Wanderung bis in das

abgelegene Alpenthal wird aus der engen Verbindung, in welcher alle

Benediktinerklöster, wie nachmals die Cistercienserklöster, unter

einander standen, und speciell aus dem Aufenthalte zahlreicher

irischer Mönche in S. Gallen: _Moengal_ 850, der Lehrer _Tuotilos_ und

_Notkers_, _Failan_ 991 u. A., erklärt. In Irland selbst waren die

Bilderhandschriften schon im 6. Jahrhundert bekannt, erfahrene Meister

in dieser Kunst wie der Abt _Dagäus_ von Juniskeltra (587), _Ultan_

(655) hoch geschätzt. Die Eigenthümlichkeit der irischen Miniaturen,

das künstliche Geriemsel, die phantastischen Thiergestalten als

Dekoration, die unnatürlich symmetrische Behandlung der Gewänder, die

kalligraphische Auffassung des Figürlichen, die grelle schattenlose

Färbung u.a. wird wohl richtiger auf den irischen Nationalcharakter,

als auf ägyptische Vorbilder zurückgeführt. Einen ähnlichen

kalligraphischen, technisch zierlichen, aber formlosen Charakter

behaupten die angelsächsischen Handschriften (Cuthbertbuch in London,

Evangelarium [8. Jahrhundert] in Paris).

Dagegen halten sich die fränkischen Miniaturen innerhalb der antiken,

durch die altchristliche Kunst vermittelten Tradition. Von der

byzantinischen unterscheiden sie sich durch die Jugend, die sie den

meisten Personen (Evangelisten, selbst Christus) verleihen, durch die

freiere Bewegung der Gestalten und das Inhaltreiche der Composition.

Auf die Veranstaltung _Karl_ des Grossen selbst wurden zahlreiche

Handschriften mit Bildern geschmückt, von welchen Paris und Trier die

wichtigsten Beispiele bewahren. Noch grösser war die Thätigkeit in

diesem Fache unter K. _Karl_ dem Kahlen im 9. Jahrhundert; aber auch

der Verfall des Styles ist im Steigen (Bibel in S. Calist zu Rom,

Paris, München). Den fränkischen Ursprung dieser Werke verbürgen die

Namen der Maler: _Gottschalk_, _Ingobert_, _Luithard_, _Beringar_.

Die deutschen Miniaturen stehen in theilweiser Abhängigkeit von der

fränkischen Hofkunst und haben mit dieser den breiten Farbenauftrag,

die antiken Reminiscenzen gemein. Das älteste Denkmal deutscher

Miniaturkunst ist die Wessobrunner Handschrift vom Jahre 815, mit

rohen, aber dennoch nicht ganz unförmlichen Federzeichnungen. In

Deutschland steigert sich die Schönheit der Miniaturen bis in die

sächsische Kaiserperiode; dagegen sinkt die angelsächsische Kunst im

10. Jahrhundert zur grössten Rohheit herab.[55]

Handbuch der Kunstgeschichte · 第 17 / 33 题