§. 73.
[Illustration: Fig. 63. Katholikon in Athen]
Die erste und unmittelbarste Abzweigung der altchristlichen Kunst
tritt uns in dem %byzantinischen% Style entgegen. Die Scheidewand
zwischen der einen und der anderen Kunstweise wird auch in der Regel
nicht beobachtet, und bereits der Centralbau zur byzantinischen
Kunst herübergezogen. Dass derselbe die Hauptmotive der späteren
byzantinischen Kunst in sich schliesst, kann nun allerdings nicht
abgeläugnet werden. Doch lagen zahlreichere Gründe vor, nämlich die
hier wie bei den Basilikenbauten noch ungebrochene antike Tradition,
ihn mit den Basiliken auf eine gleiche Linie zu stellen und gleich
diesen als einen allgemein gültigen christlichen Urtypus aufzufassen.
Andere Erwägungen, den byzantinischen Styl aus seiner unbestimmten
Stellung zu reissen, traten hinzu. Der Centralbau war keineswegs im
altchristlichen Oriente ausschliesslich herrschend. Neben den Rotunden
des constantinischen und nachconstantinischen Zeitalters (den bereits
angeführten fügen wir noch hinzu: die K. S. Johann ἑν Ἑβδὁμω und
S. Maria Perib. in Constantinopel, Apostelk. in Athen) kommen noch
Basiliken vor; die späteren byzantinischen Kirchen weichen von der
Rundform vielfach ab; in der Plastik und Malerei kommt später ein
anderes Princip zur Geltung, als bis zum 7. Jahrhundert üblich war;
die Abgeschlossenheit der orientalisch-christlichen Bildung seit dem
letzten Dritttheil des vorigen Jahrtausends übte auch auf die bildenden
Künste Einfluss und verlieh ihnen einen bestimmten byzantinischen
Lokalcharakter. Diesen Kulturabschnitt bezeichnet am schärfsten der
Bilderstreit unter _Leo_ dem Isaurier (726). Von hier datirt auch am
natürlichsten der Beginn der byzantinischen Lokalkunst, um so mehr,
als bald darauf auch im Abendlande durch den Eintritt der germanischen
Völker in die Kulturwelt eine neue kunsthistorische Periode anbricht.
Die Palastbauten der späteren byzantinischen Kaiser (_Theophilus_
829, _Basilius Macedo_, _Constantin Porphyrogennetos_) scheinen sich
mehr durch ihre Ausdehnung und den Reichthum der Ausstattung, als
durch die architektonische Schönheit ausgezeichnet zu haben; unter
_Basilius Macedo_, dem Baulustigen, dürfte der byzantische Lokalstyl
zum festen Typus gelangt sein. Diesen müssen wir aus den kärglichen
Nachrichten, die wir über spätere byzantinische Kirchen zur Stunde
besitzen, mühselig zusammenklauben.[48] Sehr häufig wurden die
byzantinischen Kirchen ringsum von einem Hofraume eingeschlossen
(S. Johann, S. Georg in Constantinopel, S. Laura auf d. B. Athos,
Ecs-Miazin in Erivan, Modon in Morea u. s. w.); im Grundriss kehrte
man zum Vierecke (Fig. 63) zurück, ohne aber die Längenrichtung stark
vorherrschen zu lassen; die Façade zeigt entweder einen kubischen
Mauerkörper ohne Giebel (K. im Quartier der Bäder zu Constantinopel,
Panagia Nikodimo zu Athen), bloss von der Kuppel des Mittelbaues
überragt, oder schliesst in geschweiften Kreislinien ab (Pantokrator,
Mone tes Koras, Theotokos zu Constantinopel, Tenos im Archipel),
seltener und später vielleicht unter abendländischem Einflusse mit dem
Giebel (Katholikon, S. Theodor, Taxiarch, Kapnikaréa mit fünf Giebeln
nebeneinander zu Athen, Daphni bei Athen, Mistra bei Sparta -- wie
Kapnikaréa -- Vatopedi auf Athos, Ecs-Miazin); die Apsiden gehen aus
dem Halbkreise in das Polygon über, die Nebenapsiden werden in der
Tiefe der Mauer angebracht; bei kleineren Kirchen in Morea reichen die
Apsiden nicht bis auf den Boden, sondern werden von Consolen getragen;
eine grosse Umwandlung geht ferner mit den Kuppeln vor sich. Ihre Zahl
wird gesteigert; um die Hauptkuppel legen sich kleinere als Trabanten
herum (Navarin), oder es werden wohl gar alle, auch die Nebenräume, mit
Kuppeln überdacht (Panagia Nikodimo). Ihre Gestalt gleicht wenigstens
im Innern einer Halbkugel, aussen wird der untere Theil der Wölbung
als senkrechte Wand gebildet, welche durch Säulen gegliedert und in
Rundbogen geschlossen ist (Fig. 64). In der späteren Zeit treten
an die Stelle der Säulen schwere Pfeiler als Widerlager (K. zu
Mesembrio, Daphni, Patras). Eine besondere Ueberdeckung der Kuppeln,
wie im Abendlande, ist nicht gebräuchlich, auch bei den zahlreichen
Tonnengewölben nicht, welche nackt an die Oberfläche treten. Thürme
kommen selten vor, und die wenigen Beispiele besitzen eine abnorme
Gestalt (Daphni, S. Taxiarch in Athen, Sifanto, Dioulfa in Ispahan).
Die Anordnung des Innern zeigt eine meist nach aussen geschlossene
Vorhalle (Ausnahme die K. Theotokos); die Schiffe durch schwere Pfeiler
geschieden, und mit Tonnengewölben, selten mit Kreuzgewölben überdeckt;
über den Nebenschiffen öffnen sich die Weibertribünen (Gynaikonitis);
der Altarraum ist durch eine Scheidewand (Ikonostasis) vom Schiffe
geschieden. Die älteste Art der Ikonostase sind Vorhänge; später wurden
dieselben aus Holz errichtet, mit Thüren versehen und mit Malereien
bedeckt (die schönsten Muster sieht man in S. Theodor zu Pergamus,
in der Hauptkirche zu Smyrna, Magnesia und aus jüngster Zeit in der
griechischen Kirche zu Livorno). Krypten kommen in byzantinischen
Kirchen nicht vor; auch besitzt der Altar nicht die Form eines Sarges,
sondern ist ein einfacher Tisch (die Abendmahltafel) mit einem Ciborium
überdeckt. Die Formen der Säulenkapitäle weichen von der antiken
Tradition wesentlich ab. Sie bilden einen nach unten abgeschrägten,
an den Kanten zugerundeten Würfel (Fig. 65), ihr Blätterornament ist
mager, ihr gewöhnlicher Schmuck sich kreuzende Linien, Kreise u. s. w.
Auch die Profile der Gesimse verlieren alle Feinheit und werden eckig
und scharf. Eine starke Schräge, oben mit einer Deckplatte geschlossen,
unten mit einem Rundstabe gesäumt, wird am häufigsten angetroffen.
(Panagia Nikodimo, S. Theodosia, Katholikon zu Athen.)
[Illustration: Fig. 64. Byzantinische Kuppel.]
[Illustration: Fig. 65. Kapitäl aus der Kapnikarea.]
Für die Chronologie der byzantinischen Bauwerke fehlen sämmtliche
Vorarbeiten; auch hat sie bei der Stabilität der späteren
byzantinischen Kunst eine geringere Wichtigkeit. Ueber die Ausdehnung
ihrer Herrschaft im Oriente besitzen wir durch neuere Reiseberichte
genauere Daten.
Die %koptischen% Kirchen, häufig in altägyptische Trümmer hineingebaut,
entfernen sich theilweise vom byzantinischen Typus und nähern sich
der Basilikenanlage. Die Klosterkirche in %Wadi-Gazâl% z.B. ist eine
dreischiffige Pfeilerbasilika, die Breite gleich der halben Länge, die
Thüren, Fenster, Pfeiler im Rundbogen geschlossen, der Bau ringsum von
einem Hofe umgeben.
Engverwandt sind dagegen die %abchasischen% Kirchen z. B. in Pitzounda
am schwarzen Meere, nur darin vom byzantinischen Typus abweichend,
dass über der Kuppel noch ein Steindach emporragt; in Nakolajevi in
Mingrelien, in Bandara, Tschamokmodi, Daranda am Kodor, Tschuna am
Kuban u. s. w. Auf den Kirchenstyl in %Armenien% wirkten nebst der
byzantinischen Tradition noch andere (arabische?) Einflüsse ein.
Auf dem rechteckigen Grundrisse wird durch höhere Wölbung einzelner
Theile ein griechisches (gleicharmiges) Kreuz verzeichnet, über dessen
Mitte die kegelförmige Kuppel sich erhebt. Die Portale und Nischen
sind häufig polygon gebildet, so aber, dass das Polygon nicht aus
der Mauer heraustritt, sondern einwärts gezogen wird, wodurch die
Umfassungsmauer dreieckige Spalten erhält. Die geraden Linien herrschen
vor, nicht allein in der Giebelanlage, sondern auch in dem überaus
reichen Ornamente, welches die Thüren, Fenster einschliesst, die Friese
bedeckt u.s.w. Die wichtigsten Denkmäler sind: das Kloster Ecs-Miazin
bei Vagharschabad mit einer auffallend abendländisch-gebildeten
Façade, eine Erneuerung der im 4. Jahrhundert gegründeten Kirche;
die benachbarte K. der h. Ripsime, die K. in Arkhuri am Ararat aus
dem 10. Jahrhundert, in Digour, in Ani, dann in %Georgien% seit dem
11. Jahrhundert: in Sion, in Karthli, Kutais, Ghelati in Imeretien,
Mzketha, Martvili u. s. w.[49]
Mit der Religion wanderte auch die Kunstbildung aus Byzanz zu den
östlichen Slavenstämmen. So lange die %Russen% sich byzantinischer
Werkmeister und fremdländischen Materiales bedienten, waren ihre
Kirchen auch strenge Kopien der byzantinischen Vorbilder, z.B. die
Kirchen zu Kiew, Novgorod (11. Jahrhundert). Erst in späterer Zeit
und bei kleineren Bauten kamen auch nationale Elemente zur Geltung,
so bei den zahlreichen Holzkirchen (gute Beispiele dieses nationalen
Styles liefern die ruthenischen Kirchen in Galizien) und auch bei
Monumentalwerken wurde dann Einzelnes der Heimath entlehnt, z. B. die
Walmdächer, über welchen erst die phantastisch gebildeten Kuppeln
emporsteigen. Der eigentlich russische Styl entwickelt sich erst am
Ende des Mittelalters, ohne aber die Abhängigkeit von fremden Mustern
abzustreifen. Näheres über die zahlreichen übereinander angelegten
Doppelkirchen ist nicht bekannt.
Auch nach dem Abendlande erstreckte sich der byzantinische Einfluss,
wie auch umgekehrt occidentale Einwirkungen, vermittelt durch die
Herrschaft der Venetianer in der Levante und durch die Kreuzzüge, dem
Oriente nicht fern blieben (Daphni, Mistra). Unter den byzantinischen
Bauten des Abendlandes darf man aber keineswegs, wie es früher Unsitte
war, alle Werke des früheren Mittelalters verstehen, sondern muss den
Namen bloss auf jene Denkmäler einschränken, welche den Lokalcharakter
des byzantinischen Styles an sich tragen. Sie zerfallen in drei
Gruppen: die venetianische, sizilianische und limousinische; von
jeder Gruppe ist die unmittelbare Berührung mit der byzantinischen
Bildung nachweisbar. In Venedig, dessen levantinischer Handel die
Bekanntschaft mit orientalischen Bauformen sattsam erklärt, ist die
%Markuskirche% (976-1085) als das wichtigste Beispiel byzantinischer
Architektur hervorzuheben.[50] In der Form eines Kreuzes errichtet, die
Haupträume mit Kuppeln überdacht, zeigt sie auch in der Vorlage eines
breiten, abgeschlossenen Portikus und in dem Abschluss der Façade durch
Halbkreise (die Zuspitzung derselben fällt später) an der Stelle des
geradlinigen Giebels sich ihrem Vorbilde getreu. An die Markuskirche
lehnen sich andere Werke wieder an, wie die Antoniuskirche in Padua
(die Kuppeln sind dem älteren Baue aus dem 13. Jahrhundert angefügt),
S. Fosca auf Torcello, S. Cyriaco in Ancona u. s. w. Ebenfalls
byzantinisch sind S. Giacometto di Rialto (1094), S. Caterina bei Pola.
Auf Sizilien herrscht der byzantinische Styl nicht ausschliesslich
vor, er bot aber ein treffliches Bindemittel zwischen der arabischen
Kunstbildung und den römisch-christlichen Anschauungen der Normannen,
der neuen Herren des Landes (1090). Im Grundrisse kehrt man wieder
zur Basilika zurück; auch die Säulen als Stützen kommen wieder zur
Geltung; aber über den Säulen erheben sich die arabischen Spitzbogen,
byzantinische Kuppeln durchbrechen die Decke. Eine ähnliche Mischung
des Arabischen und Byzantinischen herrscht auch in der Dekoration. Das
glänzendste Beispiel dieser Baugattung im kleinen Raume bietet die
Schlosskapelle in Palermo (1129). Von der Holzdecke der Basilika hängen
die kleinen Zellen und Nischen herab, welche bereits als specifisch
arabisches Deckenornament bekannt sind; den Raum vor der Apsis krönt
eine elliptische Kuppel. Auch La Martorana oder S. M. dell'Ammiraglio
(1143) erscheint mit seiner erhöhten Kuppel und in dem Detail der
Verzierungen von Byzanz abhängig, ebenso S. Cataldo und S. Giov. degli
Eremiti. Nur die Kathedrale von Cefalu 1131 und jene von Monreale
1177 (bei beiden Kirchen sind die Klosterhöfe bemerkenswerth) athmen
einen strengen abendländischen Geist. Die Vorhallen sind von %Thürmen%
eingefasst, die Kuppeln verschwunden, die kleineren Bauglieder den im
Norden üblichen verwandt.[51]
Nach Limousin und Aquitanien überhaupt brachten zwar nicht
venetianische Kaufleute, welche seit dem Ende des 10. Jahrhunderts
in Limoges einen Stapelplatz für ihre Waaren errichteten, den
byzantinischen Baustyl; aber auch wenn man die Ableitung des
wichtigsten Denkmales: S. Front in Périgueux von der Markuskirche
zu Venedig bestreitet, und ihr wegen der Zuspitzung der Bogen, auf
welche sich die fünf Kuppeln stützen, ein jüngeres Alter (nach 1120)
zuschreibt, so bleibt doch der byzantinische Charakter der Anlage
unzweifelhaft. Eine grosse Zahl der aquitanischen Kirchen (in Souillac,
Cahors, Angoulême, Fontevrault, Saintes u. s. w.) behalten im 11.
und 12. Jahrhundert den Kuppelbau bei, wenn sie auch im Uebrigen den
byzantinischen Typus verlassen.
§. 74.
Der Bilderstreit im 8. Jahrhundert hob nicht die Kunstübung im
christlichen Oriente auf, veränderte aber die Stellung der Kunst zur
Kirche und zum Leben, verlieh ihr den strengen Lokalcharakter, welchen
die älteren Werke des christlichen Orientes nicht besitzen.
Durch das mittelbare Verbot der Composition und durch die Beschränkung
des Künstlers auf die Ausführung ging die lebendige Fortbildung
der Kunst verloren. Wohl blieb noch die antike Tradition als feste
Grundlage übrig; über eine mechanische Nachbildung des Hergebrachten
kam man aber auch hier nicht heraus, da nicht das Formenprincip der
Antike, sondern nur einzelne von der Kirche acceptirte Bilder in
Geltung blieben. Die statuarische Kunst blieb grundsätzlich von der
Uebung ausgeschlossen. Auf diesem Wege musste es nothwendig dahin
kommen, dass die byzantinische Kunst in eine Kopistenschule ausartet,
ihren Werken aller Reiz einer individuellen Schöpfung mangelt und
allmälig ein Herkommen sich ausbildet, welches den Künstler aller
Freiheit ebensosehr in der Handhabung der Technik, wie in dem
geistigeren Theile seiner Wirksamkeit beraubt. Ein solcher minutiöser
Kanon der Malerei wurde jüngst auf dem Berge Athos aufgefunden, und
obgleich er erst aus dem Ende des Mittelalters stammt, so geht dennoch
seine Grundlage in eine ältere Zeit zurück. Im Laufe der Zeit erstarrt
nicht allein der Erfindungsgeist und geht der Formensinn verloren; auch
das Material verändert sich; an die Stelle der Mosaikbilder tritt die
Wandmalerei, bei welcher der mechanische Vorgang bei der Arbeit nur
noch störender wirkt, allerdings aber die Quantität der Malerei mühelos
vergrössert werden konnte.
Von den Mosaikbildern auf byzantinischem Boden haben sich nur geringe
Reste erhalten, für das 11. Jahrhundert treten die musivischen
Darstellungen in der Markuskirche zu Venedig massgebend ein; sie
zeigen bei verhältnissmässig guter Technik eine erschreckende Rohheit
und Verdorrung des Formensinnes. Auch die Mosaiken in sizilianischen
Kirchen aus dem 12. Jahrhundert sind, wenn nicht von byzantinischen
Künstlern, doch unter byzantinischem Einflusse entstanden. (Monreale,
Cefalu, Capella Palatina u. a.) Im übrigen Italien ruhte seit dem 10.
Jahrhundert die Mosaikkunst, und es war auch die Technik so sehr in
Verfall gerathen, dass im 11. Jahrhundert griechische Künstler diesen
Kunstzweig auf Montecassino neu beleben mussten. Ueberhaupt stand die
byzantinische Kunst trotz ihrer Leblosigkeit am Ende des Jahrtausends
doch noch höher, als die gleichzeitige italienische, wie die Kleinodien
im Schatze zu Monza, das Kreuz Teodolindas, jenes Berengars, kaum
winkelrecht gearbeitet, die eiserne Krone u. a. beweisen.
Die Miniaturen[52] sind nur dann richtige Belege für den Zustand der
byzantinischen Kunst, wenn sie nicht ältere, altchristliche Vorbilder
kopiren. In jenem Falle zeigen sie auch den herrschenden Typus. Die
ausführliche Schilderung gräuelhafter Martyrien ist charakteristisch
für die Richtung der byzantinischen Kunst. Dazu kommen kleine mürrisch
blickende Köpfe, magere, gestreckte Körper, conventionelle Gewandung,
grelle Farben, ungelenke und unbewegte Stellungen. (Menologium des
K. Basil aus dem Anfange des 11. Jahrhunderts im Vatikan, Dogmatica
Panoplia (12. Jahrhundert) ebendort, Klimax des Johannes Klimakus
ebendort u. a.) Die auf Goldgrund gemalten und mit Goldlichtern
aufgehöhten, braungelblichen Tafelbilder entbehren der sicheren
Datirung, um mit Nutzen kunstgeschichtlich eingereiht zu werden. Das
wichtigste Tafelbild ist der Tod des h. Ephrem, von _Tzanfurnari_
gefertigt, im Vatikan.
In anderen Kunstzweigen bewährten die Byzantiner nicht nur den
Vorrang vor den übrigen Völkern, sondern hatten auch das Monopol
der Verfertigung an sich gebracht; sie bildeten dieselben zu einer
förmlichen Industrie aus und trieben mit den Kunstprodukten Handel
nach dem Abendlande. So z. B. in Metallarbeiten. Bronzethüren
byzantinischer Arbeit kennen wir in Amalfi, Atrani, Salerno, Venedig,
in Megaspyleon auf Morea; Holzthüren mit Erzplatten belegt, die
Umrisse der Figuren eingegraben und mit Silberdraht ausgefüllt, kommen
in Venedig (Markusk.), in Gargano (Neapel) und (jetzt zerstört)
in S. Paul bei Rom vor. Letztere wurde 1070 von _Staurakios_ in
Constantinopel verfertigt; Holzthüren mit Elfenbein ausgelegt befinden
sich auf dem Berge Athos, mit Emailtafeln verziert auf dem Berge
Sinai (Katharinenkloster). Getriebene Arbeiten und Goldschmiedwaaren
(Email) bildeten überhaupt einen wichtigen Gegenstand byzantinischer
Industrie und finden sich in allen Weltgegenden vor (Pala d'oro in der
Markusk. aus dem 10. Jahrhundert). Aehnlich verhält es sich mit den
Webereien und Stickereien. Die _serica constantinopolitana_ war ihrer
Zeit ebenso gesucht und berühmt, wie heutzutage etwa die _articles de
Lyon_; neben ihnen auch die sarazenischen Webereien, deren Verfertiger
im 12. Jahrhundert noch eine wichtige Corporation in Paris bildeten.
Für die fabriksmässige Verfertigung der ersteren spricht der Gebrauch
von Stempeln, die den versendeten Stoffen anklebten. Musterbilder
für beide Gattungen sind im Aachener Schatze vorhanden, wohin sie
wahrscheinlich K. _Otto III._ geschenkt hat. Von Prachtstickereien hat
sich die sogen. Dalmatika K. _Karl_ des Grossen (wahrscheinlich aus
dem 12. Jahrhundert) in der Peterskirche zu Rom erhalten. Ein anderer
Zusammenhang zwischen der nordischen und byzantinischen Kunst, ausser
jenem, der durch die Einfuhr oben genannter Kunstartikel bestand, lässt
sich nicht nachweisen; am wenigsten ist an eine stetige Einwirkung,
z. B. in der Malerei, zu denken. Anders in Italien, obgleich auch hier
neben dem byzantinischen Style eine einheimische und selbständige (in
der Verwilderung mit jenem wetteifernde) Kunstweise ununterbrochen
fortlebte.
B. Das Abendland.