§. 72.
Die Natur des Orientes ist im Vergleiche zu dem wandelbaren, freien
Leben des Abendlandes unveränderlich, fest an dem Boden haftend, und
kann in keiner Weise dem unmittelbaren Einflusse der landschaftlichen
Umgebung entzogen werden. Selbst gewaltsame geistige Revolutionen
ändern nicht viel und werden allmälig in den gewöhnlichen Wellenkreis
hineingezogen. Die Lehre Mohameds war daher keineswegs mächtig genug,
in dem weiten Gebiete, welches sie durchdrang, ihre feste Einheit zu
bewahren; am wenigsten konnte die von ihr ausgehende Kunstbildung sich
dem Einflusse der verschiedenartigen Traditionen entschlagen. Auch
lag in dem mohamedanischen Cultus wenig vor, die Kunst der Gläubigen
auf eine bestimmte Bahn zu bringen, der individuellen Phantasie
einen gesetzmässigen Weg vorzuzeichnen. Die bildenden Künste waren
bekanntlich nicht geduldet, auch in dem Mangel an mythologischen
Gestalten der Reiz zur Ueberschreitung des Gebotes aufgehoben. Die
kirchliche Architektur macht zwar die Wiederkehr gewisser Bautheile
nothwendig, wie den Hof für die Waschungen, die Halle des Gebetes
(Mihrab), den Raum zur Aufbewahrung des Korans (Maksura), die Kanzel
(Mimbar), den Minaret zur Absagung der Gebetstunden (seit 710 in
Damaskus); aber diese verhalten sich völlig gleichgültig zu einander
und bedingen keineswegs bestimmte Bauformen. Daher zerfällt die
mohamedanische Kunst schon ursprünglich in mehrere Gruppen, welche
nur an der Oberfläche den Charakter der Einheit tragen, in Wahrheit
aber von der Kunsttradition, die sie in den einzelnen Landschaften
vorgefunden haben, abhängen; daher behalf sich dieselbe in der ersten
Zeit des Kalifates mit der Usurpation christlicher Kirchen, so z. B.
in %Damaskus%, %Pergamus% und wahrscheinlich auch in %Jerusalem%, wo
ein achtseitiger Kuppelbau, in der Anlage der alten heiligen Grabkirche
entsprechend, als Moschee verwendet wurde. Leider sind die Prachtbauten
von %Bagdad%, die uns über den älteren Styl des Islams belehren
könnten, beinahe ausnahmslos verschwunden, und auch in %Persien%
bewirkt die Mongolenherrschaft eine längere Unterbrechung. Die neueren
persischen Bauten seit dem 16. Jahrhundert zeigen Kuppeln in Birnform,
die Gewölbe durch kleine Nischen mit herabhängenden Spitzen gebildet,
die Bogen geschweift und zugespitzt (Kielbogen), die Aussenseiten
buntfarbig verziert. (Ispahan: Königsplatz mit dem Palaste, zwei
Moscheen und Bazars; Teheran; Tarbiz u. s. w.) Gegen die gewöhnliche
mohamedanische Regel üben die Perser, altheimischen Traditionen
folgend, auch die Malerei.[42]
Besser sind wir über die mohamedanische Architektur in Indien
unterrichtet.[43] %Delhi% unter der Paladynastie, Neudelhi, %Agra%
unter den Grossmoguln bilden ihren Hauptschauplatz. Dort ragt aus
der älteren Zeit die Triumphsäule des Islam: Cootab-Minar, mit
Rundstäben eingefasst, nach oben verjüngt und ehemals mit einer
Kuppel geschlossen, bis zu einer Höhe von mehr als 240' empor; aus
der späteren Zeit (17. Jahrhundert) werden der grosse Palast mit dem
kostbaren Pfauenthrone, die grosse Moschee des Schah Jehan u. a.
gerühmt. In Agra glänzen der Palast Akbars, die grosse und die
Perlmoschee, an den Ufern des Yamuna die Grabmonumente der Moguln,
unter ihnen das Monument Akbars zu Sikandra (1605), ein offener
Pyramidenbau mit vier übereinanderliegenden Grabkammern, und das
Grabdenkmal der schönen Nur-Jehan, Tai-Mahal genannt. Im inneren Indien
hat namentlich auch %Bejapur% zahlreiche und glänzende Denkmäler der
mohamedanischen Baukunst aufzuweisen.
Die Ausstattung dieser hindustanischen Bauten sucht an Reichthum und
Schönheit ihres Gleichen, doch ist dies nicht die einzige Glanzseite
derselben. Die Grossartigkeit der Anlage wurde durch die Fülle der
Dekoration nicht verdeckt, die Grossartigkeit aber läuft nicht wie
in der älteren heimischen Kunst auf das Ungeheure und Ungemessene
hinaus, sondern wählt ruhige und einfache Formen zu ihrem Ausdrucke.
Der Grundriss der Moscheen ist gewöhnlich viereckig, die Pfeiler
werden durch Kielbogen verbunden, Zinnen dienen als Mauerbekrönung,
schlanke Thürme begrenzen die Ecken; über dem Hauptbaue erhebt sich
die ausgebauchte, oben zugespitzte Kuppel. Im Einzelnen ist der
Einfluss der älteren hindustanischen Architektur wohl sichtbar; in den
ausladenden Dächern, in den mannigfaltigen Konsolen der Säulenhallen,
auch wohl in manchen Barbarismen, z. B. in den aus einem Stücke
gearbeiteten Steinketten; er zerstört aber keineswegs die Harmonie,
welche durch das oben angedeutete regelmässige Bausystem hervorgerufen
wurde.
Einer anderen Baugruppe gehören die mohamedanischen Monumente in
%Aegypten% an.[44] Der Hof mit einem kleinen Kuppelbau für die
Waschungen in der Mitte bildet den architektonischen Mittelpunkt; die
Halle des Gebetes unterscheidet sich nur durch die grössere Breite von
den Portiken, welche den Hof auf den übrigen Seiten einschliessen.
Der reine Spitzbogen, doch keineswegs als Basis der Construction
behandelt, wird regelmässig angewendet, und von Säulen oder durch
Ecksäulen gegliederten breiten Pfeilern getragen, die Mauer durch
ein seltsam gezacktes Zinnenwerk gekrönt. Altägyptische Einflüsse
sind wenig bemerkbar, desto mehr die Einwirkung der altchristlichen
Architektur. Die Moschee Amrus und jene Ebn Tulun's aus dem 9.
Jahrhundert zu %Kairo% sind gute Beispiele des älteren Styles. Der
Minaret an der letztgenannten Kirche ist nicht in der Ecke, sondern in
der Mitte des Baues auf einer viereckigen Unterlage angebracht. Die
Decke der Portiken ist aus Holz und kassettirt; unterhalb derselben
zieht sich die Mauer entlang ein doppelter Fries, der obere mit
kufischen Inschriften, der untere mit geometrischen Linien (Fig. 59)
bedeckt. Viel jünger, aber glänzender ausgestattet, ist die Moschee
_Hassans_ aus dem 14. Jahrhundert. Der mittlere Hofraum ist hier nur
das Verbindungsglied für die vier mit einem spitzbogigen Tonnengewölbe
versehenen Säle, wodurch der ganze Bau die Gestalt eines Kreuzes
gewinnt. Noch jünger, aber wieder an die gewöhnliche Moscheenform
sich anschliessend, ist die Moschee _El-Moyed_, zu deren Bau antike
Säulen verwendet wurden. Der Reiz aller dieser Bauten liegt in dem
buntfarbigen glänzenden Ornamente, womit alle Flächen bedeckt sind,
weniger in der Kraft und Schönheit der Construction, da hier das
Verhältniss der flachen Decke zu den Pfeilern drückend wirkt und die
Gewölbeanlagen eine grosse Unsicherheit der Technik verrathen.
[Illustration: Fig. 59.]
Von Afrika setzten die Araber nach %Sizilien%[45] über (9.
Jahrhundert). Die politische Verbindung, in welcher die neuen
Herren der Insel mit den Kalifen von Kairo blieben, lässt auch auf
die Abhängigkeit der sizilianischen von der Kunst der Mohamedaner
in Aegypten schliessen. Leider beschränkt sich aber die Zahl der
erhaltenen Monumente auf äusserst wenige. Wenn man die Bäder von Cefalu
und andere kleinere Ruinen ausnimmt, so bieten nur die beiden Schlösser
Zisa und Cuba bei Palermo, vielleicht aus dem 10. Jahrhundert,
Gelegenheit zur Erkenntniss des sarazenischen Styles auf Sizilien. Der
Palast %Zisa% bildet im Grundrisse ein Viereck, an dessen Schmalseiten
kleinere Pavillons vortreten. Arkaden, leise zur Spitze geschwungen,
gliederten die Façade, die in drei Stockwerke getheilt und oben mit
einem Inschriftenfriese gekrönt war. Der Empfangssaal mit Nischen und
Springbrunnen, die Wände buntfarbig verziert, hatte über sich einen
offenen Hof, um welchen Galerien und die Frauengemächer herumliefen.
Aehnlich, nur noch zierlicher gestaltet, war die %Kuba%: Vierzig Fuss
hohe Spitzbogenarkaden belebten die Façade, ein Kuppelsaal nahm den
Hauptraum im Innern ein, Pavillons, von welchen noch einer erhalten
ist, ein offenes Viereck, von Spitzbogen getragen und mit einer
Kuppel bedeckt, umgaben den Bau. Die Anwendung des Spitzbogens weist
auf Aegypten als Quelle zurück; die grosse Geschicklichkeit in der
Kuppelwölbung (es werden in den Mauerecken kleinere Bogen geschlagen
und so das Viereck in das Achteck frei und sicher hinübergeleitet)
kann wohl auf Rechnung byzantinischer Vorbilder geschrieben werden.
Noch früher als auf Sizilien kam die Herrschaft der Sarazenen in
%Spanien%[46] zur Geltung. Vom achten bis zum fünfzehnten Jahrhunderte
haftet die Geschichte der spanischen Bildung und Kunst an ihrem Namen;
doch sind es meist nur die jüngsten Luxusbauten, welche dem maurischen
Style zu unsterblichem Ruhme verhalfen. Auch in Spanien verschmähte
die mohamedanische Kunst das vorhandene ältere Material nicht, und
benützte es in reichstem Maasse. Als Abdel Rahman 786 die grosse
Moschee zu %Cordova% gründete, liess er in seinem Reiche die römischen
Säulen aufsammeln und in dem neuen Baue aufstellen. Der Grundplan
jedoch und die Construction des Inneren hat mit der antiken Tradition
nichts gemein. Einundzwanzig Thore von Hufeisenbogen (Fig. 60)
durchbrachen die Umfassungsmauer und führten in das Innere, welches in
den nördlichen, durch Fontänen gekühlten und von Palmen und Cypressen
beschatteten Hof und die Säulenhalle zerfiel. Eilf, später (seit El
Mansours Erweiterung) neunzehn Säulenreihen, von 35 Säulenreihen in der
Querrichtung durchschnitten, im Ganzen an tausend Säulen, füllten die
Moschee. Unmöglich konnte auf diesen Säulen schon das Dach aufsitzen;
um dem Baue eine grössere Höhe zu geben, wurden auf die Säulen noch
schmale viereckige Pfeiler aufgesetzt, und von diesen zu dem nächsten
Pfeiler in der Längenrichtung stets zwei Bogen übereinander geschlagen.
Selbst so erreicht die Moschee nur die Höhe von 35 Fuss. Die
ursprüngliche Decke (seit der Verwandlung der Moschee in eine Kirche
im 13. Jahrhundert, wurde diese, wie so vieles Andere, verändert) war
von Holz und reich mit Gold und Farben verziert, schmucklos dagegen
die Säulen und Doppelbogen der Halle, mit Ausnahme des Säulenganges,
der zum Heiligthume führte, und der vor diesem abgesteckte viereckige
Raum. Die Bogen erscheinen hier ausgezackt und musivisch ausgelegt;
namentlich strahlt auch die Eingangswand zum Heiligthume, wo der
Koran niedergelegt wurde, von den auserlesensten Mosaikornamenten.
Wie sehr musste ihre Farbenpracht erst blenden, wenn Tausende von
Lampen ihr Licht darauf warfen. Der einfachere Linienzug, der in dem
Mosaikschmucke zu Cordova im Unterschiede zu den späteren Arabesken
sich bemerklich macht, rechtfertigt die Tradition, die Mosaikwand der
Moschee sei aus byzantinischem Stoffe von byzantinischen Arbeitern
errichtet worden.
[Illustration: Fig. 60. Hufeisenbogen.]
Durch die Zerstörung des Palastes von Zahra bei Cordova aus dem 10.
Jahrhundert ging die Handhabe zur Untersuchung des Entwicklungsganges
der maurischen Kunst verloren, von welcher wir wieder erst aus den
späteren Jahrhunderten zahlreichere Denkmäler besitzen. Erst in diesen
erscheint der Architektursinn der spanischen Araber selbständig
ausgebildet, von den älteren Traditionen befreit, und rückhaltlos den
Einwirkungen der zauberischen Landschaft hingegeben. In %Sevilla% sind
die Reste der Moschee in die Mauern des Domes verbaut; der Palast
(%Alcazar%) hat zahlreiche Restaurationen erfahren, zeigt übrigens
Formen, die an anderen Bauten noch klarer und schärfer vortreten; der
Thurm der Kathedrale la %Giralda% hat nur in seinen unteren Theilen
Anspruch auf ein höheres Alter (12. Jahrhundert). Er bildet im
Grundrisse ein Rechteck und hat als äussere Dekoration Rautenfelder,
zwischen welchen die meist spitzbogigen Fenster sich erheben. Die
Minaretform des Orientes wich einer regelmässigen, mehr im Geiste des
Abendlandes gedachten Anlage, welche in den westlichen Reichen des
Islams (Tunis, Marokko) mehrfach nachgeahmt wurde.
Seit dem 13. Jahrhundert wurde Granada der Hauptsitz der maurischen
Herrschaft. Trotzdem dass die Macht der Mauren unter den
Schwertschlägen der christlichen Ritter immer weiter zurückwich, verlor
sich doch nicht der Kunsteifer der Fürsten, im Gegentheil steigerte
sich der Genusssinn, der Bildungstrieb zur höchsten Ueppigkeit, wurde
die spielende Poesie des Lebens unübertrefflich in architektonischen
Formen verkörpert. Zeuge dafür ist die Citadelle von Granada, die nach
dem rothgebrannten Gestein ihrer Mauern und Thüren sogenannte %al
Hamrâ%.[47] Im Jahre 1248 begann der Festungsbau, die Prachtbauten
nahmen im 14. Jahrhundert ihren Anfang und wurden bis in das 15.
fortgesetzt; die ganze Anlage nimmt einen Raum von 2500' in der Länge
und 750' in der Breite in Anspruch.
Hat man das Thor des Gesetzes, den Platz der Cisternen und andere
Vorbauten durchschritten, so gelangt man in den Hof des Fischteiches
(_Patio de la Alberca_). Rosen-, Oleander- und Myrthenbüsche beschatten
das Riesenbassin, gegen welches an den breiten Schmalseiten des Hofes
7 Bogen, zu Arkaden zusammengestellt, sich öffnen. Ueber den Arkaden
erheben sich luftige Galerien mit herabhängenden, wie Tropfstein
gebildeten Decken. Die nördlichen Arkaden führen zur Halle der
Segnung und weiter zum Thurme des Comares, dessen dicke Mauern den
glanzschimmernden Saal der Gesandten, eine reichvergoldete Kuppelhalle,
bergen.
[Illustration: Fig. 61. Osttheil der Alhambra.]
Der reizendere und bekanntere Theil des Baues liegt östlich vom Hofe
der Alberca, um den sogen. Löwenhof gruppirt (Fig. 61). Die Mitte
des Löwenhofes (123'-73') nimmt die zwölfeckige Alabasterschale
(_a_) ein, von 12 Löwen von conventioneller Auffassung getragen.
Hundertachtundzwanzig weisse Marmorsäulen stützen die Hallen,
welche den Hof umgeben, und von welchen die südliche in die Halle
der Abencerragen (_b_) führt. Oestlich vom Löwenhofe liegt der
langgestreckte Saal des Gerichtes (_c_), der Plafond mit Malereien
geschmückt; im Mittelfelde zehn schattenlose Greifen, links Jagdscenen,
rechts den Kampf eines maurischen mit einem christlichen Ritter, die
Darstellung eines Schachspieles und wieder Jagdscenen. Der Halle der
Abencerragen gegenüber befindet sich das köstlichste Kleinod der
maurischen Architektur, der kleine Saal der beiden Schwestern (_d_).
Die viereckige Mauer geht nach oben in ein Achteck über, indem in jeder
Ecke sich eine kleine Zellenkuppel erhebt; das Ganze wird durch eine
Kuppel, die gleichsam aus lauter Bienenzellen zusammengesetzt ist,
bedeckt. Ein kleiner Pavillon, das »Putzzimmer der Königin« (_e_) und
Bäder (_f_) schliessen nach Norden den Bau ab. Die Construction der
Alhambra, so leicht und luftig sie auch erscheint, lässt dennoch an
Dauerhaftigkeit nichts zu wünschen. Doch weicht sie von der früher
und später üblichen wesentlich ab. Die Bogen, gewöhnlich in erhöhter
Rundform, haben nichts zu stützen und zu tragen, sie sind nur ein
reizender Schein, wie die künstlichen Holzwölbungen und Kuppeln, eine
blosse dekorative Wandfüllung, daher sie auch nicht auf den Säulen
lagern, sondern neben denselben auf leichten Consolen ruhen. Die
grösste und eigenthümlichste Schönheit der maurischen Architektur
liegt in ihrer Dekoration. Sie soll Teppiche ersetzen, und besitzt
auch ganz den Charakter einer gestickten und gewebten Arbeit (Fig.
62). Dem Gesetze, welches den in der mannigfachsten Weise ineinander
verschrägten Linien zu Grunde liegt, nachzugehen, ist beinahe
unmöglich, da die einzelnen Muster oft ganz nahe an geometrische
Regelmässigkeit streifen, um sofort sich in ein üppiges Phantasiespiel
zu verlieren. Dass Korantexte in die Arabesken mitverwebt werden
können, Schriftzüge und Ornament oft unmerklich ineinanderfliessen,
ist für die Richtung der maurischen Kunst sehr bezeichnend. Lohnend
wäre es schliesslich, den Gesetzen der Polychromie nachzuforschen,
welche die Bemalung, namentlich der Alhambra, lenkten. Gold herrscht
vor, in den Kuppeln und Wölbungen werden nur die primären Farben: Roth,
Blau, Gelb, an den unteren Wänden die sekundären: Grün, Orange, Purpur
gebraucht. Rothgoldene und blausilberne Arabesken durchschneiden sich,
und umsäumen blaugoldene Felder. Im Saale der beiden Schwestern ist in
den unteren Malereien das Roth ausgeschlossen, die Ornamente bewegen
sich in Schwarz, Weiss, Blau, Violet, Grün; Gelb dagegen herrscht als
Grundfarbe an den oberen Friesen u. s. w. Neben der Alhambra sind
noch als maurische Denkmäler das gegenüberliegende Generalife (Garten
des Architekten) im Style der Alhambra, und dann die Palastbauten
in Nordafrika zu nennen, welche sämmtlich den spanischen Bauten
nachgebildet sind, ohne sie aber im Glanz zu erreichen, oder ihr
Princip weiter zu entwickeln.
[Illustration: Fig. 62. Ornament aus der Alhambra.]
Auf die lokalen Bauschulen von Sizilien und Spanien übt die dort
heimische mohamedanische Architektur einen mannigfachen Einfluss, in
das allgemeine Kunstgetriebe des Abendlandes aber einzugreifen, gelang
ihr nicht. Hier bildet sie eine reizende Episode; dauernde Geltung
besitzt sie nur im Oriente.