III.

So war Fridolin nach Gerolstein geraten. Man wird seinen Entschluß

begreifen. Der Himmel hatte ihm, gerade da er schwankte und im Zweifel

war über seine Zukunftspläne, ein zu deutliches Zeichen herabgesandt.

Er hatte Käthe von seinen Absichten nichts verraten; sie hatten auch --

von wegen der Tante! -- nicht verabredet, sich zu schreiben. Sie waren

voneinander geschieden in gegenseitigem Vertrauen, daß sie doch wieder

zusammenkommen würden. Käthe hatte für das zuversichtliche Vertrauen

die Formel gefunden: Du wirst mich suchen -- und mich finden!

Sehr entzückt war Fridolin von Gerolstein, der Hauptstadt des

berühmten Großherzogtums, gerade nicht. Er hatte sich dort mit Hilfe

seines Freundes eingerichtet und gab sich alle Mühe, sich ordentlich

einzuleben, um nach Verlauf von drei Monaten, wenn Käthe zurückkehren

sollte, schon ein vollkommener und gerechter Gerolsteiner zu sein.

Vor Arnold, seinem besten Freunde, hatte er aus seinem sommerlichen

Abenteuer in der Sächsischen Schweiz, dem eigentlichen Beweggrund

des raschen Entschlusses seiner Übersiedelung, und aus seinen

Glückshoffnungen kein Geheimnis gemacht; nur den Namen Käthes wollte

er nicht preisgeben, so sehr auch sein Freund Arnold, aus praktischen

Gründen, wie er sagte, ihn zu wissen begehrte.

Es ging also soweit ganz gut in Gerolstein, nur etwas langweilig fand

es Fridolin. Aber die Zeit verging doch, und als drei Monate um waren,

da war er ganz gewaltig aufgeregt; denn nun konnte ihm jeder Tag eine

Begegnung mit Käthe bringen. Gerolstein war nicht so groß, daß ein

schönes Mädchen dort lange unentdeckt hätte bleiben können. Die wird

Augen machen! Fridolin lächelte, als er sich die Überraschung Käthes

ausmalte, wenn sie ihn so ganz unvermutet in Gerolstein wiedersehen

würde.

In seiner Unruhe und Aufregung der Erwartung kam ihm ein Zwischenfall

sehr gelegen, der nicht nur seinen Gedanken eine Ablenkung schaffte,

sondern auch günstige Aussichten für die Zukunft bot. Schon war es ihm

allerdings gelungen, sich für die verhältnismäßig sehr kurze Zeit eine

ganz annehmbare ärztliche Praxis zu verschaffen, aber die Gelegenheit,

die sich ihm nun eröffnete, war ganz danach angetan, ihn mit einem

gewaltigen Ruck vorwärts zu bringen.

Er sah gerade zum Fenster seines Ordinationszimmers hinaus, als er eine

herrschaftliche Equipage vor seinem Hause halten sah. Ein livrierter

Bedienter sprang vom Bock und stand zwei Minuten später vor ihm, um

ihm einen Brief zu überreichen. Schon der Umschlag verriet, daß der

Brief aus dem Ministerpräsidium herrühre, und der Briefbogen trug den

offiziellen Vermerk des hohen Ministerpräsidiums. Geschrieben war aber

der Brief nicht vom Ministerpräsidenten, sondern von seinem Freunde

Arnold. Das Schreiben lautete:

»Ich bin soeben beim Ministerpräsidenten und mit ihm in einen

großartigen Kriminalfall vertieft. Zur vollständigen Vernichtung des

Übeltäters brauchen wir aber auch einen ärztlichen Befund. -- Der Geh.

Hof-, Staats- und Medizinalrat, der hier zu intervenieren hätte, ist

glücklicherweise auf Urlaub, und da habe ich mir denn erlaubt, Dich als

eine wahre Leuchte der Wissenschaft zu empfehlen. Wirf Dich also in

Deinen schönsten Frack, sodann in den Galawagen, den wir Dir hiermit

schicken, und lasse Dich schleunigst bei Sr. Exzellenz dem Herrn

Ministerpräsidenten Besenbeck melden, wo wir Dich erwarten.

Vom köstlichen Humor · 第 17 / 21 题