Ballen schon unterschieden werden. Allerdings gibt es einzelne
Baschibagliprovenienzen, die wie die Basma manipuliert werden, und
umgekehrt ebenfalls. Vom allgemeinen Gebrauch abweichend wird in der
Samsoun- und Schwarzmeer-Gegend der Tabak, der meist einen vorstehenden
Stengel hat, übereinander gelegt, an den Stengeln mit Bast befestigt
und in dieser Form zur Fermentation gebracht.
Es ist natürlich, daß das relativ große Gebiet der Anbauflächen
orientalischer Tabake gewisse Verschiedenheiten in der Behandlung
bedingt. Die gleiche Schwierigkeit ergibt sich bei der verschiedenen
Bezeichnungsweise ähnlicher oder gleichartiger Sortierungen, die auch
in den verschiedenen sprachlichen Vorbedingungen verschiedener Gegenden
begründet ist.
Wenn also für den Einkäufer die Basma-Provenienzen an ihrer
Manipulationsform äußerlich kenntlich sind, so muß der Fachmann doch
sorgfältig untersuchen, ob der Tabak, der in Basmaform geliefert wird,
auch die Qualität besitzt, um ihn als Basmatabak im Sinne des Wortes
ansprechen zu können. Die Unterscheidungen sind häufig sehr schwer.
Es werden beispielsweise öfters griechische Tabake, und zwar solche
minderwertigen Ursprungs, als Basma gearbeitet und als erheblich
wertvollere mazedonische Basma in den Verkehr gebracht. Es ist Sache
des Einkäufers, in solchen Fällen am Geschmack, der Blattform und
anderen Anzeichen festzustellen, ob es sich um eine Manipulation
handelt, die nicht der eigentlichen Basmapflanze und ihrer Qualität
entspricht.
* * * * *
Die Tabakpflanze wird durchschnittlich 70 cm hoch und trägt an einem
geraden Schaft verschiedene Blätter in regelmäßigen Abständen,
die von unten anfangend nach oben gleichmäßig kleiner werden. Die
Erntezeit, die sich auf ca. zwei Monate erstreckt, beginnt mit dem
Einsammeln der untersten Blätter und hört in periodischen Abständen
mit dem Pflücken der obersten, ganz kleinen Blätter auf. Die Stellung
der einzelnen Blätter bedingt einen unterschiedlichen Wert derselben.
Die wertvollsten und gesuchtesten Blätter sind die zuletzt geernteten
ganz kleinen Blätter an der Krönung der Pflanze. Diese werden
vielfach Dubec-Blätter genannt. Der Fachmann unterscheidet danach
verschiedene Blätter verschiedener Stellungen zum Stamm der Pflanze
und infolgedessen verschiedene Erntezeiten. Die Namen wechseln jedoch
nach den verschiedenen Gegenden. Es ist verständlich, daß die Stellung
eines Blattes zum Stamm der Pflanze für den Geschmack der betreffenden
Blätter von großer Wichtigkeit ist. Die unteren, zuerst geernteten
größeren Blätter haben weniger Gehalt im Verhältnis zu ihrer Masse als
die ganz feinen Blätter an der Spitze, und dementsprechend werden sie
auf dem Markt bewertet.
* * * * *
Außer den Unterscheidungen der eigentlichen Pflanzen und weiterhin der
Stellung der Blätter zum Stamm der Pflanze kennt der Fachmann auch
noch weitere Einteilungen, die sich jedoch mehr auf die unmittelbare
Qualität des jeweiligen Materials in seiner äußeren Form beziehen. Für
diese reinen Qualitätsunterschiede nimmt man wiederum Bezeichnungen,
die teilweise von den vorhergehenden Unterscheidungen übernommen worden
sind und damit gleichzeitig in einen Zusammenhang mit den qualitativ
in erster Linie maßgebenden Unterschieden der Ernten selbst kommen.
Auch diese Bezeichnungen sind nach dem jeweils örtlichen Sprachgebrauch
unterschiedlich und wenig verallgemeinerungsfähig, so daß ihr Gebrauch
nur für den mit der Mannigfaltigkeit aller Sorten vertrauten Fachmann
von Wert ist.
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Außer den rein qualitativen Unterschieden im Bereich einer einzelnen
Pflanze sind natürlich die Unterschiede der Provenienzen selbst
maßgebend, und zwar nicht nur in qualitativer Hinsicht, sondern auch
für die geschmackliche Eigenart, die der Fabrikant für diese oder
jene Cigarette zu diesem oder jenem besondern Zweck erreichen will.
Die bevorzugten Tabakprovenienzen teilt man im großen und ganzen in
drei Hauptsorten ein. Zuerst die _Mazedonischen Tabake_ aus
den Gebieten der ehemaligen Europäischen Türkei, dann die heutigen
_Türkischen Tabake_ Kleinasiens mit den Schwarzmeertabaken
türkischer Gebiete und zuletzt die _Russischen Tabake_, die
hauptsächlich aus den russischen Schwarzmeer-Gegenden kommen.
Das älteste europäische Tabakland von Rang ist Mazedonien. Schon
seit Jahrhunderten nimmt der Tabak im dortigen Wirtschaftsleben den
Hauptplatz ein, wenn auch die frühere Produktion gegenüber der heutigen
sehr klein war. Der mazedonische Tabak war wegen seiner ausgezeichneten
Eigenschaften schon seit langer Zeit berühmt, und noch bevor das
Abendland sich in größerem Umfange dem Konsum der Cigarette zuwandte,
wurden die wertvollen Blätter dieses Gebietes im Palast des Sultans und
den Konaks der hohen Beamten und Würdenträger besonders hoch geachtet.
Hauptsächlich der Halbkreis, der sich über Yenidje, Xanthi und Drama
bis nach Cavalla erstreckt, war schon frühzeitig fast ausschließlich
der Tabakkultur gewidmet. Von diesen Bezirken erzeugte Yenidje weniger
Tabak als die anderen Distrikte, aber qualitativ war gerade dieser
Tabak der weitaus gesuchteste. Später wurde der Tabakbau auch auf die
Bezirke des heutigen Bulgarien und Altgriechenland ausgedehnt.
Zu den Hauptarten dieser Gebiete, die vor allen Dingen durch den
_Xanthi_ (Yenidje) und _Cavalla_ repräsentiert werden, treten die
türkischen Tabake hinzu, deren bedeutendste Vertreter die _Samsoun-_
und _Smyrna_-Tabake sind. Die vier wichtigsten Herkunftsgebiete der
russischen Tabake sind 1. der kaukasische Distrikt, 2. die Krim, 3. der
Sochoum-Distrikt und 4. die beiden bessarabischen Distrikte.
Als Nebensorten kommen dann noch altgriechische und bulgarische Tabake
in Betracht. Geringere und mittlere Sorten liefern das ehemalige
Herzegowina, geringe Sorten Ungarn und auch China, ferner die Inseln
Samos, Chios usw.
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_Xanthi_ und _Cavalla_ sind die klassischen Tabakgegenden.
Im Xanthi-Bezirk werden fast ausschließlich Basma-Tabake erzeugt.
Dieser Bezirk zerfällt wiederum in drei größere Gruppen, und zwar
die eigentliche Xanthi-Gegend, die Sarischaban und die Gumuldjina.
Sarischaban umfaßt die Ebene im Mündungsgebiet der Mesta und das
nächstliegende nördliche Bergland im Westen dieses Flusses. Zu
Gumuldjina gehören die Umgebung der gleichnamigen Stadt sowie das
nordwestliche Bergland. Den engeren Xanthi-Bezirk bilden die Gegenden
der Stadt Xanthi am Gebirgsrand der südlichen Ebene mit Yenidje und das
Bergland nördlich von Xanthi bis gegen die bulgarische Grenze hin.
Für die weitere Einteilung der drei Gruppen ist im Xanthi-Bezirk
in der Hauptsache die Bodenlage maßgebend. Man unterscheidet
im engeren Distrikt Xanthi die Yakka-, Ova- und Djebel-Dörfer,
ebenso die Karchi-Yakka, die Ova von Sarish und die Djebel von
Sarish. Bei der Gumuldjina-Gruppe hält man sich gleichzeitig an die
Landschaften und bezeichnet als Unterschiede Gumuldjina-Djebel-,
Gumuldjina-Schech-Djuma-, Gumuldjina-Djem-Dereh und die
Gumuldjina-Deri-Dereh-Dörfer. Man unterscheidet also ganz allgemein
in diesen Gebieten Yakka-Tabake, Ova-Tabake und Djebel-Tabake mit
ihren Unterarten. Unter Yakka-Tabaken versteht man Tabake auf einem
Anbaugebiet, das am unteren Berghang liegt. In dieser Lage wachsen
von den edlen Sorten des edlen Bezirkes die alleredelsten Tabake. Die
Ova-Tabake sind in den mittleren Höhenlagen, und die Djebel-Tabake sind
vorzugsweise Bergtabake, die sich durch eine gewisse Kleinheit, aber
infolgedessen große Würzigkeit und Süßigkeit auszeichnen.
Die Yakka-Tabake zerfallen wieder in die eigentlichen Yakka, die
Kütschück-Yakka und die Sova-Yakka. Einige der bekanntesten Dörfer
dieser Provenienzen sind: Okdjailar, Tschakirly, Fedjirly, Djeleber.
Die eigentlichen Ova sind die Xanthi-Ova, wozu auch noch diejenigen
Tabake gerechnet werden, die auf den Hügeln nahe der Westseite
der Bucht von Lagos wachsen. Die Hauptdörfer sind Kiretschiler,
Bujuk-Murselli, Kutschuk-Murselli, Saltykly, Emirler-Teké, Hametli,
Horozlon, Mussellin, Misraculy, Mizanly.
Die bekannteren Djebel-Provenienzen sind: Yenikeny, Koronlar, Arpadijk,
Mahmondlon, Koslondja.
Karchi-Yakka: Sarychabon, Indjeghiz, Agalar, Avably, Béglémich,
Seltehouklon, Tchobonly.
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Diese Angaben könnten noch sehr viel weiter geführt werden, doch wird
der Laie nicht viel damit anfangen können. Die angegebenen Namen haben
aber vielleicht einen Nachschlagewert, da diese oder jene Provenienz
doch hin und wieder auch in der Öffentlichkeit genannt wird.
Die weitgehende Unterscheidung kleiner und kleinster Distrikte, wie
sie gerade für das Xanthi-Gebiet durchgeführt ist, ist durchaus keine
Übertreibung. Infolge der Empfindlichkeit dieser hochwertigsten
Tabaksorten spielt die schon vorhergehend betonte Unterschiedlichkeit
bezüglich Bodenbeschaffenheit, Klima, Sonnenlage usw. die größte Rolle
für die Qualität der Tabake der einzelnen Dörfer.
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Neben Xanthi ist der Cavalla-Bezirk der bedeutendste. Er zerfällt
wieder in die wichtigen Unterdistrikte Cavalla, Drama und Seres.
Für die Basma-Sorten dieser Gegend sind die wichtigsten die der
Sichna-, Machalla-, Mahalladakia- und Kir-Dörfer, die zu beiden
Seiten der Stadt Drama liegen. Die Qualitäten dieser Gegend sind ganz
außerordentlich wertvoll, aber doch um ein geringes weicher, zarter
und daher weniger ergiebig als die schweren, gehaltvollen und überaus
ergiebigen Xanthi-Qualitäten.
Ungefähr in der Mitte zwischen dem Drama-, Seres- und Cavalla-Bezirk
liegen noch mehrere kleine Bezirke, unter denen Zichna mit dem
gleichnamigen Tabak als wertvoller Herkunftsort am bekanntesten ist.
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Neben den den Hauptwert des berühmten Tabaklandes bedingenden
Basma-Tabaken werden auch einige Tabake gewonnen, die als Baschibagli
verarbeitet in den Handel kommen. In der Cavalla-Region sind es die
Pravi-Tabake; in der Drama-Ebene werden die besten Baschibagli-Tabake
in den Dörfern Pursitschan (Persitschan) und Kirlikova gewonnen. Danach
kommen die Djebel-, Drama- und die sogenannten Nevrokop-Baschibagli
des gleichen Bezirkes, die jedoch hinter den erstgenannten an Güte
zurückstehen.
Eine Zwischenstellung nimmt der teils im Drama-Bezirk, teils im
Cavalla-Bezirk gewonnene Kabakoulak ein, der zwar als Baschibagli
verarbeitet wird, jedoch in Blattform und Größe zwischen einem
Baschibagli-(Persitschan-) und einem Basma-Blatt steht.
Von den um dieses klassische Gebiet des Orienttabaks herumliegenden
Anbaugebieten kommen noch die Nigrita-, die Salonik- und die
Chalchis-Region bis zum Golf von Saloniki in Betracht, dann weiter
nördlich die Doiran-, die Strumitza- und die Petrich-Region.
Nördlich von Seres liegen die Dimirhisar-, die Melnik- und die
Nevrokop-Regionen. Dazu kommen nordwestlich von Xanthi die Egridere-
sowie die Kirjali-Regionen. In diesen Bezirken werden in der Hauptsache
Baschibagli-Tabake erzeugt.
Unter den teilweise sehr guten Bulgaren-Tabaken ist der als Baschibagli
in den Verkehr kommende Dubnitza besonders zu nennen, Dubnitza ist
ein kleiner Platz südlich von Sofia. Südlich von Dubnitza wächst ein
ähnlicher Tabak in einem kleinen rings um den Ort Djumaja gelegenen
Bezirk.
* * * * *
Von den Tabaken der heutigen Türkei, deren Hauptgebiet Kleinasien
ist, ist der stärkste der Samsoun-Tabak. Er brennt ziemlich schwer
und gibt auch dunkle Asche, er hat aber die für die Mischungsprobleme
außerordentlich wichtige Eigenschaft, alle diejenigen Tabake, die nicht
besonders harmonisch zusammengepaßt werden können, zu verbinden. Er
ist im Rauchen glatt und besitzt die bereits oben erwähnte seltene
Eigenschaft, den Geschmacksausgleich in sich selbst finden zu können,
so daß er ohne Beimischung anderer Tabaksorten geraucht werden kann.
Der feinste Samsoun-Tabak wächst in dem Gebiet von Samsoun, das dieser
Provenienz den allgemeinen Namen gegeben hat, und zwar auf dem Berge
nördlich der Stadt gleichen Namens. Den wertvollsten bezeichnet man mit
Maden. Dieser Tabak ist mittelkräftig, dabei aber außerordentlich glatt
und von angenehmem Geschmack. Der in der Ebene wachsende Samsoun-Tabak
ist ebenfalls von großer Feinheit und sehr gutem Geschmack.
Südlich von diesem Gebiet wächst der Bafra-Tabak, welcher voll und
kräftig ist. Auch dieser Tabak ist von ausgezeichneter Qualität. Die
Farbe des Bafra-Tabaks ist mehr rötlichbraun, während der Samsoun-Tabak
mehr ins Gelbliche geht.
Längs des Schwarzen Meeres, bei Brussa beginnend, gedeiht ebenfalls
ein aus Bafra-Samen gezogener Tabak, der aber in der Qualität
minderwertiger ist. Die Sortierungen der Schwarzmeer-Tabake werden auch
vorzugsweise nach Blattgrößen gewonnen, und zwar heißen die kleinsten
Blätter Doruk, die etwas größeren Doruk-Alti und eine etwas andere
Blattart Bitjak. Dazu kommen noch als Untersortierungen die Baljabitjak
und die Gourmez hinzu.
Zu erwähnen ist noch der östlich von Samsoun gezogene Taschowa-Tabak,
ein gehaltloser, gelber und leichter Fülltabak.
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Der vornehmste und edelste kleinasiatische Tabak ist der Smyrna-Tabak.
Er ist meist hell, besonders in der besseren Qualität. Er ist sehr
weich und von sehr starkem Aroma. Der Smyrna-Tabak ist das typischste
Beispiel von Würztabaken. Sein Aroma und seine Schärfe läßt ihn für
sich allein gemischt für den menschlichen Genuß völlig ungeeignet
erscheinen. Aber er besitzt die Eigenschaft, in kleinen Mengen anderen
Tabaksorten beigemischt, ein wundervoll süßes Aroma hervortreten zu
lassen.
Der feinste Smyrna-Tabak wächst in den Bezirken Ayassoluk, Ghiourkoi
und Tshangli. Diese Tabake werden nicht als Basma manipuliert, sondern
als Caloups, d. h. die Blätter werden an Fäden aufgereiht, während die
in den Bezirken Ligda, Odemich wachsenden Tabake hauptsächlich als
Basma verarbeitet werden, was man hier Pastals nennt. Der Ligda-Bezirk
ist neben dem Ayassoluk und dem Ghiourkoi der beste Smyrna-Bezirk. Die
Bezirke im Innern Kleinasien, und zwar besonders Magnesia, bringen die
weniger wertvollen Smyrna-Tabake hervor.
Die Süße und der Duft des guten Smyrna-Tabaks und besonders der
als bevorzugt bezeichneten Bezirke ist unvergleichlich. Er ist
infolgedessen das hochwertigste Material für Cigaretten einer
entsprechenden Geschmacksabsicht. Die verschiedenen Qualitäten des
Smyrna-Tabaks, soweit es sich um Pastals d. h. Basma-Arbeit handelt,
werden in Dubec, Dubec Basma, Sirapastal und Teterta eingeteilt;
soweit sie in Caloups gearbeitet sind, teilt man sie in Caloup-Maxoul,
Caloups, Cabas (gereihte Blätter wie die Caloups, aber in geringerer
Qualität), Matzakia (geringere Sortierungen) und in Tonges oder Refusen
(lose Blätter). Die minderwertigste Sortierung nennt man Kirik, das
sind zersplitterte oder zerbrochene Refusen.
Die vorgenannten Tabake, vor allem die mazedonischen, Samsoun-
und Smyrna-Tabake werden in ihren oberen Qualitäten je nach der
Qualitätsanforderung der Cigarette in größeren oder kleineren Mengen
als ausschlaggebende Würztabake beigemischt. Die Mittelqualität dieser
Tabaksorten dient bei guten Cigaretten als Füllmaterial. Bei geringeren
Cigaretten werden als Füllmaterial in der Hauptsache bulgarische und
ähnliche Tabake verwendet.
* * * * *
Die russischen Tabake bilden eine ziemlich scharf abgetrennte Gruppe
für sich, da ihre Herbheit und Eigenart eine besondere Form der
Cigarette und eine besondere Art zu rauchen bedingt.
Bei fast allen russischen Distrikten werden qualitativ zwei Arten von
Tabaken unterschieden, nämlich Tabake, die aus Samsoun-Samen gezogen
werden, und solche, die aus Trapezunt-Samen herkommen. Von diesen
beiden Arten ist die erste ganz erheblich wertvoller als die zweite. So
unterscheidet man z. B. in dem kaukasischen Distrikt, dem sogenannten
Kuban-Distrikt, außer dem edelsten Gewächs dieses Gebietes, dem
Maikub-Tabak, noch je zwei Arten Sakuban-, Abin- und Martanska-Tabake.
Von diesen Sorten besitzt vor allem der Martanska-Tabak aus
Samsoun-Samen einen sehr guten Ruf. Er ist ziemlich neutral in seiner
Mischwirkung, hellfarbig und von gutem, edlem und vor allem reinem
Geschmack.
Die bekanntesten und verbreitetsten russischen Tabake kommen aus der
Krim. Es gibt dort einen sehr edlen als Basma verarbeiteten Dubec, der
zwar schwer brennt, aber als Würztabak seines starken Aromas wegen sehr
gesucht ist. Daneben gibt es auch Baschibagli-Arten. Der eigentliche
Krim-Tabak im engeren Sinne wird von Fachleuten Joujenberger genannt.
Den Sochoum-Distrikt teilt man in die Gebiete Batum, Sozji, Tuapse und
des eigentlichen Sochoum, von denen der letztere sehr beachtenswert
ist. Der aus Trapezunt-Samen gewonnene Sochoum ist leicht, hellfarbig
und gehaltlos, aber die andere Art aus Samsoun-Samen ist sehr
aromatisch, voll, sehr ergiebig und gegenüber dem erstgenannten von
mehr bräunlicher Farbe. Beide Arten sind durchaus rein im Geschmack
und nicht schmierig. Der Sochoum aus Samsoun-Samen ist der wertvollste
Tabak russischer Provenienz. Er ist dem originalen Samsoun-Tabak
ziemlich gleichwertig, und deshalb ist er in die Rangabstufung der
edelsten türkischen Provenienzen sehr wohl einreihbar.
Der bessarabische Distrikt ist bezüglich seiner Qualitäten ziemlich
monoton. Man unterscheidet eigentlich nur einen westlichen und einen
östlichen Teil und kann dabei behaupten, daß der Tabak desto besser
ist, je östlicher seine Herkunft innerhalb des Gebietes bezeichnet
wird. Für den europäischen Markt haben seine Erzeugnisse qualitativ nur
eine geringe Bedeutung.
* * * * *
Zu erwähnen sind noch die häufig zur Verarbeitung gelangenden
altgriechischen Tabake, insbesondere der Argos-Tabak, der
Missilonghi-Tabak, der Volo-Tabak und der Agrinion-Tabak; ferner
die auf den verschiedenen Inseln des Jonischen und Ägäischen Meeres
kultivierten Tabake.
Die altgriechischen Tabake sind mit Ausnahme des
Agrinion-Myrodata-Tabaks qualitativ mehr oder weniger minderwertig.
Sie brennen in der Hauptsache schwer und hinterlassen beim Rauchen
einen bitteren Nachgeschmack, der sich erhöht, wenn der Tabak nicht
unmittelbar nach der Verarbeitung zur Cigarette geraucht wird. Die
Farbe des griechischen Tabaks ist mit geringen Ausnahmen hellgelb.
In der Hauptsache finden diese Tabake jedoch nur für geringere
Cigarettensorten Verwendung. Wenn auch häufig diese Tabake für bessere
Cigaretten von nicht besonders fachkundigen Fabrikanten verarbeitet
werden, so muß doch gesagt werden, daß eine gute, in der Qualität
sich gleichbleibende Cigarette aus den altgriechischen Tabaken nicht
hergestellt werden kann. Der Myrodata-Tabak aus dem Agrinion-Bezirk
dagegen ist süß, brennt gut und ist als Beimischung zu mazedonischem
Tabak verwendbar. Die auf den Inseln gezogenen Tabake sind gleichfalls
in der Farbe größtenteils hellgelb und besitzen zumeist dieselben
Eigenschaften wie der altgriechische Tabak. Eine Ausnahme bildet der
auf der Insel Samos wachsende Tabak, der im Charakter dem Smyrna
ähnelt, ohne ihn allerdings auch nur im entferntesten an Wert zu
erreichen. Dieser Tabak wird vielfach als Smyrna-Tabak angeboten und
gekauft. Der nicht sehr fachkundige und in diesem Falle betrogene
Fabrikant stellt dann erst viel später fest, daß der Tabak ihn
enttäuscht hat.
* * * * *
Wenn man einem Orientalen eine Frage über die Abwertung der einzelnen
Provenienzen vorlegt, so kann man gewiß sein, daß er die Tabake
seiner engeren Heimat als die jeweils besten bezeichnet. Trotzdem die
Möglichkeiten der Schaffung guter Cigaretten mannigfaltig sind, wird
doch eine gewisse Übereinstimmung in dem Urteil festzustellen sein,
daß die edlen mazedonischen Tabake der Xanthi- und Cavalla-Bezirke und
die Smyrna-Tabake, wozu noch der Samsoun tritt, die edelsten Gewächse
sind, die zur Verarbeitung kommen können. Die drei genannten Hauptarten
charakterisieren gleichzeitig gewisse Geschmacksunterschiede der durch
sie erzeugten Cigaretten. Während die aus vorzugsweise mazedonischen
Tabaken hergestellten Cigaretten meist sehr voll, weich und blumig
wirken, zeigen die Cigaretten aus vorzugsweise Samsoun-Tabaken ein
gewisses herbes und charaktervolles Aroma. Die durch Smyrna-Tabake
charakterisierten Cigaretten dagegen zeichnen sich durch eine
außerordentliche Süßigkeit aus, zu der je nach den verwendeten
Fülltabakmischungen eine mehr oder weniger starke Völligkeit,
Weichheit oder auch Strenge der unmittelbaren Geschmackswirkung
hinzukommt.
Die Europäer sind gewohnt, noch von einer anderen charakteristischen
Cigarettensorte mit typischen Geschmackseigenschaften zu sprechen. Es
sind dies die ägyptischen Cigaretten. Die früher starke Einfuhr von
Cigaretten aus Ägypten hat die Meinung verbreiten lassen, daß dieses
Land ebenfalls zu den eigentlichen Tabakländern gerechnet werden
muß. In Wirklichkeit ist dies durchaus nicht der Fall. Auf Grund
eigentümlicher Zollverhältnisse, die sich aus der Zugehörigkeit des
Landes zur Türkei und innerhalb dieser Zugehörigkeit doch besonderen
Stellung durch die britische Oberhoheit ergaben, sahen sich eine ganze
Anzahl Unternehmer veranlaßt, in Ägypten Fabrikationsunternehmungen
zu gründen, um die dadurch gegebenen günstigen Zollbedingungen
auszunützen. Dadurch erhielt ein Land, das ursprünglich mit
Cigarettentabaken so gut wie gar nichts zu tun hatte, den Charakter
eines Tabaklandes. Heute ist der eigentliche Anlaß für eine ägyptische
Cigarettenindustrie nicht mehr gegeben. Es mag zwar einerseits einem
Bedürfnis der Tradition entsprechen, die Fabrikation dort aufrecht zu
erhalten, und andererseits ist die Fabrikation bis zu einem gewissen
Grade durch die besonders günstigen klimatischen Verhältnisse
begründet. Aber auch hierin vermag die technische Vervollkommnung
unserer Zeit eine Unabhängigkeit zu garantieren, so daß ein Rückgang
der ägyptischen Produktion vorausgesehen werden kann.
* * * * *
Aus der großen Anzahl der genannten Provenienzen, die sich in der
Praxis noch weit komplizierter verästeln, ergibt es sich, daß der
Einkauf von Tabaken ganz außerordentliche Fachkenntnisse voraussetzt,
und daß von diesem Einkauf besonders das Wohl und Wehe einer Fabrik
abhängt. Die Tabake werden im allgemeinen nach ihrer Manipulation in
Ballen durch einen weiteren Zwischenhandel auf die europäischen Märkte
gebracht. Die weitaus meisten europäischen Fabriken erwerben erst
an diesen Plätzen die Tabake, die sie zur weiteren Verarbeitung in
Cigaretten ihren Unternehmungen zuführen. Diejenigen Cigarettenfabriken
dagegen, die sich erhöhte Möglichkeiten der Qualifizierung ihrer
Erzeugnisse zu verschaffen suchen, müssen sich von dem europäischen
Markt unabhängig machen und versuchen, in den Ursprungsländern des
Tabaks selbst einzukaufen. Naturgemäß ist dies mit außerordentlichen
Schwierigkeiten verknüpft, denn der direkte Einkauf setzt nicht nur
einen großen technischen Apparat voraus, sondern zugleich Fachkräfte,
die den Europäern selten zur Verfügung stehen. Aber nur dann ist
es möglich, die vielen Zufälligkeiten unterschiedlicher Ernten zum
Erwerb besonders hochqualifizierter Tabake auszunutzen und dadurch die
Möglichkeit zu gewinnen, allererste Provenienzen bei relativ niedrigen
Preisen zu verarbeiten und diesem entsprechend hochwertige Cigaretten
relativ billig auf den Markt zu bringen.