XXI. Gebete in Krankheit.

Eine Kranke.

1. Ewiger, der du lauter Erbarmen und Wahrheit bist, gar vielfach sind

die Wege, auf denen du den Menschen zu dir ziehst, wenn wir nur wüßten,

uns ihrer mit Nutzen zu bedienen. Lange hast du in deiner Güte mir

gesunde Tage geschenkt; ach, vielleicht habe ich dir nicht genugsam

dafür gedankt; vielleicht habe ich die Kräfte meines Körpers nicht

gebraucht, wie ich sollte, und habe nicht geachtet der Seufzer und

Klagen der Leidenden, daß ich ihnen zur Hilfe eilte und ihre Not

linderte; vielleicht achtete ich die eitlen Güter zu hoch;--siehe, da

führst du mich jetzt andere Wege. Krankheit hat meinen Leib ergriffen

und in Schmerzen liege ich danieder auf meinem Lager und wälze mich hin

und her in der schlaflosen Nacht und finde am Tage keine Ruhe. Du, der

du nur das Gute willst, hast mich vielleicht von Krankheit heimsuchen

lassen, damit ich, der in den Zerstreuungen der Welt sich verlor, mein

eigenes Herz läutere und prüfe und auf des Schmerzes hartem Lager lernen

sollte, dich zu suchen. Siehe des Fiebers Glut, die mich verzehrt, soll

mich vielleicht an meine Lauheit und Kälte in deinem Dienste erinnern,

in dem Beruf, den ich erfüllen sollte, in der Anbetung deines Namens,

und der brennende Durst meiner Zunge an die Versäumnis, die ich mir zu

schulden kommen ließ, daß ich nicht täglich den Labetrunk aus der

reichen Quelle deines Wortes schöpfte. Der eiskalte Schauer, der mich

schüttelt, soll vielleicht die glühende Leidenschaft strafen, mit der

ich die Befriedigung meiner Fleischeslust suchte, und diese Schwäche und

Ohnmacht soll meine Härte gegen die Schwachen und Bedrängten strafen,

denen ich keine hilfreiche Hand reichte; mein Bedürfnis nach der Pflege

und den Beistand anderer soll meine Seele mit Scham über all mein

törichtes Selbstvertrauen und meinen eitlen Stolz erfüllen, mit denen

ich geringschätzend auf andere herabsah. O Herr, ich unterwerfe mich mit

Ergebung deinem Willen und bitte nur: Gehe nicht hart mit mir ins

Gericht, sondern laß mich deine Gnade erfahren. Habe ich mich

versündigt, und ich verdiene deine Züchtigung, o, so erbarme dich über

mich, wie ein Vater, der sein Kind züchtigt; flöße mir den Trost

ein, »daß der Herr mich wohl züchtigt, aber mich nicht dem Tode

überliefert.«[78] Mache du selbst, o mein Vater, mein Krankenlager zu

einer Schule der Weisheit für mich und laß durch die Leiden meines

Leibes meine Seele genesen. Herr, ich werfe mich in deine Arme, stärke

mich, lehre mich mein Inneres läutern und mich mit meinem ganzen Herzen

zu dir zu wenden; schenke sowohl mir Geduld in den Stunden der

Schmerzen, als auch denen, die mich freundlich pflegen;»vergib mir alle

meine Sünden, und laß mich deine Gnade wieder schauen, die so groß ist

über den Staubgeborenen,« und ein Wandel, der dir gefällt, soll Zeugnis

davon sein, daß die Krankheit mich auf den rechten Weg zurückgeführt

hat, wie er in den Tagen der Gesundheit von denen betreten werden soll,

die »dich suchen und lieben.« Amen!

[Fußnote 78: Ps. 118, 18.]

Besonders in bedenklicher Krankheit.

2. Alliebender, ewiger Vater, du, »der alle Sünden vergibt und alle

Krankheiten heilt,«[79] auf mein Krankenlager niedergestreckt, sende ich

meine Gebete hinauf zu dir, o, sende mir Linderung und stehe mir bei in

der Stunde der Gefahr! Du, »der kein Wohlgefallen an dem Tod des Sünders

findet, sondern darin, daß er auf seinem Wege umkehre und lebe«, o, laß

es dein Wille sein, mir die Gaben der Gesundheit wieder zu geben, daß

ich noch in dem Lande der Lebenden wirken möge. Ach, ich bitte dich

nicht wegen meiner, nein, vielmehr um derer willen, die so innig an mir

hängen, und deren Herzen bluten würden, wenn du mich abriefest. (Ich

bitte dich um meines geliebten Gatten willen, um meiner unmündigen

Kinder willen, ich bitte dich um meiner alten Eltern willen, um der

heiligen Pflichten willen, die ich zu vollführen habe, errette mich!)

Ich weiß, daß die Menschen nichts vermögen, und daß alle irdische Kunst

und Wissenschaft nichts nützt, wenn du nicht, o himmlischer Arzt, die

Genesung von oben sendest. Ach, so laß es dir denn gefallen, mich zu

retten; o, sei mir gnädig und heile meine Seele; denn ich habe wider

dich gesündigt![80] Sollen meine Leiden noch lange währen, so sei du mir

nahe mit deinem Geiste, laß ihn am Tage über mich schweben und mir

Stärkung und Kühlung zufächeln und laß ihn in der Nacht um mich sein,

daß fromme Gedanken mir die Stunden der Dunkelheit verkürzen, und die

Schmerzen durch die Gewißheit, daß sie die Mittel meiner Seelenrettung

seien, gelindert werden. Aber sollte es der Wille deiner

unerforschlichen Weisheit sein, mich abzurufen, o, so erfülle meine

Seele mit Gedanken der Ewigkeit und stärke mich in meinem letzten Kampf

durch die Gewißheit des Trostes, daß du mein Leben an dem Grabe erlösen

und mich mit Gnade und Barmherzigkeit[81] krönen willst, daß du, der du

alles versorgst, was da lebt, in deiner Fürsorge dich der Meinen

annehmen und sie in den Schutz deiner Fittige nehmen mögest. Herr tue

mit mir nach deinem Willen!»Heile mich und ich bin geheilt, hilf mir und

mir ist geholfen, denn du bist mein Hort.«[82] Du wirst mich erlösen,

Herr, du treuer Gott.

Amen!

[Fußnote 79: Ps. 103, 3.]

[Fußnote 80: Ps. 41, 5.]

[Fußnote 81: Ps. 103, 4.]

[Fußnote 82: Jer. 17, 14.]

Bei derselben Veranlassung in Bibelversen.

3. Aus der Tiefe ruf ich zu dir, o Herr, neige dein Ohr meinem Rufe, du

Ewiger, höre meine Klage und mein Flehen. Schwer ruht deine Hand auf

mir, und meine Schmerzen suchen mich heim alle Zeit; von Angst und

Seufzer wird mein Fleisch verzehrt. Am Tage verschmachte ich, und viele

leidenvolle Nächte fallen in mein Los; o Allerbarmer, sieh meinen Jammer

und mein Elend. Wie Mutterlose, niedergeschlagen und verlassen, stehen

meine Kinder um mein Lager, und ich sehe Tränen die Wangen meines Gatten

netzen, wie sehr er es auch vor mir verbirgt. Ach Herr, warum so lange?

Am Tage rufe ich zu dir, aber ich bekomme keine Antwort und in der Nacht

höre ich nicht auf zu flehen. Wie ein Sklave, der nach Schatten seufzt

und wie ein Taglöhner, der sich nach der Ruhe des Abends sehnt, habe ich

Monate (Wochen) in Kampf und Schmerzen zugebracht. O Herr, lindre meine

Not und mein Leiden! Sollte keine Heilkraft in Gilead sein, du ewiger

Arzt, daß ich errettet würde? Ja, gewiß, wer auf dich hofft, ist nicht

verlassen! Du wirst in deiner Güte mich stützen und alle meine Krankheit

heben. Du hast mich ja so oft große Bedrängnis, Angst und Not schauen

lassen und mich doch aufs neue belebt und mich aus dem Abgrund der Erde

emporgezogen. Ja, ich sagte in meiner Qual: Ich bin vor deinen Augen

verstoßen; aber du hörtest meine verborgene Stimme, da ich zu dir rief,

und du tröstetest mich wieder. Und wenn auch noch mehr Weinen uns

bevorsteht, so werden ich und die Meinen am Ende doch deine Hilfe

erfahren, und »die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.« Ja, du

wirst mich von aller Sorge befreien, unter den Frommen hienieden oder

bei den Verklärten dort; ja, ich soll deine Taten verkünden!

Amen!

Vor einer gefährlichen Operation.

4. Mein Gott, meine Stärke und meine Hoffnung!»Du, in dessen Hand die

Seelen aller Lebenden und der Geist ist, der das Fleisch eines jeden

Menschen belebt, « du hast mir heute eine Stunde gesandt, voller

Schmerzen und Gefahr, in der versucht werden soll, mir meine Gesundheit

zurück zu gewinnen, (in der ich ein Glied meines Körpers verlieren soll,

um wo möglich mir dadurch das Leben zu erhalten), o, sei mir denn mit

deiner Liebe in diesen Augenblicken nahe. Stärke meinen Mut und lehre

mich den schwersten Schmerz in dem Gedanken ertragen, daß du es bist,

der »sowohl Wunden schlägt als auch sie verbindet,« daß deine Weisheit es

also beschlossen hat und es deshalb zu meinem Heile dienen soll. Ach,

daß du mich deines Beistandes und Trostes in diesem Kampfe würdig

hieltest! Vergib mir, o, vergib mir alle meine Sünden, (hier lese man

das Sündenbekenntsis, Oschamnu), laß meine Seele zu dieser Stunde sich

mit aller Welt versöhnen und laß mich alle Bitterkeit aus meinem Herzen

tilgen! Laß mich erfahren, daß»nur eine kleine Stunde über deinen Zorn

verrinnt, aber das Leben deine Lust ist. Du verläßt den Menschen nur

eine kurze Weile, aber du nimmst dich seiner mit großem Erbarmen wieder

an.« Rufe mir ins Gedächtnis, wie viele sich den schwersten Martern

unterworfen, um deinen Namen zu heiligen, und durch ihren festen Glauben

sich die Herrschaft über den Schmerz errungen haben, wie viele Mut und

Standhaftigkeit in den herbsten Leiden zeigten und unter deinem Segen

für ihre fromme Standhaftigkeit durch eine freundliche Zukunft belohnt

worden sind. Laß die Liebe und das Vertrauen zu dir, Allgütiger und

Allbarmherziger, mich keinen Augenblick verlassen; laß deine Rechte mich

halten. Nun wohlan denn! in deinem Namen!»In deine Hände befehle ich

meinen Geist« mit meinem irdischen Leibe. Gott ist mit mir, ich fürchte

mich nicht! Schéma Jisroel Adônai Elôhenu Adônai Echod!--Höre Israel,

der Herr unser Gott ist ein einziger Gott! Gelobt sei er in alle

Ewigkeit!

Amen!

Fürbitte für einen Kranken.

5. Herr! du selber hast gesagt:»Rufe mich an in der Not, so will ich

dich erretten, und du sollst mich preisen.« O, laß denn das Gebet meines

bekümmerten Herzens zu dir aufsteigen. Bei dir sollte ich wohl Stärke

finden unter der schweren Krankheit, die meinen lieben... (hier wird

der Name des Kranken genannt) an das Lager fesselt. Wohl weiß ich, daß

deine Wege nicht unsere Wege und daß die Ratschlüsse deiner Weisheit

unerforschlich sind und verborgen unserer Kurzsichtigkeit, und daß auch

diese Schmerzen, unter denen der Teure leidet, von dir gesandt sind;

aber ich weiß auch, daß du gnädig auf die herniederblickst, die in ihrer

Angst zu dir rufen, und daß die Tränen, die meinen Augen entströmen, dir

nicht mißfallen.--Du, der du selbst uns hast verkünden lassen, daß du

unser Arzt sein willst, wenn wir auf deinen Wegen wandeln, o, vergib dem

Kranken alle seine Übertretungen, tilge das Andenken seiner Sünden und

laß es dein Willen sein, daß mein....... wieder rasch geheilt werden und

noch lange leben möge zur Verherrlichung deines Namens. Lindre sein

(ihr) Leiden und laß ihn (sie) Erquickung und Ruhe finden. Erhöre die

Gebete, die er (sie) zu dir sendet und schenke mir ihn (sie) wieder, daß

ich dir danken möge, mein Helfer und Gott.

Amen!

Gebete für Israeliten · 第 37 / 46 题