6.»Erhöre, o Gott, mein heißes Gebet, und schweige nicht zu meinen
Tränen,«[84] siehe den Kummer meiner Seele und mein angsterfülltes Herz!
Denn ach, die Güter meines Lebens sind in steter Gefahr, mein Vater
(meine Mutter) liegt auf dem Krankenbette!--O Herr, welche Wehmut erfaßt
mich, da ich ihn (sie) leiden sehe, wie graut mir vor dem Gedanken ihn
(sie) zu verlieren.»Strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich
nicht in deinem Groll,«[85] sondern vergib mir alle meine Sünden und
sende mir Hilfe von deinem Himmel. O Herr nimm meinen Vater (meine
Mutter) nicht von mir. Vergib mir alles, worin ich mich gegen ihn (sie)
vergangen habe, und laß ihn (sie) noch den Tag erleben, wo ich ihm (ihr)
meine ganze kindliche Liebe und Hingebung beweisen kann. O Herr, errette
ihn (sie) um deines heiligen Namens willen, »du, mein Gott, der ein Gott
der Errettung ist, der Herr, der Ewige, der vom Tode errettet,«[86] und
erfülle so für mich (und meine Geschwister) deine Zusage, daß dein Name
nicht von uns weichen und der Bund deines Friedens dem Geschlechte der
Frommen erhalten werden soll.
Amen!
[Fußnote 83: Dieses Gebet kann auch von einer Gattin für den Gatten bei
dessen Krankheit gebetet werden, wenn die Worte darnach verändert
werden.]
[Fußnote 84: Ps. 39, 13.]
[Fußnote 85: Ps. 6, 3.]
[Fußnote 86: Ps. 68, 21.]
Dankgebet nach einer überstandenen Krankheit.
7.»Wie soll ich dir danken, o Herr, für alle deine Wohltaten,«[87] daß
du nicht nach meinen Sünden mit mir verfahren und mir nicht nach meinen
Missetaten vergolten, sondern dich über mich erbarmt hast, wie ein Vater
sich über seine Kinder erbarmt? Wie soll ich dir danken, daß du meine
Stütze in all meiner Schwäche warst!»Siehe, ich kam der Pforte des Todes
nahe; da rief ich zu dir, und du sandtest mir dein Wort und heiltest
mich.«[88] O, laß den geringen Dank meines Herzens für jede Linderung,
für jede Tröstung und Erquickung als ein Rauchopfer zu dir
emporsteigen.»Ja, Du gabst mich dem Leben zurück, und alle Tage meines
Lebens will ich dir dafür danken, indem ich demütig deine Wege wandle
und stetig mir vergegenwärtigen will, daß du es gewesen, der mich aus
dieser Gefahr und Seelenangst errettet hast.« Verleihe mir deinen
Beistand zur Erfüllung meiner Gelübde, daß ich mein Leben deinem Dienste
weihe (und der Erziehung meiner Kinder in deiner Furcht) und deinen
Namen und deine Güte vor meinem Geschlechte preise. Laß mich stets mit
einem dankbaren Sinn mich aller Hilfe, Teilnahme und Tröstungen
erinnern, welche treue Verwandte und Freunde mir auf meinem Krankenlager
zuteil werden ließen, und alle Freundlichkeit und Sorgfalt und Geduld,
die selbst bezahlte Diener mir bewiesen. Jetzt habe ich vollkommen das
Weh der Krankheit kennen gelernt; jetzt verstehe ich den Schmerz der
Armen, welche auf dem Siechbette seufzen; ach wollest du, o Gott, mir
deinen Geist und deine Kraft mir dazu verleihen, sie zu pflegen, ihren
sinkenden Mut aufrecht zu halten und ihre Hoffnung durch dein Wort zu
beleben! O, Allbarmherziger, laß meine Krankheit meinen Geist geläutert
und mich von den Sünden gereinigt haben, daß ich auch ferner deines
väterlichen Schutzes würdig sein möge! Behüte du meine Wege, und niemals
wird meine Seele aufhören, dir Lob und Dank und Preis zu bringen.
Amen!
[Fußnote 87: Ps. 103, 31.]
[Fußnote 88: Ps. 107, 17-22.]