II. Gebete für jeden Tag der Woche.

Am Sonntage.

Morgengebet.

6. Eine neue Woche hast du, o gnadenvoller Vater, für mich erscheinen

lassen, und eine neue Zeit schenkst du mir wieder, um für mein Wohl zu

leben und zu wirken. O, so beseele mich denn mit Ernst und Freudigkeit,

auf daß ich das Werk vollführe, das du mir angewiesen. Laß mich die neue

Woche damit beginnen, daß ich die heiligen Vorsätze ausführe, die ich

gestern gefaßt habe, laß es mir trotz meiner Schwäche gelingen, durch

meine Fürsorge und Arbeit das Wohl meiner Brüder zu fördern und zum

Wohle der menschlichen Gesellschaft mitzuwirken. Verleihe mir vor allem

deinen Beistand, daß ich denen ein gutes Beispiel gebe, in deren Mitte

ich wirke; stärke mich, daß ich auf reinen Wandel achte, jedes meiner

Worte wohl bedenke und auf jede meiner Handlungen wohl aufmerksam sei,

und in der Freude wie im Schmerze mich als ein gottesfürchtiges und

gottergebenes Kind zeige, das stets deinen Willen zu erfüllen sucht.

Stehe mir zur Seite bei den Mühen und Arbeiten dieser Woche, daß die

Mühsal des Tages mir zum Segen werde, und die Freuden, die du mir

bereitest, mich unaufhörlich erinnern an den Dank, den ich dir schulde.

Stärke mich, daß ich die Widerwärtigkeiten und Unannehmlichkeiten

duldend ertrage und selbst denen mich liebevoll erweise, die mich in

dieser Woche zu betrüben suchen. Lehre mich deine Weisheit anbeten und

deine Güte auch in der schmerzlichen Stunde preisen, die dein Wille mir

auferlegen sollte, und jede glückliche, freudenreiche Stunde im

Irdischen erinnere mich an die Ewigkeit, der ich entgegengehe. Herr!»laß

mit jedem Morgen mich deine Gnade erfahren; denn auf dich hoffe ich; tue

mir den Weg kund, den ich zu wandern habe, denn es sehnt sich mein Herz

nach dir!«[9]

Amen.

[Fußnote 9: Ps. 143, 8.]

Betrachtung über 1. Buch Mosis 1, 3-4.

7. Allmächtiger, allweiser Schöpfer! Am ersten Schöpfungstage nähert

sich meine Seele dir und danket dir, daß du die Finsternis hast

schwinden lassen und wiederum, wie einst, da du über die leblose Natur

das: »Werde Licht!« riefst, mich von deinem Licht umstrahlt sein läßt,

das allem um mich her Kraft spendet und Reiz verleiht. Ach Herr, mein

Gott! du, der du so unendlich bist, der du dich hüllest in Licht wie in

ein Gewand (Ps. 104), zerstreue du die Finsternis, die noch über so

viele ausgebreitet ist, auf daß das Licht der Liebe die Herzen aller

Lebenden erleuchte und erwärme! Hilf du mir, daß ich den Weg des Lichtes

wandre, daß kein trüber Zweifel meine Seele umschleiere, keine

Versuchung mich auf die dunkle Bahn des Lasters führe. Laß deine Gnade

und Huld mir und den Meinigen zu teil werden, auf daß wir unser

tägliches Brot finden und es in Freuden genießen. Erleuchte mich mit

deinem Lichte und deiner Wahrheit, daß sie mich leiten, dich zu suchen,

dir zu dienen mit allem, was ich in dieser Woche vornehme, daß keiner

meiner Gedanken und keine meiner Taten das Licht des Tages zu scheuen

nötig habe. Verschone mich und die Meinigen von großen Sorgen, die den

Sinn beschweren, ihn niederdrücken und irre leiten. Und so zuweilen die

Aussichten trübe sind, und Angst mein Herz beschleicht, dann laß mich

eingedenk sein, daß du gnädig und barmherzig bist, und daß den Frommen

ein Licht in der Finsternis aufstrahlt (Ps. 112); laß mich eingedenk

sein, daß wir hienieden nicht das volle Licht schauen können, daß es

aber in der Ewigkeit herrlich für diejenigen strahlen wird, die dich in

Wahrheit anbeten. So nimm mich denn in deinen Schutz, und möge all mein

Streben in dieser Woche dazu beitragen, daß ich einst würdig werde,

dieses Licht zu schauen,--»sei mir gnädig, segne mich und laß das Licht

deines Antlitzes mir leuchten!«[10]

Amen!

Abendgebet.

8. Wiederum habe ich einen Tag verlebt, an welchem du mir so viele

Beweise deiner väterlichen Fürsorge und deiner rettenden Gnade gegeben,

daß ich tief fühle, was ich dir schulde, und es tief erkenne, wie wenig

ich so viel Güte verdient habe. O! mein Gott, gehe nicht ins Gericht mit

mir; denn vor dir ist kein Lebender gerecht, sondern vergib in deiner

Langmut und Barmherzigkeit meine Sünden, meine Vergehen und Irrtümer,

die ich mir im Laufe des Tages habe zu schulden kommen lassen. Erhöre

meine Seufzer, die ich in Demut emporsende, auf daß ich getrost mich zur

Ruhe legen, und nun zur Zeit, wo aller menschliche Beistand schlummert,

auf deinen Schutz vertrauen kann. O du, vor dem die Nacht hell ist wie

der Tag, sei du mein Beschützer in jeglicher Gefahr, das Licht meiner

Seele in der schaurigen Finsternis, bewahre mich vor den Schrecknissen

der Nacht, halte jegliche Krankheit von meinem Lager fern, und laß

deinen Geist mich beseelen, auch wenn ich schlummere, auf daß ich neue

Kraft gewinne, um die Kämpfe des Lebens zu bestehen, und gestärkt werde,

deinen Willen zu erfüllen. Erbarme dich der Menschenkinder und laß bald

die Nacht vor deinem himmlischen Lichte weichen, das Friede und Liebe

auf der ganzen Erde verbreitet; halte deine Hand über die, die unter dem

Dache meines Hauses schlafen, daß niemand sündige, niemand strauchle!

Dir empfehle ich alle meine Lieben, nahe und ferne, laß mich in Frieden

schlafen und wohl und gesund wieder erwachen, um dich zu loben und zu

preisen, daß du warst die Hilfe meines Antlitzes, mein Schild, mein

Gott.

Amen!

[Fußnote 10: Ps. 67, 2.]

Am Montag.

Morgengebet.

9. So bin ich denn wieder erwacht, ich rege mich und lebe in dir, du

Lebensspender, allgütiger Gott! Ach, mit welch drückenden Gedanken begab

ich mich zur Ruhe! Kaum hoffte und erwartete ich, von den mannigfachen

Sorgen befreit zu werden, die auf meinem Herzen lasteten und meine Seele

so unruhig machten; aber du bereitetest mir einen erquickenden Schlaf,

und mit den Schatten der Nacht, die vor dem Lichte des Morgens weichen,

war alles, was mich drückte, verschwunden. Nun fühle ich mich wie neu

geschaffen und schaue mit Vertrauen auf zu deiner unendlichen Güte, die

über mich wachet. Unschlüssig war ich und fürchtete den kommenden Tag;

aber siehe, es ist als ob du im Laufe der Nacht Entschlossenheit meiner

Seele eingegeben hättest, daß ich mit neuer Lust und freudigem Mute

heute wieder an mein Werk gehe. O, möchte doch mein Vertrauen auf dich

nie wanken, o, möchte es mich doch auch heute zu meinem Werke begleiten,

daß ich, was mir auch heute begegne, doch stets eingedenk bleibe und mit

ergebenem Sinne erkenne, daß du der Herr bist, und daß du tuest, was gut

in deinen Augen ist! Verleihe mir aber auch die Kraft, in meinem Streben

und Wirken würdig zu bleiben, das Auge zu dir erheben zu dürfen, daß ich

stets auf deine väterliche Hilfe und auf deinen Schutz vertraue, daß

kein falsches Vertrauen sich in mein Herz schleiche, und daß ich nicht

durch unermüdliches Jagen nach den vergänglichen Dingen, durch

Eigennutz, Genußsucht oder Eitelkeit das Glück und den Segen verscherze,

den du allen denen verheißen, die ihre Hoffnung auf dich setzen. So

stärke mich denn, daß ich arbeite, ohne zu ermüden, daß ich mit

dankbarem Sinn jede Freude genieße, die du mir schenktest, und ich zum

Segen wirke! Laß mich nie Ärgernis und Anstoß verursachen, sondern in

der Zeit als einen leben, der die Ewigkeit vor Augen hat! O, du ewiger

Gott, sei mir gnädig, segne und bewahre mich! Ja, ich will nicht

verzagen; denn meine Hilfe kommt von dir, der du geschaffen Himmel und

Erde.

Gebete für Israeliten · 第 12 / 46 题