Jason

(hinter der Szene).

Wo ist sie? Gebt sie mir heraus! Medea

(mit dem bloßen Schwerte in der Hand auftretend)

Man sagt mir, sie ward eingeholt! Wo ist sie?

Du hier? Und wo ist deine Herrin?

Gora.

Fort!

Jason.

Hat sie die Kinder?

Gora.

Nein!

Jason.

So sind sie?--

Gora.

Tot!

Ja tot! du heuchelnder Verräter!--Tot!

Sie wollte sie vor deinem Anschaun retten,

Und da dir nichts zu heilig auf der Erde

Hat sie hinabgeflüchtet sie ins Grab.

Steh nur und starre nur den Boden an!

Du rufst es nicht herauf das liebe Paar.

Sie sind dahin und dessen freu ich mich!

Nein dessen nicht!--Doch daß du drob verzweifelst

Des freu ich mich!--Du heuchelnder Verräter,

Hast du sie nicht dahin gebracht? Und du,

Du falscher König, mit der Gleisnermiene?--

Habt ihr es nicht umstellt mit Jägernetzen

Des schändlichen Verrats, das edle Wild,

Bis ohne Ausweg, in Verzweiflungswut

Es, überspringend euer Garn, die Krone,

Des hohen Hauptes königlichen Schmuck

Mißbraucht zum Werkzeug ungewohnten Mords.

Ringt nur die Hände, ringt sie ob euch selbst!

(Zum König.)

Dein Kind, was sucht' es einer andern Bett?

(Zu Jason.)

Was stahlst du sie, hast du sie nicht geliebt?

Und liebtest du sie, was verstößt du sie?

Laßt andre, (mich) laßt ihre Tat verdammen

Euch beiden widerfuhr nur euer Recht.

Ihr spottet nun nicht mehr der Kolcherin.--

Ich mag nicht länger leben auf der Erde

Zwei Kinder tot, das dritte hassenswert.

Führt mich nur fort und, wollt ihr, tötet mich.

Auf etwas (Jenseits) hoff ich nun gewiß,

Hab ich gesehn doch, daß Vergeltung ist.

(Sie geht ab von einigen begleitet.)

(Pause.)

König.

Tat ich ihr Unrecht--bei den hohen Göttern

Ich hab es nicht gewollt!--Nun hin zu jenen Trümmern,

Daß wir die Reste suchen meines Kindes

Und sie bestatten in der Erde Schoß.

(Zu Jason.)

Du aber geh, wohin dein Fuß dich trägt.

Befleckter Nähe, merk ich, ist gefährlich.

Hätt' ich dich nie gesehn, dich nie genommen

Mit Freundestreue in mein gastlich Haus.

Du hast die Tochter mir genommen! Geh

Daß du nicht auch der Klage Trost mir nimmst!

Jason.

Du stößt mich fort?

König.

Ich weise dich von mir.

Jason.

Was soll ich tun?

König.

Das wird ein Gott dir sagen!

Jason.

Wer leitet meinen Tritt? Wer unterstützt mich?

Mein Haupt ist wund, verletzt von Brandes Fall!

Wie, alles schweigt? Kein Führer, kein Geleitet?

Folgt niemand mir, dem einst so viele folgten?

Geht, Schatten meiner Kinder denn voran

Und leitet mich zum Grab, das meiner harrt.

(Er geht.)

König.

Nun auf, ans Werk! Dann Trauer ewiglich!

(Nach der andern Seite ab.)

(Wilde, einsame Gegend von Wald und Felsen umschlossen, mit einer

Hütte. Der Landmann auftretend.)

Landmann.

Wie schön der Morgen aufsteigt. Güt'ge Götter!

Nach all den Stürmen dieser finstern Nacht

Hebt eure Sonne sich in neuer Schönheit.

(Er geht in die Hütte.)

(Jason kommt wankend, auf sein Schwert gestützt.)

Jason.

Ich kann nicht weiter! Weh! Mein Haupt--es brennt--

Es glüht das Blut--am Gaumen klebt die Zunge!

Ist niemand da? Soll ich allein verschmachten?

Hier ist die Hütte, die mir Obdach bot

Als ich, ein reicher Mann, ein reicher Vater

Hierherkam, neuerwachter Hoffnung voll!

(Anpochend.)

Nur einen Trunk! Nur einen Ort zum Sterben!

(Der Landmann kommt heraus.)

Landmann.

Wer pocht?--Wer bist du Armer? todesmatt?

Jason.

Nur Wasser! Einen Trunk!--Ich bin der Jason!

Des Wunder-Vlieses Held! Ein Fürst! Ein König!

Der Argonauten Führer Jason, ich!

Landmann.

Bist du der Jason? so heb dich von hinnen.

Beflecke nicht mein Haus, da du's betrittst.

Hast meines Königs Tochter du getötet

Nicht fordre Schutz vor seines Volkes Tür.

(Er geht hinein, die Türe schließend.)

Jason.

Er geht und läßt mich liegen hier am Weg!

Im Staub, getreten von des Wandrers Füßen!

Dich ruf ich: Tod, führ mich zu meinen Kindern!

(Er sinkt nieder.)

(Medea tritt hinter einem Felsenstück hervor und steht mit einemmal

vor ihm, das Vlies wie einen Mantel um ihre Schultern tragend.)

Medea.

Jason!

Medea · 第 20 / 21 题