(Vorhof von Kreons Burg wie im vorigen Aufzuge. Die Wohnung des
Königs im Hintergrunde ausgebrannt und noch rauchend. Mannigfach
beschäftigtes Volk füllt den Schauplatz. Morgendämmerung.)
(Der König schleppt Gora aus dem Palaste. Mehrere Dienerinnen
Kreusas hinter ihm her.)
König.
Heraus mit dir! Du warst's, die meiner Tochter
Das Blutgeschenk gebracht, das sie verdarb!
O Tochter! O Kreusa, du mein Kind!
(Gegen die Dienerinnen.)
Die war's?
Gora.
Ich war's. Unbewußt
Trug ich den Tod in dein Haus.
König.
Unbewußt?
O glaube nicht, der Strafe zu entgehn!
Gora.
Meinst du, mich schrecket deine Strafe?
Ich hab gesehn mit diesen meinen Augen
Die Kinder liegen tot in ihrem Blut,
Erwürgt von der, die sie gebar,
Von der, die ich erzog, Medea,
Seitdem dünkt Scherz mir jeder andre Greu'l!
König.
Kreusa! Oh, mein Kind! Du Reine! Treue!--
Erbebte dir die Hand nicht, Ungeheuer?
Als du den Tod hintrugst in ihre Nähe.
Gora.
Um deine Tochter klag ich nicht. Ihr ward ihr Recht!
Was griff sie nach des Unglücks letzter Habe?
Ich klag um meine Kinder, meine Lieben,
Die ich gesehn, von Mutterhänden tot.
Ich wollt', ihr läget allesamt im Grab
Mit dem Verräter, der sich Jason nennt,
Ich aber wär' in Kolchis mit der Tochter
Und ihren Kindern; hätt' euch nie gesehn,
Nie eure Stadt, die Unheil trifft mit Recht.
König.
Du legst den Trotz wohl ab, wenn ich dich treffe!
Allein ist's auch gewiß, daß tot mein Kind?
So viele sagen's; keine hat's gesehn!
Kann man dem Feuer nicht entrinnen?
Wächst Flamme denn so schnell? Nur langsam,
Nur zögernd kriecht sie an den Sparren fort.
Wer weiß das nicht? Und dennoch wär' sie tot?
Stand erst so blühend, lebend vor mir da,
Und wär' nun tot? Ich kann's, ich darf's nicht glauben!
Die Augen wend ich unwillkürlich hin
Und immer glaub ich, jetzt und jetzt und jetzt
Muß sie sich zeigen, weiß in ihrer Schönheit
Herniedergleitend durch die schwarzen Trümmer.
Wer war dabei? Wer sah es?--Du?--So sprich!
Dreh nicht die Augen so im Kopf herum!
Mit Worten töte mich!--Ist sie dahin?
Magd.
Dahin!
König.
Du sahst's?
Magd.
Ich sah's. Sah wie die Flamme,
Hervor sich wälzend aus dem Goldgefäß,
Nach ihr--
König.
Genug!--Sie sah's!--Sie ist nicht mehr!
Kreusa! O mein Kind! O meine Tochter!--
Einst--noch als Kind--verbrannte sie die Hand
Am Opferherd und qualvoll schrie sie auf.
Hin stürz ich, fasse sie in meinen Arm
Die heißen Finger mit den Lippen hauchend.
Da lächelt sie, trotz ihren bittern Tränen
Und leise schluchzend spricht sie: 's ist nicht viel
Was tut der Schmerz? Nur brennen, (brennen) nicht!
Und nun--
(Zu Gora.)
Wenn ich das Schwert hier zwanzigmal
Dir stoß in deinen Leib--was ist's dagegen?
Und wenn ich sie, die Gräßliche!--Wo ist sie,
Die mir mein Kind geraubt?
ich schüttle dir
Die Antwort mit der Seel' aus deinem Mund
Wenn du mir nicht gestehst: wo ist sie hin?
Gora.
Ich weiß es nicht und mag es auch nicht wissen!
Geh' unbegleitet sie in ihr Verderben.
Was weilt ihr? Tötet mich! Ich mag nicht leben!
König.
Das findet sich; doch eher noch gestehst du!