»Du, Alte!« schrie der Möstl in der Abachleuten seinem Weibe zu, als
er von der Heuarbeit heimkam, »das wird nicht gehen mit der Frieda,
's ist schad', aber fortschicken mußt sie. Das Umziehen mit einem
verheirateten Menschen können wir ja nicht leiden. Hab' sie just wieder
auseinander gejagt allzwei.«
»Geh!« entgegnete das Weib, »bist doch nicht g'scheit! Schon wieder
dagewesen ist er?«
»Soll ganz Kirchbrunn im Stich gelassen haben, sitzt jetzt da draußen
im Zeilinger Hammer als Kohlenvermesser.«
»Das ist sauber,« sagte sie, »da hätten wir ihn alle Tag in der Hütten.
Recht hart ist mir um die Magd, aber wenn sie's so macht, soll sie
gehen, lieber heut' als morgen.«
»Ein Plangen haben die zwei zu einander, rein als ob's ihnen wär'
angetan worden. Der Vorknecht Schopper soll ganz toll sein drüber, ich
glaub's. Wenn nur da kein unliebsamer Handel herauskommt. Alte, der
Schopper, wer ihn kennt, das ist ein gefährlicher Mensch!«
Noch sprachen sie so, als ein Holzknecht aus dem Siebenbachwald
hereinstolperte. »Abrasten muß ich,« sagte er als Gruß und setzte sich
gleich auf die Bank. »Bist eh daheim, Möstl, ist mir recht. Habt es
schon gehört? das groß' Unglück im Siebenbachwald? Gestern auf dem
Abend. Beim Abrutschen. Von der neuen Riefen in die Karwasserschlucht
gestürzt!«
»Mutter Anna!« rief der Möstl aus. »Wer denn?«
»Er -- der Schopper und ein fremdes Frauenzimmer!«
»Was sagst?«
»Die Adlerwirtin von Kirchbrunn soll's gewesen sein.«
»Was sagst?« schrie der Möstl und lachte auf.
»Na ich danke, wer bei so was lachen kann!« sagte der Holzknecht.
»Ist nicht schlecht gemeint,« redete das Möstlweib drein. »Der lacht
alleweil, hat's Weinen und's Lachen in einem Sackel beisammen.«
»Der Schopper und die Adlerwirtin!« murmelte der Möstl und faltete die
Hände. »Aber Herr, himmlischer Vater, ist das dein Ernst?« Er lachte
wieder.
»Wir können es uns auch gar nicht denken, wie es geschehen ist,«
berichtete der Bote. »Es kann was dahinterstecken. Wird schon
aufkommen. Schauderlich, wer's gesehen hat! Von ihr ist kein Knocherl
ganz verblieben. Bei ihm fehlt nur der Kopf.«
»Aber mein Gott!« rief das Möstlweib, »wie soll sich denn ein
Christenmensch so was zusammenreimen!«
»Ist nicht eine Magd Frieda bei Euch da?« fragte der Holzknecht. »An
die hab' ich ein Tüchel abzugeben. Ich weiß nicht, mir hat's der
Schopper zugesteckt, gerade vor dem Unglück. Wir kennen uns nicht aus.
Ein Knoten ist im Tüchel und ein Papierl ist drinnen, aber wir können
keiner lesen. Weil ich's versprochen hab', daß ich der Magd Frieda die
Sach' übergeben will.«
Alsbald wurde die Magd von der Wiese heraufgerufen.
»Du Frieda,« redete der Möstl sie an, »der da, der hat was für dich.«
Mit Hast löste sie den Knoten, mit zitternden Fingern entwirrte sie das
Papier, es war ein abgerissenes, graues Streifchen, und darauf standen
mit grobem Bleistift ungefüg geschrieben die folgenden Worte:
»Liebe Friederika!
Bin überflüssig, mach mich davon. Nehm auch eine andere mit, die Euch
im Weg möchte stehen. Mehr kann ich nicht tun für Dich. Sei glücklich
mit ihm.