Der Kajak und die Kajakgeräte.
Bei oberflächlicher Betrachtung einzelner Kleinigkeiten im äußeren
Benehmen des Eskimo kommt man leicht zu der falschen Annahme, er stehe
auf einer niedrigen Kulturstufe. Giebt man sich aber die Mühe, ihn
genauer zu studieren, so wird man ihn bald in anderem Lichte sehen.
Es sind heutzutage viele Menschen so von der Größe unserer Zeit
erfüllt, daß sie meinen, die täglich von uns gemachten Fortschritte und
Erfindungen stellten die begabte weiße Rasse hoch über alle anderen.
Diesen Vielen wäre es dienlich, sich einmal die Entwicklung des
Eskimovolkes gründlich klarzumachen und sich die Geräte und Erfindungen
anzusehen, die es gemacht, um sich inmitten einer nur äußerst
beschränkte Mittel bietenden Natur seinen Lebensunterhalt zu schaffen.
Denkt Euch ein Volk auf einer so unwirtlichen, öden Küste wie der
grönländischen ausgesetzt -- ohne Verbindung mit der übrigen Welt,
ohne Metalle, ohne Verteidigungswaffen, ja ohne andere Hilfsmittel,
als die, welche es an Ort und Stelle findet. Es sind das Steine, ein
wenig Treibholz und dann noch Felle und Knochen. Doch um die Felle
und Knochen zu bekommen, müssen die Tiere, denen sie gehören, erst
erlegt werden. Wären wir an Stelle der Eskimos und unterstützte uns
nicht unser Mutterland, so gingen wir zu Grunde. Der Eskimo hingegen
schlägt sich nicht nur durch, er findet sogar sein Glück, und seine
Zufriedenheit, und die Verbindung mit der übrigen Welt ist ihm bisher
nur zum Schaden gewesen.
[Illustration:Im Kampf mit den Wellen.]
Um dem Leser ein Bild zu geben, auf welche Summe von Erfahrungen
sich die Kultur dieses Volkes gründet, will ich versuchen, ihre
wahrscheinliche Entstehung zu erklären.
Wir wollen also, in Uebereinstimmung mit Dr. Rinks Ansicht,
voraussetzen, daß die Vorfahren der Eskimos einst im Innern von Alaska
lebten. Außer der Jagd auf dem Lande haben diese Eskimos auch in
Kanoes von Birkenrinde auf den Flüssen und Seen Fischfang getrieben,
wie es die Alaska-Eskimos und die Indianer des Nordwestens noch heute
thun. Später wurde jedoch ein Teil dieser Inlandseskimos entweder vom
Fischreichtum des Meeres angelockt oder von feindlichen kriegerischen
Indianerstämmen verdrängt und zog in Kanoes die Flüsse hinab nach
der West- oder der Nordküste. Je mehr sie sich dem Meere näherten,
um so spärlicher wurden die Waldbäume. Sie mußten auf andere Mittel
als Birkenrinde sinnen, um ihre Kanoes zu beziehen. Da ist es nicht
unwahrscheinlich, daß sie es schon auf den Flüssen mit den Fellen
von gefangenen Seetieren versuchten, umsomehr, als man hiervon noch
heute bei einzelnen Indianerstämmen Beispiele findet. Doch erst als
der Eskimo in der Flußmündung Seegang kennen lernte, kam er darauf,
seinem Boote ein Deck zu geben, es dann oben ganz zu schließen und
zuletzt noch seine eigenen Felljacken so damit zu verbinden, daß das
Ganze wasserdicht wurde. Damit war der Kajak fertig. Doch welchen
Fortschritt in ihrer Zeit bedeuten diese Erfindungen, die uns,
nun wir sie vollendet sehen, so natürlich und leicht erscheinen!
Wieviel Arbeit müssen sie gekostet haben und wie mancher Versuch
mag mißglückt sein! An der Meeresküste angelangt, merkten die alten
Eskimos, daß ihre Existenz wesentlich vom Seehundsfange abhängen werde.
Sie verwandten folglich ihren ganzen Verstand und ihre ganze Kraft
darauf, und der Kajak führte zur Erfindung der vielen eigenartigen,
bewunderungswürdigen Fanggeräte, die noch immer mehr vervollkommnet
wurden. Ein schlagender Beweis für die Behauptung, daß viele von uns
Menschen doch im Grunde kluge Tierchen sind.
Mit Bogen und Pfeilen zu schießen, wie sie es auf dem Lande getan, ging
bei der unbequemen sitzenden Stellung im Kajak natürlich nicht an, sie
mußten sich also Schleuderwaffen schaffen.
Die Idee dazu erhielten sie wieder aus Amerika. Sie nahmen zuerst den
indianischen Pfeil mit der Steuerfeder, wie sie ihn früher selber zur
Landjagd benutzt hatten. Solcher kleinen Harpunen oder Wurfpfeile
bedienen sich die Eskimos auf der Südwestküste von Alaska noch heute.
Doch im Norden, längs der Küste, verschwinden die Vogelfedern, und
eine kleine, am Pfeilschaft befestigte Blase tritt an ihre Stelle. Man
fand, daß solche Mittel notwendig waren, um dem getroffenen Seehund
beim Untertauchen und Fortschwimmen Hindernisse in den Weg zu legen.
Ferner hielt man es für nötig, die Pfeilspitze so einzurichten, daß
sie bei den heftigen Bewegungen des Tieres, um sie abzuschütteln,
nicht abbrechen konnte, sondern sich vom Pfeilschafte loslöste (bei
+c+ der Figur auf Seite 29) und an dem in der Mitte des Schaftes
(+b'+) befestigten Riemen (+c--b+) hängen blieb, wodurch der
Schaft in eine Querlage geriet und dem Tiere beim Schwimmen hinderlich
wurde, wenn es mit ihm durchging. Auf diese Weise ist der sogenannte
~Blaerepil~ (Blasenpfeil) entstanden, den wir bei allen an der
Meeresküste wohnenden Eskimostämmen finden.
Die Blase wird aus einer Möven- oder Scharbenkehle gemacht, die
aufgeblasen und getrocknet wird. Am Pfeilschaft ist sie mit einem
Knochenstück befestigt, in das ein Loch gebohrt ist, damit man sie
aufblasen kann; das Loch wird mit einem Holzpflöckchen verschlossen.
Aus diesem Blasenpfeile hat sich möglicherweise die wichtigste
Jagdwaffe der Eskimos, die sinnreiche Harpune mit Leine und Fangblase,
entwickelt. Um größere Seetiere fangen zu können, hat man dem Pfeile
allmählich eine immer größere Blase gegeben. Dabei aber sah man bald
ein, daß sich durch den von der Größe der Blase hervorgerufenen
stärkeren Luftwiderstand die Treffweite und die Kraft des Wurfes
verminderte. Man machte sie also vom Pfeile los und verband sie
nur mit seiner Spitze mittelst eines langen, starken Riemens, der
Harpunenleine. Die Harpune, die größer und schwerer gemacht wurde, als
der ursprüngliche Blasenpfeil, wurde von nun an allein geschleudert,
schleppte aber die Leine mit. Die am anderen Ende der Leine befestigte
Blase blieb auf dem Kajakdeck liegen und wurde erst dann ins Wasser
geworfen, wenn das Tier getroffen war.
[Illustration: Blasenpfeil.]
Nach dem Kajak ist die Harpune mit ihrer ganzen sinnreichen
Konstruktion das vorzüglichste Erzeugnis des Eskimogeistes.[7]
Ihr Schaft wird in Grönland aus rotem Treibholz, einer Art sibirischer
Föhre, verfertigt, das schwerer ist, als das weiße Treibholz, aus dem
man kleinere und leichtere Schleuderwaffen macht. Vorn ist der Schaft
mit einer dicken, starken Knochenplatte versehen, an der oben ein
gewöhnlich aus Walroßzahn geschnitzter, langer Knochenzapfen sitzt,
den ein Riemengelenk so mit dem Schafte verbindet, daß der Zapfen bei
starkem Druck oder Stoß von der Seite aus dem Gelenke geht, anstatt
abzubrechen. Dieser Zapfen paßt genau in ein Loch in der eigentlichen
Harpunenspitze, die ebenfalls aus Knochen gemacht wird -- am liebsten
aus Walroß- oder Narwalzahn -- und die nunmehr stets mit einer Spitze
oder vielmehr einem scharfen Blatte von Eisen versehen ist. Die
Harpunenspitze hängt durch ein Loch mit der Fangleine zusammen und ist
mit ~Agnorern~ oder Widerhaken versehen, der sie dort, wo sie
einmal eindringt, festsitzen läßt. Ueberdies ist sie so eingerichtet,
daß sie im Fleisch in eine Querlage gerät, sobald der Seehund sie
abzuschütteln versucht. An dem Schaft wird sie so befestigt, daß man
sie auf den obenerwähnten Zapfen steckt. Darauf wird die Leine mit
einem in entsprechendem Abstand angebrachten, ebenfalls mit einem
Loche versehenen Knochenstückchen an einem Knochenhaken (+a+) am
Harpunenschafte derart angehakt, daß Schaft und Spitze fest zusammen
halten.
Wenn nun die Harpune trifft und der Seehund sich überschlägt, geht
der Zapfen sofort aus dem Gelenk (siehe +a+ beim nebenstehenden
Bild), und die Harpunenspitze mit der Fangleine löst sich vom Schaft,
der auf dem Wasser treibt, bis ihn sein Eigentümer wieder auffischt,
während der Seehund mit der Spitze im Leibe und der Harpunenleine mit
der Blase im Schlepptau weiterschwimmt. Ich glaube, ein jeder muß
einräumen, daß sich eine sinnreichere Erfindung aus Treibholz, Knochen
und Seehundsfell kaum denken läßt, und man wird überzeugt sein können,
daß sie die Arbeit vieler Generationen kostete.
[Illustration: Harpune.]
In Grönland giebt es zwei Arten dieser Harpune. Die eine heißt
~Unâk~, ist am Unterende oben nur mit einem beinernen Knopf
versehen und ist länger und schlanker als die zweite. Diese heißt
~Ermangnak~ und läuft unten in zwei Knochenschienen oder Flügel
aus, die jetzt meistens aus Walfischrippen gemacht werden. Sie dienen
dazu, die Harpune schwerer zu machen und sie durch die Luft zu
steuern. Eine solche ist auf Seite 30 abgebildet.[8] In Godthaab wurde
gewöhnlich die Ermangnak gebraucht, doch ich hörte alte Seehundsfänger
vielfach darüber klagen, daß sie sich bei Wind schwerer werfen lassen
als die Unâk, weil der Wind, sobald er von der Seite kommt, zu sehr in
die Knochenschienen greifen und dadurch die Wurfrichtung verändern
kann.
Die Fangleine wird aus Haut gemacht, die entweder die große Robbe
(blauer Seehund = +Phoca barbata+) oder ein junges Walroß
liefert. Sie ist gewöhnlich 14-16 +m+ lang und einen guten halben
Centimeter (etwa 7 +mm+) breit.
Zur Fangblase wird die Haut eines jungen Ringseehundes (+Phoca
foetida+) genommen. Sie wird abgebälgt, enthaart, am Kopfe, den
vorderen und den hinteren Gliedern luftdicht zugebunden und getrocknet.
[Illustration: Vorderende der Harpune.]
Zur Aufwicklung der Fangleine gilt der Kajakstuhl, der vor dem Ruderer
auf dem Deck angebracht ist. Auf ihm liegt die Leine, gut vor dem
beständig über das Deck spülenden Seewasser geschützt, und bereit zum
ungehinderten Ablaufen, wenn die Harpune geschleudert wird.
Zum Töten des harpunierten Seehundes wird eine Lanze (+~Anguvigak~+)
gebraucht. Sie besteht aus einem Holzschaft, der, um möglichst weit
fliegen zu können, gewöhnlich aus weißem Treibholze hergestellt ist
und vorne eine lange, in ein eisernes Blatt auslaufende Knochenspitze
hat. Zu dem Blatte nahm man früher Stein statt Eisen. Die Knochenspitze
besteht meistens aus Renntierhorn, oft aber auch aus Narwalzahn oder
anderen Knochenarten. Damit der Seehund sie nicht abbrechen kann, ist
sie am Schaft mit einem Gelenke, das dem Knochenzapfen der Harpune
gleicht, befestigt.
[Illustration: Lanze.]
Außerdem benützen sie auch den Vogelpfeil (+~Nufit~+). Dieser hat
gleichfalls einen Schaft von weißem Treibholz. Vorne ist eine lange,
schmale Spitze, jetzt von Eisen, früher aus Knochen. Daneben stehen
noch mitten auf dem Schafte drei schrägliegende, nach vorne gerichtete
Renntierhornspitzen mit großem Widerhaken. Sie rechnen nämlich darauf,
daß, falls die vordere Pfeilspitze den Vogel nicht treffen sollte,
der Schaft an diesem entlanggleite und dabei eine der Seitenspitzen
den Vogel spieße und durchbohre, was auch die gewöhnlichste Art ist,
den Vogel zu treffen. Ebenfalls eine Erfindung, die unsereinen zum
berühmten Manne machen würde.
[Illustration: Im Kampf mit den Wellen.]
Alle diese Schleuderwaffen lassen sich, wie angedeutet, vom Federpfeil
der Indianer ableiten. Doch um seine Waffen weiter und mit größerer
Wucht schleudern zu können, hat der Eskimo eine Erfindung gemacht,
durch die er sich von allen seinen Nachbarn, den asiatischen wie
den amerikanischen Stämmen unterscheidet. Diese Erfindung ist das
Wurfholz. Dieses vorzügliche Instrument, das die Länge und die Kraft
des Armes in hohem Grade vergrößert, indem es wie eine Schleuder
wirkt, ist merkwürdigerweise nur an wenigen Stellen der Erde bekannt.
Wahrscheinlich nur an dreien. Erstens, in sehr primitiver Form,
bei den Australnegern, zweitens im Lande der Coni und Puru am oberen
Amazonenstrome, und drittens bei allen Eskimostämmen[9], die es zu
seiner höchsten Entwicklung gebracht haben. Die Annahme, daß das
Vorkommen des Wurfholzes an so verschiedenen Stellen auf gemeinsamen
Ursprung hinweise, ist wohl kaum zulässig, und somit können wir das
der Eskimos als eine eigene, von ihnen selbst gemachte Erfindung
ansehen. In Grönland wird das Wurfholz gewöhnlich aus rotem Treibholz
gemacht. Es ist etwa einen halben Meter lang (vierzehn in meinem
Besitz befindliche Wurfhölzer haben eine Länge von 42-52 +cm+),
am unteren, breitesten Ende 7 bis 8 +cm+ breit und ungefähr
1½ +cm+ dick. Seitlich sind am unteren breiten Ende Kerben
zum Anfassen, an der einen Seite für den Daumen, gegenüber für den
Zeigefinger.[10] Auf der oberen flachen Seite ist längs des ganzen
Holzes eine Rinne für den Pfeil oder die Harpune. Es giebt zwei
Wurfholzarten. Die eine dient hauptsächlich zum Abschnellen des
Blasenpfeils und des Vogelpfeils. Sie hat oben am Schmalende einen
Zapfen, der genau in eine Vertiefung des am Hinterende des Pfeils
angebrachten Knochenknopfes paßt (vergleiche die beiden folgenden
Illustrationen.) Mit der zweiten Art schleudert man die Harpune und
die Lanze; sie hat im oberen Schmalende ein Loch, in das ein schräg
nach hinten gerichteter Zapfen an der Seite des Harpunen- oder
Lanzenschaftes hineinpaßt, und dazu noch ein Loch weiter unten im
Griffe, in das ein zweiter, gradeherausstehender Zapfen faßt. (Siehe
Illustration auf Seite 36.) Wurfhölzer dieser Art werden weiter
nördlich, z. B. in Sukkertoppen, auch zum Schleudern des Vogelpfeils
gebraucht.
[Illustration: Wurf mit Vogelpfeil (+a+).]
Im südlichsten Grönland und auf der Ostküste finden wir aber noch
ein Wurfholz, das zum Schleudern der Ernangnak oder Flügelharpune
dient. Diese Form hat am oberen schmalen Ende einen Zapfen wie das
Vogelpfeilwurfholz, und der Zapfen paßt in eine Vertiefung zwischen
den Knochenflügeln der Harpune, dagegen sind am unteren Ende des
Wurfholzes, dicht am Griffe, ein oder zwei Löcher, in welche die
oben beschriebenen Knochenzapfen an der Seite des Harpunenschaftes
hineingreifen.
Soll die Harpune oder der Pfeil mit dem Wurfholz -- gleichviel welcher
Art -- geschleudert werden, so faßt man den Griff des Wurfholzes und
führt es mit der Waffe zusammen in horizontaler Armhaltung wurfbereit
rückwärts (siehe Illustration +a+). Indem man es dann aber kräftig
wieder nach vorne schnellt, löst sich das untere Ende des Wurfholzes
von der Harpune oder dem Pfeile los, während man mit dem oberen Ende,
das noch an seinem Zapfen oder Knopfe festhält (siehe Illustration b
und die folgende), die Waffe auf bedeutende Entfernung hin mit großer
Treffsicherheit fortschleudert. Eine außerordentlich einfache und
wirkungsvolle Erfindung.
[Illustration: Wurf mit Vogelpfeil (+b+).]
Außer den genannten Waffen hat der Eskimo, wenn er auf den Fang
ausgeht, hinten auf seinem Kajak noch ein Messer liegen, dessen Schaft
1 Meter 30 Centim. und dessen spitze Klinge 20 Centimeter lang ist.
Mit ihm wird dem Seehunde oder dem erbeuteten Seetier der Gnadenstoß
gegeben. Vorn auf dem Kajak liegt ein kleineres Messer. Es dient zum
Einstechen von Löchern in die Haut des Seehundes, um die Knochenstücke
der Bugsierleine hindurchzuziehen, die der Eskimo stets mitnimmt, und
mit der der zu bugsierende Seehund an der Seite des Kajaks festgemacht
wird. Zu diesem Zwecke nimmt er auch eine oder mehrere Bugsierblasen
mit, die sich aufblasen lassen und die den Seehund über Wasser halten.
[Illustration: Wurf mit Harpune.]
Um die Beschreibung vollständig zu machen, sei auch noch das
Knochenmesser angeführt, das, besonders im Winter, zur Kajakausrüstung
gehört und hauptsächlich zum Abkratzen des Eises von den Kajakwänden
gebraucht wird.
Nach der beigefügten Zeichnung wird man sich einen Begriff davon
machen können, wie alle Waffen auf dem Kajak angebracht sind, wenn der
Eskimo auf den Fang geht (+a+ Kajakloch, +b+ Fangblase, +c+ Kajakstuhl
mit aufgewickelter Harpunenleine [+e+], +d+ Harpune, an ihrem Platze
hängend, +f+ Lanze, +g+ Kajakmesser, +h+ Blasenpfeil, +i+ Vogelpfeil
und +k+ das Wurfholz des letzteren).
Doch das Wichtigste fehlt noch: die Beschreibung des Kajaks selbst.
Innen hat der Kajak ein Holzgerippe. Dieses Gerippe, von dem man sich
hoffentlich nach der beigefügten Zeichnung eine Vorstellung machen
kann, wurde früher stets aus Treibholz gemacht, und zwar am liebsten
aus weißem, dem leichtesten. Zu den Rippen nahm man auch wohl Zweige
von Weidengebüsch, das an den inneren Fjorden wächst. Heutzutage
kauft man in den Kolonien an der Westküste oft europäische Tannen-
oder Fichtenbretter aus dem Kolonieladen zum Kajakbau, obwohl man das
Treibholz, hauptsächlich seines leichten Gewichtes halber, noch immer
für viel geeigneter hält.
[Illustration: Kajak von oben gesehen.]
[Illustration: Kajakgerippe.]
Dieses Holzgerippe wird außen mit Leder überzogen, vorzugsweise mit
der Haut des Grönlandsseehundes (+phoca groenlandica+) oder dem
Fell der Klappmütze (+Cystophora cristata+). Letzteres ist nicht
so dauerhaft und wasserdicht. Bekommt man aber das Fell einer jungen
Klappmütze, deren Haut noch nicht so große Poren hat, so gilt auch
das für gut. Erlauben es die Vermögensverhältnisse, so nimmt man die
Haut des blauen Seehundes (+phoca barbata+), die für die beste
und stärkste gilt. Da aus ihr aber auch die Harpunenleinen gemacht
werden, ist sie eigentlich nur auf der Süd- und Ostküste in genügender
Menge vorhanden, um allgemein zum Kajakbeziehen genommen werden zu
können. Seltener Verwendung findet das Fell des großen Ringseehundes
(Fleckenseehund) [+Phoca foetida+].
Die Behandlung der Kajakfelle wird später (im achten Kapitel)
besprochen werden. Am liebsten bezieht man den Kajak gleich, solange
die Häute noch frisch sind. Hat man sie schon trocknen lassen, so
müssen sie ein paar Tage sorgfältig eingeweicht werden, ehe das
Beziehen vor sich gehen kann. Sie müssen so naß und dehnbar wie möglich
sein, damit sie sich richtig strammziehen lassen und getrocknet so
straff wie ein gespanntes Trommelfell sitzen. Gerben, Kajakbeziehen und
Nähen der Häute ist Frauenarbeit. Sie ist nicht leicht, und wehe, wenn
der Bezug schlecht oder nicht straff genug sitzt! Das halten sie für
eine große Schande.
Soll ein Kajak bezogen werden, so kommen alle oder wenigstens sehr
viele Frauen des Ortes zusammen, um dabei zu helfen. Dies gilt ihnen
für ein großes Vergnügen, weil sie zum Lohn für ihre Arbeit vom
Kajakbesitzer gewöhnlich mit Kaffee traktiert werden. Die Bewirtung
variiert je nach den Vermögensverhältnissen zwischen 25 Oere und einer
Krone und drüber.
In der Mitte des Kajakdeckes ist ein Loch, nur gerade so groß, daß
ein Mann seine Beine hineinstecken und sich setzen kann. Seine
Hüften füllen die Oeffnung beinahe vollständig aus. Es bedarf daher
einer gewissen Uebung, um einigermaßen gewandt in den Kajak hinein-
und wieder aus ihm herauszukriechen. Oben umschließt das Loch der
Kajakring, ein gebogener Holzreifen. Er erhebt sich 3 bis 3½
+cm+ über das Deck des Kajaks, und über ihn wird der Wasserpelz,
auf den ich später zurückkomme, gezogen. An den Sitz werden über die
Rippen des Kajakbodens ein oder mehrere Stücke alter Kajakhäute und ein
Stück Bärenfell oder ein anderes weichhaariges Fell gelegt, um einen
einigermaßen bequemen und weichen Sitzplatz herzustellen.
Gewöhnlich baut jeder Fänger seinen Kajak selbst und nimmt dabei
so genau Maß am eigenen Körper, als wollte er sich einen Anzug
schneidern. Ein Kajak für einen Grönländer von Durchschnittsgröße ist
in der Gegend von Godthaab etwa 5½ +m+ lang. Die Breite des
Deckes beträgt vor dem Kajakring, wo sie am größten ist, ungefähr 45
+cm+ oder etwas mehr, am Boden aber ist er bedeutend geringer. Sie
richtet sich natürlich nach der Hüftenbreite des Kajakmannes und wird
gewöhnlich genau so bemessen, daß er gerade darin Platz hat. Uebrigens
muß ich noch bemerken, daß an der Godthaabsbucht, z. B. in Sardlok und
Kornok, die Kajake länger und schmaler waren, als die Boote draußen
an der offenen Meeresküste, wie in Kangek. Wahrscheinlich, weil der
stärkere Seegang da draußen festere und leichter zu regierende Kajake
verlangt und ein kurzer, breiter auch besser schaukelt und weniger
Spülwasser nimmt.
[Illustration: Querschnitt des Kajaks.