Kapitel +III.+

Der Kajak und die Kajakgeräte.

Bei oberflächlicher Betrachtung einzelner Kleinigkeiten im äußeren

Benehmen des Eskimo kommt man leicht zu der falschen Annahme, er stehe

auf einer niedrigen Kulturstufe. Giebt man sich aber die Mühe, ihn

genauer zu studieren, so wird man ihn bald in anderem Lichte sehen.

Es sind heutzutage viele Menschen so von der Größe unserer Zeit

erfüllt, daß sie meinen, die täglich von uns gemachten Fortschritte und

Erfindungen stellten die begabte weiße Rasse hoch über alle anderen.

Diesen Vielen wäre es dienlich, sich einmal die Entwicklung des

Eskimovolkes gründlich klarzumachen und sich die Geräte und Erfindungen

anzusehen, die es gemacht, um sich inmitten einer nur äußerst

beschränkte Mittel bietenden Natur seinen Lebensunterhalt zu schaffen.

Denkt Euch ein Volk auf einer so unwirtlichen, öden Küste wie der

grönländischen ausgesetzt -- ohne Verbindung mit der übrigen Welt,

ohne Metalle, ohne Verteidigungswaffen, ja ohne andere Hilfsmittel,

als die, welche es an Ort und Stelle findet. Es sind das Steine, ein

wenig Treibholz und dann noch Felle und Knochen. Doch um die Felle

und Knochen zu bekommen, müssen die Tiere, denen sie gehören, erst

erlegt werden. Wären wir an Stelle der Eskimos und unterstützte uns

nicht unser Mutterland, so gingen wir zu Grunde. Der Eskimo hingegen

schlägt sich nicht nur durch, er findet sogar sein Glück, und seine

Zufriedenheit, und die Verbindung mit der übrigen Welt ist ihm bisher

nur zum Schaden gewesen.

[Illustration:Im Kampf mit den Wellen.]

Um dem Leser ein Bild zu geben, auf welche Summe von Erfahrungen

sich die Kultur dieses Volkes gründet, will ich versuchen, ihre

wahrscheinliche Entstehung zu erklären.

Wir wollen also, in Uebereinstimmung mit Dr. Rinks Ansicht,

voraussetzen, daß die Vorfahren der Eskimos einst im Innern von Alaska

lebten. Außer der Jagd auf dem Lande haben diese Eskimos auch in

Kanoes von Birkenrinde auf den Flüssen und Seen Fischfang getrieben,

wie es die Alaska-Eskimos und die Indianer des Nordwestens noch heute

thun. Später wurde jedoch ein Teil dieser Inlandseskimos entweder vom

Fischreichtum des Meeres angelockt oder von feindlichen kriegerischen

Indianerstämmen verdrängt und zog in Kanoes die Flüsse hinab nach

der West- oder der Nordküste. Je mehr sie sich dem Meere näherten,

um so spärlicher wurden die Waldbäume. Sie mußten auf andere Mittel

als Birkenrinde sinnen, um ihre Kanoes zu beziehen. Da ist es nicht

unwahrscheinlich, daß sie es schon auf den Flüssen mit den Fellen

von gefangenen Seetieren versuchten, umsomehr, als man hiervon noch

heute bei einzelnen Indianerstämmen Beispiele findet. Doch erst als

der Eskimo in der Flußmündung Seegang kennen lernte, kam er darauf,

seinem Boote ein Deck zu geben, es dann oben ganz zu schließen und

zuletzt noch seine eigenen Felljacken so damit zu verbinden, daß das

Ganze wasserdicht wurde. Damit war der Kajak fertig. Doch welchen

Fortschritt in ihrer Zeit bedeuten diese Erfindungen, die uns,

nun wir sie vollendet sehen, so natürlich und leicht erscheinen!

Wieviel Arbeit müssen sie gekostet haben und wie mancher Versuch

mag mißglückt sein! An der Meeresküste angelangt, merkten die alten

Eskimos, daß ihre Existenz wesentlich vom Seehundsfange abhängen werde.

Sie verwandten folglich ihren ganzen Verstand und ihre ganze Kraft

darauf, und der Kajak führte zur Erfindung der vielen eigenartigen,

bewunderungswürdigen Fanggeräte, die noch immer mehr vervollkommnet

wurden. Ein schlagender Beweis für die Behauptung, daß viele von uns

Menschen doch im Grunde kluge Tierchen sind.

Mit Bogen und Pfeilen zu schießen, wie sie es auf dem Lande getan, ging

bei der unbequemen sitzenden Stellung im Kajak natürlich nicht an, sie

mußten sich also Schleuderwaffen schaffen.

Die Idee dazu erhielten sie wieder aus Amerika. Sie nahmen zuerst den

indianischen Pfeil mit der Steuerfeder, wie sie ihn früher selber zur

Landjagd benutzt hatten. Solcher kleinen Harpunen oder Wurfpfeile

bedienen sich die Eskimos auf der Südwestküste von Alaska noch heute.

Doch im Norden, längs der Küste, verschwinden die Vogelfedern, und

eine kleine, am Pfeilschaft befestigte Blase tritt an ihre Stelle. Man

fand, daß solche Mittel notwendig waren, um dem getroffenen Seehund

beim Untertauchen und Fortschwimmen Hindernisse in den Weg zu legen.

Ferner hielt man es für nötig, die Pfeilspitze so einzurichten, daß

sie bei den heftigen Bewegungen des Tieres, um sie abzuschütteln,

nicht abbrechen konnte, sondern sich vom Pfeilschafte loslöste (bei

+c+ der Figur auf Seite 29) und an dem in der Mitte des Schaftes

(+b'+) befestigten Riemen (+c--b+) hängen blieb, wodurch der

Schaft in eine Querlage geriet und dem Tiere beim Schwimmen hinderlich

wurde, wenn es mit ihm durchging. Auf diese Weise ist der sogenannte

~Blaerepil~ (Blasenpfeil) entstanden, den wir bei allen an der

Meeresküste wohnenden Eskimostämmen finden.

Die Blase wird aus einer Möven- oder Scharbenkehle gemacht, die

aufgeblasen und getrocknet wird. Am Pfeilschaft ist sie mit einem

Knochenstück befestigt, in das ein Loch gebohrt ist, damit man sie

aufblasen kann; das Loch wird mit einem Holzpflöckchen verschlossen.

Aus diesem Blasenpfeile hat sich möglicherweise die wichtigste

Jagdwaffe der Eskimos, die sinnreiche Harpune mit Leine und Fangblase,

entwickelt. Um größere Seetiere fangen zu können, hat man dem Pfeile

allmählich eine immer größere Blase gegeben. Dabei aber sah man bald

ein, daß sich durch den von der Größe der Blase hervorgerufenen

stärkeren Luftwiderstand die Treffweite und die Kraft des Wurfes

verminderte. Man machte sie also vom Pfeile los und verband sie

nur mit seiner Spitze mittelst eines langen, starken Riemens, der

Harpunenleine. Die Harpune, die größer und schwerer gemacht wurde, als

der ursprüngliche Blasenpfeil, wurde von nun an allein geschleudert,

schleppte aber die Leine mit. Die am anderen Ende der Leine befestigte

Blase blieb auf dem Kajakdeck liegen und wurde erst dann ins Wasser

geworfen, wenn das Tier getroffen war.

[Illustration: Blasenpfeil.]

Nach dem Kajak ist die Harpune mit ihrer ganzen sinnreichen

Konstruktion das vorzüglichste Erzeugnis des Eskimogeistes.[7]

Ihr Schaft wird in Grönland aus rotem Treibholz, einer Art sibirischer

Föhre, verfertigt, das schwerer ist, als das weiße Treibholz, aus dem

man kleinere und leichtere Schleuderwaffen macht. Vorn ist der Schaft

mit einer dicken, starken Knochenplatte versehen, an der oben ein

gewöhnlich aus Walroßzahn geschnitzter, langer Knochenzapfen sitzt,

den ein Riemengelenk so mit dem Schafte verbindet, daß der Zapfen bei

starkem Druck oder Stoß von der Seite aus dem Gelenke geht, anstatt

abzubrechen. Dieser Zapfen paßt genau in ein Loch in der eigentlichen

Harpunenspitze, die ebenfalls aus Knochen gemacht wird -- am liebsten

aus Walroß- oder Narwalzahn -- und die nunmehr stets mit einer Spitze

oder vielmehr einem scharfen Blatte von Eisen versehen ist. Die

Harpunenspitze hängt durch ein Loch mit der Fangleine zusammen und ist

mit ~Agnorern~ oder Widerhaken versehen, der sie dort, wo sie

einmal eindringt, festsitzen läßt. Ueberdies ist sie so eingerichtet,

daß sie im Fleisch in eine Querlage gerät, sobald der Seehund sie

abzuschütteln versucht. An dem Schaft wird sie so befestigt, daß man

sie auf den obenerwähnten Zapfen steckt. Darauf wird die Leine mit

einem in entsprechendem Abstand angebrachten, ebenfalls mit einem

Loche versehenen Knochenstückchen an einem Knochenhaken (+a+) am

Harpunenschafte derart angehakt, daß Schaft und Spitze fest zusammen

halten.

Wenn nun die Harpune trifft und der Seehund sich überschlägt, geht

der Zapfen sofort aus dem Gelenk (siehe +a+ beim nebenstehenden

Bild), und die Harpunenspitze mit der Fangleine löst sich vom Schaft,

der auf dem Wasser treibt, bis ihn sein Eigentümer wieder auffischt,

während der Seehund mit der Spitze im Leibe und der Harpunenleine mit

der Blase im Schlepptau weiterschwimmt. Ich glaube, ein jeder muß

einräumen, daß sich eine sinnreichere Erfindung aus Treibholz, Knochen

und Seehundsfell kaum denken läßt, und man wird überzeugt sein können,

daß sie die Arbeit vieler Generationen kostete.

[Illustration: Harpune.]

In Grönland giebt es zwei Arten dieser Harpune. Die eine heißt

~Unâk~, ist am Unterende oben nur mit einem beinernen Knopf

versehen und ist länger und schlanker als die zweite. Diese heißt

~Ermangnak~ und läuft unten in zwei Knochenschienen oder Flügel

aus, die jetzt meistens aus Walfischrippen gemacht werden. Sie dienen

dazu, die Harpune schwerer zu machen und sie durch die Luft zu

steuern. Eine solche ist auf Seite 30 abgebildet.[8] In Godthaab wurde

gewöhnlich die Ermangnak gebraucht, doch ich hörte alte Seehundsfänger

vielfach darüber klagen, daß sie sich bei Wind schwerer werfen lassen

als die Unâk, weil der Wind, sobald er von der Seite kommt, zu sehr in

die Knochenschienen greifen und dadurch die Wurfrichtung verändern

kann.

Die Fangleine wird aus Haut gemacht, die entweder die große Robbe

(blauer Seehund = +Phoca barbata+) oder ein junges Walroß

liefert. Sie ist gewöhnlich 14-16 +m+ lang und einen guten halben

Centimeter (etwa 7 +mm+) breit.

Zur Fangblase wird die Haut eines jungen Ringseehundes (+Phoca

foetida+) genommen. Sie wird abgebälgt, enthaart, am Kopfe, den

vorderen und den hinteren Gliedern luftdicht zugebunden und getrocknet.

[Illustration: Vorderende der Harpune.]

Zur Aufwicklung der Fangleine gilt der Kajakstuhl, der vor dem Ruderer

auf dem Deck angebracht ist. Auf ihm liegt die Leine, gut vor dem

beständig über das Deck spülenden Seewasser geschützt, und bereit zum

ungehinderten Ablaufen, wenn die Harpune geschleudert wird.

Zum Töten des harpunierten Seehundes wird eine Lanze (+~Anguvigak~+)

gebraucht. Sie besteht aus einem Holzschaft, der, um möglichst weit

fliegen zu können, gewöhnlich aus weißem Treibholze hergestellt ist

und vorne eine lange, in ein eisernes Blatt auslaufende Knochenspitze

hat. Zu dem Blatte nahm man früher Stein statt Eisen. Die Knochenspitze

besteht meistens aus Renntierhorn, oft aber auch aus Narwalzahn oder

anderen Knochenarten. Damit der Seehund sie nicht abbrechen kann, ist

sie am Schaft mit einem Gelenke, das dem Knochenzapfen der Harpune

gleicht, befestigt.

[Illustration: Lanze.]

Außerdem benützen sie auch den Vogelpfeil (+~Nufit~+). Dieser hat

gleichfalls einen Schaft von weißem Treibholz. Vorne ist eine lange,

schmale Spitze, jetzt von Eisen, früher aus Knochen. Daneben stehen

noch mitten auf dem Schafte drei schrägliegende, nach vorne gerichtete

Renntierhornspitzen mit großem Widerhaken. Sie rechnen nämlich darauf,

daß, falls die vordere Pfeilspitze den Vogel nicht treffen sollte,

der Schaft an diesem entlanggleite und dabei eine der Seitenspitzen

den Vogel spieße und durchbohre, was auch die gewöhnlichste Art ist,

den Vogel zu treffen. Ebenfalls eine Erfindung, die unsereinen zum

berühmten Manne machen würde.

[Illustration: Im Kampf mit den Wellen.]

Alle diese Schleuderwaffen lassen sich, wie angedeutet, vom Federpfeil

der Indianer ableiten. Doch um seine Waffen weiter und mit größerer

Wucht schleudern zu können, hat der Eskimo eine Erfindung gemacht,

durch die er sich von allen seinen Nachbarn, den asiatischen wie

den amerikanischen Stämmen unterscheidet. Diese Erfindung ist das

Wurfholz. Dieses vorzügliche Instrument, das die Länge und die Kraft

des Armes in hohem Grade vergrößert, indem es wie eine Schleuder

wirkt, ist merkwürdigerweise nur an wenigen Stellen der Erde bekannt.

Wahrscheinlich nur an dreien. Erstens, in sehr primitiver Form,

bei den Australnegern, zweitens im Lande der Coni und Puru am oberen

Amazonenstrome, und drittens bei allen Eskimostämmen[9], die es zu

seiner höchsten Entwicklung gebracht haben. Die Annahme, daß das

Vorkommen des Wurfholzes an so verschiedenen Stellen auf gemeinsamen

Ursprung hinweise, ist wohl kaum zulässig, und somit können wir das

der Eskimos als eine eigene, von ihnen selbst gemachte Erfindung

ansehen. In Grönland wird das Wurfholz gewöhnlich aus rotem Treibholz

gemacht. Es ist etwa einen halben Meter lang (vierzehn in meinem

Besitz befindliche Wurfhölzer haben eine Länge von 42-52 +cm+),

am unteren, breitesten Ende 7 bis 8 +cm+ breit und ungefähr

1½ +cm+ dick. Seitlich sind am unteren breiten Ende Kerben

zum Anfassen, an der einen Seite für den Daumen, gegenüber für den

Zeigefinger.[10] Auf der oberen flachen Seite ist längs des ganzen

Holzes eine Rinne für den Pfeil oder die Harpune. Es giebt zwei

Wurfholzarten. Die eine dient hauptsächlich zum Abschnellen des

Blasenpfeils und des Vogelpfeils. Sie hat oben am Schmalende einen

Zapfen, der genau in eine Vertiefung des am Hinterende des Pfeils

angebrachten Knochenknopfes paßt (vergleiche die beiden folgenden

Illustrationen.) Mit der zweiten Art schleudert man die Harpune und

die Lanze; sie hat im oberen Schmalende ein Loch, in das ein schräg

nach hinten gerichteter Zapfen an der Seite des Harpunen- oder

Lanzenschaftes hineinpaßt, und dazu noch ein Loch weiter unten im

Griffe, in das ein zweiter, gradeherausstehender Zapfen faßt. (Siehe

Illustration auf Seite 36.) Wurfhölzer dieser Art werden weiter

nördlich, z. B. in Sukkertoppen, auch zum Schleudern des Vogelpfeils

gebraucht.

[Illustration: Wurf mit Vogelpfeil (+a+).]

Im südlichsten Grönland und auf der Ostküste finden wir aber noch

ein Wurfholz, das zum Schleudern der Ernangnak oder Flügelharpune

dient. Diese Form hat am oberen schmalen Ende einen Zapfen wie das

Vogelpfeilwurfholz, und der Zapfen paßt in eine Vertiefung zwischen

den Knochenflügeln der Harpune, dagegen sind am unteren Ende des

Wurfholzes, dicht am Griffe, ein oder zwei Löcher, in welche die

oben beschriebenen Knochenzapfen an der Seite des Harpunenschaftes

hineingreifen.

Soll die Harpune oder der Pfeil mit dem Wurfholz -- gleichviel welcher

Art -- geschleudert werden, so faßt man den Griff des Wurfholzes und

führt es mit der Waffe zusammen in horizontaler Armhaltung wurfbereit

rückwärts (siehe Illustration +a+). Indem man es dann aber kräftig

wieder nach vorne schnellt, löst sich das untere Ende des Wurfholzes

von der Harpune oder dem Pfeile los, während man mit dem oberen Ende,

das noch an seinem Zapfen oder Knopfe festhält (siehe Illustration b

und die folgende), die Waffe auf bedeutende Entfernung hin mit großer

Treffsicherheit fortschleudert. Eine außerordentlich einfache und

wirkungsvolle Erfindung.

[Illustration: Wurf mit Vogelpfeil (+b+).]

Außer den genannten Waffen hat der Eskimo, wenn er auf den Fang

ausgeht, hinten auf seinem Kajak noch ein Messer liegen, dessen Schaft

1 Meter 30 Centim. und dessen spitze Klinge 20 Centimeter lang ist.

Mit ihm wird dem Seehunde oder dem erbeuteten Seetier der Gnadenstoß

gegeben. Vorn auf dem Kajak liegt ein kleineres Messer. Es dient zum

Einstechen von Löchern in die Haut des Seehundes, um die Knochenstücke

der Bugsierleine hindurchzuziehen, die der Eskimo stets mitnimmt, und

mit der der zu bugsierende Seehund an der Seite des Kajaks festgemacht

wird. Zu diesem Zwecke nimmt er auch eine oder mehrere Bugsierblasen

mit, die sich aufblasen lassen und die den Seehund über Wasser halten.

[Illustration: Wurf mit Harpune.]

Um die Beschreibung vollständig zu machen, sei auch noch das

Knochenmesser angeführt, das, besonders im Winter, zur Kajakausrüstung

gehört und hauptsächlich zum Abkratzen des Eises von den Kajakwänden

gebraucht wird.

Nach der beigefügten Zeichnung wird man sich einen Begriff davon

machen können, wie alle Waffen auf dem Kajak angebracht sind, wenn der

Eskimo auf den Fang geht (+a+ Kajakloch, +b+ Fangblase, +c+ Kajakstuhl

mit aufgewickelter Harpunenleine [+e+], +d+ Harpune, an ihrem Platze

hängend, +f+ Lanze, +g+ Kajakmesser, +h+ Blasenpfeil, +i+ Vogelpfeil

und +k+ das Wurfholz des letzteren).

Doch das Wichtigste fehlt noch: die Beschreibung des Kajaks selbst.

Innen hat der Kajak ein Holzgerippe. Dieses Gerippe, von dem man sich

hoffentlich nach der beigefügten Zeichnung eine Vorstellung machen

kann, wurde früher stets aus Treibholz gemacht, und zwar am liebsten

aus weißem, dem leichtesten. Zu den Rippen nahm man auch wohl Zweige

von Weidengebüsch, das an den inneren Fjorden wächst. Heutzutage

kauft man in den Kolonien an der Westküste oft europäische Tannen-

oder Fichtenbretter aus dem Kolonieladen zum Kajakbau, obwohl man das

Treibholz, hauptsächlich seines leichten Gewichtes halber, noch immer

für viel geeigneter hält.

[Illustration: Kajak von oben gesehen.]

[Illustration: Kajakgerippe.]

Dieses Holzgerippe wird außen mit Leder überzogen, vorzugsweise mit

der Haut des Grönlandsseehundes (+phoca groenlandica+) oder dem

Fell der Klappmütze (+Cystophora cristata+). Letzteres ist nicht

so dauerhaft und wasserdicht. Bekommt man aber das Fell einer jungen

Klappmütze, deren Haut noch nicht so große Poren hat, so gilt auch

das für gut. Erlauben es die Vermögensverhältnisse, so nimmt man die

Haut des blauen Seehundes (+phoca barbata+), die für die beste

und stärkste gilt. Da aus ihr aber auch die Harpunenleinen gemacht

werden, ist sie eigentlich nur auf der Süd- und Ostküste in genügender

Menge vorhanden, um allgemein zum Kajakbeziehen genommen werden zu

können. Seltener Verwendung findet das Fell des großen Ringseehundes

(Fleckenseehund) [+Phoca foetida+].

Die Behandlung der Kajakfelle wird später (im achten Kapitel)

besprochen werden. Am liebsten bezieht man den Kajak gleich, solange

die Häute noch frisch sind. Hat man sie schon trocknen lassen, so

müssen sie ein paar Tage sorgfältig eingeweicht werden, ehe das

Beziehen vor sich gehen kann. Sie müssen so naß und dehnbar wie möglich

sein, damit sie sich richtig strammziehen lassen und getrocknet so

straff wie ein gespanntes Trommelfell sitzen. Gerben, Kajakbeziehen und

Nähen der Häute ist Frauenarbeit. Sie ist nicht leicht, und wehe, wenn

der Bezug schlecht oder nicht straff genug sitzt! Das halten sie für

eine große Schande.

Soll ein Kajak bezogen werden, so kommen alle oder wenigstens sehr

viele Frauen des Ortes zusammen, um dabei zu helfen. Dies gilt ihnen

für ein großes Vergnügen, weil sie zum Lohn für ihre Arbeit vom

Kajakbesitzer gewöhnlich mit Kaffee traktiert werden. Die Bewirtung

variiert je nach den Vermögensverhältnissen zwischen 25 Oere und einer

Krone und drüber.

In der Mitte des Kajakdeckes ist ein Loch, nur gerade so groß, daß

ein Mann seine Beine hineinstecken und sich setzen kann. Seine

Hüften füllen die Oeffnung beinahe vollständig aus. Es bedarf daher

einer gewissen Uebung, um einigermaßen gewandt in den Kajak hinein-

und wieder aus ihm herauszukriechen. Oben umschließt das Loch der

Kajakring, ein gebogener Holzreifen. Er erhebt sich 3 bis 3½

+cm+ über das Deck des Kajaks, und über ihn wird der Wasserpelz,

auf den ich später zurückkomme, gezogen. An den Sitz werden über die

Rippen des Kajakbodens ein oder mehrere Stücke alter Kajakhäute und ein

Stück Bärenfell oder ein anderes weichhaariges Fell gelegt, um einen

einigermaßen bequemen und weichen Sitzplatz herzustellen.

Gewöhnlich baut jeder Fänger seinen Kajak selbst und nimmt dabei

so genau Maß am eigenen Körper, als wollte er sich einen Anzug

schneidern. Ein Kajak für einen Grönländer von Durchschnittsgröße ist

in der Gegend von Godthaab etwa 5½ +m+ lang. Die Breite des

Deckes beträgt vor dem Kajakring, wo sie am größten ist, ungefähr 45

+cm+ oder etwas mehr, am Boden aber ist er bedeutend geringer. Sie

richtet sich natürlich nach der Hüftenbreite des Kajakmannes und wird

gewöhnlich genau so bemessen, daß er gerade darin Platz hat. Uebrigens

muß ich noch bemerken, daß an der Godthaabsbucht, z. B. in Sardlok und

Kornok, die Kajake länger und schmaler waren, als die Boote draußen

an der offenen Meeresküste, wie in Kangek. Wahrscheinlich, weil der

stärkere Seegang da draußen festere und leichter zu regierende Kajake

verlangt und ein kurzer, breiter auch besser schaukelt und weniger

Spülwasser nimmt.

[Illustration: Querschnitt des Kajaks.

Eskimoleben · 第 8 / 21 题