Aussehen und Kleidung.
Nun, da ich, so fern von diesen Menschen und der Natur, in der wir mit
einander umherstreiften, eine Beschreibung von ihnen machen soll, steht
mir das erste Zusammentreffen mit ihnen auf Grönlands Ostküste lebhaft
vor Augen. Zwei braune, lachende Gesichter, von langem, rabenschwarzem
Haar umrahmt, mitten im Eise. Sie strahlen vor heiterer Zufriedenheit
mit sich und aller Welt, und halb gutmütig freundlich, halb verwundert
blicken sie die seltsamen Fremdlinge an.
Der Eskimo reiner Rasse wird den meisten Europäern auf den ersten Blick
hin nichts weniger als hübsch erscheinen. Er hat ein rundes, breites
Gesicht, große grobe Züge, kleine dunkle, oft schrägliegende Augen,
eine platte Nase, die zwischen den Augen schmal und unten breit ist,
runde fettstrotzende Wangen, einen großen Mund und sehr entwickelte
breite Kinnbacken, die mit den runden Wangen zusammen das Untergesicht
eine hervorragende Rolle in der Physiognomie spielen lassen. Wenn der
Mund sich zu einem fettglänzenden Lächeln öffnet, sieht man zwei Reihen
großer weißer Zähne. Das Ganze macht den Eindruck eines vorzüglichen
Kauapparates und läßt uns mit Wohlbehagen an vieles und gutes Essen
denken. Gleichzeitig aber liegt in diesen Zügen, besonders bei den
Frauen, eine große einschmeichelnde Weichheit.
Nach den uns anerzogenen Begriffen können wir dies nicht hübsch nennen,
und doch -- wie vorurteilsvoll sind wir in dieser Beziehung! Es bedarf
langer, sehr langer Zeit, ehe man von seinen Traditionen loskommt. Wir
denken an die langgesichtigen, langnasigen Schönen unserer Heimat,
und unser Sinn erfüllt sich mit Wehmut bei der Erinnerung an die
vielen, für die wir geschwärmt, jene interessanten, bleichen -- aber
ach so farblosen Schönheiten! Es ist doch merkwürdig, wie brutal der
Geschmack werden kann: ich fand diese braunen, von Gesundheit und Fett
glänzenden Naturgesichter wirklich hübsch. Bei ihrem Anblick mußte ich
an das blaue Meer und hellen Sonnenschein denken, an weiße Gletscher
und inmitten dieser Umgebung schlagende Menschenherzen von wirklichem
Fleisch mit siedendheißem Blute.
Doch hauptsächlich waren es die jungen, die solchen Eindruck machten,
und sie altern schnell -- betrübend schnell. Die vertrockneten,
triefäugigen, kahlköpfigen alten Weiber waren nicht hübsch, sie
erinnerten an erfrorene Aepfel, und doch lag auch über ihnen ein
gewisser Stil. »Arbeit« stand auf ihrem Gesichte geschrieben, aber
auch »Essen, viel Essen« und gutmütige Resignation. Keine Spur von der
glasartigen Härte oder dem steifen Anstand, mit denen anderswo die
Schule des Lebens oft alte Gesichter stempelt.
Die auf der Westküste durch Kreuzung zwischen Europäern und Eskimos
entstandene Mischrasse ist nach europäischem Geschmacke schöner, sie
macht mit ihrer Bronzefarbe, ihren dunklen Brauen und schwarzen Augen
den Eindruck eines romanischen Volkes. Manchmal aber hat sie auch
Individuen von ausgesprochen jüdischem Typus aufzuweisen. Häufig zeigt
sie wirkliche Schönheiten sowohl unter dem starken, wie unter dem
schwachen Geschlecht. In der Regel aber liegt etwas Weichliches im
Wesen und Ausdruck dieser Mischlinge, die echten Eskimos machen einen
gesunderen, unverfälschteren Eindruck.
Es ist ein in Europa allgemein verbreiteter Irrtum, die Eskimos für
klein zu halten. Wenn die skandinavisch-germanischen Rassen sie auch
an Größe übertreffen, so muß man sie doch zu den mittelgroßen Völkern
zählen. Ich selber habe mehrere echte Eskimos gesehen, die ungefähr
drei Ellen (1 +m+ 80 +cm+) maßen. Ihr Körper macht durchgehends
einen kräftigen Eindruck, besonders der Oberkörper. Die Männer
sind achselbreit, haben muskulöse Arme und eine breite Brust, aber
verhältnismäßig schmale Hüften und nicht entsprechend kräftige Beine.
Daher haben sie in späteren Jahren gewöhnlich einen unsicheren Gang und
ein wenig krumme Kniee. Die schwächere Entwicklung des Unterkörpers
dürfte wohl hauptsächlich von dem täglichen Sitzen im engen Kajak
herrühren.
Bei den Frauen fallen uns hauptsächlich die schmalen Hüften auf, die
viel weniger hervortreten, als wir es bei einer bekleideten Europäerin
zu sehen gewohnt sind, und die wir gewöhnlich für unvereinbar mit dem
Typus weiblicher Schönheit halten. Dies kommt, wie man mir sagt, daher,
daß die Eskimoweiber sogenannte runde, die Europäerinnen aber flache,
breite Becken haben. Besonders reizend sind die schön geformten,
auffallend kleinen Hände und Füße der Grönländerinnen. Ihre Gestalt
macht überhaupt einen zierlichen, ansprechenden Eindruck.
Die Hautfarbe der Eskimos reiner Rasse ist bräunlich oder graugelb, und
auch bei den Mischlingen fällt diese braungelbe Farbe manchmal sehr
ins Auge. Die von Natur schon dunkle Farbe wird jedoch, wenigstens
bei den Männern und den älteren Frauen, durch vollständigen Mangel an
Reinlichkeit noch dunkler. Als Fingerzeig in dieser Richtung will ich
nur berichten, daß unser Landsmann, Seine Hochehrwürden Hans Egede,
ihre Waschmethode -- namentlich die von den Männern angewandte --
folgendermaßen beschreibt: »Sie schaben sich den Schweiß mit einem
Messer vom Gesicht herunter und lecken dann das Messer ab.«
Die neugeborenen Kinder sind heller gefärbt, doch hat dies seinen Grund
nicht darin, daß sie noch keine Schmutzkruste haben ansetzen können.
Schon H. E. Saabye hat in seinem Tagebuch[5] darauf aufmerksam gemacht,
daß sie auf dem Kreuz einen blauschwarzen Fleck, ungefähr von der Größe
eines unserer alten Zehnschillingstücke, haben, von dem sich die dunkle
Farbe erst später über den ganzen Leib ausbreitet. Holm erzählt etwas
Aehnliches von der Ostküste[6]. Ich selber erlaube mir hierüber kein
Urteil. Es würde dem gleichen, was von den Kindern der Japaner erzählt
wird.
Die Kleidung der Eskimos ist den meisten Leuten wohl aus Bildern
bekannt. Das Auffallendste ist, daß die Tracht der Frauen derjenigen
der Männer gleicht und bedeutend praktischer und malerischer ist, als
unsere häßlichen, schwedischen Frauengewänder.
Die Männer hüllen in Südgrönland den Oberkörper in den sogenannten
~Timiak~. Dieser wird aus Vogelbälgen mit den Federn oder
Daunen nach innen verfertigt, hat ungefähr die Form unserer wollenen
Unterjacken und wird wie diese über den Kopf gezogen. Oben am Timiak
sitzt eine Kapuze, die sich über den Kopf ziehen läßt, und die sonst
mit ihrem hochstehenden Rand von Hundefell eine Art Kragen um den Hals
bildet. An den Handgelenken ist der Timiak ebenfalls mit Hundefell
eingefaßt, ganz so wie ein eleganter Promenadenpelz bei uns in
Norwegen. Auf der Außenseite hat er einen Ueberzug (~Anorak~), der
jetzt meistens aus Baumwollenzeug besteht. Die Beine stecken in Hosen
von Seehundsfell oder auch von europäischem Düffel und die Füße in
~Kamikern~, einer besonderen Art Stiefel aus Seehundsfell. Diese
sind ebenfalls doppelt; die Innenseite ist ein mit den Haaren nach
innen gekehrter richtiger Fellstrumpf, die Außenseite ein haarloser
Stiefel von wasserdichtem Leder. Die Sohle zwischen Strumpf und Stiefel
wird mit Stroh oder Seegras gefüttert. In diese Kamiker werden die
nackten Füße gesteckt.
Die Kleidung der Frau ist der des Mannes sehr ähnlich. In Südgrönland
trägt sie auf dem Oberkörper einen Vogelhautpelz, jetzt allerdings ohne
Kapuze, dafür aber mit hochstehendem Kragen, der oben mit schwarzem,
möglichst glänzendem Hundefell eingefaßt ist, und dieser Kragen wird
zusammengehalten von einem breiten Halsband von bunten Glasperlen, das
in allen Farben des Regenbogens schillert. Die Aermel sind ebenfalls
an den Handgelenken mit Hundefell eingefaßt. Der Baumwollenbezug des
Pelzes ist natürlich so leuchtend als möglich, rot, blau, grün oder
gelb, und wird unten herum gewöhnlich mit einem breiten, bunten,
baumwollenen oder noch lieber seidenen Bande besetzt. Ueber die Beine
werden Hosen von gesprenkeltem Seehunds- oder auch Renntierfell
gezogen. Diese Hosen sind bedeutend kürzer als die Beinkleider der
Männer; sie reichen nicht ganz bis ans Knie und sind vorne mit bunter
Lederstickerei oder weißen Streifen von Renntier- oder Hundefell reich
verziert. Die Kamiker dagegen sind länger als die der Männer und werden
übers Knie gezogen; sie sind gewöhnlich von roter Farbe, manchmal
aber auch blau, lila oder weiß. An der Vorderseite ist ein von oben
herablaufender, gestickter Lederstreifen festgenäht.
Außer den oben beschriebenen Kleidungsstücken giebt es noch einen
Anzug für Frauen, die Säuglinge haben. Dieser, ~Amaut~ genannt,
gleicht einem gewöhnlichen Anorak, nur mit dem Unterschiede, daß er
auf dem Rücken eine große Tasche hat, in der das Balg zu jeder Arbeit
mitgenommen wird. Da der Amaut sowohl auf der inneren, wie der äußeren
Seite mit Renntier- oder Seehundsfell ausgefüttert ist, giebt diese
Tasche einen weichen, warmen Liegeplatz für das Kind ab.
In Grönland erscheinen keine Modezeitungen. Die Eskimomoden wechseln
daher nicht so häufig wie bei uns. Daß sie in dieser Beziehung aber
auch nicht ganz von Gott verlassen sind, beweist das folgende Beispiel.
Früher war der Anorak der Frauen ebenso lang wie der der Männer, doch
seit die Europäer bei ihnen den großartigen Luxus der weißen Leibwäsche
einführten, meinen sie, das weiße Hemd sei viel zu elegant, um so
versteckt zu werden. Statt sich nun, wie unsere Schönen, die Kleider
oben auszuschneiden, begannen sie damit von unten und machten sich
ihren Anorak so kurz, daß zwischen ihm und dem unterhalb der Hüften
sitzenden Hosenbunde ein Zwischenraum von Handbreite oder mehr blieb,
aus dem das obenerwähnte Kleidungsstück hervorguckte. Dies ist eine für
uns etwas ungewöhnliche Art, sich zu »dekolletieren«.
Die Eskimos auf der Ostküste haben im allgemeinen dieselbe Tracht, nur
verfertigen sie ihren Timiak nicht aus Vogelbälgen, sondern meist aus
Seehundsfell. Im nördlichen Grönland wird auch gewöhnlich Seehunds-
oder Renntierfell dazu genommen, und ebenso geschah es auch in früheren
Zeiten auf der ganzen Westküste.
[Illustration: Ostgrönländische Haustracht; links für Männer, rechts
für Frauen.]
Auf der Ostküste herrscht die überraschende Sitte, daß die ganze
Familie, Männlein, Weiblein und die lieben Kindlein, im Hause und im
Sommerzelt splinterfasernackt umherläuft. Wenigstens kam es mir so
vor. Balto, der vermutlich genauer hingesehen hat, versicherte jedoch,
daß alle Erwachsenen ein schmales Band um die Lenden trügen, was meine
züchtigen Augen natürlich nicht so schnell hatten entdecken können.
In dieser merkwürdigen Entdeckung stimmt Freund Baltos Behauptung
überein mit der Aussage der meisten Reisenden, die sich mit dergleichen
Forschungen beschäftigt haben, und ich muß ihr also wohl Glauben
schenken. Dieses Band, das die Reisenden so freundlich mit dem Namen
»Unterhosen« beehren -- ob es diesen Titel verdient, mag der Leser
nach Besichtigung beifolgender Zeichnung selbst entscheiden --, soll
der Grönländer Nâtit (Hauskleid) nennen. Früher trug man dergleichen
bequeme Hauskleider in ganz Grönland, bis in die nördlichste
Ansiedelung am Smithsunde hinauf, wo sie auch jetzt noch üblich sind.
Dieses leichte Kostüm ist natürlich sehr gesund und gut. Die dicken
Fellkleider hindern die Hautausdünstung sehr, es ist also ein
natürliches Bedürfnis, das die Eskimos veranlaßte, sie in den warmen
Räumen, wo sie doppelt ungesund sind, abzulegen. Doch als die Europäer
ins Land kamen, predigten die Missionare heftig gegen diesen, ihr
Anstandsgefühl verletzenden, gemütlichen Brauch. So kam es denn
schließlich dahin, daß diese Hauskleider auf der Westküste abgeschafft
wurden. Ob es die Moral verbessert hat, wage ich nicht zu entscheiden
-- ich möchte es bezweifeln --, doch daß es nicht zur Verbesserung
des Gesundheitszustandes beigetragen, das unterliegt für mich keinem
Zweifel.
Im Punkte des Entblößens ist auch der Westgrönländer noch heute ein
Naturkind. Manche Eskimodamen machen freilich einen schüchternen
Versuch, ihre Blöße zu bedecken, sobald ein Europäer ins Zimmer tritt.
Aber ich fürchte -- ich fürchte, daß dies mehr geschieht aus Ziererei,
die uns ihrer Meinung nach gefällt, als aus wirklichem Schamgefühl.
Denn sobald sie merken, daß wir keine Notiz davon nehmen, wird sich
damit auch nicht weiter angestrengt. Auch ihren Landsleuten gegenüber
zeigen sie wenig Schamgefühl. Man höre nur, was der gute Hans Egede
sich genötigt sieht, hierüber zu berichten, und was ich aus eigener
Erfahrung bestätigen muß:
»Sie machen sich garnichts daraus,« sagt er, »in Gegenwart anderer
ihre Notdurft zu verrichten. Jede Familie hat vorne im Zimmer eine
große Tonne oder Kufe stehen, in die alle ganz ungeniert ihr Wasser
ablassen, wenn auch noch soviel Besuch zuguckt. Besagte Tonne bleibt
stehen, bis der Inhalt, mit Erlaubnis zu sagen, stinkt, und die Tonne
mit obenbemeldeter Flüssigkeit dient dazu, die zu gerbenden Felle
auszulaugen« u. s. w.
Das Haar der Eskimos ist rabenschwarz, glatt und steif, wie ein
Pferdeschwanz und darf bei den Männern wachsen, wie es ihnen gefällt.
Auf der Ostküste wird es in der Regel nicht beschnitten, ja, es gilt
für gefahrbringend, wenn man etwas davon einbüßt. Stellenweise wird es
mit einer Schnur aus der Stirn zurückgebunden. Manchmal wird jedoch
Kindern das Haar geschnitten. Dann aber müssen sie es ihr ganzes Leben
hindurch thun und gewisse Formalitäten dabei beobachten, z. B. wird
unter anderem ihren Hunden im ersten Lebensjahre Schwanz und Ohren
gestutzt. Eisen darf unter keinen Umständen mit dem Haar in Berührung
kommen, weshalb es mit einem Haifischkiefer abgesägt wird.
Die Frauen drehen das Haar oben auf dem Schädel in einen Knoten. Dabei
wird es auf allen Seiten gleichmäßig straff gezogen. Die Frauen der
Ostküste umschnüren es mit Lederstreifen, die der Westküste dagegen
mit einem farbigen Band. Junge Mädchen tragen Rot, -- haben sie ein
Kind, so legen sie Grün an, -- Frauen Blau und Witwen Schwarz. Wollen
letztere wieder heiraten, so pflegen sie Schwarz und Rot zu verbinden.
Aeltere Witwen, welche die Hoffnung, noch einen Mann zu bekommen,
endgültig aufgegeben haben, pflegen das schwarze Band mit einem weißen
zu vertauschen. Hat eine Witwe noch nach dem Tode ihres Gatten Kinder,
so muß auch sie Grün anlegen.
Der Haarknoten ist der Stolz der Grönländerinnen und muß so straff
und aufrecht wie möglich in die Luft stehen. Dies ist besonders bei
den jungen heiratsfähigen Eskimomädchen der Fall, und da diese kaum
weniger eitel sind, als ihre europäischen Schwestern, so drehen
sie ihr Haar mit solcher Gewalt zusammen, daß es nach und nach von
Stirn, Nacken und Schläfen zurücktritt, und sie in verhältnismäßig
jungen Jahren mehr oder weniger kahle Stellen bekommen, was nicht
gerade ansprechend wirkt, aber einen sichtbaren Beweis für die
Eitelkeit dieser Welt liefert. Damit sich nun das Haar recht fest
zusammendrehen läßt und zugleich einen schönen Glanz erhält, ist es
bei den Grönländerinnen Brauch, es vor dem Frisieren in Urin zu baden,
wodurch es naß und klebrig wird und sich leichter aufbinden läßt. Ich
weiß noch, wie ich eines Abends bei einem Tanzvergnügen in Godthaab
eine mir befreundete Eskimodame zum Scherze damit neckte, daß ihr
Knoten heute nicht so aufrecht stehe, wie er eigentlich sollte. Sie
verschwand sofort und kam nach einer Weile mit einem glänzenden, steif
in die Luft ragenden Knoten wieder, roch aber schrecklich nach besagtem
Haarwasser. Mit derselben Flüssigkeit wäscht sich auch, wer besonders
auf Reinlichkeit hält und sich oft wäscht. Sie lieben den Geruch, der
ihnen von alledem anhaftet, nennen ihn jungfräulich und halten ihn für
ein wirksames Zaubermittel zum Anlocken der Männer. Europäischen Nasen
sagt er anfangs weniger zu. Saabye erzählt von einem Buchhalter in
Nordgrönland, der sich in ein Eskimomädchen, d. h. in ihre Person, aber
nicht in ihr Parfüm, verliebt hatte: »Er verfiel auf ein gutes Mittel,
den von ihr ausgehenden, ihm so widerwärtigen Geruch zu beseitigen, und
wandte es an. Er besprengte sie nämlich, erst verstohlen, dann offen,
mit Lavendelessenz, und das half vorzüglich. Jetzt hielt er um sie an
und wurde angenommen. Sie leben jetzt sehr glücklich und haben viele
Kinder, aber die Frau riecht noch immer nach Lavendelessenz.«
Es ist überhaupt merkwürdig, wie gleichgültig sie mit Urin umgehen.
Saabye sagt unter anderem: »Eine Mutter hielt ihr Kind über einer
Schüssel ab, leerte diese in der Tonne aus, nahm das gekochte Fleisch
aus dem Kessel, legte es ohne Weiteres in dieselbe Schüssel und setzte
es den Gästen vor, die es mit gutem Appetit verzehrten.«
Die Mütter lecken ihre Kinder ab, statt sie zu waschen, -- früher
machten sie es wenigstens so -- und wenn sie lausen oder kämmen,
wird jede Laus nach Affenmanier aufgegessen. Denn: »Was beißt, muß
wiedergebissen werden.«
Hier müßte ich eigentlich wohl aufhören, doch damit der Leser sich ganz
mit den uns ungewohnten Sitten dieses Volkes vertraut mache, will ich
noch einmal Egede citieren, der über ihr »äußeres Comportement« sagt:
»Im übrigen sind sie in ihrem ganzen Benehmen tölpelhaft und
ungeschliffen, essen von demselben Geschirr, von dem ihre Hunde
gefressen haben, ohne es vorher zu säubern, verzehren -- was
abscheulich anzusehen ist -- Läuse und Ungeziefer von ihrem eigenen und
anderer Leibe und leben genau nach dem Sprichwort, daß alles, was aus
der Nase kommt, in den Mund fallen muß, auf daß nichts umkomme.«
[Illustration: Eskimos bei der Ausbesserung des Kajaks.]
Sollte jemand an diesen Eigentümlichkeiten im äußeren Auftreten der
Eskimos Anstoß nehmen, so bitte ich ihn, zu bedenken, daß unsere
eigenen Vorfahren vor noch garnicht so vielen Menschenaltern sich nicht
viel anders betrugen. Man lese nur eine Beschreibung des häuslichen
Lebens der Skandinavier in früheren Zeiten, und man wird erstaunliche
Dinge vernehmen.
[Illustration]
[Illustration]