Bartelmes konnte viel. Er war ein Künstler.
Auf einmal fiel ihr Sophie Reutter wieder ein. So viel auch ihrer
Wohltätigkeit gedacht worden war -- ihr dunkles Bild war nicht aufgerufen
worden.
Sollte sie es jetzt tun?
Irgend etwas trieb Christiane plötzlich an, diesen Kindern in ihrem
werdenden Frauenglanz auch den Frauensturz, das ernste Schicksal zu zeigen!
Eine Jugend lebte von ihr, Jugenden hatten schon von ihr gelebt, aber ihr
wirkliches Los und Leiden kümmerte keinen.
Sie wollte vortreten, Schweres auf den Lippen -- da kam Bartelmes auf sie
zu.
»Fräulein Doktor -- -- Verzeihung --.« Er war gar nicht Erzieher,
sondern nur ein triumphierender Mann. Er sah zu den Mädchen und sah zu
ihr. »Wie dunkel sehen Sie aus, Fräulein Doktor.« Seine Worte waren
Kompliment, seine Augen glänzten.
Es überstrich sie.
»Ich wollte sprechen,« sagte sie.
»Wovon?«
»Von der Frau, die hinter uns steht. Von der -- Gescheiterten.«
Er verzog den Mund.
»Ist denn heute ein Tag für Gespenster? Heute? Heute? Verzeihung, aber
-- -- ja, gewiß -- --« Er trat zurück, sein Ton war kühl. »Wenn Sie
glauben --«
»Nein, nein, ich will doch lieber nicht.« Sie hatte sich besonnen. Heut
war ein Frühlingstag gewesen, und für alle Jugend hier im Saal würde es
doch Frühling bleiben, trotz allem, was etwa gesagt wurde. Darin läßt
keine Seele sich etwas aufreden.
»Nein, ich will nicht,« sagte sie.
In seinen Augen flimmerte es noch immer.
»Der Abend sollte ein ganz helles Geschenk für Sie sein,« sprach er
leise, fast ein wenig heiser.
Er blieb neben ihr stehen.
Die Gäste drangen auf sie ein. Alle ehemaligen Schülerinnen, die
Professorsfrauen und Offiziersgattinnen. Alle sprachen sie vom verstorbenen
lieben Herrn Direktor und von Diermann.
Bartelmes war für sie jetzt der Herrscher. Er hatte ja alles geleitet. Er
antwortete allen. Christiane schwieg betäubt.