Mai Friedlein hatte sich trotz ihrer Mitwirkung und manch heimlicher
Komplimente, die ihr vom Doktor zugekommen waren, doch geschickt von ihm
zurückgehalten. Sie war mit ihren Plänen so gut fertig, daß es nur noch
fehlte, daß sie gelangen. Sie spielte nicht mehr auf das Wunder hinaus.
Ihr Wurf war viel kürzer geworden.
Ja, sie war schön. Wie schön, das wußte sie nur allein.
Aber wenn einer nach ihr gegriffen hatte, so fand es sich immer, daß er
schmutzige Hände hatte oder nichts in den Taschen.
Nun war einer mit sauberen Händen da. Aber er war ein bißchen gewöhnlich
und hatte schlechte Manieren. Ihr Herz zog sich vor ihm bitter zusammen,
aber es blieb ihr kein anderer Weg, als der zu ihm, und es gehörte noch
viel Klugheit dazu.
Auch sie empfand die Schönheit der Mädchen. Die der Werdenden. Die über
sie hinwegwuchsen.
Wenn sie an dem Abend noch nicht an ihr Ziel kam, so war es, weil ihr
helles Kleid Dreher Bedenken machte. So etwas kostete viel Geld.
Die Jong kam zur Wehrendorf.
»Dörfchen,« sagte sie.
Ada hielt ihren Kopf gesenkt.
Mühsam hatte sie ihr Schiff ein halbes Jahr gesteuert. Ostern hatte sie
einen Teil der Fracht abgeben können, aber grade die guten, strebsamen
Kinder. Die anderen waren geblieben. Auch die kleine Cöldt.
Nun wiegelte die in ihrer lautlos höhnischen Art die anderen auf, und es
waren weniger gute darunter, als vorher. Es war diesmal kein besonderer
Jahrgang. Und Adas Nerven waren sehr herunter. Sie schlief kaum mehr vor
Husten. Mit dem Essen mußte sie auch furchtbar sparen.
Sie äße außerhalb, sagte sie Frau Dorreyter manchmal. Immer konnte sie
doch nicht auf deren Kosten leben.
Die Jong schien etwas gemerkt zu haben und ließ sie an heimatlichen Kisten
teilnehmen. Mehlmännchen brachte ihr Marmelade und Knusperchen.