Bestürzt blickte sie in Doktor Bartelmes Augen. --

Am Abend war das Fest. Blumen durchzogen das ganze Haus, lauter

Frühlingsblumen.

Christiane kam in die Menge herein, wie ein Gast.

Ludwig, den sie traf, befragte sie, wer alles geleitet hätte. Sie war

schon eine Zeitlang nicht mehr bei Cöldts gewesen.

»Ja, Bartelmes,« sagte sie, über ihn wegschauend. Ihre Augen flimmerten.

Er trat zurück.

Dann merkte sie, daß auch wohl die Haberkorn an der Sache beteiligt war.

Sie lief wenigstens aufgeregt hin und her und flüsterte da und dort einem

Mädchen etwas zu, erklärte diesem oder jenem etwas. Der Zeichenlehrer

zeigte irgendwelche Skizzen herum. Mai probierte das Instrument, wobei

die Jong gleichmütig wissend zusah, und die Kanarienvögel nahmen alles

ringsum mit wissenschaftlicher Neugier auf, obgleich nicht zu erwarten

war, daß man in ihren künftigen Wirkungskreisen auf dem oder jenem Dorfe

gleich etwas der Art von ihnen erwarten würde. Immerhin hatten sie auch

ein kleines, verborgenes Gelächter über Bartelmes, dem sie den Spitznamen

›die schwere Zigarre‹ gegeben hatten, denn an eine solche erinnerte er

sie. Er war lang, dunkel, steif und doch gut anzubrennen.

Die Wehrendorf kam in ihrem schwarzen Kleidchen still herein und winkte

sich ein paar Kinder heran, eins davon war bucklig.

Bartelmes trat zu Christiane heran.

»Jetzt dürfen wir beginnen, nicht wahr?«

Das Klavier schlug an, und nun kamen sie.

Wie ein Frühlingszug glitt es heran, nichts von Drill und Tanzstunde,

von frühreifer Koketterie, in keinem Auge etwas Dreistes, überall

Mädchenschritte, Mädchenblicke, zarte Hingabe -- -- ›Ein Veilchen auf

der Wiese stand --‹

Gewiß waren die Kleider raffiniert ausgesucht, die Kränze geschickt

aufgesetzt, gewiß war alles genau überlegt und herausgespielt, und doch

schien es, als hätte er die Kindesseele ganz rein heraufgeholt, als hätte

er diese Herzen zu feiner Kunst geöffnet.

So lieblich hatte Christiane diese Mädchen noch nie gesehen. So schön

noch nicht. --

In ihr schrie es. Der Neid kam auf. Die glühende Sehnsucht nach dieser

Jugend und diesem Sein.

Und auf einmal überkam sie eine Erinnerung: ein wenig ähnlich war der

Plan doch gewesen, den Diermann und die Haberkorn damals aufgesetzt

hatten, als sie glaubten, daß ihr Interregnum noch fortdauern könnte. Nur

künstlerischer war er gestaltet. Deshalb war die Oberlehrerin so eifrig

dabei, deshalb waren fast alle so voller Feuer und Flamme gewesen -- etwas

Altes von ihnen, ihr eigener Wille hatte sich da durchgedrückt.

Das Feuer hinter dem Berge: Roman · 第 32 / 50 题