Alte Bauten--neue Bauten (1832)

... In den langweiligen Zeiten der Restauration, vor den militärischen

Rüstungen und den Verheerungen der Cholera, waren die Kassen des Staats

reicher gefüllt als gegenwärtig. Berlin war in zunehmender Verschönerung

begriffen; die Aufführung vieler öffentlicher Gebäude ließ ebensosehr den

Geschmack bewundern, in dem sie angelegt und vollendet wurden, als die

Vorsicht loben, die einem großen Teile unserer Proletairs eine reichliche

Nahrungsquelle sicherte. Diese Baulust ging damals auch auf Privatleute

über, deren Geld und Unternehmungsgeist Berlin um ein prachtvoll gebautes

Stadtquartier vergrößerte. Aber auch von dieser Seite stehen alle Plane

gegenwärtig still. Die beiden öffentlichen Bauten, an die in diesem

Augenblick allein gedacht wird, sind die völlige Umgestaltung des

sogenannten Packhofes, eines Stapelplatzes und Warenlagers für die

ankommenden Kaufmannsgüter, und ein künftiger Neubau der Bauakademie. Wer

in Berlin gewesen ist, weiß, daß er, um vom Schloßplatze nach der

Jägerstraße zu kommen, sich durch die lebhafteste, aber zugleich auch

engste Passage, die Werderschen Mühlen, die Schleusenbrücken, die

Verbindung unserer Alt- und Neustadt, durchwinden muß. Später wird diese

unbequeme Gegend gelichtet werden. Dicht an der genannten Brücke wird

rechts ein freier Platz beginnen, der die Aussicht nach dem

Packhofgebäude und der Werderschen Kirche frei macht. Gewinnen werden bei

einem solchen Projekt die Besitzer jenes Häuserwinkels von der

Niederlagstraße bis zur Brücke, verlieren aber muß die kleine, winzige

Werdersche Kirche, deren Unbedeutendheit bei einer großartigern und

freiern Umgebung nur deutlicher hervortreten wird.

Der Bau der obengenannten Akademie hat noch nicht begonnen, aber es kann

auch noch lang mit ihm anstehen, da der gegenwärtige Zustand dieses

Instituts einen so bedeutenden Kostenaufwand nicht vergilt. Diese einst

so blühende Anstalt ist gegenwärtig durch die Eröffnung neuer

Provinzialbauschulen und die Gewerbeakademie, die sich unter der Leitung

des Hrn. Beuth, unsers künftigen Handels- und Gewerbeministers, immer

mehr hebt, in die tiefste Zerrüttung gesunken, so daß die Zahl der an ihr

angestellten Lehrer der der Schüler gleichkommen mag. Darum bleibt

vielleicht dieses Bauprojekt einstweilen noch unausgeführt....

Berlin — Panorama einer Weltstadt · 第 7 / 48 题