... In den langweiligen Zeiten der Restauration, vor den militärischen
Rüstungen und den Verheerungen der Cholera, waren die Kassen des Staats
reicher gefüllt als gegenwärtig. Berlin war in zunehmender Verschönerung
begriffen; die Aufführung vieler öffentlicher Gebäude ließ ebensosehr den
Geschmack bewundern, in dem sie angelegt und vollendet wurden, als die
Vorsicht loben, die einem großen Teile unserer Proletairs eine reichliche
Nahrungsquelle sicherte. Diese Baulust ging damals auch auf Privatleute
über, deren Geld und Unternehmungsgeist Berlin um ein prachtvoll gebautes
Stadtquartier vergrößerte. Aber auch von dieser Seite stehen alle Plane
gegenwärtig still. Die beiden öffentlichen Bauten, an die in diesem
Augenblick allein gedacht wird, sind die völlige Umgestaltung des
sogenannten Packhofes, eines Stapelplatzes und Warenlagers für die
ankommenden Kaufmannsgüter, und ein künftiger Neubau der Bauakademie. Wer
in Berlin gewesen ist, weiß, daß er, um vom Schloßplatze nach der
Jägerstraße zu kommen, sich durch die lebhafteste, aber zugleich auch
engste Passage, die Werderschen Mühlen, die Schleusenbrücken, die
Verbindung unserer Alt- und Neustadt, durchwinden muß. Später wird diese
unbequeme Gegend gelichtet werden. Dicht an der genannten Brücke wird
rechts ein freier Platz beginnen, der die Aussicht nach dem
Packhofgebäude und der Werderschen Kirche frei macht. Gewinnen werden bei
einem solchen Projekt die Besitzer jenes Häuserwinkels von der
Niederlagstraße bis zur Brücke, verlieren aber muß die kleine, winzige
Werdersche Kirche, deren Unbedeutendheit bei einer großartigern und
freiern Umgebung nur deutlicher hervortreten wird.
Der Bau der obengenannten Akademie hat noch nicht begonnen, aber es kann
auch noch lang mit ihm anstehen, da der gegenwärtige Zustand dieses
Instituts einen so bedeutenden Kostenaufwand nicht vergilt. Diese einst
so blühende Anstalt ist gegenwärtig durch die Eröffnung neuer
Provinzialbauschulen und die Gewerbeakademie, die sich unter der Leitung
des Hrn. Beuth, unsers künftigen Handels- und Gewerbeministers, immer
mehr hebt, in die tiefste Zerrüttung gesunken, so daß die Zahl der an ihr
angestellten Lehrer der der Schüler gleichkommen mag. Darum bleibt
vielleicht dieses Bauprojekt einstweilen noch unausgeführt....