Er ging den ganzen Nachmittag durch die Hitze und den Staub und das
Menschengewühl des Sonntags: durch den Park von Treptow, grau und
nüchtern unter dem Sommerstaube, an den Eierhäuschen an der Spree
vorbei, teils am Ufer, dann auf der trostlosen Landstraße, die
bedeckt war mit Fuhrwerken und Radlern, bis Köpenick, wo er in dem
Vorgarten irgendeiner Wirtschaft ein Glas Bier trank. Und so ging er
weiter, bis er nach Grünau kam--Stunde auf Stunde ging er so den
langen, dunstigen Nachmittag, und überall, wo er hinkam, waren die
Gärten voll von Menschen, und auf den dämmernden Uferwegen tauchten
immer neue Gestalten auf, die sich noch nicht entschließen konnten,
die köstliche Frische des Abends einzutauschen gegen die dumpfe
Häusermasse der großen Stadt.
Er aber mußte allein sein, ganz allein, und so ging er, ohne Hunger
und Durst zu empfinden, durch Grünau und vorbei an dem Sportplatz,
der dunkel und leer dalag; und sein Herz war so müde und mutlos, daß
es selbst hier nicht einmal mehr höher schlug ... weiter und weiter,
immer an den wegelosen Ufern der weiten Seen entlang...
Endlich war er allein. Endlich begegnete ihm niemand mehr.
Es war spät in der Nacht.
Kein lebendes Wesen zeigte sich hier mehr in dem weiten Umkreise von
Himmel, Wald und Wasser...
Da stand er still und entledigte sich seiner Kleider.
Nackt stand er da, und die Luft der Nacht umspielte seinen heißen,
staub- und schweißbedeckten Körper.
Langsam trat Franz Felder zum Wasser und sah es an, nachdem er den
ganzen Nachmittag--und wie lange vorher schon!--seinen Anblick
gemieden.
Aber zum ersten Male schien es ihm, als würde sein Gruß nicht
erwidert. Stumm und gleichgültig lag es da.