Er sprach überhaupt kaum ein Wort mehr.
So lebte er noch vierzehn Tage.
Dann fühlte er eines Tages, daß er das Leben nicht mehr ertragen
konnte.
Irgend etwas, er wußte selbst nicht was, war gebrochen in ihm, und
damit seine Kraft zum Leben. Er fühlte es deutlich.
Es nutzte nichts, dies Denken, um herauszukommen. Er kam nicht
darüber hinweg.
Es war, als wenn alles tot in ihm wäre: alle Sehnen plötzlich
durchschnitten von einer ungeheueren Enttäuschung.--
Es war wieder ein Sonntag, einer dieser leeren, durch keine Arbeit
und keine Freude mehr erträglich gemachten Tage, und erwälzte sich
auf seinem harten Bett in seinem kleinen Zimmer in dumpfer
Verzweiflung hin und her. Was sollte er tun?--Er wußte es nicht mehr.
Er hatte keine Eltern, keine Geschwister, keine Freunde, keine
Geliebte mehr. Sinnlos war sein Leben geworden, zwecklos und
freudlos.
Und wie er mit den Händen schlug, raschelte etwas auf ihn nieder:
verdorrte Lorbeerblätter, die beim Niederfallen in Staub zerfielen.
Er nahm die Spreu in die Hand.
Es war sein erster Siegeskranz: erfochten als Knabe in dem ersten
kleinen Schwimmen, seinem ersten schüchternen Versuch, seinem ersten
Siege. Und wie er sah, was es war, was er in seiner Hand hielt, da
sah er zugleich sich und sein ganzes Leben; und es schien ihm, als
seien alle diese Kränze, die bedruckten und beschriebenen Urkunden,
diese Bilder an den Wänden, zerstaubt, zerfallen und zu nichts
geworden, wie dieser hier, und nichts von allem übriggeblieben, als
ein kleiner Haufen dürren Staubes, zu dem am Ende alles Leben wird.
Da wandte er sich ab von diesen zerfallenden und leblosen Dingen,
diesen modernden Leichen des Gewesenen, und eine schreckliche
Sehnsucht nach dem, was allein noch Leben für ihn war, ergriff ihn.