August nickte. »Das habe ich auch gesagt, gnädiges Fräulein. Wenn das
man bloß kein Unglück gibt!«
Nun berieten sie, ob man das Telegramm öffnen solle, um dem Freiherrn
die Aufregung zu ersparen. August war dafür. »Man kann nicht wissen, was
drin steht, gnädiges Fräulein,« meinte er. »Einer Depesche ist nicht zu
trauen. Das kann alles mögliche sein.« Aber Hedda schüttelte schließlich
energisch den Kopf. Das Telegramm war an den Vater gerichtet, und da
ging es nicht an, daß man es erbrach.
»Vater,« sagte sie, von August gefolgt in das Arbeitszimmer des Alten
tretend, »erschrick nicht: es ist eine Depesche angekommen.«
»Nanu?!« erwiderte der Baron, genau so wie vorhin Hedda, und August
nickte dazu: dieses »Nanu« entsprach ganz seiner Auffassung.
Hellstern erbrach das Papier und las erst die Unterschrift.
»Von Axel, Hedda. Und fünf Zeilen lang. Das soll was heißen ...« Er las
vor: »Bitte um die Erlaubnis, Euch auf ein Retourbillet besuchen zu
dürfen. Wenn keine Antwort erfolgt, bin ich Sonnabend mittag in
Zielenberg. Wagen unnötig, nehme dort Extrapost. Freue mich herzlich
darauf, Euch kennen zu lernen, und grüße Dich und die Cousine.
Euer Vetter
Axel Hellstjern.«
Er ließ das Papier sinken. »Was sagst du dazu? -- Sonnabend -- das ist
morgen.«
Hedda hatte einen roten Kopf bekommen.
»Aber, Papa, das ist ja ganz unmöglich,« antwortete sie. »Morgen schon
-- und es ist nichts in Ordnung! Telegraphiere zurück, er möchte erst in
acht Tagen kommen.«
»Ja, aber wohin denn?! Axel hat vergessen, seine Adresse anzugeben.«
»An die schwedische Gesandtschaft in Berlin.«
»Ach nein, Hedda, das geht nicht. Ich meine, das wäre unliebenswürdig.
Ich bin Axel in gewisser Weise Dank schuldig. Lassen wir es nur bei
morgen. Er muß sich sagen, daß er bei uns keinen weltstädtischen Komfort
findet. Das Dach ist ja repariert -- es regnet im Fremdenzimmer nicht
mehr durch. Bringe die Stube in Ordnung und sorge für etwas opulentere
Mahlzeiten in den nächsten Tagen. Wein ist noch genug da. Komm her, mein
Kind, und gib mir einen Kuß! So -- und nun sei verständig!«
Das war leicht gesagt: verständig sein. Herrgott, was war nicht noch
alles zu tun bis morgen mittag! Aber Hedda behielt den Kopf oben; sie
entwarf einen Feldzugsplan. Zunächst mußte Dörthe die Tante Pauline zum
Helfen holen. Dann wurde im Fremdenzimmer »groß rein gemacht« -- das
heißt in dem einzigen der sogenannten Fremdenzimmer, das leidlich
möbliert war. Es lag im ersten Stock, nach Süden hinaus, und war ein
großer, freundlicher Raum. Ströme von Wasser flossen über die Dielen;
Dörthe und Tante Pauline schrubberten und scheuerten, daß ihnen der
Schweiß von der Stirn floß. Währenddessen beschäftigte sich Hedda damit,
frische Gardinen anzustecken. Sie opferte auch ihr eignes Waschservice,
das sehr hübsch war: weiß mit rosa Streublümchen und rotem Rande.
Gottlob, daß das Bett gut war -- ein altes, ungeheuer großes Bett, noch
aus dem Anfang des Jahrhunderts stammend, mit geschweiften Beinen und
naiver Schnitzerei. Zuletzt ging es an das Wohnlichmachen des Zimmers.
Die Tische erhielten saubere Decken, das Sofa wurde mit einer
Schlummerrolle geschmückt. Nur mit der Bilderzier war es eine schlimme
Sache. Die eine Wand war noch ganz leer. Da entsann sich Hedda, daß in
der früheren Räucherkammer, in der man allerhand altes Gerümpel
aufzubewahren pflegte, noch ein Ölbild stand. Es schien dorthin zu
gehören, denn es sah wirklich ganz verräuchert aus und stellte, soweit
es erkennbar war, einen Herrn in ritterlicher Tracht dar. Der Papa
glaubte, es sei irgend ein Vorfahre; das hatte gewiß Interesse für Axel.
Das Bild wurde hervorgesucht, abgestaubt, gewaschen und geseift und an
die leere Wand gehängt. Trotz aller Reinigungskünste sah es so dunkel
wie vordem aus, aber es machte sich dennoch ganz hübsch. Nur Tante
Pauline meinte, es sei ein »greuliches Gesicht«; sie würde in diesem
Zimmer nicht schlafen können. Hedda war jedenfalls zufrieden; morgen
früh kamen noch Veilchen, ein paar blühende Pirus- und Pfirsichzweige
und etwas Grün in die Vasen und Gläser -- dann war das Zimmer behaglich
und traulich.
Nachdem dies getan war, kam die Rücksprache mit der Köchin an die Reihe.
Das war schon verwickelter. August mußte am Nachmittag noch nach
Zielenberg zum Schlächter fahren; außerdem mußten zwei Hennen und eine
Ente ihr Leben lassen -- die letztere wurde in Aspik gelegt. Die
Konserven und das Eingemachte wurden revidiert und auch der Weinkeller
einer Prüfung unterzogen. Er war noch am besten assortiert. In einer
Ecke lagen aus früheren Tagen her sogar noch ein paar Dutzend Flaschen
vortrefflichen Johannisbergers, auch eine Flasche Champagner war noch
da, aber der fehlte das Etikett. Der Baron konnte Hedda keinen Aufschluß
darüber geben, welche Marke sie enthalte, doch neigte er der Ansicht zu,
es werde wohl Grüneberger Landkarte sein, und es sei auch fraglich, ob
der Wein noch moussiere, denn seiner Erinnerung nach rühre die
vergessene Flasche noch von Heddas Taufe her.
So war denn alles in Ordnung, und man konnte der Ankunft des Vetters aus
Schweden mit einer gewissen Ruhe entgegensehen. Axel brachte schönes
Wetter mit. Es war ein wonniger Frühlingstag, sonnig und linde, mit
einem zarten, weißen Wolkenschleier am Himmel, der die Sonne wie ein
Spitzenschal umgab. Im Parke war schon alles grün; der Rasen glänzte
smaragden, und die Junirosen hatten ihre großen Blätter bereits voll
entfaltet.
Hedda sah unaufhörlich nach der Uhr. Sie war etwas in Unruhe und
zweifelhaft geworden, ob es dem fremden Vetter auch auf dem Baronshofe
gefallen werde. Seit einer halben Stunde ging sie vor der Veranda auf
und ab, den Wagen erwartend, denn da der Zug wenige Minuten nach zwölf
in Zielenberg eintraf, so konnte die Post jeden Augenblick durch den
geöffneten Torweg einfahren.
August teilte die Unruhe seiner Herrin. Hedda hatte auf seinen blauen
Livreerock einen neuen roten Kragen gesetzt und ihm anbefohlen, beim
Servieren weiße Handschuhe anzuziehen. Und davor ängstigte sich August.
An das Servieren mit Handschuhen war er nicht gewöhnt. Er hatte es ein
paarmal probiert, aber auf der glatten Wolle rutschten die Teller immer
aus. Das Herz zitterte ihm, wenn er an das Diner dachte.
In der Ferne ließ sich -- ein seltener Klang -- das fröhliche Schmettern
eines Posthorns vernehmen. Das war er! Hedda stürmte in das Haus zurück,
den Alten zu rufen.
»Schnell, schnell, Vater -- er kommt!«
Der Baron, in seinem langschößigen Rock und in der schwarzen Halsbinde
wie ein Veteran von 1806 aussehend, hinkte an seinen Krückstöcken auf
die Veranda -- in dem Augenblick, da der Postwagen vorfuhr.
Es war eine sogenannte Beichaise, ein geschlossenes Coupé, und hinter
dem hochgezogenen Fenster des Wagens sah Hedda ein schmales, blasses,
freundliches Gesicht und eine ihr zuwinkende Hand in braunem Wildleder.
August riß den Schlag auf, und Baron Axel stieg vorsichtig aus, mit dem
Fuße nach dem Trittbrett angelnd.
»Tag, Cousine!« rief er ihr dabei entgegen, mit leicht fremdartiger
Betonung des Deutschen, »Tag, Onkel Frederic! Kinder, wie ist das hübsch
bei euch! Kinder, wie freu' ich mich!«
Seine Begrüßung war sehr warmherzig. Hedda hatte sie steifer und
formeller erwartet, sich überhaupt, trotzdem sie eine Photographie des
Vetters kannte, ein ganz andres Bild von Axel entworfen. Er war sehr
groß, größer als der Vater, aber schmalschulterig und ging leicht
vornüber geneigt. Das bleiche Gesicht zeigte vornehme Züge, sah jedoch
ein wenig abgespannt und müde aus. Auf der rechten Wange zeichnete sich
eine feine Hiebnarbe blutrot ab. Ein langer, weißblonder Schnurrbart
sproßte auf der Oberlippe; auch das Haar war weißblond und dünn, aber
geschickt gescheitelt und über den Kopf verteilt. Aus den hellen blauen
Augen blickte viel Gutmütigkeit. Axel trug ein Monocle ohne Band, ein
großes, rundes Glas, ständig in die linke Augenhöhle geklemmt. Seine
Kleidung war ausgewählt elegant, besonders fiel Hedda der Sitz der
Stiefel auf den sehr kleinen Füßen auf.
August führte den Gast zunächst auf sein Zimmer, und dann ging man
sofort zu Tische. Axel fand alles »reezend« (er sprach das ei gern als e
aus), besonders das verräucherte Ahnenbild interessierte ihn sehr.
»Aber irgend eine Ähnlichkeit mit den Porträts in Jarlsberg kann ich
beim besten Willen nicht herausfinden,« sagte er. »Freelich, da sind
eenige fünfzig -- in eener unendlich langen Galerie, in der man getrost
eene Steeplechase veranstalten könnte -- ach, Cousine, es ist schade,
daß du Jarlsberg nicht kennen lernst -- das würde dir gefallen ...« Und
er beschrieb das alte Schloß, das hoch oben in Schweden auf einem
Felsenvorsprung, der Lofotengruppe gegenüber, lag, umschäumt und
umrauscht von den Wellen, eine kolossale Burg, deren Grundmauern noch
aus dem vierzehnten Jahrhundert stammten, und an der acht Generationen
gebaut hatten. »Ich mit,« fügte Axel hinzu, »und es hat mich Mühe genug
gekostet, in die riesigen Zimmerfluchten eine gewisse Wohnlichkeet zu
bringen, denn Vater und Großvater lebten lieber in Stockholm und mehr
noch in Paris als auf dem einsamen Stammschlosse. Aber seht ihr, für
mich hat es einen besonderen Reez, da oben zu hausen, mutterseelenalleen,
und es tut mir von Herzen leed, daß mir der Arzt das rauhe Klima
verboten hat. Ich muß nämlich een bißchen -- een bißchen vorsichtig
seen,« schloß er, und gleichsam als Bekräftigung dieser Äußerung befiel
ihn zum Schrecken Heddas ein langer und trockener Husten, den er
vergeblich niederzukämpfen sich mühte.
Er hatte sich abgewendet und hielt sein Taschentuch vor den Mund. Der
Husten erschütterte seinen ganzen Körper, so daß er nach Luft ringen
mußte, als der Anfall glücklich vorüber war.
»Schauderhaft,« sagte er endlich. »Ich habe mich vor zwee Jahren auf
der Bärenjagd erkältet und kann mich seetdem nicht wieder so recht
erholen. Ich will deshalb auch den Abschied nehmen und een paar Jahre im
Süden verleben. Vielleecht wird's da unten besser ... Und nun, Onkel
Frederic -- wie steht's mit der Chronik? Hast du dich durch die alten
Urkunden durchfinden können?« --
Hedda war sich noch nicht ganz klar über den Vetter; sie schwankte noch
in ihrem Urteil. Jedenfalls war er ein vollendeter Gentleman und
jedenfalls ein sehr kranker Mensch, mit dem man Mitleid haben mußte. Er
hatte ein liebes, sympathisches Gesicht, und die ganze Art seines
Sichgebens war frei, herzlich und natürlich. Es zeigte sich auch, daß
Axel über eine feine und umfassende Bildung verfügte; er war viel in der
Welt herumgekommen, beherrschte ein halbes Dutzend Sprachen und war
erstaunlich belesen, so daß Hedda im Gespräche mit ihm zu öfterem ein
gewisses Schamgefühl über ihren eignen Mangel an Wissen überschlich.
Den ganzen Nachmittag über blieb Axel mit dem Freiherrn in dessen
Arbeitszimmer, um den vollendeten Teil der Chronik durchzugehen. Erst
beim Abendessen traf Hedda wieder mit ihm zusammen. Sie ärgerte sich im
stillen über die Appetitlosigkeit ihres Gastes; was hatte man für
Umstände gemacht, und nun aß er fast gar nichts! Mit dem Trinken war es
ebenso; er bevorzugte Zitronenwasser ohne jeden Beisatz von Zucker --
brrrr, dachte sich Hedda, und das will ein verwöhnter Weltmann sein!
Aber seine scharmante Liebenswürdigkeit blieb immer die gleiche. Er
sprach viel und ungemein anregend, oft sprunghaft das Thema wechselnd,
doch stets interessant; dabei nahm auch sein Gesicht eine lebhaftere
Färbung an, und um so stärker fiel die Abspannung seiner Züge auf, wenn
er einmal eine Pause in der Unterhaltung eintreten ließ. Gelegentlich
fragte ihn Hellstern nach der Ursache der Narbe auf seiner rechten
Wange; er vermutete, sie rühre von einem Schmiß aus der Studentenzeit
Axels her. Doch Axel erzählte freimütig, er habe die Wunde in einem
Duell empfangen -- vor sieben oder acht Jahren, in Brüssel, wo er für
die Gattin eines Grafen Soundso mehr Interesse gezeigt habe, als dem
Ehemann lieb gewesen sei. Jetzt sei er über derlei Dummheiten hinaus.
Axel zog sich übrigens frühzeitig zurück. August mußte mit auf sein
Zimmer gehen, ihm beim Auskleiden zu helfen, und er schilderte späterhin
in der Küche mit beredten Worten, welche Geheimnisse die Garderobe des
Herrn Vetters barg. Da waren eine Unmasse Flaschen und Kapseln mit
silbernen Köpfen, alle gefüllt -- »weiß der Deubel, mit was« --, die
mußten vor dem Spiegel aufgestellt werden. Und die Hosen wurden in einen
Bügel gezwängt, der sie auseinanderspannte, damit sie auch die richtige
Form behielten, und in die Stiefel kamen aus dem gleichen Grunde
hölzerne Blöcke mit silbernen Ringen hinein, und die Nachthemden waren
aus purer Seide. »So was hab' ich mein Lebtag nicht gesehen,« schloß
August, und als Dörthe fragte, ob die Nachthemden auch wirklich aus
Seide gewesen wären, sagte er: »Auf Ehre, aus purer Seide; ich hab' sie
befühlt.«
Hedda blieb, nachdem Axel gute Nacht gewünscht hatte, noch ein halbes
Stündchen bei ihrem Vater sitzen. Es drängte sie, ihre Eindrücke über
den Gast mit ihm auszutauschen.
»Wie findest du den Axel?« fragte sie. »Er ist schwer leidend, nicht
wahr?«
Der alte Herr nickte.
»Ich glaube auch; er verbirgt's zwar gern, aber ich halte den armen Kerl
für schwindsüchtig. Und da ist mir etwas eingefallen, Hedda, woran ich
vorher noch gar nicht gedacht hatte. Wer bekommt denn das ganze Geld und
die Güter in Schweden und die alte Burg den Lofoten gegenüber, wenn der
Axel einmal unverheiratet sterben sollte? Ich gönne ihm, weiß Gott,
noch ein langes Leben, aber schließlich, des Herrn Wille ist
unerforschlich -- und Axel sieht nicht so aus, als ob er das
Hellsternsche Alter erreichen würde. Na, da habe ich denn am Nachmittage
vorsichtig einen Fühler ausgestreckt, ob er noch irgend welche Verwandte
hat, von denen der Freiherrnkalender nichts weiß. Und es ist wirklich
so. Stirbt er ohne Nachkommen, dann fällt sein ganzer Besitz einem
Vetter zu, der in der englischen Marine dient, und den er wie die Pest
haßt. Er hat einmal irgend einen argen Zank mit ihm gehabt; nach seinen
Schilderungen muß es ein gräßlicher Kerl sein. Nun frage ich dich, ist
das nicht schandbar?«
»Weshalb?« entgegnete Hedda harmlos.
»Schlaukopf -- weshalb? Wären _wir_ nicht ebenso geeignete Erben wie
dieser unausstehliche Vetter in der englischen Marine?«
Hedda lachte.
»Ich zweifle nicht daran,« entgegnete sie, »daß _wir_ uns als Erben in
der Tat ebensogut und vielleicht besser ausnehmen würden. Aber deinen
Ärger versteh' ich trotzdem nicht recht, Vater. Du sagst ja selbst, daß
du nie an die Möglichkeit gedacht hättest, je einmal von Schweden aus
berücksichtigt zu werden --«
»Vorher nicht,« fiel der Alte ein; »aber jetzt liegt die Sache doch
anders.«
»Ich wüßte nicht inwiefern, gestrenger Herr Vater.«
Der Freiherr überhörte die letzte Äußerung. Er hatte den Kopf in die
Hand gestützt und schaute sinnend und melancholisch, mit leisem Seufzer,
zu Hedda hinüber.
»Schade, daß der Axel so 'n armer, kranker Teufel ist,« sagte er.
»Ich bemitleide ihn auch, und von ganzem Herzen --«
»Denk mal, was das für eine Partie für dich gewesen wäre!«
Hedda fuhr betroffen auf; dann lachte sie wieder: »Willst du mich denn
so absolut los sein, Papa?«
»Unsinn! Du weißt recht gut, daß ich dich am liebsten immer bei mir und
um mich behalten möchte -- weißt's recht gut! Aber 'mal muß ich mich
doch mit dem Gedanken vertraut machen, dich abzugeben -- lieber Gott,
das ist doch nun einmal das Schicksal der Töchter! Glaube nicht, daß ich
gar so selbstsüchtig bin; ich habe mir über deine Zukunft schon manchmal
meine Gedanken gemacht. Jahr um Jahr vergeht, und du sitzest hier auf
dem Baronshofe und lernst keinen vernünftigen Menschen kennen --«
»Erlaube, Papa --«
»Na ja, ich meine, keinen, der sich für dich eignen würde. Mit dem
Gunther von da drüben war es doch nichts! Es ist eine niederträchtige
Geschichte. Ich ärgere mich, daß ich dich nicht doch noch zu Tante Jutta
nach Berlin geschickt habe. Es sollen sehr nette Leute bei ihr
verkehren.«
»Trotzdem ist es fraglich, ob mir einer von ihnen gefallen hätte.«
»Lieber Himmel, du kannst doch nicht alte Jungfer werden?!«
Hedda erhob sich und gab dem Alten einen Kuß.
»Ängstige dich nicht meinetwegen, Vater,« sagte sie heiter. »Das
Heiraten gehört freilich sozusagen zum weiblichen Beruf, aber es gehören
auch immer zwei dazu. Finden sich die nicht zusammen, dann muß man sich
zu trösten suchen. Und das werde ich tun -- wenn es nicht anders ist.
Nun schlaf wohl und verträume die ernsten Gedanken!«