Es ist ganz merkwürdig, mit welcher Deutlichkeit all das Vergangene
mir wieder vor die Sinne tritt. Wie mit schwerer Grabeserde schien
mir bisher der größte Teil meiner Jugend verdeckt und nun flattert es
allenthalben empor wie leichte, windwehende Schleier und vergangene
Tage treten hinter ihnen hervor mit ihren strahlenden Sonnen und
dumpfen Nächten, mit all ihrem zitternden Glück und heimlich weinenden
Leid, mit der süßschmerzlichen Unruhe einer jungen Seele, die zum
Leben, Lieben und Leiden erwacht.
Ich habe in den letzten Wochen nicht schreiben können; zu groß war die
Fülle der Erinnerungen und ich mußte erst in mir selber klar werden. So
bin ich denn im Schnee meiner Einsamkeit herumgestapft und habe all die
leisen Zeichen beachtet, die mir sagen, daß es wieder Frühling wird.
Noch steht der Wald in tiefem Schnee, aber hier und dort schnellt ein
Zweiglein, das bisher regungslos zu Boden gehangen ist, empor und wirft
die weiße Last von sich, die es so lange getragen; eifriger turnen die
Meisen im Geäst auf und ab, und ihr Zwitschern klingt von Tag zu Tag
lauter. Die Luft ist durchsichtig und auf den Bergen und Felsgipfeln
ist jede Runse, jeder Stein deutlich zu erkennen. Am schönsten
aber sind die Nächte. Sie werden gar nicht mehr dunkel. Der Mond
leuchtet mit einer Helligkeit, daß jede Linie scharf hervortritt; wie
geschmolzenes Silber liegen die blendenden Schneeflächen auf den Bergen
und ebenholzschwarz heben sich von ihnen die Wälder ab. Die Sterne
brennen hell und unruhig und ein Rauschen ist in der weiten Runde, als
gingen unter dem tiefen Schnee tausend und tausend Bäche zu Tal und in
der Welt hinter den Bergen sei ein Sturm erwacht, der Einlaß in meine
Waldeinsamkeit sucht. Gestern schrie drüben am See, der schon dort und
da die tiefschwarzen Flecken offener Stellen zeigt, ein fremder Vogel.
Ein ganz eigener Ton war das, als hätte die Nacht plötzlich eine Stimme
bekommen und schreie voll Sehnsucht nach Licht.
Ja, die Sehnsucht! Ein Kind des Lichtes ist sie und darum strebt sie
auch zum Licht. Nur daß die Kreatur zumeist das Ziel nicht klar erkennt
und wenige zum großen, ewigen Weltlicht, zum Frieden kommen, in dem
alles Vergängliche untergeht wie in einem Meere von Harmonie.
Auch mein Leben ist auf den dunklen Irrpfaden der Sehnsucht gegangen
und wenn ich auch in früheren Tagen oft bereut habe, daß ich willenlos
mich auf ihnen hintreiben ließ, heute lächle ich dazu: sie waren doch
Wege zum Frieden, wie überhaupt alles, was da ist, diese Wege geht,
mögen sie auch durch Dornen und Wüsten führen und mögen auch ganze
Lachen roten Herzblutes auf ihnen stehen.
Ich war Heri verfallen. Wenn auch immer wieder eine Stunde kam, wo sich
mein ganzes Wesen gegen die Macht aufbäumte, die von ihr ausging, wenn
ich auch dann jedesmal den Versuch machte, zu Marieli zurückzukehren,
die mir trotz aller Vernachlässigung in gleichmäßiger Innigkeit ihr
stilles reines Kinderherz entgegentrug, -- ich mußte wieder zu Heri
zurück.
Nicht wenig trug dazu bei, daß ich mich auch geistig von dem Marieli
von Tag zu Tag weiter entfernte. Der Unterricht, den Heri erhielt und
an dem ich noch immer teilnehmen durfte, ging allmählich weit über
das hinaus, was in der Dorfschule gelehrt wurde, und mir öffneten
sich Blicke in die Welt und in die Natur, die mich mit dem eifrigsten
Streben erfüllten, immer noch mehr und mehr kennen zu lernen. Hand in
Hand mit Heri wanderte ich durch fremde Länder und sah längst begrabene
Völker auferstehen. Ach Gott! wie glücklich mußte der sein, der alles
lernen konnte, was es da noch zu lernen gab!
„Du mußt studieren!“ sagte eines Tages Heri zu mir und warf damit
einen Brand in meine Seele, der nicht mehr zu löschen war. Nun fing
ich auch an, über meine Zukunft nachzudenken. Bisher war ich mit
dem Lebenswege, wie ihn mir meine Mutter wiederholt vorgezeichnet
hatte, ganz zufrieden gewesen. Ich sollte erst meine Lernzeit in
der Dorfschule beenden, mit fünfzehn Jahren dann in eine niedere
Forstschule eintreten und nach Absolvierung derselben in den Dienst des
Grafen treten. Ich konnte es da bis zum Förster bringen und das schien
meiner Mutter ein so hohes und ehrenvolles Ziel, daß sie ganz außer
sich war, als ich ihr eines Tages sagte, daß ich weiter hinaus wolle.
„Kind,“ rief sie, erschrocken die Hände ringend, aus, „wie kommst du
auf solche Gedanken! Bedenke doch, daß ich kein Geld habe, um dich
studieren zu lassen. Und sonst haben wir auch niemand, der dir dazu
verhelfen könnte. Und glaubst du, daß das Studieren allein glücklich
macht? Dein Vater war nichts als ein einfacher Heger und war doch
zeitlebens“ -- sie seufzte auf, wie immer, wenn sie an die schöne,
friedliche Zeit ihres kurzen Eheglücks dachte -- „ein zufriedener,
glücklicher Mensch. Du aber wirst mehr als er, bekommst selbständig
dein Revier, das wird doch für ein Kind armer Leute, wie du eines bist,
genug sein.“
Ich erwiderte darauf nichts, aber überzeugt war ich von den Worten der
Mutter durchaus nicht. Warum sollte es für mich genug sein, nur Förster
zu werden, warum sollte ich nicht auch hinaufgelangen können zu der
Höhe, auf der z. B. Heris Vater stand! Ich hatte durch den Verkehr
im Hause des Oberforstverwalters eine Form des Lebens kennen gelernt,
deren Schönheit tief auf meine junge, empfängliche Seele wirkte. Der
ruhige, vornehme Ton, der im Hause herrschte, das innige Verhältnis
zwischen den drei Personen mit all den hundert und hundert kleinen
Aufmerksamkeiten und Rücksichten, mit denen man sich täglich das Leben
verklärte, das waren Dinge, die mir das ganze Herz aufrührten. Wie
schön müßte das sein, einmal ein Zimmer zu haben mit weichen Teppichen,
einem schwellenden Sofa, schweren Samtvorhängen vor den großen Fenstern
und großen Bildern an den Wänden. Sollte es das für mich nicht geben
dürfen, daß mir in stiller Feierstunde ein Dichter die Welt der
Schönheit erschließt oder daß mir nach des Tages Arbeit Musik das müde
pochende Herz erquickt? Sollte ich, weil meine Eltern zufällig arme
Hegersleute waren, in die Masse derjenigen hinabgestoßen werden, die
nichts Höheres kennen, als gut Essen und Trinken. Da hätte man mich
nicht mit Besserem bekannt machen, mich nicht an tieferem Unterrichte
teilnehmen lassen sollen.
Stundenlang grübelte ich nun oft über meine Zukunft und entwarf Plan
auf Plan, denn studieren mußte ich, das fühlte ich von Tag zu Tag
stärker und klarer. Gewiß, auch das bescheidene und schlichte Leben,
wie es mein Vater geführt hatte, hatte seinen Reiz und sein Glück,
aber ich mußte höher hinauf, schon wegen Heri.
Ja, wegen Heri! Auf einmal war mir der Gedanke gekommen. Wenn ich nicht
studierte, dann mußte sich mit den Jahren eine tiefe Kluft zwischen uns
öffnen, dann stand sie hoch über mir, dem niederen Forstmanne, und ihre
Augen würden stolz und kalt auf mich herabsehen. Eine glühende Welle
lief bei diesem Gedanken durch meinen Körper, ich fühlte die Scham im
voraus, die ich dabei empfinden würde. Nein, das durfte nicht sein,
das könnte ich ja nicht ertragen und darum mußte ich es durchsetzen,
studieren zu können. Nur so konnte ich an ihrer Seite bleiben.
Wer aber sollte mir zum Studium verhelfen, wer konnte es? Einzig und
allein der Oberforstverwalter, und diesen für den Plan zu gewinnen, war
niemand besser geeignet, als sein Abgott, Heri. Nur wußte ich nicht,
wie ich das Gespräch auf mein Thema bringen sollte; denn eine direkte
Bitte wollte ich nicht tun.
Und da kam mir wieder einmal etwas zu Hilfe, was die Menschen so gerne
Zufall nennen und was doch, wie alles auf der Welt, seinen zwingenden
Grund hat, und wäre das auch kein anderer, als unser sehnlicher Wunsch,
der auf uns noch geheimnisvollen Wegen in den ehernen Ring von Ursache
und Wirkung tritt.
Unsere Lernstunde war vorüber und Heri und ich stiegen die breite
Schloßtreppe zum Garten hinab. Heri war heute so still und versonnen,
in ihren Bewegungen lag etwas so Weiches und Wehmütiges daß ich sie
endlich besorgt fragte: „Heri, was hast du denn heute?“
Da faßte sie meine Hand, sah mir tief in die Augen und erwiderte:
„Heini, kannst du dir vorstellen, daß wir zwei in einem Vierteljahre
nicht mehr beisammen sein sollen?“
Ich erschrak auf das heftigste und fühlte mein Herz für einen
Augenblick stillstehen.
„Du -- du sollst fort?“ stotterte ich dann hervor.
„Ja, in die Stadt ins Kloster zu den grauen Schwestern. Der höheren
Ausbildung wegen, meinen Papa und Mama.“
„Und du freust dich darauf?“
„Nein. Das heißt: auf das Lernen freue ich mich schon, aber auf das
andere alles nicht! Wie oft werde ich an unseren schönen Garten
da zurückdenken und wie wir zwei da so lustig waren. Bei den
Klosterschwestern, da heißt’s schön still zwei und zwei spazieren
gehen, da gibt’s kein Laufen, kein Klettern und Springen und denk dir,
lange Röcke soll ich dann auch schon tragen!“
Sie wußte noch von einer ganzen Menge von Dingen zu erzählen, die ihr
nicht paßten; aber ich hörte nur mit halbem Ohre darauf hin und als
sie endlich schloß: „Ja, Heini, so ist’s und du mußt dich an den
Gedanken gewöhnen so wie ich!“ da platzte ich plötzlich heraus: „Und
ich gehe auch mit in die Stadt!“
Sie sah mich eine Weile an, ob es mir Ernst sei, oder ob ich Scherz
mache und dann sagte sie: „Du willst mit in die Stadt? Was wolltest du
denn dort?“
„Studieren!“
„Ja, aber du, Heini, das kostet viel Geld. Papa muß auch für mich viel
zahlen! Woher wolltest du denn das Geld nehmen?“
Wie mir da augenblicklich der Gedanke kam, weiß ich heute noch nicht,
aber schlagfertig erwiderte ich: „Wenn dein Vater für mich bitten tät,
wer weiß, ob mich nicht der Herr Graf studieren ließe. Der hat doch
Geld genug!“
Heri heftete ihre dunklen Augen in die Ferne, dann fuhr sie plötzlich
mit einem Ruck herum und rief: „Du, Heini, das muß gehen. Ich will
den Papa bitten, daß er für dich bei dem Herrn Grafen ein gutes Wort
einlegt. Und weißt: der Herr Graf hält große Stücke auf den Papa und
wenn der etwas sagt, dann geschieht es auch.“
Und im nächsten Augenblicke hatte sie auch schon das Angenehme für
sich selbst herausgefunden und sie klatschte in die Hände und jubelte:
„Heini, das ist ein vorzüglicher Gedanke. Weißt du: die Eltern haben
mir versprochen, daß ich alle Sonntage zu Tante Berta kommen darf und
da kommst du dann auch hin und wir können wenigstens jeden Sonntag
beisammen sein. Tante Berta ist sehr nett und hat bei ihrem Haus
auch einen netten Garten, freilich viel kleiner als unserer da, aber
ein Garten ist’s doch. Ja, Heini, du mußt mit. Ganz gewiß, und ich,
wenn der Papa nicht gleich will, ich werde schon mit Betteln nicht
nachlassen. Ich setz’ es durch!“
Und sie setzte es durch. Über Verwendung des Oberforstverwalters
erklärte sich der Graf bereit, die Kosten für meine Unterbringung
in dem Studentenheim der Stadt zu tragen. Für die Bücher versprach
der Oberforstverwalter zu sorgen und das andere, Kleider und weitere
Notwendigkeiten, konnte schon meine Mutter bestreiten.
Es war ein herrlicher Septembertag, als ich mit meiner Mutter zur Mühle
hinabschritt, um mich von der Müllerin und dem Marieli zu verabschieden.
Die Müllerin saß in der großen Stube, von der einige Stufen
hinaufführten zur Tür in das Mühlenwerk, und hatte einen gewaltigen
Stoß Wäsche zum Ausbessern vor sich. Sogleich aber schob sie ihn zur
Seite und den Zweck unseres Kommens erratend, sagte sie: „Also jetzt
wird’s Ernst.“ Und mit diesen Worten reichte sie nicht nur der Mutter,
sondern auch mir die Hand. Letzteres hatte sie noch nie getan und
ich fühlte mich deshalb jetzt sehr gehoben. Nun galt ich schon als
Erwachsener.
Und die Müllerin wollte zur Feier des Abschieds sogar etwas Besonderes
tun, nämlich Tee kochen.
„Das Zuschaun wird dich wohl nit interessieren, Heini,“ meinte sie,
„such derweil das Marieli auf. Sie wird im Garten sein.“
So war sie nun gekommen, die Stunde, die ich schon seit Wochen so arg
gefürchtet hatte. Aber ich nahm allen Mut zusammen und ging in den
Garten hinaus.
Still lag er da im weichen, lauen Sonnenschein. Keine Glut strömte von
den sauber gepflegten weißen Kieswegen aus, nur sanfte, wohlige Wärme.
An den Seiten der dunkelgrünen Buchseinfassung leuchtete das Tiefrot
der Georginen und dazwischen schimmerten in blassen, vornehmen Farben
die Astern. Darüber lagen flimmernde, zarte Gewebe, die Sommerfäden,
und ließen in dem sanften Lufthauch ihre Enden wie silberne Wimpel
wehen.
Von dem gelben Hauch des Welkens umwittert, lag die Bohnenlaube vor
mir, und da meine Blicke das Marieli sonst nirgends fanden, schritt ich
auf die Laube zu.
Ich hatte wider Willen meine Schritte verlangsamt und war auf den
Zehenspitzen gegangen und deshalb hatte auch Marieli mein Kommen gar
nicht gehört. Sie hatte beide Arme auf den Tisch gelegt, den Kopf
darauf gesenkt und schluchzte, daß es mir das Herz zusammenzog.
Eine Weile stand ich regungslos und überlegte, ob ich mich melden
oder heimlich wieder davonschleichen sollte. Am liebsten hätte ich
eigentlich letzteres getan, aber ich schämte mich und dann dachte ich
daran, daß ich mich wohl auch vor der Müllerin und der Mutter nicht
verantworten konnte.
So nahm ich denn allen Mut zusammen und rief leise: „Marieli!“ Sie
hörte mich nicht, denn ich hatte ihren Namen nur so hervorgewürgt und
er klang zu leise und heiser.
Da tat ich einen festen Schritt auf sie zu und rief lauter: „Du,
Marieli!“
Nun hob sie jäh ihr tränenüberströmtes Gesichtchen empor und
Erschrecken und Glück zugleich malte sich auf ihren Mienen.
Ich konnte mir zwar denken, warum sie weine, ein inneres Gefühl sagte
es mir; trotzdem aber fragte ich: „Warum weinst du denn, Marieli?“
Sie sah mich groß an, als wollte sie sagen, wie ich denn so fragen
könne, dann aber senkte sie das blonde Köpfchen und erwiderte leise:
„Ich hab’ dich und deine Mutter kommen sehen.“
Ich wußte nichts zu sagen und es entstand eine lange Pause, in der
ich mich vergebens nach einem erlösenden Worte abquälte. Wie sie so
dasaß mit ihren lieben, nun so nassen und traurigen Augen, fühlte
ich plötzlich wieder, wie lieb ich sie hatte und wie schwer es mir
sein würde, sie nun auf Monate nicht mehr zu sehen. Denn wenn mich
auch Heri ganz mit Beschlag belegt hatte, dann und wann hatte ich doch
ein Stündchen mit Marieli verplaudert und gespielt und jedesmal hatte
ich die wundersame Ruhe gefühlt, die von ihrem Wesen auf das meine
überströmte.
So stand ich hilflos vor ihr und meine Seele bebte in Leid und Wehmut.
„Fahrst morgen schon fort?“ unterbrach sie endlich das Schweigen.
„Nein, übermorgen in der Frühe fahren wir fort.“
„Du und deine Mutter?“
„Nein, der Herr Oberforstverwalter und die Frau und die Heri. Und da
nehmen sie mich auch gleich mit.“
Auf diese Erklärung senkte Marieli wieder den Kopf und es entstand
wieder ein Schweigen zwischen uns. Ich sah, wie sich ihr Gesichtchen
immer tiefer und tiefer zur Brust hinabneigte und wie plötzlich ein
Zittern durch ihren Körper lief. Ich wußte, nein, ich ahnte nur, was
in ihr vorgehen mochte, und quälte mich neuerdings vergebens, ihr ein
liebes, beschwichtigendes Wort zu sagen. Aber als ich auch diesmal
keines fand, und plötzlich ihr leises Schluchzen an mein Ohr drang, da
nahm ich sie in heißer, inniger Aufwallung in die Arme, drückte ihren
Kopf an meine Wange und flüsterte: „Marieli, nicht weinen, ich bitt’
dich, nicht weinen!“
Und als sie nun ruhiger wurde und dann ihre Augen zu mir aufschlug, die
im Schimmer taufeuchter Veilchen erglänzten, da kam es plötzlich über
mich so seltsam, so fremd und stark und ich küßte sie.
Heri hatte mich schon manches Mal geküßt, wenn sie gerade in toller
Laune gewesen war oder ein Unrecht gutzumachen hatte, das ihr
stürmischer Sinn an mir begangen hatte, aber außer einem Gefühl
augenblicklicher Verwirrung hatten diese Küsse nichts in mir bewirkt.
Nun ich aber selbst und zum ersten Male Marieli geküßt hatte, war es
mir, als sei etwas Großes geschehen, etwas, das nie und nie mehr aus
meinem Leben zu schaffen sei.
Über Marielis verweintes Gesichtchen aber glitt ein unsäglich seliges
Lächeln und in ihre blauen Augen kam ein so süßes Leuchten, als sei ein
ganzer Frühlingshimmel in sie herabgesunken.
„Gelt, Heini, du schreibst mir auch einmal?“ sagte sie nach einer Weile.
„Ich werde dir alles schreiben, wie’s in der Stadt ist, und weißt,“ --
ich war in dem Augenblicke wirklich fest entschlossen dazu -- „wenn’s
mir dort nicht gefällt, dann komm’ ich zurück und bleib’ da. Und dann
werd’ ich auch nicht Förster, dann lern’ ich die Müllerei.“
In diesem Augenblicke erscholl hinter mir ein höhnisch meckerndes
Lachen. Bartl war nach seiner Gewohnheit, überall zu horchen und zu
lauern, heimlich herangeschlichen und hatte jedenfalls unser Gespräch
oder wenigstens einen Teil desselben belauscht.
Wir beide haßten uns aufs grimmigste, und hätte mich nicht ein
bittender Blick Marielis abgehalten, ich hätte mich augenblicklich auf
ihn gestürzt und mit den Fäusten Abschied von ihm genommen.
Aber auch er erkannte, daß mit mir jetzt nicht gut Kirschenessen sei,
und ein paar Schritte zurückweichend sagte er: „O je, was der jetzt für
Augen macht, so wild! Und grad hat er so gut Busserl geben können!“