Das ungewohnte Schreiben hat mich gestern merkwürdig erregt und
doch zugleich auch müde gemacht. Man ist nicht umsonst zehn Jahre
Kohlenbrenner und Genosse der Einsamkeit. Sie will auch die
Gesellschaft der Schatten vergangener Tage nicht, denn die Einsamkeit
ist Gegenwart und nichts als Gegenwart. Die da sagen, sie wollen allein
sein, um Vergangenem nachhängen oder in die Zukunft hineinbauen zu
können, die haben die Einsamkeit nie kennen gelernt. Sie nimmt den
ganzen Menschen in ihre Arme, sie löscht alles aus, was nicht von ihr
selbst stammt, und wer ihres Friedens teilhaftig werden will, der muß
sich ihrer Liebe hingeben und ablegen, was von den Menschen und zu
ihnen führt.
Und ich hatte gestern wieder einen Schritt ins Menschenland getan.
Darum begann mein Herz zu zittern und ängstlich zu pochen und aus der
Hütte, darinnen jetzt Menschenschatten an meinem Tische saßen, trieb es
mich hinaus zur Einsamkeit des Hochwaldes.
Mondverklärte Stille. Nicht der leiseste Laut in Nähe und Ferne. In
schimmernd weißen Pelzmänteln stehen die uralten Bergtannen und ihre
Äste hängen zum Boden herab wie die Hände müder Menschen. Über ihren
Wipfeln glänzen die Sterne und es ist wie ein schöner Traum, der ernste
Häupter umschwebt. Weißes Licht bis in die dunklen Gründe hinein,
weißes Licht auf den vereisten Schroffen der Berge, die so groß und
majestätisch in die brunnenklare Nacht hineinragen, daß sie aussehen
wie Könige, die mit hocherhobenen lichten Stirnen auf das vor ihnen in
den Staub gesunkene, arme Menschentum herabblicken. Hehr ist die Nacht
und schön, göttlich schön.
Ich habe den Wald gesehen, wenn der eisige Wintersturm in seinen Kronen
wühlte. Da konnten die Raben nicht Ruhe finden und flatterten krächzend
um die knarrenden und krachenden Kronen; das Wild klagte in den
Dickichten, in die brechende Äste niederschlugen; heiser bellten die
Füchse und mit plumpem, rauschendem Flug suchte das Schneehuhn von Ort
zu Ort nach einem sicheren Platz. Bis an meine Hütte kamen die Hirsche
und Rehe heran und die Wildkatze vergaß so weit ihre Scheu, daß sie auf
mein Fenstergesimse sprang und mit grünglimmenden Lichtern in meine
Stube äugte. Und der Sturm brauste, eine riesige Weltenorgel, auf der
der Ewige, hingerissen in wilde Urweltphantasien, die Tasten schlägt.
Und doch: noch größer, erhabener ist das Schweigen der weißen
Winternacht. Im Sturme spricht die Kreatur und klagt ihr Leid, im
Schweigen spricht die Ewigkeit und die kennt kein Leid, die kennt nur
Frieden, tiefsten Gottesfrieden, vor dem alles Irdische abfällt, wie
totes Laub an grau verhangenen Herbsttagen. Und auch mir ward dieser
Friede. Lächelnd bin ich gestern zu Bette gegangen, lächelnd bin ich
heute aufgestanden und nun, da ich die Blätter, die ich gestern bei
Lampenschein geschrieben, wieder lese, weiß ich nicht, wie sie mich
erregen konnten. So will ich denn in Ruhe weiterschreiben.
Meine Mutter und ich blieben für die nächste Zeit noch in unserem
alten, lieben Heim. Freilich war es so ganz anders als früher, alles
fremd und leer und so voller Geheimnisse, die alle vorher nicht
dagewesen waren; aber wenn ich abends im Bette lag, war doch alles wie
sonst und ich schlief ruhig und befriedigt ein.
Eines Tages aber erschien der Oberforstverwalter und sagte meiner
Mutter, daß sie in vierzehn Tagen das Häuschen für den Nachfolger des
Vaters zu räumen hätte.
Die Mutter begann zu schluchzen und auch in mir stieg ein unsäglich
wehes Gefühl auf. Aber der Oberforstverwalter hatte auch den Trost zur
Hand und sagte: „Aber Frau Reinhold, so weinen Sie doch nicht gleich,
hören Sie mich doch zu Ende. Es ist ja ganz selbstverständlich, daß
Sie der Herr Graf, dem Ihr Mann ein so treuer Diener war, nicht auf die
Straße setzt. Er hat im Gegenteil in einer Weise für Sie gesorgt, die
seinem bekannten Edelsinn aufs neue ein glänzendes Zeugnis ausstellt.
Da Ihre Pension zu gering wäre, hat er bestimmt, daß Sie zu uns ins
Schloß kommen sollen. Sie sollen Beschließerin werden und dazu sollen
Ihnen die beiden Zimmer über der Meiers-Wohnung angewiesen sein. Küche
brauchen Sie keine, da Sie von uns, aus unserer eigenen Küche alles
erhalten werden. Und seien Sie versichert, meine Frau wird sich’s
angelegen sein lassen, daß Ihnen nichts fehlt.“
Meine Mutter wußte darauf nicht gleich etwas zu erwidern, denn sie
war immer darauf gefaßt gewesen, mit einer ganz, ganz kleinen Pension
abgefertigt zu werden und sie hatte auch schon mit der Müllerin eine
Verabredung getroffen, daß ihr diese in der kleinen Stube über dem
Kellergebäude der Mühle ein Zimmerchen gebe; mit Taglöhnerei wollte sie
uns beide fortbringen. Und nun war sie auf einmal aller Sorge enthoben.
„O mein Gott,“ stotterte sie nach einer Weile hervor, „das ist aber
ein Glück, ein großes, großes Glück! Das verdanke ich Ihnen, Herr
Oberforstverwalter, gewiß Ihnen und Ihrer lieben Frau! Sie war ja schon
bei der Leiche so gut zu mir!“
„Ich will’s nicht leugnen,“ entgegnete der Oberforstverwalter, „daß
meine Frau den Anstoß gegeben hat; aber mehr noch meine kleine Heri,
die Ihren Heinerle da ins Herz geschlossen hat. Der Herr Graf hat mich
zu einem Vorschlag betreffs Ihrer Versorgung aufgefordert und da hab
ich meiner Frau und dem Kinde gefolgt. Und seit gestern Abend, Frau
Reinhold, bin ich glücklich, daß ich den beiden gefolgt habe.“
Der ernste Nachdruck, mit dem er die letzten Worte sprach, ließ meine
Mutter gespannt aufhorchen.
„Ja, ja, Frau Reinhold, ich bin glücklich. Denn wissen Sie, für wen Ihr
Mann gestorben ist? Für mich! Die Kugel, die mir bestimmt war, hat ihn
getroffen.“
Meine Mutter sank mit gerungenen Händen auf den Stuhl und starrte den
Oberforstverwalter an.
Und dieser erzählte weiter: „Sie werden sich vielleicht noch an den
Philipp Holzinger, den Holzknecht, erinnern. Seine eigenen Kameraden
haben ihn den ‚versoffenen Lippl‘ genannt. Vor fünf Jahren mußte ich
ihn aus unserem Dienste entlassen. Er ist immer tiefer und tiefer
gesunken, war während der fünf Jahre wiederholt eingesperrt und
ist erst vor etwa anderthalb Monaten eben wieder aus dem Zuchthaus
gekommen.“
Meine Mutter nickte vor sich hin, denn das wußte sie schon vom Vater.
„Vor etwa vierzehn Tagen,“ fuhr der Oberforstverwalter fort, „war er
bei mir und bat mich um Wiederanstellung. Der Kerl stank aber so nach
Schnaps, daß ich ihn abwies. Auch seine Versuche, anderswo Arbeit zu
finden, schlugen fehl, denn niemand will so einen Süffling. Seine Wut
kannte keine Grenzen und so hat er auch den Holzknechten, bei denen er
sich oft einfand, um zu schmarotzen, gesagt, ich hätte ihn zugrunde
gerichtet und dafür solle ich meinen Denkzettel abbekommen. Ihr armer
Mann hat daran glauben müssen. Die Holzknechte lenkten sofort den
Verdacht auf den Lippl. Seit gestern früh ist er in sicherem Gewahrsam
und er hat seinen Mord auch gleich eingestanden. Das furchtbare
Bewußtsein, einen Unschuldigen ums Leben gebracht zu haben, hat sogar
diesen verkommenen Kerl mürbe gemacht.“
Meine Mutter weinte still vor sich hin und schüttelte dabei immer
wieder traurig den Kopf. Diese Wege des Schicksals konnte sie nicht
begreifen. Von dieser Stunde -- sie hat mir’s oft gesagt -- ist in ihr
etwas Heiliges zerbrochen: das unbedingte Vertrauen auf eine weise
Vorsehung und eine allwaltende Gerechtigkeit.
Heute verstehe ich es, was die Mutter meinte, als sie, kaum der
Oberforstverwalter draußen war, auf mich zustürzte, mich umschlang und
mir entsetzt zuraunte: „Heinerle, er hat keine Schuld gehabt! Nit die
geringste Schuld! O Gott!“
Man hatte ihr Trost und Glauben genommen.
Von dem Abschied von unserem Heim will ich nicht reden; es hieße nur
Tränen schreiben. Aber die Frau des Oberforstverwalters und Heri waren
so lieb und gut zu uns, daß wir uns auch droben in dem Schlosse bald
wohl fühlten.
Ich ging in die Dorfschule, zu Heri aber kam der Lehrer ins Haus;
doch wußte sie es bald durchzusetzen, daß ich zu ihren Lehrstunden
beigezogen wurde und da lernte ich manches, was ich in der einklassigen
Dorfschule, in der die Kinder vom sechsten bis zum dreizehnten
Lebensjahre nebeneinander saßen, nie gehört hätte.
Nur eines war, was mich mit heimlichem Kummer erfüllte: ich kam jetzt
nur äußerst selten zum Marieli in die Mühle. Meine Mutter war wohl
wie früher jeden Sonntagnachmittag bei der Müllerin und auch abends
fand sie oft Zeit, auf ein Stündchen zu der alten, treuen Freundin zu
gehen, mich aber ließ Heri nicht los und mein ganzes Zusammensein mit
dem Marieli beschränkte sich auf die paar Minuten, die wir auf dem
Schulwege zusammenkamen. Doch waren da immer auch noch ein paar andere
Kinder dabei und wir mußten das, was wir uns gerne gesagt hätten, in
die Brust zurückdämmen. Nur die Hand reichten wir uns und so schritten
wir dahin in stiller Seligkeit.
Wenn ich bei Heri war, kam ich aus der Unruhe nie heraus. Sie war so
lebhaft, wußte immer Neues, fand an keinem Spiele lange Gefallen, ihre
Sprache war so ganz anders als die meine, geschmeidiger, gewandter; ich
kam mir neben ihr immer so ungeschickt, so plump vor und doch mußte ich
ihr folgen. Sie brauchte mich nur mit ihren dunklen Augen anzustrahlen,
ihre feine, immer etwas zuckende Hand in die meine zu legen und ich war
wie in einem Bann.
Aus Marielis Wesen aber strömte eine unendlich süße Ruhe auf mich aus;
wenn ich ihre Hand in der meinen hielt, dann fühlte ich mich geborgen
und sicher. Die ganze Welt hätte um mich stürzen können und ich hätte
nur gelächelt. Was konnte mir geschehen, solange diese milden blauen
Augen neben mir schimmerten, solange ich den leisen Druck dieser zarten
treuen Hand fühlte!
Und einstmals kam es dem Marieli doch über die Lippen, was ich schon
so lange aus dem stillen, traurigen Blick ihrer Augen gelesen hatte:
„Heinerle, warum kommst denn jetzt garnit mehr zu mir?“
„Ja weißt du, sie laßt mich halt garnit aus und wenn ich von der Schul
heimkomme, da wartet sie schon auf mich und da muß ich mit ihr spielen
und lernen und die Mutter sagt auch immer, ich muß der Heri folgen,
weil wir halt arm sind und ihr Vater hat uns so viel Gutes getan.
Aber“ -- jäh erfaßte mich die Erbitterung, so geknebelt worden zu sein
-- „das sag ich dir, Marieli, jetzt tu ich’s nimmer. Ich mag sie eh
garnit, die Heri, weil sie mich so oft auslacht und weil man garnit
ordentlich spielen kann mit ihr. Alleweil will sie was anderes, als
ich. Ich hab dich viel lieber, Marieli!“
Bei diesen letzten Worten hob das Marieli seine blauen Augen zu mir auf
und ein Jubel lag darin, der mich ganz stolz machte. Hochauf flammte
mein knabenhafter Mut und ich rief: „Jawohl, Marieli, dich hab ich viel
lieber und jetzt folg ich der Heri nimmer. Wenn ich will, komm ich
jetzt alleweil zu dir, sie soll allein spielen.“
Es war auf dem Heimweg von der Schule, wo wir so sprachen. Ein
Spätsommertag war es. Der Himmel war tiefblau und wundersam klar
hoben sich die Berge zu ihm auf. Jede Runse, jede Felszacke war aufs
deutlichste zu sehen. An der Seite des Weges am Waldessaum hingen
in dem dunklen Laube der Sträucher die feuerroten Fruchttrauben der
Berberitzen und das Marieli und ich setzten uns unter einen dieser
Sträucher, brachen uns eine Traube, eines steckte dem anderen eine der
herbsauren Beeren nach der anderen in den Mund und wir suchten uns
unter fröhlichem Lachen darin zu überbieten, die dem Geschmack der
Beeren entsprechenden Gesichter zu schneiden.
Da kam rasches Pferdegetrappel die Straße vom Dorfe daher und
im nächsten Augenblicke bog um die Waldecke der Wagen des
Oberforstverwalters. Auf dem Bocke neben dem Kutscher saß Heri, die
Zügel in den Händen.
Mein erster Gedanke war, mich hinter einem Strauche zu verstecken; aber
sie hatte mich schon gesehen und ehe ich noch fliehen konnte, hielt
auch schon der Wagen, in dessen Fond die Frau Oberforstverwalter saß.
„Mama, da ist der Heinerle! Nicht wahr wir nehmen ihn gleich mit?“
„Gewiß mein Kind! Wenn er will, so kann er mit uns fahren! Aber wer
weiß, will er?“
Heri sah ihre Mutter verwundert an, dann schüttelte sie den Kopf und
rief mir zu: „Heinerle, gelt, du fährst mit uns?“ Und dabei sah sie
mich so herrisch, so siegesgewiß an, daß in mir plötzlich aller Trotz
aufschwoll und mit gesenktem Haupt -- sie anzublicken wagte ich nicht,
denn ich fürchtete die Macht ihrer dunklen Augen -- sagte ich: „Ich geh
mit dem Marieli!“
Und nun ich das entscheidende Wort gesprochen, fühlte ich auch die
Kraft, ihr in die Augen zu sehen. In diesen flackerte eine wilde Flamme
und ich fühlte, das war Schrecken und Zorn zugleich.
„Mama, er will nicht!“ Stahlscharf klang die Stimme Heris und in
dem Ton der Worte lag die Aufforderung an die Mutter, sie solle ein
Machtwort sprechen.
Doch die immer sanfte Frau entgegnete: „Aber Kind, so laß den Heinerle
doch! Schau, er und das Marieli gehen alle Tage mitsammen zur Schule
und es ist schön von ihm, daß er seine Freundin jetzt nicht im Stiche
lassen will.“
„Und er muß mitfahren!“ rief Heri und da war sie auch schon vom Bocke
heruntergesprungen und nun stand sie vor mir und blitzte mich mit ihren
schwarzen Feueraugen an. Als ich aber standhielt, kam ein großes wehes
Erstaunen in ihren Blick, ein feuchter Schimmer schattete wie ein
Schleier darüber und gab ihm eine Weichheit und Süße, davor sich mein
Knabenherz erschauernd zusammenzog wie vor einem Glück, das es nicht
fassen und halten kann. Und willenlos mit gesenktem Haupt ließ ich mich
zum Wagen führen.
Mein Schicksal hatte gesprochen. Zum ersten Male hatte die Macht der
dunklen Augen über mich gesiegt und dieser Sieg war ein entscheidender.
Von nun an wußte ich, nein das Wort „wissen“ ist da viel zu grob --
ich fühlte es, daß es etwas auf der Welt gebe, was imstande sei,
meinen Willen, meine besten Vorsätze über den Haufen zu werfen. Ein
unangenehmes Gefühl, und doch wieder so viel jubelndes Glück drinnen,
daß ich es nicht missen hätte wollen, nicht um den höchsten Preis.
Und auch Heri mußte dunkel erkannt haben, wie schwer sie in mein
Geschick eingegriffen hatte, denn als wir zu Hause waren und dann
allein durch den Garten schritten, da schlang sie plötzlich ihre Arme
um meinen Hals und zum ersten Male nannte sie mich nicht bei meinem
gewöhnlichen Namen, sondern sagte leise und mit einem innigen Flehen in
der Stimme: „Heini!“
Und als ich stumm, unfähig ein Wort zu sprechen, den Kopf senkte, da
umschlang sie mich nur noch fester, plötzlich brannten zwei Lippen auf
den meinen und heiß und drängend klang es in mein verwirrtes Herz:
„Heini, du mußt immer bei mir bleiben!“
Ich wußte nichts zu sagen, ich nickte nur. Vor meinen Augen blühte
etwas empor, eine große, leuchtende Blume, aus deren Kelch es in den
abendlich dämmernden Park floß wie Mondlicht, alles verklärend und
wundersam verschönend.
Als ich aber dann im Bette lag, da konnte ich nicht Ruhe finden. Erst
ferne, ganz, ganz ferne tauchte Marielis sanftes Gesichtchen mit
den milden blauen Augen auf, dann kam es immer näher und näher und
die Augen sahen mich so vorwurfsvoll und traurig an, daß es mir in
schneidendem Schmerz durch die Seele ging, und da brach ich plötzlich
in krampfhaftes Schluchzen aus.
„Was hast du denn, Heinerle?“ rief meine Mutter und kam besorgt an mein
Bett.
Aber ich konnte nicht antworten, ich wußte ja eigentlich selbst
nicht, warum ich weinte. Mitleid mit Marieli war wohl dabei, aber die
Hauptsache war doch etwas ganz anderes, etwas, für das mir der Name
fehlte und das mich gerade deswegen, weil es so dunkel und unfaßbar in
meinem Leben stand, ängstigte.
Die Mutter aber stand neben mir und streichelte in einemfort mein Haar
und fragte und fragte, und ich zerquälte mir den heißen Kopf nach einer
Antwort.
„Hast du vielleicht an den Vater gedacht?“ kam es ihr dann auf einmal
in den Sinn.
Das war ein Ausweg für mich und ich nickte. Da zog mich die Mutter fest
an sich, ich spürte ihren zuckenden Mund auf meinem Scheitel und dann
fielen auf meine Stirne schwere, heiße Tropfen nieder.
Lange saß die Mutter auf meinem Bette und hielt mich weinend im Arme.
Der Uhrenschlag ging durchs Zimmer, einsam und schwer, durch das offene
Fenster glänzten die Sterne aus dem dunkelsamtblauen Himmel herein
und die Nacht raunte draußen im Garten und in den Wäldern hinter dem
Schloß einmal lauter, dann wieder leiser, und leise, ganz leise klang
dazwischen das Klappern der Mühle und das Plaudern des Baches.