1. Einäscherung in der Muffel.

Diese Art der Einäscherung, welche zuerst von $Erdmann$[140], später

von $Strecker$[141] empfohlen worden und gegenwärtig in den meisten

Laboratorien eingeführt ist, hat die früher übliche, wonach die

Substanz in schief liegenden hessischen Tiegeln verkohlt wurde, fast

ganz verdrängt.

[140] Ann. d. Chem. u. Pharm. 54. 353.

[141] Ann. d. Chem. u. Pharm. 73. 366.

Die Muffeln, welche ich anwende, sind von der Masse der hessischen

Tiegel, 28 Cm. tief, 11 Cm. breit, 6 Cm. hoch. Die Maassangaben

beziehen sich auf die Dimensionen im Lichten. Die Muffeln befinden sich

eingemauert in Oefen mit drehbarem Rost, haben kein Abzugsrohr und

werden vorn durch einen mit Löchern versehenen Deckel lose verschlossen.

Die so entstehende Luftcirculation genügt zu dem Verbrennen der

verkohlten Substanz vollständig.

Man trocknet zunächst die einzuäschernde Substanz (etwa 100 Grm.) bei

100 oder 110°. Saftige Wurzeln oder fleischige Früchte zerschneidet man

zu dem Behufe und legt sie auf Glasplatten. Die getrocknete Substanz

wägt man am besten, bringt sie dann in einer flachen Platin- oder

Porzellanschale (besser noch in einer flachen, gerade in die Muffel

passenden Platin- oder Porzellankapsel) in die Muffel und erhitzt

diese allmälig. Sobald keine brenzlichen Producte mehr entweichen,

steigert man die Hitze ein wenig, aber nicht weiter als bis zu einer

ganz gelinden, bei Tage nicht sichtbaren Rothglühhitze. Bei dieser

Temperatur, bei welcher weder Kochsalz noch pyrophosphorsaures Natron

schmilzt, verbrennt die Kohle unter schwacher Glüherscheinung, und

es genügen 12 Stunden, um eine zur Analyse hinreichende Menge von

kohlefreier Asche zu erhalten. -- Substanzen, welche sich zu dieser Art

der Einäscherung nicht eignen, verkohlt man zuerst in einem grossen

bedeckten Platin- oder auch hessischen Tiegel bei gelinder Rothgluth und

verbrennt dann die verkohlte Masse in der Muffel. Umrühren der in der

Einäscherung begriffenen Substanz ist in der Regel unzweckmässig, weil

sie dadurch an Lockerheit verliert. Bei dieser Methode der Einäscherung

verflüchtigt sich, nach $Strecker$, kein Kochsalz.

Nach beendigter Verbrennung wägt man die erhaltene Asche, zerreibt und

mischt sie und bringt sie zunächst in ein gut schliessendes Pulverglas.

2. Einäscherung in der Schale, mit Hülfe künstlichen Luftzuges, nach

F. $Schulze$[142].

Man verkohlt die bei 100° getrocknete, gewogene organische Substanz

im Tiegel bei gelinder Rothglühhitze, bringt die Kohle in eine flache

Platinschale, legt über dieselbe ein Dreieck von Platindraht und

stellt auf dieses einen gewöhnlichen Lampencylinder (oder auch einen

hinlänglich weiten Retortenhals; den Cylinder kann man auch in einen

Retortenhalter einspannen und ihn so über der Schale befestigen). Unter

die Schale braucht man nur die einfache Weingeistlampe zu stellen. Durch

den verstärkten Luftzug, welchen der Cylinder veranlasst und welchen

man dadurch reguliren kann, dass man einen längeren oder kürzeren

anwendet und ihn niedriger oder höher stellt, gelingt die Einäscherung

bei der angegebenen niederen Temperatur selbst bei Getreidekörnern auf

überraschende Weise[143]. Nach vollendeter Einäscherung wägt man die

Asche und verfährt wie in 1.

[142] Briefliche Mittheilung.

[143] F. $Schulze$ bedient sich dieses Mittels auch bei der

gewöhnlichen Filtereinäscherung, indem er den Tiegel mit dem

Filter in die Schale stellt.

3. Einäscherung in der Muffel unter Zusatz von Baryt, nach

$Strecker$ (a. a. O.).

Die organische Substanz wird bei 100° getrocknet und in einer Porzellan-

oder Platinschale über der Lampe schwach verkohlt. Die Kohle feuchtet

man mit einer concentrirten Lösung von $reinem$ Barythydrat an, und

verwendet hierzu soviel, dass die nach dem Verbrennen bleibende Asche

etwa die Hälfte ihres Gewichtes an Baryt enthält. Die angefeuchtete

Kohle wird wieder getrocknet und bei möglichst niederer Temperatur in

der Muffel verbrannt. Die Asche schmilzt hierbei nicht; sie bleibt

voluminös und locker, so dass eine vollständige Verbrennung der Kohle

sich erreichen lässt. Der Rückstand muss noch einen ansehnlichen

Ueberschuss von kohlensaurem Baryt enthalten. Ist dies nicht der Fall,

so kann man einen Verlust von Schwefel oder Phosphor befürchten und thut

daher besser, eine neue Portion mit einem grösseren Zusatz von Baryt

einzuäschern. Der eingeäscherte Rückstand wird nun fein gepulvert und

innig gemischt.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 586 / 749 题