3) durch den Process des Einäscherns dürfen keine wesentlichen
Bestandtheile verloren gehen.
Um die $erste$ Bedingung zu erfüllen, hat man demnach die betreffenden
Pflanzen oder Pflanzentheile sorgfältig auszusuchen und zu reinigen.
Nicht immer gelingt es, anhängenden Sand oder Thon durch blosses
Reiben und Bürsten zu entfernen; es ist dies namentlich bei kleinen
Samenkörnern der Fall. -- H. $Rose$ giebt zu deren Reinigung folgende
Vorschrift. Man übergiesst sie in einem Becherglase mit einer nicht zu
grossen Menge destillirten Wassers, rührt einige Augenblicke mit einem
Glasstabe gut um, bringt sie dann auf ein weitlöcheriges Sieb, das den
feinen Sand durchlaufen lässt, die Samenkörner aber zurückhält. Diese
Operation wiederholt man einige Male, lässt aber dabei die Körner nie
lange mit dem Wasser in Berührung, weil aus ihnen sonst auflösliche
Salze könnten ausgezogen werden. Man bringt dann den Samen auf ein
leinenes Tuch und reibt ihn zwischen demselben, wodurch auch der feine
an den Körnern haftende Sand fortgenommen wird. Der so gereinigte Samen
ist fast völlig frei von fremden Beimengungen. Man trocknet ihn, um ihn
später einäschern zu können.
Zur Erfüllung der $zweiten$ und $dritten$ Bedingung hat man vornehmlich
ins Auge zu fassen, dass die Einäscherung bei möglichst niederer
Temperatur (dunkler Rothglühhitze) und bei einem weder zu starken noch
zu schwachen Luftzutritt vor sich gehe; denn ist der letztere zu stark,
so werden leicht Theile der Asche fortgerissen, ist er zu gering, so
dauert die Einäscherung zu lange, auch finden leicht Reductionsprocesse
statt, -- glüht man zu stark, so schmelzen nicht allein die Chlormetalle
und Phosphate der Alkalien und erschweren, indem sie die Kohle umhüllen,
deren Verbrennung ausserordentlich, sondern es verflüchtigen sich auch
leicht Chlormetalle, und selbst Phosphorsäure kann verloren gehen,
indem, wie $Erdmann$ zuerst gezeigt hat, saure Phosphate der Alkalien,
mit Kohle geglüht, unter Reduction und Verflüchtigung eines Theiles
des Phosphors in neutrale Salze übergehen. -- Während man nun durch
die Methode der Einäscherung und nöthigenfalls durch Vermischung
der einzuäschernden Substanz mit Baryt oder Kalk jedem Verlust an
Chlormetallen, Phosphorsäure und Schwefelsäure vorbeugen kann, gelingt
dies nicht in Betreff der Kohlensäure. Niemals wird man daher durch
die Bestimmung der letzteren irgend einen sicheren Rückschluss auf
Bestandtheile des Vegetabils machen können, indem sich nicht einmal
$der$ Satz als richtig erwies, dass kohlensaure Salze in der Asche einer
(kohlensaure Salze nicht enthaltenden) Pflanze auf das Vorhandensein
organischsaurer Salze in dieser schliessen lassen; denn wie $Strecker$
gezeigt hat, bilden sich kohlensaure Alkalien, wenn dreibasisch
phosphorsaure mit einem grossen Ueberschuss von Zucker, beziehungsweise
dessen Kohle, geglüht werden, während gleichzeitig pyrophosphorsaure
Alkalien entstehen. Erwägt man dieses Factum und berücksichtigt man,
dass umgekehrt pyrophosphorsaure Alkalien, mit kohlensauren stark
geglüht, in dreibasisch phosphorsaure übergehen, so ergiebt sich, dass
das Auffinden dreibasischer oder zweibasischer phosphorsaurer Salze
in einer Asche ebenfalls abhängig sein kann von der Art, nach welcher
dieselbe bereitet worden ist.
Ich gehe jetzt zur Beschreibung der Methoden über, welche man zur
Darstellung der Asche wählen kann.