B. $Zinkblende.$

Dieselbe besteht aus Schwefelzink, dem häufig andere Schwefelmetalle

beigemengt sind, namentlich die des Bleis, Cadmiums, Kupfers, Eisens,

Mangans. Ausserdem hat man bei der Analyse auf die eingemengte Gangart

Rücksicht zu nehmen.

Die Blende wird sehr fein zerrieben und bei 100° getrocknet.

a. Enthält dieselbe kein Blei, so bestimmt man darin den Schwefel nach

§. 116. II. 1., oder, und zwar gewöhnlich, nach §. 116. II. 2. a.

[Greek: a]. oder [Greek: b]., enthält sie Blei, so verfährt man wie in

§. 208 angegeben.

b. Die Bestimmung der Basen nimmt man am besten in einer zweiten Portion

vor. Bei Abwesenheit von Blei löst man dieselbe in Salzsäure unter

Zusatz von Salpetersäure und verfährt mit der Lösung wie in §. 209.

A., -- bei Anwesenheit von Blei ist folgende Methode bequem und genau.

Man erhitzt mit rauchender Salzsäure bis zur vollständigen Zersetzung,

verdampft zur Syrupdicke und verdünnt mit dem 5- oder 6fachen Volum

starken Alkohols. Nach einigen Stunden filtrirt man das Chlorblei sammt

der ungelöst gebliebenen Gangart auf einem gewogenen Filter ab, wäscht

es mit Alkohol aus, trocknet, wägt, behandelt mit siedendem Wasser, bis

alles Chlorblei gelöst ist, wägt den gebliebenen Rückstand wieder und

findet aus der Differenz das Chlorblei. Das Filtrat befreit man durch

Abdestilliren oder Verdunsten von Alkohol und verfährt sodann mit der

salzsauren Lösung nach §. 209. A.

* * * * *

$Anhang zu II.$

$Bestimmung des Traubenzuckers und Fruchtzuckers, des Rohrzuckers,

Milchzuckers, Stärkemehls und Dextrins.$

Da die Bestimmung der in der Ueberschrift genannten Verbindungen bei der

Analyse landwirthschaftlicher und technischer Producte, sowie bei der

pharmaceutischer Präparate sehr häufig vorkommt, auch im Hinblick auf

die Untersuchung diabetischen Harnes von Wichtigkeit ist, so gebe ich

einige der besten von den hierzu dienenden Methoden in diesem Anhange.

Sieht man von den rein physikalischen Verfahrungsweisen ab, welche sich

entweder auf das specifische Gewicht der Zuckerlösungen, oder auf ihr

Verhalten zum polarisirten Lichte gründen, so bieten sich zur Bestimmung

des Traubenzuckers und somit auch zu der der übrigen Verbindungen,

welche sich in Traubenzucker überführen lassen, hauptsächlich zwei

Methoden dar. Nur diese letzteren sollen hier betrachtet werden.

A. $Methoden, welche auf der Reduction von Kupferoxyd zu

Kupferoxydul beruhen[130].$

§. 210.

Erhitzt man eine Lösung, welche Kupfervitriol, neutrales weinsaures Kali

und Natronlauge $im richtigen Verhältnisse$ enthält, für sich, selbst

bis zum völligen Kochen, so bleibt sie unverändert; erwärmt man sie

dagegen nach Zusatz von Traubenzucker, so scheidet sich Kupferoxydul

aus. Die Menge des so reducirten Kupferoxyds entspricht der Menge des

zugesetzten Traubenzuckers, und zwar reducirt 1 Aeq. des letzteren

(C_{12}H_{12}O_{12}) = 2250, 10 Aeq. Kupferoxyd = 4960 ($Fehling$, C.

$Neubauer$). Kennt man daher die Menge des reducirten Kupfers, so kennt

man auch die des zugesetzten Traubenzuckers.

[130] Vergl. $Fehling$, über die quantitative Bestimmung von Zucker und

Stärkemehl mittelst Kupfervitriols, Annal. der Chem. u. Pharm.

Bd. 72, S. 106 und $C. Neubauer$, Archiv der Pharm. 2. Reihe,

Bd. 72, S. 278.

Auf dieses Princip lassen sich zwei Methoden gründen. Man kann nämlich

entweder zu einer Kupferlösung von bekanntem Gehalte gerade so viel

Traubenzuckerlösung setzen, als erforderlich ist, um alles Oxyd zu

reduciren, oder man kann die Kupferlösung im Ueberschuss anwenden und

das abgeschiedene Oxydul bestimmen. Die erstere Methode ist die am

häufigsten angewandte; zu der anderen nimmt man seine Zuflucht, wenn

dunkelgefärbte Flüssigkeiten ein genaues Beobachten der vollendeten

Ausscheidung erschweren.

Ich spreche zuerst von der Bestimmung des Traubenzuckers, sodann von der

Art, wie man Rohrzucker, Stärkemehl etc. am besten in solchen überführt.

1. $Bestimmung des Traubenzuckers, sofern derselbe in reiner oder

fast reiner wässeriger Lösung enthalten ist.$

$Erste Methode.$

$Erfordernisse.$

a. _Kupferlösung._ Man löst genau 40 Grm. reinen krystallisirten, durch

Zerreiben und Pressen von anhängender Feuchtigkeit völlig befreiten

Kupfervitriol in etwa 160 Grm. Wasser. Man löst ferner in einem anderen

Gefässe 160 Grm. neutrales weinsaures Kali in wenig Wasser, und fügt

600-700 Grm. Natronlauge von 1,12 specif. Gewicht zu. Nun giesst man die

erste Lösung nach und nach zu der zweiten und verdünnt die tiefblaue,

klare Flüssigkeit genau auf 1155 C.C.[131]. Je 10 C.C. dieser Lösung

enthalten 0,3463 Grm. Kupfervitriol und entsprechen genau 0,050 Grm.

wasserfreiem Traubenzucker. -- Die Lösung bewahre man an einem kühlen

dunklen Orte auf; bevor man sie gebraucht, erhitze man 10 C.C. mit 40 C.C.

Wasser einige Minuten lang zum Kochen. Nur wenn sie hierbei unverändert

bleibt und ganz und gar kein Oxydul ausscheidet, darf sie angewendet

werden.

[131] $Fehling$, welcher diese Vorschrift gegeben hat, lässt auf

1154,4 C.C. verdünnen; in Folge der sehr geringen Abweichung

unseres Kupferäquivalentes werden daraus 1155 C.C.

b. _Zuckerlösung._ Dieselbe muss so verdünnt werden, dass sie etwa 1/2

bis höchstens 1 Proc. Zucker enthält. Fände man daher bei einem ersten

Versuche, dass die Concentration noch zu gross ist, so verdünnt man die

Lösung mit einer bestimmten Menge Wasser und wiederholt den Versuch.

$Ausführung.$

Man bringt genau 10 C.C. der Kupferlösung in eine Porzellanschale, fügt

40 C.C. Wasser zu, erhitzt zum gelinden Sieden und lässt nun aus einer

in 1/5 Grade oder 1/10 C.C. eingetheilten Bürette oder Pipette die

Zuckerlösung langsam und portionenweise zufliessen. Die Flüssigkeit

erscheint nach Zusatz der ersten Tropfen durch das in der blauen Lösung

suspendirte Oxydulhydrat und Oxydul grünlichbraun; je mehr man zusetzt,

desto reichlicher und röther ist der Niederschlag und desto schneller

setzt er sich ab. Sobald der Niederschlag hochroth erscheint, nimmt

man die Lampe weg, lässt den Niederschlag sich ein wenig setzen und

neigt die Schale, wobei man leicht die geringste blaugrüne Färbung

wahrnehmen kann. Will man ganz sicher gehen, so giesst man eine kleine

Portion der klaren überstehenden Flüssigkeit in ein Proberöhrchen,

setzt 1 Tropfen Zuckerlösung zu und erhitzt. Schon bei der leisesten

Spur noch unzersetzten Kupfersalzes bildet sich ein zuerst wolkenartig

erscheinender, gelblichrother Niederschlag. Ist noch ein solcher

entstanden, so giebt man die Probe wieder zum Ganzen und fährt mit dem

Zusatz der Zuckerlösung fort, bis die Reduction vollendet ist. In der

verbrauchten Zuckerlösung sind 0,050 Grm. wasserfreier Traubenzucker

enthalten.

Ist der Versuch beendigt, so prüft man, ob der Punkt der eben

vollendeten Reduction auch in der That völlig genau getroffen ist,

ob also in der Lösung weder Kupfer noch Zucker oder ein braunes

Zersetzungsproduct des letzteren vorhanden ist. Man filtrirt zu dem

Ende eine Probe der noch ganz heissen Flüssigkeit ab. War der Punkt

richtig getroffen, so muss das Filtrat farblos, nicht bräunlich sein,

und Proben desselben müssen unverändert bleiben, sowohl wenn man sie mit

einem Tropfen Probekupferlösung erhitzt, als auch wenn man sie ansäuert

und Ferrocyankalium oder Schwefelwasserstoff zufügt. Findet man, dass

Kupferoxyd oder Zucker in wahrnehmbarem Ueberschusse vorhanden ist, so

muss der Versuch wiederholt werden.

Die Resultate fallen übereinstimmend aus und sind ganz befriedigend.

$Zweite Methode.$

Dieselbe erfordert die nämlichen Lösungen wie die erste. Man bringt 20

C.C. der Kupferlösung und 80 C.C. Wasser (oder auch eine grössere Menge

der in gleicher Weise verdünnten Kupferlösung) in eine Porzellanschale,

fügt eine abgemessene Menge der verdünnten Zuckerlösung zu, doch nicht

so viel, dass alles Kupferoxyd reducirt werden könnte, und erhitzt etwa

10 Minuten lang auf dem Wasserbade. Nach beendigter Reduction wäscht

man das Kupferoxydul durch Decantation mit siedendem Wasser aus. Die

abgegossenen Flüssigkeiten filtrirt man durch ein bei 100° getrocknetes,

gewogenes Filter, bringt zuletzt auch den Niederschlag darauf, trocknet

ihn bei 100° und wägt ihn. Statt dieser Bestimmung kann man auch die

$Schwarz'$sche wählen (§. 95. 3. b.), oder das Oxydul bei Luftzutritt

glühen und dann durch Behandlung mit rauchender Salpetersäure völlig in

Oxyd überführen.

100 Thle. wasserfreier Traubenzucker entsprechen 220,5 Kupferoxyd[132],

oder 198,2 Kupferoxydul[133], oder 155,55 Eisen (welches aus dem Zustand

des Chlorids in den des Chlorürs übergeführt worden ist).

[132] $Fehling$ (a. a. O.) erhielt bei den Resultaten, welche den

höchsten Kupferoxydgehalt geliefert hatten, 219,4 Grm. Oxyd.

[133] $Neubauer$ (a. a. O.) fand bei Versuchen mit Stärkemehl, dass

0,05 desselben 0,112 Kupferoxydul entsprechen. Da 90 Stärkemehl

100 Traubenzucker liefern, so entsprechen 0,05 Stärkemehl 0,0555

Traubenzucker. Somit wurden für 100 des letzteren, statt 198,2,

201,62 Kupferoxydul wirklich erhalten.

Bei Anwendung dieser Methode darf man nicht vergessen, dass das

ausgeschiedene Kupferoxydul in der überstehenden Flüssigkeit, sobald

dieselbe erkaltet -- unter Zutritt des atmosphärischen Sauerstoffs

-- sich allmälig wieder zu Oxyd löst. Man darf daher von der oben

angegebenen Art des Auswaschens nicht abweichen.

2. $Modificationen der angegebenen Verfahrungsweisen und

Ueberführung von Rohrzucker, Stärkemehl etc. in Traubenzucker.$

a. Die in 1. angegebenen Methoden können auf $Trauben-$, $Apfel-$ etc.

$Saft$ ohne Weiteres angewendet werden, nachdem man diesen in geeignetem

Maasse verdünnt hat. -- Dasselbe gilt von $diabetischem Harn$. Die in

den genannten Fruchtsäften und im normalen Harn enthaltenen sonstigen

Stoffe sind ohne Einfluss auf die Probekupferlösung.

b. $Pflanzensäfte, welche dunkel gefärbt sind$ und sich daher zur

directen Anwendung nicht eignen, klärt man, indem man eine abgemessene

Menge eben zum Kochen erhitzt, dann einige Tropfen Kalkmilch zusetzt,

wodurch ein starker Niederschlag (von Albumin, Farbstoff, Kalksalzen

etc.) zu entstehen pflegt. Man filtrirt durch Thierkohle, wäscht

vollkommen aus und bringt das mit dem Waschwasser gemischte Filtrat

auf ein bestimmtes Maass, meist auf das 10-, 15- oder 20fache des

ursprünglichen ($Neubauer$).

c. $Rohrzucker oder Rohrzucker enthaltende Pflanzensäfte$ (Zuckerrohr-,

Runkelrüben-, Ahorn- etc. Saft) müssen zuvor in Traubenzucker

enthaltende Flüssigkeiten übergeführt werden. Es geschieht dies durch

andauerndes Erhitzen mit verdünnter Schwefelsäure. So bereitet man

z. B. Runkelrübensaft vor, indem man 15-20 C.C. des nach b. geklärten

Saftes mit 12 Tropfen verdünnter Schwefelsäure (1SO_{3}, HO + 5 Wasser)

1 bis 2 Stunden lang (am besten im Dampfbade) unter Erneuerung des

verdunstenden Wassers kocht, darauf die freie Säure durch eine verdünnte

Lösung von kohlensaurem Natron neutralisirt, das Ganze auf das zehnfache

Volum des ursprünglichen verdünnt und dann zur Prüfung benutzt.

100 Thle. Traubenzucker (C_{12}H_{12}O_{12}) entsprechen 95 Thln.

Rohrzucker (C_{12}H_{11}O_{11}). 10 C.C. der Kupferlösung werden also

durch 0,0475 Grm. Rohrzucker zersetzt.

d. Ebenso wie Rohrzucker muss auch $Stärkemehl$ oder $Dextrin$ oder

müssen $Stärkemehl oder Dextrin enthaltende Substanzen$ behandelt

werden, doch ist bei solchen längere Einwirkung erforderlich. Um z. B.

1 Grm. Amylum in Traubenzucker überzuführen, verfährt man zweckmässig

also. -- Man schüttelt dasselbe mit etwa 10 Grm. kaltem Wasser,

erhitzt unter Umschwenken bis zur erfolgten Kleisterbildung, fügt

12 Tropfen verdünnte Schwefelsäure (1 : 5) zu, erwärmt, bis die Masse

dünnflüssig geworden ist, und kocht alsdann entweder 6-10 Stunden lang

in einem schief im Sandbad liegenden Kölbchen unter häufigem Ersetzen

des verdunsteten Wassers[134], oder man erhitzt 24 bis 36 Stunden im

Dampfbade. Nach geschehener Ueberführung (zu deren Erkennung die öfters

vorgeschlagene Reaction mit Jodtinctur nicht hinlänglich zuverlässig

ist) verdünnt man auf 100 oder 200 C.C. und prüft wie oben. -- Will

man sich auf untrügliche Art überzeugen, dass die Ueberführung des

Stärkemehls in Traubenzucker auch wirklich beendigt ist, so nimmt man 20

C.C. der Flüssigkeit, erhitzt sie aufs Neue einige Stunden, spült in eine

Messröhre, verdünnt auf 40 C.C. und prüft von Neuem. Man muss jetzt genau

doppelt so viel Lösung verbrauchen als beim ersten Versuch; verbraucht

man weniger, so ist bei dem fortgesetzten Erhitzen noch Zucker

gebildet worden[135]. -- 100 Thle. Traubenzucker (C_{12}H_{12}O_{12})

entsprechen 90 Thln. Stärkemehl (C_{12}H_{10}O_{10}), oder 10 C.C. der

Probekupferlösung entsprechen 0,045 Stärkemehl.

[134] Verschliesst man den Kolben mit einem Kork, der ein stumpfwinklig

gebogenes Glasrohr trägt, das in einen aufwärts gerichteten

Kühlapparat führt, so fliesst das verdunstete Wasser von selbst

zurück.

[135] Auch durch einige Stunden fortgesetzte Digestion des in Kleister

verwandelten Stärkemehls mit einer abgemessenen Menge

Malzaufguss bei etwa 60-70° C. lässt sich dasselbe vollständig

in Zucker überführen. Bestimmt man alsdann in einer gleichen

Menge eben so lange erhitzten Malzaufgusses den darin schon

vorhandenen Zucker, so ergiebt die Differenz den aus Stärke

entstandenen.

e. $Milchzucker$ reducirt die Probekupferlösung direct, aber in

ganz anderem Verhältniss als Traubenzucker; denn während 1 Grm. des

letzteren 6,926 Kupfervitriol zersetzt, reducirt 1 Thl. Milchzucker

nach $Neubauer$ 4,331 nach $Mathäi$[136] 4,158 Thle., oder 10 C.C. der

Probekupferlösung entsprechen 0,08 Grm. Milchzucker.

[136] Archiv der Pharm., 2. Reihe, Bd. 72, S. 293.

Es ist daher am räthlichsten, die vorräthige Kupferlösung mit Hülfe

einer titrirten Milchzuckerlösung auf ihren Wirkungswerth zu prüfen

und sie dann zur Bestimmung von Milchzuckerlösungen anzuwenden,

deren Gehalt erst noch bestimmt werden soll. -- Zur Bestimmung des

Milchzuckers in der Milch scheidet man in der Kochhitze das Casein durch

etwas Essigsäure ab, klärt die colirten Molken mit ein wenig Eiweiss,

filtrirt, bringt durch Zusatz von Wasser auf das 10fache Volum und prüft

alsdann nach der obigen Angabe.

B. $Methode, welche auf der Zersetzung des Zuckers durch geistige

Gährung beruht$[137].

§. 211.

1. Eine zuckerhaltige Flüssigkeit mit Ferment oder Hefe der geeigneten

Temperatur ausgesetzt, unterliegt der geistigen Gährung. Aus den

Elementen von 1 Aeq. wasserfreiem Traubenzucker bilden sich 2 Aeq.

Alkohol und 4 Aeq. Kohlensäure (C_{12}H_{12}O_{12} = 2(C_{4}H_{6}O_{2})

+ 4CO_{2}). Kennt man somit die Menge der auf diese Art erzeugten

Kohlensäure, so lässt sich daraus die Quantität Zucker berechnen, welche

zersetzt worden ist. 100 Thle. wasserfreier Traubenzucker liefern 51,11

Alkohol und 48,89 Kohlensäure.

[137] Vergl. $Krocker$, über die Bestimmung des Stärkemehlgehaltes in

vegetabilischen Nahrungsmitteln, Annal. der Chem. und Pharm.

Bd. 58, S. 212.

2. Um nun die bei der Gährung entweichende Kohlensäure auf eine bequeme

Art zu bestimmen, bedient man sich zweckmässig des in §. 110 Fig.

47 abgebildeten Apparates. Das Kölbchen _A_ sei ziemlich gross, _B_

möglichst klein. Das Wachsstöpfchen auf _b_ bleibt weg.

3. Von der zuckerhaltigen Flüssigkeit nimmt man eine solche Menge, dass

darin etwa 2 Grm. wasserfreier Zucker enthalten sind. Nimmt man viel

mehr, so dauert die Gährung allzulange, nimmt man viel weniger, so

wird die Bestimmung ungenau, weil dann die Quantität der zu wägenden

Kohlensäure zu gering ist.

4. Was die Concentration der Flüssigkeit betrifft, so enthalte die

Zuckerlösung auf 1 Zucker etwa 4-5 Wasser, verdünntere Lösungen sind

daher durch Abdampfen im Wasserbade zu concentriren.

5. Man bringt die Zuckerlösung in das Kölbchen _A_, setzt einige

Tropfen Weinsteinsäurelösung und eine verhältnissmässig bedeutende

und gewogene Menge ausgewaschener Hefe zu, z. B. 20 Grm. frische oder

eine entsprechende Menge Presshefe. (Da die Hefe für sich auch etwas

Kohlensäure zu entwickeln pflegt, so kann man zu gleicher Zeit eine

abgewogene grössere Menge derselben in einen ähnlichen Apparat bringen,

um die aus derselben entbundene Kohlensäure bestimmen und für jene 20

Grm. in Abrechnung bringen zu können.)

6. Man tarirt oder wägt jetzt den Apparat genau und stellt ihn dann an

einen Ort, an dem er ziemlich constant auf einer Temperatur von 25°

erhalten wird. Die Gährung tritt bald ein, verläuft im Anfang rasch,

verlangsamt sich aber später mehr und mehr. Wenn keine Gasblasen mehr

durch die Schwefelsäure austreten (nach 4-5 Tagen), ist der Versuch

beendigt. Man erwärmt alsdann das Kölbchen _A_ durch Einstellen in

heisses Wasser, nimmt es heraus, saugt mittelst eines durchbohrten

Korkes die noch im Apparat befindliche Kohlensäure bei _d_ aus, lässt

erkalten und wägt wieder. Die Gewichtsabnahme ist gleich der entwichenen

Kohlensäure; multiplicirt man deren Menge mit 2,045, so findet man die

ihr entsprechende Menge Traubenzucker.

7. Sollen stärkemehlhaltige Substanzen auf diese Art untersucht

werden, so führt man das Stärkemehl derselben nach der in §. 210. 2.

d. angegebenen Weise in Traubenzucker über, dampft die Flüssigkeit

im Wasserbade bis zur syrupartigen Consistenz ab, bringt sie in das

Kölbchen _A_, setzt, zur Entfernung der freien Schwefelsäure, eine sehr

concentrirte Lösung von neutralem weinsauren Kali in der Menge zu, dass

schwefelsaures und saures weinsteinsaures Kali entsteht (die Reaction

auf Lackmus giebt hierbei einen ziemlich sicheren Anhaltspunkt), und

unterwirft alsdann der Gährung. Von Mehlarten wendet man etwa 3, bei

Kartoffeln 6-8 Grm. an.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 581 / 749 题