§. 212.
Seitdem durch die Ergebnisse der Agriculturchemie der Satz festgestellt
wurde, dass zur Entwickelung jeder Pflanze gewisse unorganische
Bestandtheile, welche bei verschiedenen Pflanzen verschieden sind,
erfordert werden, ist ein Streben rege geworden, die für die einzelnen
Gewächse -- namentlich die Culturpflanzen, und ferner die Unkräuter,
weil diese Rückschlüsse auf die im Boden enthaltenen Bestandtheile
gestatten -- nothwendigen unorganischen Bestandtheile kennen zu lernen.
-- Diesen Zweck suchte man durch die Analyse der Asche zu erreichen,
welche durch Verbrennen der ganzen Pflanzen, oder auch einzelner
Theile derselben (z. B. der Samen) erhalten wurde. -- Wenngleich es nun
feststeht, dass auf diesem Wege völlig genaue Resultate nicht erhalten
werden können, weil die Asche die Summe der in den Pflanzen enthaltenen
unorganischen Bestandtheile nicht ganz richtig darstellt, so kennt man
doch gegenwärtig, wenn man von einigen in dieser Hinsicht angestellten
Versuchen absieht[139], noch kein besseres und keinesfalls ein für
alle Pflanzenstoffe anwendbares und genügendes Mittel zur Erreichung
des oben angeführten Zweckes. Es bleibt daher, wenigstens für die
nächste Zukunft, die Analyse der Pflanzenaschen immer noch eine sehr
beachtenswerthe Aufgabe, und aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie es
immer bleiben, da ihre Ergebnisse, wenn auch nicht den Anforderungen der
Physiologie, so doch denen der Landwirthschaft dauernd genügen werden.
[138] Da die Analyse der Aschen thierischer Substanzen nicht so häufig
vorgenommen zu werden pflegt, als die der Pflanzenaschen, indem
sie fast nur Zwecken der Wissenschaft, weniger solchen der
Praxis dient, habe ich die ausführliche Beschreibung derselben
im Text weggelassen. Ich bemerke nur kurz, dass man zu ihrer
Einäscherung und Analyse sich derselben Verfahrungsweisen
bedienen kann, welche im Text angegeben sind. -- Die Substanzen,
welche schmelzen, erhitzt man, nach H. $Rose$, erst in einer
Platinschale unter Umrühren, bis sie ihren flüssigen Zustand
verloren haben und die organische Materie der Hauptsache nach
zerstört ist. Der grösstentheils verkohlte Rückstand wird
dann in einen Platintiegel, oder auch jetzt ohne Nachtheil
in einen Thontiegel gebracht und mit gut aufgelegtem Deckel
bis zur dunkeln Rothgluth erhitzt. Die so erhaltene Kohle
verbrennt man mit Hülfe von Platinschwamm. -- Auch die im Text
beschriebene $Strecker$'sche Methode der Einäscherung eignet
sich sehr gut für thierische Substanzen. -- $Strecker$ macht in
seiner Abhandlung (Annal. der Chem. und Pharm. 73. 370) darauf
aufmerksam, dass die Asche thierischer Substanzen in manchen
Fällen nicht unbedeutende Mengen von cyansauren Salzen enthält.
Man zerstört dieselben am einfachsten, indem man die Aschen mit
Wasser befeuchtet und hierauf allmälig zum Glühen erhitzt. In
der Regel genügt ein einmaliges Befeuchten zur Verwandlung der
cyansauren Salze in kohlensaure. -- Specielle Angaben über die
Analyse der Asche thierischer Substanzen finden sich in der
Abhandlung von F. $Verdeil$, über die Analyse der Asche des
Blutes des Menschen und mehrerer Thiere (Annal. der Chem. und
Pharm., 69. 89; -- Pharmac. Centralbl. 1849, 198; -- $Liebig$
und $Kopp$, Jahresber. 1849, 598), sowie in der von $Fr. Keller$
"über die Asche der Fleischbrühe und des Fleisches" (Annal. der
Chem. und Pharm., 70. 91; -- Pharmac. Centralbl. 1849, 581; --
$Liebig$ und $Kopp$, Jahresbericht 1849, 599).
[139] $Caillat$ giebt an, es sei ihm gelungen, krautartigen Gewächsen
(Klee, Lucerne, Esparsette) durch Behandlung mit verdünnter
Salpetersäure die organischen Bestandtheile so vollständig zu
entziehen, dass die leicht verbrennliche rückständige Masse
auf 10 Grm. angewendeten Vegetabils nur 18-22 Milligramme
aus Kieselsäure und Eisenoxyd bestehende Asche hinterlasse.
Diese Behandlung liefere ausserdem eine grössere Menge von
Aschenbestandtheilen, namentlich von Schwefelsäure, als man
durch Einäscherung der Pflanze gewinnen könne. (Compt. rend.
XXIX, 137. -- Jahresber. von $Liebig$ und $Kopp$, 1849, 601.)
Da nach den bisherigen Erfahrungen die Aschen der Gewächse nur eine
beschränkte Anzahl von Säuren und Basen enthalten, so lassen sich
zu ihrer Analyse allgemein anwendbare Verfahrungsweisen aufstellen,
von denen ich, weil sie manche Besonderheiten darbieten und häufig
angewendet werden, die mittheilen will, welche mir die einfachsten
und besten scheinen. Dass ich mich dabei nicht auf eine ausführliche
Kritik der sehr zahlreichen und wesentlich von einander abweichenden
in Vorschlag gekommenen Methoden einlassen kann, ergiebt sich aus dem
Zwecke des Buches.
Die Stoffe, welche man allgemeiner verbreitet in den Pflanzen antrifft,
sind folgende:
$Basen$: