§. 201.
Da die Analyse der durch Säuren vollständig zersetzbaren Silicate in
§. 111. II. a., die der durch Säuren nicht zerlegbaren in §. 111. II. b.
beschrieben ist, so habe ich hier nur Einiges hinzuzufügen, was sich auf
die Untersuchung gemengter Silicate bezieht, d. h. solcher, welche aus
Silicaten beider Arten zusammengesetzt sind (Phonolithe, Thonschiefer,
Basalte, Meteorsteine etc.).
Nachdem das Silicat möglichst fein gepulvert und getrocknet ist,
behandelt man es gewöhnlich mit mässig concentrirter Salzsäure längere
Zeit bei gelinder Hitze, lässt im Wasserbade eintrocknen, befeuchtet
den Rückstand mit Salzsäure, setzt Wasser zu und filtrirt; -- öfters
aber ist es besser, das Pulver mit verdünnter Salzsäure (von etwa 15
Proc.) einige Tage in gelinder Wärme zu digeriren und dann ohne Weiteres
abzufiltriren. -- Welche Art der Zerlegung einzuschlagen ist, und ob
der hier bezeichnete, zuerst von $Chr. Gmelin$ bei der Analyse des
Phonoliths eingeschlagene Weg überhaupt zulässig ist, hängt von der
Natur der gemengten Mineralien ab. Je leichter zersetzbar der eine, je
weniger zersetzbar der andere Gemengtheil ist, je constanter sich bei
verschiedenen Versuchen das Verhältniss zwischen dem ungelösten und
gelösten Antheil erweist, und je weniger somit der ungelöst gebliebene
Theil bei weiterer Behandlung mit Salzsäure angegriffen wird, um so
sicherer kann man die angegebene Art der Zerlegung anwenden.
Man erhält durch dieselbe:
a) eine salzsaure Lösung, in welcher die Basen des zersetzten Silicates
als Chlormetalle enthalten und nach den oben angegebenen Methoden zu
trennen und zu bestimmen sind; --
b) einen unlöslichen Rückstand, welcher neben dem unzerlegten Silicat
die ausgeschiedene Kieselsäure des zerlegten enthält.
Man trägt letzteren, nachdem er sehr gut mit Wasser ausgewaschen
worden ist, dem man zweckmässig einige Tropfen Salzsäure zusetzt, noch
feucht in kleinen Portionen in eine in einer Platinschale enthaltene
kochende Lösung von kieselsäurefreiem kohlensauren Natron, erhält einige
Zeit im Kochen und filtrirt jedesmal sehr heiss durch ein gewogenes
Filter ab. Zuletzt spritzt man die letzten Antheile des Niederschlages
vollständig in die Schale ab. Sollte dies nicht ganz nach Wunsch
gelingen, so äschert man das getrocknete Filter ein, bringt die Asche
in die Platinschale und kocht nochmals mit kohlensaurer Natronlösung.
Man wäscht das Ungelöste erst mit heissem Wasser, dann -- um jede Spur
anhaftenden kohlensauren Natrons sicherer zu entfernen -- mit durch
Salzsäure schwach angesäuertem, endlich wieder mit reinem Wasser aus.
Die Waschwasser sammelt man am besten in einem besonderen Gefässe.
Die alkalische Flüssigkeit säuert man mit Salzsäure an und bestimmt
die darin enthaltene, dem durch Säure zersetzten Silicate angehörige,
Kieselsäure nach §. 111. II. a. Das ungelöste Silicat trocknet und wägt
man. Es ergiebt sich aus der Differenz die Menge des gelösten. Mit dem
ungelösten verfährt man alsdann genau nach §. 111. II. b.
Nach einem von dem beschriebenen Verfahren etwas abweichenden Gange
verfährt man bei der im Folgenden zu beschreibenden Analyse der Thone.