III. Atomgewichtsbestimmung der organischen Verbindungen.

Die Methoden, nach welchen man das Atomgewicht organischer Verbindungen

bestimmt, weichen je nach den Eigenschaften derselben wesentlich

von einander ab. Im Allgemeinen lassen sich drei Verfahrungsweisen

unterscheiden, die zu dem genannten Zwecke hinführen.

§. 160.

1. _Man bestimmt die Menge eines Körpers von bekanntem Atomgewicht, die

sich mit der ihrem Atomgewichte nach zu bestimmenden Substanz in einer

gut charakterisirten Verbindung vereinigt findet._

Auf diese Weise bestimmt man das Atomgewicht der organischen Säuren,

der organischen Basen und vieler indifferenten Körper, welche die

Fähigkeit haben, mit Basen Verbindungen einzugehen. -- Wie aus den

erhaltenen Resultaten das Atomgewicht berechnet wird, werden wir unten

bei "Berechnung der Analysen" sehen; hier sprechen wir nur von der

Ausführung.

a. Bei _organischen Säuren_ bestimmt man das Atomgewicht am liebsten

aus dem Silbersalz, weil man dabei fast immer sicher sein kann, dass

man nicht mit einer basischen oder wasserhaltigen Verbindung zu thun

hat, und weil die Analyse ausserordentlich einfach ist. -- Nicht selten

werden jedoch auch andere Salze, so namentlich die Blei-, Baryt-,

Kalk-Verbindung, angewendet. (Bei Bleiverbindungen muss man besonders

darauf achten, dass man nicht basische Salze für neutrale hält, bei

Baryt- und Kalk-Salzen hingegen, dass man nicht wasserhaltige Salze

als wasserfrei betrachtet.) Die Ausführung dieser Bestimmungen ist im

vierten Abschnitte bei den betreffenden Basen ausführlich besprochen.

b. Bei _Alkaloiden_, welche mit Schwefelsäure, Salzsäure oder einer

anderen leicht bestimmbaren Säure gut krystallisirbare Salze bilden,

bestimmt man das Atomgewicht am besten, indem man in einer abgewogenen

Menge des Salzes die Säuren nach den gewöhnlichen Methoden bestimmt.

-- Krystallisiren die Salze nicht, so bringt man, nach $Liebig$, eine

abgewogene Menge des getrockneten Alkaloids in eine Trockenröhre (Fig.

89), bestimmt das Gewicht derselben, leitet längere Zeit einen langsamen

Strom von wohlgetrocknetem salzsauren Gas, zuletzt (während man die

Röhre auf 100° erhitzt, Seite 38 Fig. 13) Luft hindurch und bestimmt

die aufgenommene Salzsäure aus der Gewichtszunahme der Röhre. -- Zur

Controle kann man die salzsaure Verbindung in Wasser lösen und das Chlor

mit Silberlösung fällen. -- Auch aus den unlöslichen Doppelsalzen,

welche man beim Fällen der salzsauren Alkaloide mit Platinchlorid

erhält, lässt sich das Atomgewicht derselben bestimmen. Sie werden

vorsichtig (§. 99) geglüht, und das zurückbleibende Platin gewogen.

[Illustration: Fig. 89.]

c. Bei _indifferenten Körpern_, wie Gummi, Amylum, Extractivstoffen

etc., hat man gewöhnlich keine andere Wahl, als das Atomgewicht aus

der Bleiverbindung zu bestimmen, indem diese Körper mit anderen Basen

entweder gar keine oder keine rein darstellbaren Verbindungen eingehen.

§. 161.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 444 / 749 题