§. 158.
Beim Verbrennen derselben mit Kupferoxyd bildet sich Kupferchlorür,
welches sich bei einer auf gewöhnliche Weise angestellten Verbrennung in
der Chlorcalciumröhre condensiren und so die Wasserbestimmung fehlerhaft
machen würde. -- Man beugt diesem und jedem anderen Fehler durch die
Anwendung von chromsaurem Bleioxyd vor, indem man genau nach §. 145
verfährt. Das Chlor wird alsdann in Chlorblei verwandelt und als solches
in der Röhre zurückgehalten.
Verbrennt man mit Kupferoxyd im Sauerstoffstrome, so wird das
Kupferchlorür durch den Sauerstoff in Kupferoxyd und freies Chlor
zerlegt, welches letztere theils im Chlorcalciumrohr, theils im
Kaliapparat zurückgehalten wird. -- $Städeler$[89] hat zur Vermeidung
dieses Fehlers vorgeschlagen, den vorderen Theil der Röhre mit blanken,
während der Verbrennung glühend zu erhaltenden Kupferdrehspänen zu
füllen, damit diese das Chlor zurückhalten. Der Sauerstoffstrom ist zu
unterbrechen, sobald die Drehspäne sich zu oxydiren beginnen. -- Nach A.
$Völcker$[90] vermeidet man die genannte Chlorentwickelung leicht, wenn
man dem Kupferoxyd 1/5 Bleioxyd beimengt.
[89] Annal. der Chem. und Pharm. 69. 335.
[90] Chem. Gaz. 1849. 245.
Was die Bestimmung des Chlors selbst betrifft, so geschieht dieselbe
stets in der Art, dass man die Substanz mit Alkalien oder alkalischen
Erden glüht, wobei alles Chlor als Chlormetall erhalten wird.
Da man durch Brennen von Marmor leicht chlorfreien Kalk erhalten kann,
so wendet man vorzugsweise diesen zur Zersetzung an; doch muss man
sich stets zuerst von der Abwesenheit des Chlors überzeugen. -- Man
bringt in eine etwa 40 Centimeter lange, hinten rund zugeschmolzene
Verbrennungsröhre zuerst eine 6 Centimeter lange Schicht Kalk, dann
die Substanz, fügt wieder eine 6 Centimeter lange Kalklage zu, mischt
mit dem Mischdrahte, füllt die Röhre mit Kalk fast voll, klopft einen
Canal und erhitzt wie gewöhnlich. Flüchtige Flüssigkeiten bringt man in
kleinen Glaskugeln in die Röhre. Nach beendigter Zersetzung löst man den
Kalk in verdünnter Salpetersäure und fällt mit Silberlösung (§. 112).
$Kolbe$ empfiehlt hierzu folgendes Verfahren. Man nimmt, nach beendeter
Zersetzung, die Kohlen weg, verschliesst das offene Ende des Rohres
mit einem Kork und steckt sie, von Asche völlig befreit, noch heiss,
mit dem hinteren Theil zuerst, in ein mit destillirtem Wasser zu zwei
Drittel gefülltes Becherglas, wodurch sie in viele Stücke zerspringt und
sich ihres Inhaltes entleert. -- In chlorhaltigen Substanzen von saurem
Charakter (z. B. der Chlorspiroylsäure) lässt sich das Chlor häufig
auf einfachere Weise bestimmen. Man braucht sie nämlich nur in einem
Ueberschuss von verdünnter Kalilauge zu lösen, die Lösung zu verdunsten
und den Rückstand zu glühen, um alles Chlor in lösliches Chlormetall
überzuführen ($Löwig$).
In derselben Weise, wie die organischen Chlorverbindungen, lassen sich
auch die organischen Bromverbindungen analysiren.
F. $Analyse von organischen Substanzen, welche unorganische Körper
enthalten.$
§. 159.
Bei organischen Substanzen, welche unorganische Körper enthalten, muss
man natürlicher Weise zuerst den Gehalt an letzteren kennen, ehe man
zur Kohlenstoff- etc. Bestimmung derselben schreiten kann, indem man ja
im anderen Falle die Menge des in der Substanz enthaltenen organischen
Körpers nicht kennt, dessen Bestandtheile die Kohlensäure, das Wasser
etc. geliefert haben, und demnach nicht im Stande ist, die Quantität des
Sauerstoffs aus dem Verlust zu bestimmen.
Sind die fraglichen organischen Körper Salze oder ähnliche Verbindungen,
so bestimmt man ihre Basen nach den im vierten Abschnitt angegebenen
Methoden, -- sind hingegen die unorganischen Körper mehr oder weniger
als Verunreinigungen zu betrachten, wie z. B. der Kalk im arabischen
Gummi, so lässt sich ihre Menge in der Regel durch Verbrennen einer
gewogenen Menge der Substanz in einem schief liegenden Platintiegel
mit hinlänglicher Genauigkeit bestimmen. -- Substanzen, welche
schmelzbare Salze enthalten, lassen sich oft auch durch sehr lange
fortgesetztes Glühen nicht vollständig verbrennen, weil die Kohle von
dem geschmolzenen Salze gegen die Einwirkung des Sauerstoffs geschützt
wird. Bei diesen erreicht man seinen Zweck am besten, indem man zuerst
verkohlt, mit Wasser auslaugt und den Rückstand alsdann einäschert. Die
wässerige Lösung muss natürlicher Weise auch verdampft und das Gewicht
ihres Rückstandes dem der Asche zugezählt werden. (Vergleiche den
Abschnitt "Aschenanalyse" im speciellen Theil.)
Hat man mit Verbindungen zu thun, deren Asche Kali, Natron, Baryt, Kalk
oder Strontian enthält, und man verbrennt dieselben mit Kupferoxyd,
so bleibt ein Theil der Kohlensäure bei den Alkalien zurück. Da
diese Menge in vielen Fällen nicht constant ist, und die Resultate,
auch abgesehen davon, genauer werden, wenn die ganze Quantität des
Kohlenstoffs als Kohlensäure ausgetrieben und gewogen wird, so setzt
man der Substanz, ehe man sie mit Kupferoxyd mischt, Körper zu, welche
in der Hitze die kohlensauren Salze zerlegen, z. B. Antimonoxyd,
phosphorsaures Kupferoxyd, Borsäure ($Fremy$) etc., oder man verbrennt
die Substanz nach §. 145 mit chromsaurem Bleioxyd. Diese letztere
Methode ist besonders zu empfehlen. Genaue Versuche haben dargethan,
dass dabei keine Spur Kohlensäure bei den Basen zurückbleibt; denn wenn
man ein kohlensaures Alkali mit neutralem chromsauren Bleioxyd schmelzt,
so entsteht basisch chromsaures Bleioxyd und neutrales chromsaures
Alkali, die Kohlensäure entweicht [2(PbO, CrO_{3}) + BaO, CO_{2} = 2PbO,
CrO_{3} + BaO, CrO_{3} + CO_{2}].
[Illustration: Fig. 88.]
Wägt man die aschegebende Substanz, wie dies $Wöhler$ stets thut, in
einem kleinen Platinschiffchen ab (Fig. 88), so lässt sich Asche,
Kohlenstoff und Wasserstoff in einer Portion bestimmen. Man kann dabei
den in §. 147 beschriebenen Apparat anwenden. Ehe man das Schiffchen
in das zu 2/3 mit ausgeglühtem Kupferoxyd angefüllte Rohr schiebt,
bringt man eine Lage frisch ausgeglühten Asbest in dasselbe, setzt
einen ähnlichen Asbestpfropf hinter das Schiffchen und füllt den Rest
des Rohres mit Kupferoxyd. Erst wenn der ganze vordere Theil des Rohres
glüht, erhitzt man sehr vorsichtig die Stelle, an welcher sich das
Schiffchen befindet. Der erhaltenen Kohlensäure ist die zuzufügen,
welche in der Asche enthalten ist; lässt sich diese nicht berechnen, wie
bei kohlensaurem Alkali, so kann man sie mit Boraxglas bestimmen
(§. 110). -- Viele lassen auch den Raum hinter dem Schiffchen ganz leer.